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Gesundheitsamt weitet Sprechstunden für nicht krankenversicherte Menschen aus Südosteuropa aus

Der Wartebereich für die Hilfesuchenden im Gesundheitsamt.

Der Wartebereich für die Hilfesuchenden im Gesundheitsamt. Fotos: Alex Völkel

Die Stadt Dortmund hat ihr medizinisches Basisangebot für Menschen, die aus Südosteuropa nach Dortmund gekommen und nicht krankenversichert sind, deutlich ausgeweitet.

Kostenlose Angebote für Schwangere und Kinder im Gesundheitsamt

Birgit Zoerner, Brigitte Schütte-Berning, Dr. Annette Düsterhaus und Dr. Christine Basiner im Behandungsraum.

Birgit Zoerner, Brigitte Schütte-Berning, Dr. Annette Düsterhaus und Dr. Christine Basiner im Behandungsraum.

Allerdings – und das ist eine wichtige Erkenntnis – haben diese Angebote zu keiner Sogwirkung geführt, die zusätzliche Menschen nach Dortmund locken, betont Sozialdezernentin Birgit Zoerner. „Wir haben ein gutes Netzwerk. Aber so attraktiv sind wir nicht“, ergänzt Dr. Annette Düsterhaus, scheidende Leiterin des Gesundheitsamts.

Seit dem 1. Februar 2015 wird die Sprechstunde für Kinder und Jugendliche dreimal in der Woche für jeweils drei Stunden angeboten.

Bereits seit dem 1. Oktober 2014 können schwangere Frauen wöchentlich an zwei Terminen mit insgesamt 7,5 Stunden zur freien Sprechstunde kommen. Darüber hinaus stehen 2,5 Stunden für vereinbarte Termine zur Verfügung. Insgesamt ist das medizinische Angebot damit von acht auf 19 Stunden in der Woche angewachsen.

„Eine medizinische Versorgung war vielen der Menschen völlig unbekannt“, berichtet Dr. Annette Düsterhaus. „Für viele Frauen war es die x-te Schwangerschaft, sie haben aber erstmals bei uns eine Gynäkologin gesehen. Unsere Angebote werden angenommen und die Frauen sind sehr dankbar.“

Basisversorgung für nicht krankenversicherte Kinder und Jugendliche

Dr. Christine Basiner, Sevic Mir Jahan, Brigitte Schütte-Berning und Dr. Annette Düsterhaus im Empfangsbereich.

Dr. Christine Basiner, Sevic Mir Jahan, Brigitte Schütte-Berning und Dr. Annette Düsterhaus im Empfangsbereich.

Seit dem 01. Juni 2011 bietet das Gesundheitsamt der Stadt eine Basisversorgung für nicht krankenversicherte Kinder und Jugendliche aus Südosteuropa an.

Das Beratungs- und Untersuchungsspektrum umfasst Vorsorgeuntersuchungen, Impfungen nach den Empfehlungen der Ständigen Impfkomission, bei Erkrankungen auch Untersuchungen einzelner Funktionsbereiche, die Mitgabe von Medikamenten und eine Beratung.

Am 1. August 2012 kam eine gynäkologische Sprechstunde für nicht krankenversicherte schwangere Frauen hinzu. Hier umfasst das Angebot: die Untersuchung und Behandlung bei sexuell übertragbaren Erkrankungen, Basis-Schwangerschaftsvorsorgeuntersuchungen in Anlehnung an die Mutterschaftsrichtlinien sowie die Ausstellung von Privatrezepten für Pille und Spirale (Behandlung, Untersuchung und der Einsatz der Spirale sind kostenlos). Auch hier sind Medikamentengaben und Beratung eingeschlossen.

Rat hat  eine Ausweitung der Sprechstundenangebote beschlossen

Renate Breidenbach und Sevic Mir Jahan präsentieren die kleine Kleiderkammer.

Renate Breidenbach und Sevic Mir Jahan präsentieren die kleine Kleiderkammer.

Aufgrund der hohen Inanspruchnahme dieser Angebote hatte der Rat der Stadt Dortmund am 10. April 2014 eine Ausweitung der Sprechstundenangebote beschlossen. Dazu waren zusätzliches Personal und weitere Räume notwendig.

Seit dem 1. Oktober 2014 sind eine Gynäkologin und eine medizinische Fachangestellte mit türkischem Migrationshintergrund mit Stellenanteilen von je 19,25 Stunden pro Woche in der Beratungsstelle tätig.

Am 1. Dezember 2014 trat eine Kinder- und Jugendärztin, ebenfalls mit 19,25 Stunden pro Woche, ihren Dienst an. Die Teilzeitstelle der Kinderkrankenschwester für die Sprechstunde für Kinder und Jugendliche konnte bis jetzt noch nicht besetzt werden.

Sprachmittlerinnen (rumänisch und bulgarisch) komplettieren das Team.

Umbaumaßnahmen und interne Umzüge im Dortmunder Gesundheitsamt

Sevic Mir Jahan ist medizinische Fachangestellte im Gesundheitsamt und empfängt die Hilfesuchenden.

In der Hövelstraße finden die Sprechstunden statt.

Die notwendigen Räumlichkeiten konnten nach einem internen Umzug und erforderlichen Umbaumaßnahmen im Erdgeschoss des Gesundheitshauses an der Hövelstraße 8 in Betrieb genommen werden.

Die Sprechstunden werden weiterhin vom Projekt „Schritt – Weise“ des Diakonischen Werkes unterstützt. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beraten und informieren die zugewanderten Familien zum Leben in Deutschland bzw. Dortmund und vermitteln an andere soziale Dienste.

Große Nachfrage: Inanspruchnahme der Sprechstunden nimmt weiter zu

Sevic Mir Jahan ist medizinische Fachangestellte im Gesundheitsamt und empfängt die Hilfesuchenden.

Sevic Mir Jahan ist medizinische Fachangestellte im Gesundheitsamt und empfängt die Hilfesuchenden.

Die Inanspruchnahme der medizinischen Angebote des Dortmunder Gesundheitsamtes ist weiterhin steigend. Sie sprechen sich rum.

2014 wurden 376 Kinder erstmalig behandelt. Insgesamt gab es 1 517 Kontakte zu Kindern, die die Sprechstunde mehrfach aufsuchten. Bei über 70 Prozent der Kinder wurden akute Erkrankungen behandelt.

Die gynäkologische Sprechstunde wurde im Jahr 2014 von 186 Frauen erstmalig aufgesucht. Insgesamt gab es 745 Kontakte zu Frauen, die mehrfach in der Sprechstunde behandelt wurden.

Zoerner mahnt an, das Problem aus Bundesebene zu lösen

Dem Gesundheitsamt ist wichtig, dass in beiden Sprechstunden nur eine Basisversorgung sichergestellt werden kann. Weiterführende Untersuchungen können durch das Gesundheitsamt nicht geleistet werden.

„Um dieses Problem zu lösen, müssen sich die Menschen krankenversichern. Die Übergänge von der Krankenkasse im Heimatland in die Krankenkasse des Ziellandes funktionieren in der Praxis aus vielerlei Gründen nicht“, betont Zoerner. „Die Kommunen fordern deswegen Clearingstellen, die sich darum kümmern“.

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