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MIA-DO-KI: Zwischen Abkürzungswahnsinn und ausgezeichneter Integrationsarbeit in Dortmund

Integrationspreis 2013

Das neu formierte Team von MIA-DO-KI stellte sich kürzlich im Rathaus vor: Reyhan Güntürk, Gabriele Krieling, Kirsten Amman-Pieper, Ercümend Yalcin, Oliver Hesse und Britta Zimmer (v.l.). Fotos: Klaus Hartmann

„Jetzt wächst zusammen, was nie zusammen gehört hat.“ Ganz frei formuliert nach dem bekannten Zitat von Willy Brandt könnte man die Entwicklungen auf dem Feld der Integrationsarbeit in Dortmund beschreiben. Denn ein ganz bekannter Akteur ist fast still und heimlich verschwunden: Die RAA.

RAA geht in MIA-DO-KI auf und unter – Umzug ins Alte Stadthaus

Stadthaus der Stadt Dortmund

Im Alten Stadthaus ziehen die Einrichtungen nun zusammen. Foto: Alex Völkel

Das Kürzel steht für „Regionale Arbeitsstelle zur Förderung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund“. Sie war seit Jahren und Jahrzehnten in Dortmund ein Garant für erfolgreiche Förderung von Jugendlichen.

Dortmund war eine der ersten Kommunen, die sich mit der RAA auf diesem Feld engagierte. Später kam noch die Migrations- und Integrationsagentur Dortmund (MIA-DO) hinzu. Beide Akteure ergänzten sich. Die RAA – ein  wichtiger Partner vor allem für die Schulen – spielte seine Nähe zur Nordstadt voll aus. „Mittendrin statt nur dabei“, im Oberstufengebäude der Anne-Frank-Schule, war die RAA zu Hause. Betonung auf war.

Die Zusammenlegung führt dazu, dass sich die beide ehemals selbstständigen Einheiten nun im Alten Stadthaus zusammenziehen. „Die Arbeit geht wie gewohnt weiter. Wir müssen nur zusammenwachsen“, sagt die Leiterin Reyhan Güntürk. Die Schwerpunkte seien erarbeitet, der Querschnitt müssten jetzt erarbeitet werden.

Berater sind jetzt weiter von ihrem Arbeitsfeld entfernt

Doch das „wie gewohnt weiter“ läuft so einfach nicht. Zumindest nicht für die ehemaligen RAA-Leute: Denn Beratungs- und Schulungsräume gibt es am neuen Standort in der City nicht. Daher müssen unter anderem in der Nordstadt Räume vorgehalten werden. Hinter vorgehaltener Hand ist daher auch Unmut über die Zusammenführung zu hören. Doch daran ging kein Weg vorbei: Das Land hat allen Kreisen und kreisfreien Städten die Einrichtung von Förderstellen vorgeschrieben – bislang hatten nur 27 von 54 eine solche Stelle. Für Dortmund kein Problem. Allerdings wollte das Land künftig nur eine einige Stelle. Parallelstrukturen müssten zusammengeführt werden.

„Das ist kein Sushi-Gericht, sondern unser Kommunales Integrationszentrum“

Integrationspreis 2013

Die Verleihung des Integrationspreises ist eines der Leuchtturmprojekte von MIA-DO-Ki.

Herausgekommen ist ein Abkürzungsmonster: MIA-DO-KI. „Das ist kein Sushi-Gericht, sondern unser Kommunales Integrationszentrum“, sagte OB Ullrich Sierau bei der Verleihung des Integrationspreises.  Damit heißt der Zusammenschluss jetzt offiziell: „Migrations- und Integrationsagentur Dortmund/ Kommunales Integrationszentrum Dortmund“ oder kurz MIA-DO-KI. Bei einigen Mitarbeitern ist daher MIA-DO-KI ebenfalls nicht so beliebt – nicht nur, weil der RAA dabei unter den Tisch gefallen ist. „Der Name ist bei den Lehrerinnen und Lehrern eingeführt. MIA-DO-KI kennt aber noch keiner“, gab es Kritik.

Übergang von Schule in den Beruf

Egal unter welchem Namen: Die erfolgreiche Arbeit soll fortgeführt werden. Ercümend Yalcin wird sich weiter um den Übergang von Schule in den Beruf kümmern. „Schließlich gibt es über 350 Berufe. Das ist für Eltern und Jugendliche nicht zu überschauen“, beschreibt er sein Arbeitsfeld. Daher gehe es darum, gezielt die Stärken der Jugendlichen zu entdecken und passende Berufe für sie zu finden. Dabei soll auch der nächste „Markt der Möglichkeiten“ am 21. Mai 2014 helfen.

Vernetzung der 120 Migrantenselbstorganisationen

Oliver Hesse ist für die Vernetzung der 120 Migrantenselbstorganisationen zuständig. „Es gibt einen eigenen Dachverband. Aber vielerorts mangelt es an professionellen Strukturen“, verdeutlicht Hesse die Herausforderung. Denn die meisten Organisationen arbeiten ehrenamtlich. Hier will das Kommunale Integrationszentrum helfen, gemeinsam mit ihnen professionelle Projekte zu organisieren.

Neue Wege in der Arbeit mit und für unbegleitete Flüchtlinge

Integrationspreis der Stadt DortmundDer Schwerpunkt von Britta Zimmer ist die Arbeit mit und für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (UMF). Neu hinzugekommen ist die Aufgabe, den Über-18-Jährigen differenzierte und gute Bildungsangebote zu machen. „Diese Jugendliche bringen viele Potenziale mit. Doch bisher gibt es keine Strukturen“, so Zimmer.

Sie begleitet auch das schulische Projekt „Schritt-Weise“, welches sich an bulgarische Familien richtet. „Mit Workshops, Fortbildungen und Projekten wollen wir einen Beitrag zu Versachlichung leisten“, so Zimmer. „Denn die Eltern und Kinder haben Bildungshunger und wollen in die Schule.“ Das Projekt kommt an – und wurde mit den Integrationspreis der Stadt Dortmund ausgezeichnet.

Innovative und preisgekrönte Sprachförderung

Sprachförderung ist der Arbeitsschwerpunkt von Kirsten Amman-Pieper. In ihrem Bereich gibt es zwei augenfällige Projekte: „Griffbereit“ richtet sich an Kinder im Alter von ein bis drei Jahren und ihre Eltern und widmet sich dem Thema Mehrsprachigkeit. Das Projekt „Rucksack“ richtet sich an Erzieherinnen, Eltern und Elternbegleiter und wird schon in neun Kitas und sechs Grundschulen umgesetzt.

Ebenfalls im Bereich Sprachförderung, aber mit einem völlig anderen Ansatz, ist Gabriele Krieling unterwegs. Ihr Projekt „Sprache verbindet“ wird von den Rotariern gefördert und richtet sich an Oberstufenschüler. Sie werden ausgebildet und gehen dann in Migrantenfamilien, um dort mit Eltern und Kindern Sprachförderung zu betreiben. „Dabei geht es nicht um Hausaufgabenhilfe, sondern um spielerische Sprachförderung“, macht Krieling deutlich. „Das trägt zur Verzahnung bei.“

 

Mehr zum Intergrationspreis lesen Sie auf nordstadtblogger.de:

 

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