Handschriftliche Partituren und Operntexte des Dortmunder Komponisten und Dirigenten August Haselhoff entdeckt

Partitur-Ausschnitt von August Haselhoff, die hinter einem Schrank gefunden wurde. Fotos: Joachim vom Brocke

Von Joachim vom Brocke

Der Student Julian Witt staunte nicht schlecht. Bei Renovierungsarbeiten an einem Schrank im Haus seiner Großmutter machte er einen tollen Fund. Julian entdeckte handschriftliche Partituren und Operntexte. Da traf es sich gut, dass der junge Dortmunder einen praktischen Studienteil bei der Stadtverwaltung machte. Julian Witt sprach Bürgermeister Manfred Sauer auf seinen interessanten Fund an, der sich zeitnah mit dem Hörder Heimatforscher Willi Garth traf. Es stellte sich heraus, dass es sich um Werke des Dortmunder Heimatkomponisten und Dirigenten August Haselhoff (1862 – 1945) handelt. An den Musiker erinnern im Stadtteil Berghofen bereits die Haselhoffstraße und eine Gedenktafel.

Fabian Tavernise (16): Das Ausnahmetalent der Musikschule bereitet Einstudierung und Aufführung des “Intermezzo” von August Haselhoff vor.

Musikschule will Kompositionen aufführen

Schließlich gelangten sämtliche Notenblätter und die handschriftlichen Texte bei Musikschulleiter Volker Gerland. Mit den wiedergefundenen Kompositionen von August Haselhoff ein einmaliges und interessantes  Angebot für die Musikschule. Denn hier soll demnächst musikalisch an den Dortmunder Komponisten erinnert werden. Doch wann das sein wird, konnte Volker Gerland nicht sagen. Corona ist ein Hemmschuh – doch hinter den Kulissen sind die Vorbereitungen angelaufen. ___STEADY_PAYWALL___

Fabian Tavernise (16) übernimmt Einstudierung

Das Ausnahmetalent an der Musikschule, der erst 16-jährige Fabian Tavernise, Schüler an der Musikschule und Jungstudent im Fach „Dirigieren“, wird ein Zwischenspiel aus Haselhoffs bislang nie aufgeführter Oper „Das Erntefest“ mit dem Dortmunder Jugendorchester einstudieren.

Fabian will die Partitur neu schreiben, „damit man sie besser lesen kann“. Der junge Musiker, der nach eigenen Angaben in „keiner sehr musikalischen Familie“ aufgewachsen ist, spielte als Kind auf einem Klavier, das seine Mutter mitgebracht hatte. Musik sollte ihn auf seinem Weg nicht los lassen.

Junger Musiker gilt als Ausnahmetalent

Fabian Tavernise begann seine musikalische Aktivität als solistischer Knabensopran der Chorakademie Dortmund. Er lernte zusätzlich Klavier, Cembalo, Orgel, Cello und Tuba, interessierte sich für Harmonielehre, Komposition und Dirigieren. Beim Wettbewerb „Jugend musiziert“ erspielte er als Pianist und Cembalist in der Solo- und Kammermusikbewertung mehrere Preise.

Die Musikschule (hier mit Bürgermeister Manfred Sauer und Willi Garth) freut sich über die Aufführung des Dortmunder Komponisten August Haselhoff. Foto: JvB

Fabian ist mit dem Dortmunder Jugendorchester als Klaviersolist, aber auch als Dirigent aufgetreten und hat bereits mehrere Stücke komponiert, die bei „Jugend musiziert“ und „Jugend komponiert“ aufgeführt und ausgezeichnet wurden. Um fit zu bleiben, gehören täglich „mindestens ein bis zwei Stunden“ Musik zum Tagesablauf.

Berufsziel von Fabian Tavernise ist Dirigent. Als Ausnahmetalent wurde er als Jungstudierender im Fach Dirigieren an der Musikhochschule in Hannover aufgenommen. Das Intermezzo von August Haselhoff ist für ihn ein besonders dirigentisches Projekt. Es handelt sich um eine handgeschriebene Partitur mit Korrekturen, für die es kein Hörbeispiel gibt – eine Herausforderung und ein Glücksfall für die Dirigierdidaktik.

Seit Jahren wird Fabian an der Musikschule von Achim Fiedler betreut, für den die pädagogische Arbeit mit Jugendlichen, Studierenden und Erwachsenen ein wichtiger Arbeitsschwerpunkt ist. Seit 2012 ist Fiedler Dirigent vom Dortmunder Jugendsinfonieorchester, in dem rund 70 Musiker*innen im Alter von 13 bis 20 Jahren musizieren. Viele Konzertreisen in nordische Länder oder in die Toskana gab es. Gastverpflichtungen führten ihn bisher zu über 40 Orchestern im In- und Ausland.

Porträt von August Haselhoff (Archiv Willi Garth)

August Haselhoff war Leiter etlicher Chöre

August Haselhoff, der seine Kompositionen so gut versteckt hatte, wurde 1862 auf dem Gut Berghofen geboren. Auf dem Fürstlichen Konservatorium in Sondershausen in Thüringen wurde er zum Pianisten und Komponisten ausgebildet. Zurück in Dortmund arbeitete er zunächst als Musiklehrer und Organist der Dortmunder Synagoge, später als Musik- und Gesangslehrer am städtischen Konservatorium in Hagen. Nach sechs Jahren gab er den sicheren Posten auf, um seiner Leidenschaft als Dirigent und Chorleiter nachgehen zu können. Haselhoff wurde Leiter etlicher Chöre. 1912 gewann er zusammen mit dem „Ruhrtaler MGV“ aus Schwerte den „Kaiserpreis“, damals die höchste Auszeichnung für einen Gesangverein. Nach dem Ersten Weltkrieg verdiente er sein Geld als Pianist mit Unterhaltungsmusik.

In 21 Vereinen Ehrenmitglied oder -dirigent

Der Versuch, einen Musikverlag zu betreiben, scheiterte. Seine Notenblätter mit Haus- und Chormusik fanden jedoch ihre Abnehmer und mit seinen Chören erlebte er seine größten Erfolge. Gegen Ende seines Lebens war August Haselhoff in 21 Vereinen Ehrenmitglied oder -dirigent. An der Berghofer Straße 245 erinnert seit 1952 eine Gedenktafel an ihn.

Zu den Werken, die Haselhoff hinterließ, gehören eine Symphonie in d-Moll, die vom Dortmunder Philharmonischen Orchester aufgeführt wurde. Nicht aufgeführt wurde seine um die westfälische Heimat kreisende Oper „Das Erntedankfest“, für die der Dortmunder Kapellmeister Heinrich Schäfer das Libretto schrieb und in der Haselhoff  den Chorszenen breiten Raum gewidmet hatte. Ein Zwischenspiel aus dieser Oper soll nun vom Dortmunder Jugendsinfonieorchester unter der Leitung von Fabian Tavernise aufgeführt werden.

 

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