Nach Diagnose “Lungenkrebs”: Stark sein auf unbekanntem Terrain – neue Selbsthilfegruppe soll in Dortmund entstehen

 

“Dauerläufer” – auf dem Weg ins Ungewisse… Fotos (3): Martin Häfferer

Von Sonja Neuenfeldt

In Dortmund soll eine Selbsthilfegruppe „Lungenkrebs“ ins Leben gerufen werden, um auf diese Weise Betroffene wie Angehörige zu stärken, zu unterstützen. Initiator Martin Häfferer beschreibt emotional die Situation nach der Krebs-Diagnose seiner Ehefrau. Die gemeinsamen Erfahrungen haben ihn zu dem Projekt motiviert.

Diagnose “Lungenkrebs” – und dann?

Mit der Diagnose wird nicht nur die Lebensplanung der Erkrankten über den Haufen geworfen. Die bange Frage schleicht sich ins Bewusstsein: Wie lange noch? Habe ich Einfluss und wie geht es für mich weiter? Eigene Ängste und die Verlust-Ängste beim Partner erschweren die ohnehin relativ schwierige Orientierung: Was ist für mich die beste Behandlung? Wer kann mich unterstützen? ___STEADY_PAYWALL___

Ehefrau Angelika malt ein Bild – „Glücksmomente“, das nun in Martins Wohnung an so vieles erinnert.

Seine Frau Angelika hatte im Jahr 2018 die Diagnose erhalten. Nach längerer Zeit mit eher unauffälligen Symptomen und einem Ärzte-Marathon entpuppte sich die vermutete Lungenentzündung dann ganz unerwartet als „Lungenkrebs“.

Das Paar musste erfahren, dass gerade dieser Krebs sich ganz gut „verstecken“ kann. Hauptmanko bei Lungenkrebs  – er wird in der Regel spät, häufig zu spät entdeckt. Martin muss zugeben: Heilung ist selten.

Aber man kann die Chance haben, seinen Krebs durch gezielte Medikation, d.h. individuell abgestimmt auf die festgestellte Krebsvariante, quasi zur  chronischen Krankheit zu machen. Bescheidenes Ziel dabei ist: Wenn auch nicht geheilt, so doch wenigstens langfristig „krebsfrei“ zu sein.

Als es um ein passendes Medikament zur Behandlung der Krebsvariante seiner Frau ging, haben sie und Martin mit einem Arzneimittelunternehmen ein Video gemacht: „Lungenkrebs – Die Geschichte von Angelika & Martin“ (Link s. unten).

„Die Dauerläufer“ – Auf der Suche nach Antworten, Hilfe und Unterstützung

Krebserkrankungen sind eine unvorstellbare Belastung – für die Betroffenen sowie für ihre Angehörigen.

Kraft schöpfen durch eine Gruppe gleichermaßen Betroffener. Symbolbild: pixabay

Zwischen Angst und Hoffen prallen Dinge wie bürokratischer Aufwand, medizinisches Kauderwelsch, körperliche Einschränkungen, Überforderung und Belastungen in der Beziehung aufeinander. „Es ist wie ein Dauerlauf, der einfach nicht aufhören will“, beschreibt Martin Häfferer.

Eine Selbsthilfegruppe – für Betroffene wie Angehörige – zu finden, war schwierig. Gerne hätte sich das Paar in Dortmund einen solchen Raum gewünscht – zum Austausch mit anderen. Das hätte nicht nur seelisch, sondern auch ganz praktisch Hilfe bedeuten können. Nach langer Suche fand das Paar schließlich eine Gruppe in einer Nachbarstadt.

Schließlich, im Dezember 2020, verlor seine Frau den Kampf gegen ihren Krebs. Es fällt Angehörigen schwer, zurück zu bleiben. Aber Martin möchte nun seinen Erfahrungen einen positiven Sinn geben – durch Gründung einer Dortmunder Selbsthilfegruppe „Lungenkrebs“.

„Selbsthilfe macht stark“ – Aufbau neuer Selbsthilfegruppe Lungenkrebs

Martin möchte auch in Dortmund eine Selbsthilfegruppe “Lungenkrebs” aufbauen Foto: Sonja Neuenfeldt

Austausch mit anderen Betroffenen und die Aktivitäten in einer Gruppe – das kann echter Gewinn an Stärke und Unterstützung sein.

Im Flyer, den Martin mit Monika Hecking von der Selbsthilfe-Kontaktstelle Dortmund im Dach-Verband „Der Paritätische“ erstellt hat, formuliert er es so: „Wir sitzen gemeinsam in einem Boot und gemeinsam fällt uns vielleicht einiges nicht ganz so schwer.“

Grundsätzlich findet auch er: „Selbsthilfe macht stark!“

Man sollte mehr miteinander, aber durchaus auch öffentlich, über das Thema Krebs und nicht nur speziell über Lungenkrebs reden. Erfahrungen ohne Hemmungen austauschen und durch Gespräche Last abladen, das hilft, sich gegenseitig aufzubauen und zu stützen.

“Sagen, was im Kopf vorgeht, was einen bewegt – das ist in der Regel nie falsch, Angst vor Fettnäpfchen ist unangebracht, zentral ist der Wunsch nach ,Normalität’. Aber man muss sich auch eingestehen: ,100 Prozent geht nicht mehr…'”

Der Krankheit ein Gesicht geben

Auch wenn seine Frau den Lungenkrebs nicht hat besiegen können, möchte Martin Häfferer für all diejenigen, die diesen “Dauerlauf” erst noch vor sich haben oder gerade auf der Strecke sind, einen Gesprächskreis aufbauen.

Der Krankheit ein Gesicht geben – Erkrankte wie Angehörige sitzen in einem Boot – gemeinsam mit anderen Betroffenen fällt vielleicht einiges nicht ganz so schwer…

Er sucht Unterstützung bei der Gründung einer Selbsthilfegruppe, speziell für an Lungenkrebs Erkrankte und deren Angehörige.

Die Treffen sollen coronabedingt erstmal online stattfinden. Geplant sind aber grundsätzlich persönliche Treffen einmal monatlich – geeignete Orte müsste die Gruppe noch finden. Das Projekt richtet sich laut Martin Häfferer ausdrücklich auch an die Angehörigen, da diese genauso betroffen sind.

Für Interessierte sind weitere Infos zum Projekt und der Kontakt zu Martin Häfferer über die “Selbsthilfe-Kontaktstelle Dortmund” (siehe unten) möglich. Dort ist Monika Hecking die Ansprechpartnerin.

Weitere Informationen:

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Kommentare

  1. Ramona

    Mein Onkel leidet an Lungenkrebs und ist unter anderem auf künstliche Beatmung angewiesen. Ich beschäftige mich in letzter Zeit mehr mit diesem Thema und stoß auf diesen Beitrag. Dabei wusste ich gar nicht, dass es schwer ist eine Selbsthilfegruppe für zu finden, obwohl sie einem seelisch und praktisch sehr hilft. Als Angehörige würde ich selber an einer teilhaben.

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