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Jugendliche werden Botschafter der Erinnerung: Wichtiger Einsatz gegen das Vergessen und für die Menschenrechte

Der Jugendring ernennt neue Botschafter der Erinnerung und stellt einen eigenen Asylfilm vor.

Der  OB und der Jugendring haben neue Botschafter der Erinnerung benannt. Fotos: Alex Völkel

Großes Interesse gab es an der Ernennung der neuen Botschafter der Erinnerung und der Premiere des Asylrecht-Films des Dortmunder Jugendrings im Fritz-Henßler-Haus.

Das FHH-Café war völlig überfüllt – die Veranstaltung hätte wegen des großen Interesses gut im großen Saal des Hauses stattfinden können. Denn der Film zum Thema Menschenrechte und Asyl, den die jungen Botschafter der Erinnerung mit professioneller Unterstützung in Dortmund gedreht haben, kann sich wirklich sehen lassen.

Professioneller Film mit unterschiedlichen Handlungssträngen

Der Jugendring ernennt neue Botschafter der Erinnerung und stellt einen eigenen Asylfilm vor.

Filmemacher Cem Arslan (rechts) hat mit seinen Jugendlichen den Film realisiert.

Gemeinsam mit dem Filmteam und Regisseur und Filmemacher Cem Arslan haben die Dortmunder Jugendlichen selbst eine non-lineare Geschichte geschrieben und in einem Drehbuch umgesetzt, die die (fiktiven) Erlebnisse von zwei jungen Flüchtlingen auf ihrem Weg zum Asylantrag in Dortmund erzählt.

Das Besondere: Der Betrachter kann sich an mehreren Stellen entscheiden, welcher der Figuren er im Film folgen will. Die Steuerung über das Menu der DVD eröffnet Wahlmöglichkeiten. Zur Auswahl stehen eine Vielzahl von Akteure. Zuschauer können mit den Flüchtlingen begleiten, dem missmutigen Abschiebebeamten folgen, den Film aus Warte der demonstrierenden Antifaschisten erleben oder die Neonazis erleben, die die Flüchtlinge überfallen.

„Do it!“ – Ehrenamtliche Vormünder kümmern sich um minderjährige Flüchtlinge

Vor dem Film berichtete Ilda Kolenda vom Diakonie-Projekt „Do It!“ über die Situation von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen und ihrer Arbeit mit ehrenamtlichen Vormündern, die sich für die jungen Flüchtlinge einsetzen. Kolenda appellierte für eine menschlichere und vor allem zügigere Behandlung der teils völlig traumatisierten Flüchtlinge durch die Behörden: „Die Jugendlichen bringen aus ihren Heimatländern ein tiefes Misstrauen gegen Behörden mit. Es sind existenzielle Ängste“, beschrieb sie die Situation der jungen Flüchtlinge – mehrere hundert gibt es allein in Dortmund.

Der Jugendring ernennt neue Botschafter der Erinnerung und stellt einen eigenen Asylfilm vor.

Ilda Kolenda (rechts) von der Diakonie berichetet über die Probleme von Flüchtlingen.

Sie haben ohne ihre Familien ihre Heimat verlassen, weil sie vor Krieg und Verfolgung fliegen mussten. Die ehrenamtlichen Vormünder sind die Fürsprecher und Erziehungsberechtigten der jungen Flüchtlinge, die ihnen bei dem Weg in ein sicheres und menschenwürdiges Leben zu Seite stehen. Das Dortmunder „Do It!“-Projekt haben 45 Ehrenamtliche durchlaufen, die sich jeweils um mindestens ein „Mündel“ kümmern oder gekümmert haben. Interessierte können sich melden – die Diakonie bietet ein kostenloses Qualifizierungsprogramm an. Der nächste Kurs beginnt voraussichtlich im September.

Übrigens: Die Zahlen der Jungen und Mädchen, die in ihrer existenziellen Not ihre Heimat verlassen haben, hält sich ungefähr die Waage. Nicht wenigen von ihnen scheitern oder verlieren auf der Flucht ihr Leben. Besonders eklatant ist es aber bei den Mädchen: Bei den Behörden in Deutschland kommen kaum minderjährige Frauen an – sie enden meist bei Menschenhändlern und in europäischen Bordellen…

Erfolgreiches Projekt: 54 neue Botschafter der Erinnerung ernannt

Der Jugendring ernennt neue Botschafter der Erinnerung und stellt einen eigenen Asylfilm vor.

Der Film beschäftigt sich mit der fiktiven geschichte zwei junger Flüchtlinge und ihren Erlebnissen.

Der Film der Dortmunder Jugendlichen wird in Kürze im Internet zu sehen und auf DVD erhältlich sein. Einige der Mitwirkenden des Film – darunter auch die Hauptdarsteller – kamen auch im Anschluss noch einmal auf die Bühne: Sie wurden von Oberbürgermeister Ullrich Sierau und Jugendring-Vorstand Werner Blanke zu Botschaftern der Erinnerung ernannt.

Seit dem Jahr 2011 gibt es das ausgezeichnete Projekt. Rund 100 Jugendliche haben sich bisher für die Menschenrechte und gegen Rassismus, Antisemitismus, Antiziganismus und Fremdenfeindlichkeit engagiert. „Sie entscheiden sich für das Leben, treten ein für die Menschenrechte und wahren so das Vermächtnis der letzten Holocaust-Überlebenden“ – so steht es auch auf den Ernennungsurkunden.

Einsatz gegen das Vergessen und für Menschenrechte

Der Jugendring ernennt neue Botschafter der Erinnerung und stellt einen eigenen Asylfilm vor.

Die Gruppe Klangpoet sorgte für den musikalischen Rahmen der Feier im Fritz-Henßler-Haus.

„Sie bereichern mit ihrem Engagement die Dortmunder Erinnerungskultur“, so Blanke in seinem Grußwort. „Mit ihren kreativen Ideen leisten sie ihren Beitrag gegen das Vergessen und treten mit ihrem Einsatz gegen den Faschismus den geistigen Erben von Auschwitz entgegen.“

Im Fritz-Henßler-Haus wurden 54 neue Botschafterinnen und Botschafter ernannt – mehr als 40 konnten die Urkunde persönlich entgegennehmen. „Sie leisten eine wichtige Auseinandersetzung mit der Geschichte und geben ihre Erfahrungen an Mitschüler und Freunde weiter“, lobte OB Ullrich Sierau ihren Einsatz. „Der Film zeigt das in besonderer Weise.“

Auch die Reaktionen aus dem Publikum sprachen eine deutliche Sprache: „Wir brauchen mehr Leute, die sich quer stellen, wenn Menschenrechte mit Füßen getreten werden!“ Oder noch kürzer: „Es ist gut, dass es euch in Dortmund gibt.“

 

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Links zu den Flüchtlingsprojekten der Diakonie Dortmund:

 

Links zum Jugendring und den BotschafterInnen der Erinnerung:

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