Die ersten 19 Abschnitte könnten 2023 bis 2026 umgesetzt werden

Lärmschutz an Hauptverkehrsstraßen: An bis zu 60 Abschnitten sind Tempo-Reduzierungen geplant

Häufig wird Tempo 30 erst nach schweren Unfällen angeordnet - oder vor sensiblen Einrichtungen.
Auch an Hauptverkehrsstraßen ist Tempo 30 möglich – aus Sicherheitsgründen oder aus Lärmschutz. Archivbild: Alexander Völkel für Nordstadtblogger.de

Motorisierter Verkehr sorgt für Lärm und Abgase – beides kann krank machen. Weil in Dortmund an vielen innerstädtischen Hauptverkehrsstraßen mit angrenzender Wohnbebauung der Straßenverkehrslärm sehr hoch ist, will die Stadtverwaltung dort Tempo-Reduzierungen anordnen. 60 Straßenabschnitte hat das Umweltamt identifiziert. Die ersten 19 Abschnitte könnten in den Jahren 2023 bis 2026 umgesetzt werden, wenn der Rat zustimmt. Begonnen werden soll mit acht Straßenabschnitten, die realisiert werden könnten, ohne dass Anpassungen an Lichtsignalanlagen erforderlich wären.

Geschwindigkeitsreduzierungen wegen hoher Lärmbelastung

Die Lärmbelastungen an Hauptverkehrsstraßen sind mithilfe zahlreicher Untersuchungen und anerkannter Berechnungsmethoden inzwischen nachgewiesen. Ein Mittel, dies zu verändern, ist die Reduzierung der Fahrgeschwindigkeit. Die Stadt Dortmund möchte deshalb von der Möglichkeit Gebrauch machen, die sich nach § 45 der Straßenverkehrsordnung (StVO) ergibt und Geschwindigkeitsreduzierungen wegen hoher Lärmbelastung zum Schutz der Bevölkerung anordnen.

Ludger Wilde ist Planungs- und Umweltdezernent der Stadt Dortmund.
Ludger Wilde ist Planungs- und Umweltdezernent der Stadt Dortmund. Foto: Alexander Völkel für nordstadtblogger.de

Umwelt- und Planungsdezernent Ludger Wilde machte deutlich, dass dies nichts mit einem möglichen Beginn eines stadtweiten Tempolimits zu tun habe. Es gehe um Lärmschutz – und in den meisten Wohnquartieren gebe es ja jetzt bereits Tempo 30. Allerdings gebe es auch Hauptverbindungsstraßen, wo die Lärmberlastungen so hoch seien, dass die Stadt handeln müsse. 

Wenn die Lärmbelastung tagsüber bei über 70 Dezibel bzw. nachts bei über 60 dB(A) liegt, muss die Stadt handeln, um den Lärmschutz sicherzustellen. Das kann durch aktive Maßnahmen wie Tempolimits oder durch passive Maßnahmen wie Lärmschutzwälle, Flüsterasphalt oder Spezialverglasung erfolgen.

Vor allem die passiven Maßnahmen kosten entweder ganz viel Geld oder sind – Stichwort Lärmschutzwälle – an Hauptstraßen kaum zu realisieren.  Daher schlägt die Verwaltung den politischen Gremien nun Geschwindigkeitsbegrenzungen an bis zu 60 Straßenabschnitten vor. Der Rat soll im Dezember entscheiden.

Umfangreiche Lärmkartierung des Dortmunder Stadtgebietes

Das Umweltamt hat auf Basis der Lärmkartierung und der Zahl der betroffenen Anwohner:innen eine Liste von ca. 60 Straßenabschnitten erstellt, an denen aus Sicht des Lärmschutzes ein Handlungserfordernis besteht. Da die Prüfung und Umsetzung nicht zeitgleich für alle Abschnitte erfolgen kann, wurde anhand der Anzahl der Betroffenen und der Höhe der Lärmpegel eine Priorisierung vorgenommen. 

Häufig wird Tempo 30 erst nach schweren Unfällen angeordnet - oder vor sensiblen Einrichtungen.
Tempo 30 ist auf Hauptstraßen möglich – aus Sicherheitsgründen oder aus Lärmschutz. Archivbild: Alexander Völkel für Nordstadtblogger.de

Die ersten 19 Abschnitte können in den Jahren 2023 bis 2026 umgesetzt werden. (Siehe Liste am Ende des Artikels) Begonnen wird mit acht Straßenabschnitten, die realisiert werden können, ohne dass Anpassungen an Lichtsignalanlagen erforderlich wären. Des Weiteren ist im nächsten Jahr eine Umsetzung auf der Mallinckrodtstraße von Tempo 30 im Bereich zwischen Münster- und Schützenstraße sowie Tempo 40 im Abschnitt zwischen Schützenstraße und Lagerhausstraße vorgesehen. 

Alle Maßnahmen seien eng mit DSW21 abgestimmt. Daher sind zumindest im ersten Aufschlag keine Streckenabschnitte vorgesehen, wo bei Reduzierung auf Tempo 30 oder 40 die Attraktivität des ÖPNV leiden würde – also beispielsweise die Reisezeit verlängert und Anschlüsse nicht mehr erreicht würden.  „Der ÖPNV soll attraktiv bleiben. Das war auch ein Auswahlkriterium für die ersten Abschnitte. Wir werden Bus und Bahn nicht tangieren“, so Wilde.

Hintergrund: Weniger Lärm bei reduziertem Tempo 

Bei einer Senkung von 50 auf 30 Stundenkilometern verringern sich die sogenannten Beurteilungspegel um 2 bis 3 dB(A), die Maximalpegel einer Vorbeifahrt sogar um etwa 6 dB(A). Um eine vergleichbare Minderung der Beurteilungspegel zu erreichen, wäre eine Reduzierung der Verkehrsmenge um etwa 40 bis 50 Prozent nötig, da ein Unterschied von 3 dB(A) einer Verdopplung bzw. Halbierung der Schallenergie entspricht. 

Durch verringerte Geschwindigkeiten wird bei angepasster Ampelschaltung auch der Treibstoff- bzw. Energieverbrauch gesenkt, weil Beschleunigungsvorgänge verkürzt werden. Dadurch verringert sich auch der Ausstoß von CO2 und Luftschadstoffen. Die Reisezeiten für Autofahrer:innen erhöhen sich nur geringfügig.

Alternative Maßnahmen zu einer Geschwindigkeitsbegrenzung mit ähnlicher Effektivität und vergleichbaren positiven Wirkungen stehen an innerstädtischen Straßen nicht zur Verfügung: Schallschutzwände und Schallschutzwälle kommen aus städtebaulichen Gründen nicht in Betracht, lärmarmer Asphalt und Schallschutzfenster haben erheblich höhere Kosten und Umsetzungszeiträume bei geringerer Wirkung und können daher nach Ansicht der Stadt Dortmund nur ergänzend, aber nicht als Ersatz eingesetzt werden.

Die Tabelle zeigt die vorgeschlagenen Geschwindigkeitsbegrenzungen zum Lärmschutz.
Die Tabelle zeigt die vorgeschlagenen Geschwindigkeitsbegrenzungen zum Lärmschutz. Tabelle: Stadt Dortmund
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