Nordstadtblogger

Mit neuer Leitung ins siebte Jahr: Bilanz und Ausblick des Dortmunder U – Transparenz und „CommUnity“ als Ziele

Der Sommer am U – ein beliebtes Veranstaltungsformat. Foto: Roland Baege

Nach sechs Jahren Vollbetrieb hat das Dortmunder U für die Stadtspitze und die Kulturbetriebe die Erwartungen erfüllt, die mit dem Umbau der ehemaligen Brauerei zu einem Kunst- und Kulturzentrum verbundenen waren.

Das „U“ ist eine prägende Landmarke für Dortmund und die Region

Das U sei Symbol für den Strukturwandel, eine prägende Landmarke für Dortmund und die Region und erzeuge eine internationale Signalwirkung. Insbesondere für das junge Dortmund sei das U zu einem beliebten Treff- und Anlaufpunkt geworden: Fast die Hälfte der BesucherInnen (46 %) seien unter 29 Jahre alt, betont das Team.

Beim Millionen-Projekt „smARTplaces“ der EU kooperiert das Dortmunder U mit neun europäischen Partnern, um gemeinsam nach Konzepten zur Publikumsentwicklung im digitalen Zeitalter zu suchen.

Eine deutliche Sprache sprächen auch die Preise fürs Dortmunder U – insbesondere die Auszeichnung als „Europäische Kulturmarke des Jahres“.

Ausstellung „Die Frauenbilder der Niki de Saint Phalle“ ist ein Besuchermagnet

Dolorès, 1966−1995. Foto: Michael Herling

Die Besucherinnen und Besucher nehmen die Angebote des U weiter gut an: Im vergangenen Jahr gab es 137.332 Besuche. „Damit konnte das sehr gute Niveau des Vorjahres gehalten werden“ heißt es bei der Stadt. Zum Vergleich: 2015 waren es 138.022 Besuche, 2014 waren es 122.679 Besuche.

Allerdings ist das Zustandekommen der  BesucherInnenzahlen nicht unumstritten: Denn die BesucherInnen werden beim Betreten des Hauses, jeder Etage oder Veranstaltung erfasst.Werden mehrere Etagen betreten, werden die Gäste somit mehrfach erfasst.

Die BesucherInnen zog es ebenso in die Sonderausstellungen des Museum Ostwall, des HMKV und der TU Dortmund und in die Dauerausstellung (63.627 Besuche) wie zu den kulturellen Bildungsangeboten auf der UZWEI (35.726 Besuche) und in die Veranstaltungen im Kino (10.277 Besuche).

Die Open-Air-Veranstaltungen verzeichneten 27.702 Besuche, die drei gastronomischen Einrichtungen zählten 170.300 Besuche.

Besonders erfreulich ist derzeit die sehr gute Publikumsresonanz auf die MO-Ausstellung „,Ich bin eine Kämpferin.‘ Die Frauenbilder der Niki de Saint Phalle“. Die Ausstellung, die hohe Qualität und internationales Niveau vereint, entwickelt sich zur bislang besucherstärksten im U und ist noch bis zum 23. April zu sehen.

Museumsdirektor Jacobs setzt auf Partizipation als Anspruch für die Arbeit im U

Mit dem neuen Leiter Edwin Jacobs (4.v.r.) präsentierten die Partner ihr Programm. Bild: Roland Gorecki.

2017 ist für das Haus und seine Einrichtungen ein Jahr des Umbruchs und der Neuausrichtung. „Partizipation“ – dieses Schlüsselwort setzt Edwin Jacobs, der neue Direktor des U, als Motto und Anspruch für die Arbeit im ganzen Haus.

In seiner Zukunftsvision für das U geht es weniger um Superlative denn um eine verlässliche Qualität, die die Menschen bei ihrem Besuch im U erwarten dürfen. Dazu gehört in Zukunft z.B. mindestens eine Top-Ausstellung pro Jahr.

„Mein Ziel und mein Wunsch ist es, das U besser und stärker in der Stadt und in der Stadtgesellschaft zu verankern“, so Edwin Jacobs.

Eine Strategie auf dem Weg dorthin lautet: bestehende Stärken weiter auszubauen. Zu den großen Stärken des U zählt u.a. die kulturelle Bildungsarbeit. „Nirgendwo sonst in Deutschland gibt es ein Kunstinstitut mit einem so breiten Bildungsangebot für Kinder, Jugendliche bis hin zu Studierenden mit einer ganzen Etage, die ihnen gewidmet ist. Das U bietet das ganze Spektrum vom kreativen Workshop bis zum kunstwissenschaftlichen Projekt, von analog bis digital“, so Jacobs.

Partizipation ist in Teilen bereits gelebte Praxis im Haus, insbesondere auf der UZWEI. Ausgehend von bestehenden Angeboten und Formaten wie z.B. der „Schnittstelle“ zwischen Museum Ostwall und UZWEI, dem Festival „Innovative Citizen“ oder dem jungen Medienfestival „Feedback“ soll der Geist des Mitmachens das ganze Haus erfassen.

„Es macht einen Unterschied, ob die Besucherinnen und Besucher im U Menschen sehen, die aktiv sind und Neues ausprobieren, oder ob sie Menschen sehen, die Kunst nur betrachten“, so Jacobs.

Die „neue Offenheit“ im Dortmunder U soll schon im Empfangsbereich beginnen

Das Foyer des Dortmunder U. Foto: Alex Völkel

Die „neue Offenheit“ soll künftig schon im Empfangsbereich beginnen. Das U möchte sich mit seiner Sammlung und seinen Angeboten breiter aufstellen, neue Besuchergruppen erschließen und bestehende stärker an sich binden.

Dabei werden künftig die interaktiven Möglichkeiten der digitalen Welt zur Steigerung des Besuchserlebnisses genutzt. Ziel ist es, eine starke „CommUnity“ aufzubauen, die dem U langfristig verbunden ist und es gemeinsam gestalten möchte.

Wie man mit dem Publikum der Zukunft in Kontakt kommt, es entwickelt, immer neu überrascht und einbindet, ist auch ein zentrales Element des EU-Projekts „smARTplaces“.

Das Dortmunder U arbeitet daran in den nächsten Jahren gemeinsam mit seinen internationalen Partnern. „Dieser Prozess beginnt jetzt, und er braucht Zeit“, kündigt Jacobs an.


Ausblick 2017: Die Partner im U

Das Kino im U e.V. (EG) 

Das Kino im U.

Das Kino im U versteht sich als Ort, an dem besondere Filme entdeckt werden können und das Kino als sozialer Raum erlebt wird. Auch 2016 verzeichnete das Kino im U unter neuer Leitung einen steigenden Besucherzuspruch.

Ab Frühling 2017 lädt das Kino in der Programmstrecke „Reality Bites“ Jugendliche ein, Dokumentarfilmvorstellungen für das Kinoprogramm auszuwählen und so mit ihren Themen und Fragen in den Dialog mit dem Kinopublikum zu treten.

Die Reihe „Kino Weltsichten“ läuft bereits und lädt einmal im Monat geflüchtete Frauen und alle Interessierten zu Filmnachmittagen ein.

Technische Universität Dortmund (U1)

Die Hochschuletage im Dortmunder U ist der TU-Campus in der Stadt: Die Technische Universität Dortmund bietet in diesem „Schaufenster“ der Stadtgesellschaft Einblicke in aktuelle Forschungen und Projekte.

Lehrenden wie Studierenden eröffnet die Präsenz im Dortmunder U neue Erfahrungsräume und Möglichkeiten, sich aktiv in die Stadtgesellschaft einzubringen.  Schwerpunkt der Arbeit ist die Vermittlung von und zwischen unterschiedlichen Wissenschaftskulturen.

In 2017 präsentiert sich die TU mit einem noch umfangreicheren Programm. Sie zeigt aktuelle Forschungen und Projekte aus Architektur, den Erziehungswissenschaften, Kunstwissenschaften und  Rehabilitationswissenschaften.

Die Ausstellung „abgestempelt – Judenfeindliche Postkarten“ klärt über Bildstereotype menschenverachtender Propaganda auf. Von Studierenden erarbeitet wird die Ausstellung „30 Jahre Unterstützte Kommunikation“.

Bei „Flickwerk“ werden Studierende die Ergebnisse ihrer Auseinandersetzung mit dem Thema Konsum und Textil veröffentlichen. Und auch Kunst- und Architekturausstellungen gehören wieder zum Programm.

Fachhochschule Dortmund (U1)

Die FH Dortmund eröffnete im November 2016 das Medienlabor kiU auf der U1 unter der künstlerischen Leitung von Harald Opel. Das kiU erforscht und zeigt aktuelle Entwicklungen in den Präsentationsformen und Erzählweisen digitaler Medien.

Das offene Labor ist als Schnittstelle zwischen Studierenden, Besuchern, Fachhochschule und Stadtgesellschaft konzipiert und verweist bereits im Prozess auf das gemeinsam Mögliche.

Die ersten Projekte sind sowohl von der interessierten Öffentlichkeit als auch von den Partnern im Haus sehr gut angenommen worden. Für 2017 kündigt die Fachhochschule die Ausstellung „Womit rechnest Du?“ an, die sich der Faszination der Mathematik widmet.

UZWEI_Kulturelle Bildung (U2)

Kultur selber machen und zeigen: Die zweite Etage im Dortmunder U gehört Kindern und Jugendlichen zwischen 5 und 25 Jahren. Auf der UZWEI können sie Filme, Fotos und Multimedia ausprobieren, mit Künstlern arbeiten und ihre Ergebnisse präsentieren.

Dieser Ansatz ist im Jahr 2016 u.a. durch das Land NRW für das partizipative Projekt „Das Portrait – Jugendlichsein 2016“ und auf Bundesebene für das inklusive Projekt „Über Sinne“ ausgezeichnet worden.

Die zweite Etage gehört Kindern und Jugendlichen zwischen 5 und 25 Jahren. Foto: Roland Baege

In 2017 knüpft die Etage mit Kooperationspartnern auf NRW-Ebene an das Junge Medienfestival FEEDBACK an, das vom 29.06. – 02.07.2017 zum zweiten Mal mit Jugendlichen organisiert wird.

Zugewanderte Kinder und Jugendliche sind angesprochen in einer Kooperation mit dem Dienstleistungszentrum Bildung Dortmund: Wöchentlich entwickeln sie mit Film, Performance und bildender Kunst ein Gesamtkunstwerk.

International startet die UZWEI im Rahmen des EU-Projekts „SmARTplaces“ mit dem Kunst-Projekt „Urban blind date“ mit Partnereinrichtungen aus Amiens, Bilbao und Karlsruhe.

Im Ausstellungsbereich setzen zwei Formate einen besonderen Akzent: Mit dem Ausstellungsraum „ArtLab“ baut die UZWEI vom 1. April bis 18. Juni ein großes Mitmach-Atelier mit unterschiedlichen Kunststationen auf. Und im Herbst zeigen die Nachwuchskünstler unter 30 bei „Emerging Artists“, dass Dortmund ein gutes Künstlerklima hat.

Die Bibliothek des Dortmunder U in der 5. Etage bespielt die UZWEI ab April 2017 mit Veranstaltungen und Workshops aus Literatur – Musik – Creative (Art) Writing.

HMKV Hartware MedienKunstVerein (U3)

Der HMKV schaut auf ein spannendes 20. Jubiläumsjahr mit vielen produktiven Kooperationen und bereichernden Momenten zurück.

Eines der vielen Highlights ist die Ausstellung „The Hard Drawing“ des rumänischen Künstlers und Aktivisten Dan Perjovschi, die sich über die Ebenen 0 – 7 in der Vertikale des Dortmunder U erstreckt – laut Perjovschi die bislang höchste Fläche, die er mit seinen spontanen und gesellschaftskritischen Zeichnungen bemalt hat. Die Ausstellung ist noch bis zum 27. August 2017 zu sehen.

Auch 2017 präsentiert der HMKV wieder künstlerische Positionen zu aktuellen Themen: Noch bis zum 5. März 2017 läuft „Die Welt Ohne Uns. Erzählungen über das Zeitalter der nicht-menschlichen Akteure“. Die Ausstellung thematisiert eine Ökologie nach dem Menschen, in der andere ‚Lebens’-Formen – Algorithmen, KIs, künstlich erzeugte Nanopartikel u.a. – die Macht übernommen haben.

Daran anschließend zeigt der HMKV die Ausstellung „The Brutalism Appreciation Society (Die Gesellschaft zur Wertschätzung des Brutalismus)“: Sie umfasst Arbeiten von 19 internationalen Künstlerinnen und Künstlern, die sich mit dem brutalistischen Baustil der Nachkriegsmoderne auseinandersetzen, sowie eine Auswahl von Beiträgen aus der gleichnamigen, über 47.000 Mitglieder zählenden Facebook-Gruppe (8. April – 24. September).

Im Herbst und Winter 2017 präsentiert der HMKV gleich drei spannende Ausstellungen, die sich mit so unterschiedlichen Themen wie „Afrika als Kontinent der technologischen Innovation“ (Afro-Tech) sowie dem Anfang und dem Ende der Sowjetunion auseinandersetzen.

Die Ausstellung „Sturm auf den Winterpalast: Forensik eines Bildes“ widmet sich der Oktoberrevolution, während das Ausstellungsprojekt „Die Grenze“ danach fragt, wo Asien beginnt und Europa endet.

MO Museum Ostwall (U4/5)

Bei der aktuellen Niki de Saint Phalle-Ausstellung zeichnet sich bereits nach knapp zwei Monaten eine außergewöhnlich gute Besucherresonanz ab. Am 5. April findet in Kooperation mit dem Internationalen Frauenfilmfestival Dortmund|Köln ein Symposium zum Thema „Trauma, Subjekt- und Körperkonzepte“ im MO statt.

Bon appétit (robe mauve), 1980. Sprengel Museum, Hannover. Foto: Michael Herling

Ab dem 2. September ist eine neue Präsentation der Sammlung geplant, außerdem zeigt das MO in seinen Schaufenster weitere zeitgenössische Positionen in Referenz zur Sammlungspräsentation.

Den Anfang macht Bettina Marx mit der Ausstellung „Flora war Falk“ (24.3. – 11.6.2017): Die Künstlerin verbindet Zeichnungen, Malerei und Raumelemente zu einer Installation. Ein großes Wandgemälde entsteht und wird zum Mittelpunkt der poetisch-fragilen Gesamtinszenierung im Schaufenster.

Vom 30. Juni bis 8. Oktober folgt die Medienkünstlerin Tina Tonagel, die mit Klang, verschiedenen Projektionstechniken sowie elektromechanischen Apparaturen arbeitet. Durch ihre Arbeiten schärft sie den Blick und die Wahrnehmung des Betrachters für räumliche Besonderheiten und scheinbar Alltägliches und greift so Gedanken der Fluxusbewegung auf.

Im  Oktober verleihen die Freunde des Museums Ostwall den MO Kunstpreis an einen Künstler/ eine Künstlerin, die im Geiste der Dada- und der Fluxus-Bewegung arbeitet. Mit dem Preis ist der Ankauf eines Kunstwerks für die Sammlung des MO im Bereich Fluxus & Co.

Mehr zum Thema auf nordstadtblogger.de:

Edwin Jacobs aus Utrecht soll neuer Leiter des Dortmunder U werden – Das letzte Wort hat der Stadtrat im Herbst

Ausstellung „Ich bin eine Kämpferin“: Museum Ostwall im Dortmunder U zeigt Frauenbilder der Niki de Saint Phalle

Reihe „Weltsichten“ startet im Dortmunder U: Nachdenkliche wie unterhaltsame Filme aus verschiedenen Ländern

Dortmund holt sich in Berlin den Titel: Das Dortmunder U ist die „Europäische Kulturmarke des Jahres“ 

 

 

Print Friendly, PDF & Email

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Infos

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen