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Gut Ding will Weile haben: Reinoldikirche bleibt bis nächsten Sommer Baustelle – dann erklingen neue Orgeln

Kirchenkreis-Architektin Susanne Kideys und Pfarrer Michael Küstermann mit der Zeichnung der neuen Orgel im Turmbereich. Bis nächsten Sommer muss weiter improvisiert werden. Fotos: Joachim vom Brocke

Von Joachim vom Brocke

Handwerker haben schon seit letztem Sommer die Regie im Innern der Reinoldikirche übernommen. Nur unregelmäßig oder zu bestimmten Zeiten durften Besucher*innen das Gotteshaus, das Wahrzeichen mitten in der City, besuchen. Bis zum Sommer nächsten Jahres bleibt das Provisorium bestehen. Erst dann wird die neue Orgel eingebaut sein und erklingen. Für alle zurzeit ein Provisorium, das sich nicht ändern lässt. Für Gottesdienste, Abendgebete und Seelsorge ist die Reinoldikirche weitgehend geöffnet. Die aktuellen Öffnungszeiten befinden sich auf der Internetseite der Kirche und am Eingang.

Alte Orgel aus den 50er Jahren fiel oft aus, die Reparaturen waren teuer

Die Arbeiten starteten im Sommer mit dem Abbau der alten Walcker-Orgel. Der schon lange geplante Neubau der Orgel war erforderlich geworden, weil die alte Orgel aus der Nachkriegszeit zum Probleminstrument geworden war. Sie fiel oft aus und verursachte hohe Reparaturkosten. Darüber hinaus bescheinigten drei Experten der Gemeinde, dass die alte Orgel defekt und nicht mehr zu retten sei.

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Also wurde das Instrument aus den 50er Jahren abgebaut und „in tausende von Einzelstücken“ zerlegt, wie Pfarrer Michael Küstermann sagte. Noch 20 brauchbare Register aus der Walcker-Orgel werden in der neuen Hauptorgel verbaut. Dadurch, so hieß es, könne auch das Klangbild in Grundzügen erhalten bleiben, werde aber um umfangreiche Klangdimensionen erweitert.

Großes Hauptorgelwerk im Turm, kleine Chororgel im Seitenschiff

Ausgebaut ist die alte Walcker-Orgel in der Reinoldikirche. Die neuen Instrumente sollen im Sommer 2021 fertig sein.

Nach langen Vorplanungen wurde das neue Instrument bei der renommierten Werkstätte für Orgelbau Mühleisen im schwäbischen Leonberg in Auftrag gegeben, die sich gemeinsam mit dem Architektenbüro Hirche aus Hamburg an die Arbeit machten. Standort bleibt die Orgelempore über dem Westportal mit Durchgang zum Turmraum.

Eine gläserne Rückwand hinter dem Orgelwerk wird den Blick in den Turmraum öffnen und die Silhouette der Orgel betonen. Zusätzlich entsteht in der Reinoldikirche noch eine kleinere Chororgel. Sie wird vorne im rechten südlichen Seitenschiff unterhalb der großen Fensterrosette stehen.

Diese Chororgel, so informierten Pfarrer Michael Küstermann und Susanne Kideys, Architektin im Evangelischen Kirchenkreis, fungiert als kleineres Teil-Instrument der zweiteiligen Orgelanlage in St. Reinoldi und thront auf einem durchschreitbaren Unterbau, der einem geöffneten Tor ähnelt. Besucher*innen, die St. Reinoldi durch die Ostenhellweg-Pforte betreten oder verlassen, können direkt unter der Chororgel durchgehen.

4230 Pfeifen sorgen für Klangliche Qualitäten auf höchstem Niveau

In die beiden Orgeln in St. Reinoldi sollen in den kommenden Jahren insgesamt rund 2,7 Millionen Euro investiert werden. Archivbild: Oliver Schaper

In die beiden Orgeln in St. Reinoldi werden rund 2,5 Millionen Euro investiert. Archivbild: Oliver Schaper

Wenn alles klappt, soll im März der Stahlkörper für die kleinere Chororgel aufgestellt werden. Das Instrument ist bereits fertig und wartet in Kisten verpackt auf die Auslieferung. Michael Küstermann: „Ende Juni kann das soweit sein“.

Das kirchenmusikalische Schmuckstück wurde exklusiv für St. Reinoldi konzipiert und wird klangliche Qualitäten auf höchstem Niveau bieten. Die neue Orgel wird mit vier Manualen (Hauptwerk, Oberwerk, Schwellwerk, Solowerk und Pedal) ausgestattet sein.

Die Orgelpfeifen der 63 Register werden mit Hilfe einer mechanischen Spieltraktur vom angebauten Spieltisch auf der Empore oder von einem fahrbaren Spieltisch im Kirchraum aus zum Klingen gebracht. Im Innern der Reinoldikirche besteht die Möglichkeit, den Spieltisch an drei Punkten anzuschließen.

Die Umbaumaßnahmen werden rund 2,5 Mio. Euro kosten

Wenn die Instrumente fertig aufgebaut sind, werden sie vor Ort gestimmt. Orgelbaumeister und weitere Expert*innen prüfen den Klang jeder einzelnen Pfeife und das Zusammenspiel aller Raumelemente. „Das dauert“, sagt Michael Küstermann, „und kann zu weiteren Schließungen führen“. Die Hauptorgel wird über 4230 Pfeifen verfügen; die Chororgel hat künftig 570 Pfeifen.

Die neuen Orgeln kosten rund 2,5 Millionen Euro. Die Finanzierung wurde sichergestellt durch großzügige Unterstützung der Reinoldigilde und das private Engagement zahlreicher Gildner*innen. Die im Jahr 1254 erstmals schriftlich erwähnte Reinoldigilde und die Stadtkirche St. Reinoldi verbindet eine jahrhundertelange Tradition.

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Weitere Informationen:

  • Die erste Walcker-Orgel in der Reinoldikirche wurde 1909 eingebaut und 1943/44 zerstört. Sie gehörte lange zu den größten Orgeln Deutschlands.
  • In aller Regel ist die Reinoldikirche für Besucher*innen täglich von 14 bis 18 Uhr geöffnet, samstags und sonntags ganztags. Änderungen wegen der Bauarbeiten lassen sich nicht ausschließen.
  • Zurzeit werden die Gottesdienste von Kantor Christian Drengk am Flügel begleitet, manchmal durch den Bläserchor. Aktuell für den passionierten Kirchenmusiker eine frustrierende Zeit.
  • Infos auch im Internet: www.neueorgelsanktreinoldi.de

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