Kunst will gesehen, nicht archiviert werden: Kreativität aus Dortmund für alle in der „Kunst Aus(Leihe) Dortmund“

Eine Auswahl der 2020 angekauften Werke im Kulturort Depot in der Nordstadt. Aufgrund des Infektionsgeschehens bestand in diesem Jahr nur die Möglichkeit, die Werke virtuell zu präsentieren. Foto: Hendrikje Spengler

Dortmund bekommt eine Kunst-Ausleihe: Demnächst gibt es für alle die Gelegenheit, Werke Dortmunder Künstler*innen für die eigenen vier Wände auszuleihen. Damit wandelt die Stadt ihr bisheriges „Kunstarchiv“ um und öffnet es. Der Verwaltungsvorstand empfahl den politischen Gremien einen entsprechenden Beschluss. Der Rat entscheidet im März darüber. 

Das städtische Kunstarchiv öffnet sich und will die Bürger*innen für Kunst begeistern

Seit über 60 Jahren kauft die Stadt Dortmund jährlich Werke Dortmunder Künstler*innen an, um diese zu unterstützen. Das Kulturbüro Dortmund organisiert diesen Ankauf, präsentiert die angekauften Arbeiten jährlich in einer Ausstellung und sammelt die Werke im Kunstarchiv. ___STEADY_PAYWALL___

Dortmunds Kulturdezernent Jörg Stüdemann
Foto: Bellyart / Archiv

Bislang standen sie im Anschluss städtischen Mitarbeiter*innen zur Ausleihe zur Verfügung, meist um Besprechungsräume oder Büros zu schmücken. Dadurch wurde jedoch nur ein kleiner Teil (ca. 30 Prozent) der Bilder und Skulpturen für die Öffentlichkeit sichtbar. 

Dies soll sich nun ändern. „Die Kunstankäufe der Stadt sollen eine öffentlichere Nutzung bekommen. Neben der jährlichen Ausstellung sollen die Werke nicht nur wie bisher in Räumlichkeiten der Stadtverwaltung präsentiert werden können, sondern auch ausleihbar sein“, erläutert Dortmunds Kulturdezernent Jörg Stüdemann die Idee.

Mit fachlicher Unterstützung der Stadt- und Landesbibliothek soll der Bestand des Kunstarchivs in ein professionelles Ausleih- und Katalogisierungssystem übertragen werden. Alle Bürger*innen sollen künftig mit einem Bibliotheksausweis Kunst aus Dortmund ausleihen können. 

Wertschätzung für die Dortmunder Künstler*innen und Ergänzung des Angebots der Artothek

Hendrikje Spengler, Leiterin des Kulturbüros Dortmund, vor Arbeiten von Brigitte Mühlenkamp. Fotos: Katrin Pinetzki
Hendrikje Spengler, Leiterin des Kulturbüros Dortmund. Fotos: Katrin Pinetzki / Archiv

Die Auswahl und Ausleihe soll online gegen eine geringe Gebühr erfolgen; anschließend können die Werke, fachmännisch verpackt, im „SUPERRAUM“ an der Brückstraße abgeholt werden. Der „SUPERRAUM“ ist ein neuer Projektraum der Stabsstelle Kreativquartiere Dortmund / DORTMUND KREATIV, mit dem das Kulturbüro kooperiert. Er soll in diesem Frühjahr eröffnen.

„Die Öffnung und erhöhte Sichtbarkeit der Werke ist auch eine Wertschätzung den Dortmunder Künstler*innen und ihrem Schaffen gegenüber. Kein*e Künstler*in ist mit dem Ankauf des Werkes zufrieden, wenn es dann nicht gezeigt wird. Kunst will gesehen, nicht archiviert werden“, sagt Hendrikje Spengler, Leiterin des Kulturbüros. Mit dem Namen „Kunst Aus(Leihe) Dortmund“ will man die gesamte Stadtgesellschaft ansprechen und für Kunst begeistern.

Die „Artothek“ in der Stadt- und Landesbibliothek bleibt daneben als eigenständige Einrichtung in der Zentralbibliothek erhalten. Dort stehen 1.300 Exponate zeitgenössischer regionaler, nationaler und internationaler Künstler*innen zur Ausleihe zur Verfügung.

 

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Kommentare

  1. DIE LINKE+ findet Öffnung des Kunstarchivs großARTig (PM Ratsfraktion Die Linke+)

    DIE LINKE+ findet Öffnung des Kunstarchivs großARTig

    Seit 60 Jahren kauft die Stadt Kunstwerke heimischer Künstler an. Nach dem Ankauf verschwanden jedoch viele Werke in Archiven – und nur die wenigsten erblickten das Licht der Öffentlichkeit. Lediglich in einigen Amtsstuben der Stadt Dortmund waren die Kunstwerke zu sehen.

    Doch das ist vorbei. Zukünftig dürfen alle Dortmunder Kunstfreude ein Quartal lang Kunstwerke ausleihen – sehr zu Freude von Thomas Zweier, Ratsherr für DIE LINKE+ und Mitglied im Kulturausschuss.

    „Die Kunst in dunklen Kellern zu lagern, das konnte nie im Sinne der Kreativen sein“, kritisierte Thomas Zweier erneut in der letzten Kulturausschuss-Sitzung. „Mein Vorschlag, zumindest Kirchen, Gewerkschaften und anderen gesellschaftlichen Organisationen die Ausleihe zu ermöglichen, ist nicht nur auf fruchtbaren Boden gefallen. Meine Erwartungen wurden mit der Idee einer Kunstausleihe für jedermann sogar noch übertroffen. Über 1000 Exponate stehen nun zur Auswahl bereit. Das freut mich sowohl für die Künstler als auch für die zukünftigen Ausleiher gleichermaßen.“

    Thomas Zweier war jahrelang Mitglied der städtischen Kunstankaufskommission und hat sich von Anfang an Gedanken über den Umgang mit den Hinterlassenschaften der Dortmunder Kunstszene gemacht. „Dass sich die Verwaltung und das Kunstarchiv nun zu diesem Schritt entschlossen haben, ist großARTig“, sagt Zweier.

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