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Massives Polizeiaufgebot, „Saalschutz“ durch Nazis und energischer Protest – das war der AfD-„Bürgerdialog“ im DKH

Die „Bürgerdialog“-Veranstaltung der AfD im DKH: nicht nur begleitet von Dortmunder Neonazis, sondern auch von einem massiven Polizeiaufgebot. Fotos: Klaus Hartmann und Leopold Achilles

Formell sollte es ein „Bürgerdialog“ werden. Herausgekommen ist eher eine Farce. Bei der AfD-Veranstaltung im Dietrich-Keuning-Haus (DKH) präsentierten sich vor allem stadtbekannte Neonazis und spielten sich dort als Saalschutz auf. Demgegenüber machten einige hundert GegendemonstrantInnen lautstark klar, dass in der bekannten und für Toleranz stehenden Kultureinrichtung aus der Nordstadt kein Platz für rechte Parolen ist.

„Bürgerdialog“ der AfD ausgerechnet an einem zentralen Ort der Toleranz und Vielfalt

Für Mittwochabend hatte die AfD-Bundestagsfraktion zu einem „Bürgerdialog“ in das Dietrich-Keuning-Haus (DKH) geladen. Ausgerechnet in das multikulturelle Herz der Nordstadt.

Aktivisten der Partei „Die Rechte“ bei der AfD-Versammlung, darunter auch der „übergelaufene“ frühere AfD-Vorsitzende Bernd Schreyner.

Das für Toleranz, Vielfalt, Offenheit steht. Dorthin, wo sich im September 2015 unzählige HelferInnen einfanden, um die ersten syrischen Flüchtlinge zu versorgen, die – aus Ungarn kommend – Dortmund mit dem Zug erreichten.

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Insofern konnte die Wahl des Veranstaltungsortes von vorneherein als Provokation verstanden werden. Seitens einer Partei, die etwa ungeniert von einer „Integrationsindustrie“ spricht. – Daher war mit beherzten Protesten zu rechnen. So hatten bereits im Vorfeld mehrere Parteien die demokratischen Kräfte in der Stadt dazu aufgerufen, vor Ort ihren Unmut zu äußern, so Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke & Piraten.

Die Stadt Dortmund hatte keine rechtliche Handhabe gesehen, der AfD die Anmietung des Veranstaltungssaals in dem bekannten und größten Kulturzentrum der Nordstadt zu verweigern.

Bekannte Neonazis produzieren sich dreist als Schutz- und Sicherheitspersonal der AfD-Veranstaltung

Am Abend waren dann einige hundert AntifaschistInnen und DemokratInnen dem Aufruf gefolgt. Ebenfalls präsent: ein massives Polizeiaufgebot, um etwaige Ausschreitungen zu verhindern.

Ebenfalls mit von der Partie beim „Bürgerdialog“: Siegfried „SS-Siggi“ Borchardt.

Als Redner waren die AfD-Bundestagsabgeordneten Rüdiger Lucassen, Berengar Elsner von Gronow und Martin Renner angekündigt.

Renner wird dem völkisch-nationalen Flügel der Partei zugerechnet und hatte sich in der Vergangenheit unter anderem dadurch hervorgetan, dass er eine als antisemitisch und rechtsextrem eingeschätzte Rede von Björn Höcke verteidigte.

Wenig verwunderlich daher: die AfD-Veranstalter ließen zu, dass stadtbekannte und zum Teil strafrechtlich verurteilte Neonazis den Saal betraten und sich dort als eine Art Schutz- und Sicherheitspersonal aufführten.

Die hatten das DKH-Gelände unter Buhrufen mit einer Polizeieskorte betreten. Darunter Siegfried („SS-Siggi“) Borchardt, Sascha Krolzig (Co-Bundesvorsitzender der rechtsextremistischen Splitterpartei Die Rechte) und Michael Brück (Bundesgeschäftsführer).

Kleinere Rangeleien im Eingangsbereich und während der sog. Dialog-Veranstaltung

Eingangsbereich zum Veranstaltungssaal: vielen Protestierenden blieb der Zutritt verwehrt.

Vor dem Veranstaltungssaal kam es zu kleineren Rangeleien und Pöbeleien, als Rechte und Linke am Eingang aufeinandertrafen.

Viele der anwesenden AfD-GegnerInnen ließen auch deshalb ihrem Unmut verbal freien Lauf, weil ihnen der Zutritt zu der Veranstaltung mit dem Hinweis verwehrt wurde, die Räumlichkeiten seien voll.

Das als Gegenveranstaltung gedachte Kulturfest in der Agora des DKH wurde vom Leiter der Einrichtung, Levent Arslan, kurz vor Abschluss des Programms gegen 20 Uhr aus Sicherheitsgründen abgebrochen – wegen der fortgesetzten Unruhe im Eingangsbereich des Saals und der aufgeheizten Stimmung.

Gegen Ende des AfD-Auftritts kam es noch einmal zu einer kleinen Rangelei, als AntifaschistInnen in dem Saal ein Transparent entrollten und Parolen skandierten. Insgesamt blieb es aber friedlicher, als insbesondere wegen der Neonazi-Präsenz zu befürchten war.

 

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