
Die Technische Universität (TU) Dortmund hat die vierte Generation ihres Hochleistungsrechners „LiDO“ in Betrieb genommen. Der neue Rechner LiDO4 bildet eine zentrale Grundlage für zahlreiche Forschungsprojekte und wird auch von anderen Einrichtungen in der Region genutzt. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und das Land Nordrhein-Westfalen fördern das Projekt mit 4,5 Millionen Euro. Die offizielle Inbetriebnahme fand am Montag, 17. März, gemeinsam mit Wissenschaftsministerin Ina Brandes statt.
Neuer Rechner stärkt Forschung und digitale Infrastruktur in NRW
Seit rund 20 Jahren stellt die TU Dortmund mit „LiDO“ einen zentralen Hochleistungsrechner bereit. Forschung und Erkenntnisgewinn sind heute in vielen Bereichen auf leistungsfähige Infrastrukturen aus dem Bereich des wissenschaftlichen Rechnens, dem sogenannten High-Performance-Computing (HPC), angewiesen.
In Nordrhein-Westfalen werden entsprechende Ressourcen derzeit an 13 Standorten gebündelt – darunter auch in Dortmund. LiDO4 ist der vierte zentrale Linux-HPC-Cluster, der vom Center for Data Science and Simulation (DoDaS) sowie dem IT und Medien Centrum (ITMC) eingeworben wurde. Rund 400 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den MINT-Fächern nutzen die Rechenkapazitäten vor allem für Simulationsrechnungen.
„Forschung und Wissenschaft sind der Rohstoff der Zukunft“
Ina Brandes, Ministerin für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, sagte bei der Einweihung: „Forschung und Wissenschaft sind der Rohstoff der Zukunft. Im digitalen Zeitalter brauchen wir Rechenleistung, um diesen Rohstoff zu heben.“ Das Land treibe den Ausbau der Rechenkapazitäten konsequent voran, um die Entwicklung von Künstlicher Intelligenz und weiteren Zukunftstechnologien zu unterstützen. LiDO4 sei ein wichtiger Baustein, um den Forschungsstandort weiter zu stärken.
Auch die Fachhochschule Dortmund profitiert von den neuen Rechenressourcen. Neben der Förderung in Höhe von 4,5 Millionen Euro wurden laut TU Dortmund bereits weitere 900.000 Euro in den Ausbau investiert. „Diese Erweiterungen unterstützen die Research Center der Universitätsallianz Ruhr“, erklärte Rektor Prof. Manfred Bayer. Dort bündeln die TU Dortmund, die Ruhr-Universität Bochum und die Universität Duisburg-Essen ihre Forschung.
Deutlich mehr Leistung: LiDO4 gehört zu den weltweit stärksten Systemen
„LiDO4 ist fast neunmal so schnell wie sein Vorgänger LiDO3“, betonte Prof. Stefan Turek, Dekan der Fakultät für Mathematik. Der Rechner zählt zu den 500 leistungsfähigsten HPC-Systemen weltweit und setzt insbesondere auf GPU-Rechenknoten, die vor allem in den MINT-Fächern benötigt werden. Dank seiner skalierbaren Architektur kann das System flexibel erweitert werden, etwa für neue Drittmittelprojekte.
Für den energieeffizienten Betrieb hat die TU Dortmund ihre Infrastruktur angepasst. LiDO4 arbeitet mit einer hocheffizienten Warmwasserkühlung, bei der rund 40 Grad warmes Wasser die entstehende Wärme direkt aufnimmt und ableitet. Perspektivisch soll die Abwärme auch zur Beheizung des Gebäudes an der Otto-Hahn-Straße 12 genutzt werden. Realisiert wurde das Projekt in Zusammenarbeit mit NEC sowie mit Hardware von Lenovo und einem Speichersystem von DDN DataDirect Networks.


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Neues Fokuszentrum für KI-Gründungen an NRW-Hochschulen: AICE.NRW an TU Dortmund und Uni Bonn wird mit 1,5 Millionen Euro von EU und Land NRW gefördert (PM)
Die TU Dortmund und die Universität Bonn bauen gemeinsam ein AI Center for Entrepreneurship NRW (AICE.NRW) auf. Damit sollen Hochschulen in ganz Nordrhein-Westfalen darin gestärkt werden, Gründungen im KI-Bereich gezielt und bedarfsorientiert zu unterstützen. Das AICE.NRW ist im Januar 2026 gestartet und wird mit 1,5 Millionen Euro für drei Jahre über das Programm „Start-up Fokuszentren.NRW“ vom Land NRW und der EU aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) gefördert.
Hochschulen spielen eine zentrale Rolle im Innovationsgeschehen und sind mit ihren wissenschaftlichen Forschungsarbeiten ein wichtiger Ausgangspunkt für technologiebasierte Gründungen – insbesondere im dynamischen Feld der Künstlichen Intelligenz (KI). Das neue Zentrum AICE.NRW unterstützt KI-Gründungen, indem es gezielt die Kompetenzen der Gründungsberater*innen an den Hochschulen in NRW fördert: Sie sollen durch spezifische Schulungen, Trainings und Weiterbildungen befähigt werden, KI-Start-ups passgenau zu begleiten.
„Viele Forschende verfügen über exzellentes KI-Know-how, stoßen bei der Überführung ihrer Ideen in tragfähige Geschäftsmodelle jedoch auf Herausforderungen. AICE.NRW setzt genau an dieser Schnittstelle an und unterstützt die Start-up-Coaches in NRW dabei, den Weg von der Forschung in die Gründung wirksam zu begleiten. Die TU Dortmund und die Universität Bonn arbeiten in der KI-Forschung bereits sehr eng zusammen und wir freuen uns, hierauf aufbauend die landesweite Kompetenz- und Vernetzungsplattform zur KI-spezifischen Gründungsberatung zu etablieren“, sagt Sandra Speer, Leiterin des Transfer Center enaCom der Universität Bonn.
Dr. Ronald Kriedel, Geschäftsführer des Centrum für Entrepreneurship und Transfer (CET) an der TU Dortmund, betont: „AICE.NRW ist die Antwort auf die Fragmentierung im KI-Transfer. Statt auf isolierte Einzelmaßnahmen zu setzen, etablieren wir ein landesweites Betriebssystem für die KI-Gründungsunterstützung. Wir befähigen die bestehenden Strukturen an über 30 Hochschulstandorten gezielt dazu, hochkomplexe Vorhaben fachspezifisch zu begleiten. Indem wir Wissen orchestrieren und den Zugang zu Infrastruktur bündeln, machen wir NRW zum Schrittmacher für KI-Innovationen in Europa.“
In einem ersten Schritt des Projekts wird die KI-Hochschullandschaft in NRW umfassend analysiert. Dazu zählen die Identifikation von Potenzialen und Herausforderungen sowie die Ableitung von Handlungsempfehlungen für die Gründungsförderung im Bereich KI. Die gewonnenen Erkenntnisse fließen in die Entwicklung neuer Angebote ein, die an den Bedarfen der Hochschulen und der Gründer*innen in NRW ausgerichtet sind. Je nach KI-Intensitätsstufe und dem Reifegrad lassen sich KI-Start-ups noch einmal unterteilen in KI-Deep-Techs (KI-Entwickler), KI-Enabled Start-ups (KI als zentrales Wertangebot) und Start-ups mit KI-Nutzung (KI als Tool). Je nach Format müssen die Gründungsteams unterschiedlich betreut und beraten werden, da sie unterschiedlichen Herausforderungen gegenüberstehen. Hierzu werden die Start-up-Coaches durch spezifische Weiterbildungen und sogenannte Train-the-Trainer-Programmen zu Expert*innen ausgebildet.
AICE.NRW setzt an den vorhandenen Infrastrukturen der Hochschulen an und integriert diese in die bestehenden bundes- und landesweiten KI-Rahmenstrukturen, wie zum Beispiel AI-Nation, Start-up Hub Startplatz, KI.NRW oder AI Village. Dabei fließen nicht nur die fundierte Expertise aus der Gründungsunterstützung von TU Dortmund und Universität Bonn mit ein, sondern auch das KI-Fachwissen aus aktuellen Forschungsarbeiten, das u.a. am Lamarr-Institut für Maschinelles Lernen und Künstliche Intelligenz generiert wird, einem von fünf bundesweiten KI-Kompetenzzentren, welches von der Universität Bonn, der TU Dortmund sowie den Fraunhofer-Instituten für Intelligente Analyse- und Informationssysteme IAIS in Sankt Augustin und für Materialfluss und Logistik IML in Dortmund geleitet wird.
Mit dem AICE.NRW soll so eine landesweite Servicestelle zu „KI-Beratung und Support“ für Hochschulen entstehen. Diese wird Deep-Tech- und KI-Start-ups dabei unterstützten, ihre Potenziale von der Technologie-Validierung bis zum Markteintritt effektiver zu entfalten, um zur nächsten Generation erfolgreicher KI-Unternehmen zu werden. Zudem bringt das Zentrum Akteur*innen aus Hochschulen, Wirtschaft und Start-up-Ökosystem zusammen, um den Austausch zu KI-Zukunftsthemen zu stärken.
Über das Förderprogramm
Das Land Nordrhein-Westfalen hat die Förderinitiative „Start-up Fokuszentren.NRW“ in 2024 ausgerufen, um die Einrichtung spezialisierter Zentren zu fördern, die Gründer*innen zielgenau beraten und bei der Entwicklung marktfähiger Lösungen unterstützen. Ziel ist es, die Qualität und die Anzahl von Gründungen aus Hochschulen im Land zu steigern.
Neben dem Fokuszentrum AICE.NRW werden zwei weitere Zentren gefördert: Female Academic Entrepreneurs NRW (FACE.NRW) an der Ruhr-Universität Bochum unterstützt gründungsinteressierte Frauen aus der Wissenschaft und Climate Innovation.NRW an der Universität zu Köln spezialisiert sich auf Gründungen mit einem Beitrag zur Klimaneutralität.
Weitere Informationen zu AICE.NRW: https://aice-nrw.de/