Erst mit dem Rad zur Bahn, dann zur Uni: Beschäftigte und Studierende im Ruhrgebiet für nachhaltigere Anreisen

Studierende und Beschäftigte hoffen, in Zukunft mehr mit Rad und ÖPNV zur Uni zu kommen. Foto: Alex Völkel

Im Ruhrgebiet gibt es viele Pendler*innen. Jede*r bevorzugt dabei ein anderes Fortbewegungsmittel: Auto, Bus, Fahrrad usw. Sie fahren damit zur Arbeit, Schule, zur Uni oder zu Freizeitaktivitäten. Das Forschungsprojekt „InnaMo Ruhr“ der Universitätsallianz Ruhr (UA Ruhr) will helfen, die Mobilität im Ruhrgebiet nachhaltiger und innovativer zu gestalten.

Der Name „InnaMo Ruhr“ steht für integrierte, nachhaltige Mobilität im Ruhrgebiet

Die Universitätsallianz Ruhr besteht aus den drei Universitäten des Ruhrgebiets: die Technische Universität Dortmund, die Ruhr-Universität Bochum und die Universität Duisburg-Essen. Zu den Universitäten gehören ungefähr 120.000 Studierende und 16.000 Beschäftigte. Die Beschäftigten werden in die Bereiche „Forschung und Lehre“ und „Verwaltung und Technik“ unterteilt. ___STEADY_PAYWALL___

Die vier Standorte haben jeweils unterschiedliche Profile, wodurch sie einander gut ergänzen. Für das Projekt „InnaMo Ruhr“ arbeiten in sechs Arbeitsgruppen die Fachbereiche Soziologie, Wirtschafts- und Ingenieurwissenschaften zusammen.

Gefördert wird das Projekt vom Land NRW mit 1,9 Millionen Euro für den Zeitraum 2020 bis 2023. Verkehrsminister Hendrik Wüst weiß: „Moderne Verkehrspolitik ist der beste Klimaschutz. Eine gute Anbindung ohne Umwege und schnelle Erreichbarkeit ist Lebensqualität und Standortfaktor – auch für Studierende und Lehrende an Forschungseinrichtungen.“ Es soll helfen, die Mobilitätswende im Ruhrgebiet voranzutreiben.

Das Projekt ist in drei Phasen unterteilt, um die Verkehrswende nachhaltig zu gestalten

Gemeinsam wollen die Universitäten der UA Ruhr die Verkehrswende im Ruhrgebiet vorantreiben. Quelle: InnaMo Ruhr

Das Projekt-Team setzt sich in drei Phasen mit dem Thema auseinander. Die erste Phase ist eine Umfrage zur Mobilität der Studierenden und Beschäftigten der Universitäten vor Corona. Auch was sie sich für ihre Fortbewegung in Zukunft wünschen, wurde abgefragt.

Die Ergebnisse liegen jetzt vor. Um sie an realen Menschen und deren Bedürfnissen zu testen, werden in der zweiten Phase Simulationsexperimente und Stakeholder-Workshops durchgeführt. Darauf aufbauend wird ab 2022/2023 das Ganze auf den Prüfstand gestellt. Dafür ist beispielsweise eine Carpooling-App entwickelt worden, die Nutzer*innen Mitfahrgelegenheiten finden lässt.

Die Ergebnisse der Umfrage sind überraschend

In der Umfrage stellten die Forschenden fest, dass eine viel größere Zufriedenheit mit den öffentlichen Verkehrsmitteln bei den Befragten vorliegt als im Vorhinein angenommen. Die Ergebnisse sind an allen Standorten ähnlich. Auffällig ist nur, dass in Essen der ÖPNV dominiert, während es in Duisburg der Individualverkehr ist.

50 Prozent der Teilnehmer*innen gaben an, die öffentlichen Verkehrsmittel (ÖPNV) zu nutzen. 40 Prozent fahren per Auto oder Fahrrad zur Universität. Die restlichen zehn Prozent kombinieren beide Anreisemöglichkeiten miteinander: Das nennen die Forschenden „intermodale Wegketten“.

Studierende nutzen meistens den ÖPNV oder fahren intermodal zur Uni. Im Bereich Verwaltung und Technik nutzen die Beschäftigten eher die privaten Verkehrsmittel. Ein ausgeglichenes Ergebnis gab es bei den Beschäftigten in Forschung und Lehre.

Generell lassen sich aus den Ergebnissen Gruppen nach charakteristischen Eigenschaften unterteilen: z.B. die Umweltbewussten und die Komfortorientierten. Der Großteil der Umfrage-Teilnehmer*innen ist mit ihren bisherigen Anreisewegen zufrieden.

Trotzdem wünschen sich besonders die Umweltbewussteren eine nachhaltigere und einfachere Veränderung. Drei Viertel der Befragten können sich vorstellen, auf intermodale Wegeketten umzusteigen, nach dem Motto: mit dem E-Bike zum Bahnhof und von dort mit der Bahn zur Uni.

Universitätsübergreifender Austausch oder die Homeoffice-Möglichkeiten sollen ausgebaut werden

Die Studierenden wünschen sich auch, Veranstaltungen an den Standorten der UA Ruhr besuchen zu können, an denen sie nicht eingeschrieben sind. Das ist noch schwierig, da die Verbindungen nicht schnell genug oder zu umständlich sind. Die Verbreitung von Informationen über Veranstaltungsangebote muss transparenter gestaltet werden. Die Wirtschaftswissenschaftlerin Prof. Heike Proff ist sich sicher, dass „mehr hochschulübergreifende Veranstaltungen und attraktivere Verkehrsangebote“ zu mehr Austausch zwischen den Universitäten führen könnten.

Die große Mehrheit der Beschäftigten hat durch Corona zum ersten Mal im Homeoffice gearbeitet. Viele hoffen, dass sie das auch nach Corona fortführen können. Um genauer zu sein, besteht bei vielen der Wunsch, teilweise im normalen Büro und teilweise im heimeigenen Büro zu arbeiten. So könnte man sich beispielsweise an zwei Tagen das Hin- und Herfahren sparen.

Dafür spricht, dass die Beschäftigten eine gute Arbeitsproduktivität und Zufriedenheit wahrnehmen. Vorher müssen allerdings Mängel im Bereich der Arbeitsplatzausgestaltung und der Digitalisierung von Dokumenten beseitigt werden.

Mehr Infos unter: innamo.ruhr

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