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Für eine soziale wie ökologische Wende in Dortmund: Utz Kowalewski zum OB-Kandidaten der Partei Die Linke ernannt

Auch die Linke hat nun offiziell einen OB-Kandidaten. Mit Utz Kowalewski schickt sie ein Kind der Nordstadt ins Rennen. Foto: Die Linke

Mit dem erfahrenen Kommunalpolitiker Utz Kowalewski wirft ein eigener OB-Kandidat für die Partei Die Linke seinen Hut in den Ring. Die Mitgliederversammlung des Dortmunder Kreisverbandes nominierte letzten Samstag den gebürtigen Dortmunder – aufgewachsen in Scharnhorst – mit großer Mehrheit für die Wahlen bei der Kommunalwahl am 13. September zum Amt des Oberbürgermeisters. Der gegenwärtige Vorsitzende der Fraktion Die Linke & Piraten im Rat der Stadt ist mit derzeit 49 Jahren der jüngste Bewerber unter den Kandidat*innen der demokratischen Parteien. Seine Chancen sieht er so realistisch wie sie real sein können.

Ein linker OB-Kandidat für Dortmund: (k)eine Chance, die es unbedingt zu nutzen gilt

Sitzung Stadtrat Dortmund, 15.11.2018: Neonazis und Rechtspopulisten hatten keine Chance. Fotos: Alexander Völkel

Sitzung  im Dortmunder Stadtrat. Foto (3): Alexander Völkel

Seit 2010 steht Utz Kowalewski der Ratsfraktion vor, seit 2009 ist er Mitglied des Stadtrats. Zuvor war er in den Jahren 2006 bis 2009 Sprecher der Partei Die Linke in Dortmund, deren Kreisverband er – anfangs noch als Kreissprecher der Vorgänger-Organisation WASG – maßgeblich in Dortmund mit aufgebaut hat. Die WASG gilt als linke Abspaltung von der SPD, die sich dann mit der ostdeutschen PDS zur heutigen Linken vereinigt hat.

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Ein Linker als OB-Kandidat in Dortmund? Rechnet er sich da überhaupt Chancen aus? „Seien wir realistisch – versuchen wir das Unmögliche, so lautet ein historisches [Ernesto Che Guevara zugeschriebenes – d.R.] Zitat. Tatsächlich befindet sich das komplette politische Spektrum derzeit im Umbruch. Da gibt es keine Gewissheiten mehr. Chancen hat, wer die Wähler*innen überzeugen kann“, verortet der Linkskandidat selbstbewusst seine Wahlchancen mit einem Hauch spitzfindiger Dialektik.

Und da sind schließlich ermutigende Fakten: „Denken Sie nur an Thüringen und die derzeitigen Umfragerekorde für Bodo Ramelow“, so Kowalewski. In erster Linie sei es ihm wichtig, den Wähler*innen in Dortmund eine soziale Alternative zu den drei im Verwaltungsvorstand vertretenen Parteien (SPD, CDU, Grüne) zu bieten – sowohl bei der OB-Wahl als auch bei der Wahl für den Rat.

Linke Programmatik in ihrem Kern: Dortmund braucht die sozial-ökologische Wende

Die Linke war über weite Strecken der aktuellen Wahlperiode der Oppositionsführer im Dortmunder Rat. Da liegt es für die Genoss*innen nahe, diese Rolle auch mit einer OB-Kandidatur zu unterstreichen – und alternative Politikmodelle anzubieten.

Hartz IV bedeutet Armut.

„Die Menschen in Dortmund können sich selbst ein Bild darüber machen, was die SPD – zusammen mit der CDU und den Grünen – in Dortmund in den vergangenen Jahren umgesetzt hat. Man braucht sich ja nur die Radwege, viele Schwimmbäder, die Schlaglöcher in den Straßen oder den Zustand der Schulen anzusehen“, grenzt sich der an der Ruhr-Uni diplomierte Biologe vom kommunalpolitischen Mainstream der letzten Jahre dezidiert ab.

Vor allem aber – hier spricht genuine Tradition linker Politik – brenne es im sozialen Bereich. In Dortmund fehle bezahlbarer Wohnraum, die Obdachlosigkeit sei erschreckend hoch, jede/r sechste Dortmunder*in auf Transferleistungen angewiesen. Denn was so manche verantwortliche Politiker*innen in der Stadt gerne unterschlagen, wenn sie wieder einmal das Hohelied ihrer Verdienste runtersingen, benennt Utz Kowalewski klipp und klar: „Dortmund hat – nach Duisburg – die zweithöchste Armutsgefährdungsquote in Deutschland.“ Punkt.

Statt weiterer Leuchtturmprojekte: Politik, die basale menschliche Bedürfnisse im Blick hat

Auch die Langzeitarbeitslosigkeit sei in der ablaufenden Wahlperiode unverändert hoch geblieben. Hier macht der Kandidat infolgedessen dringenden Handlungsbedarf aus:

„Das müssen wir unbedingt ändern. Zu Gunsten der Betroffenen. In Dortmund soll es allen Menschen gut gehen. Wir wollen Gemeindewohnungen bauen und wir wollen die öffentliche Beschäftigung ausweiten und auch denjenigen Menschen eine Perspektive geben, die derzeit durch das Raster der Sozialsysteme fallen“, formuliert Utz Kowalewski.

Dieses Ziel sei um ein Vielfaches wichtiger, als Dortmund mit noch weiteren Leuchtturm-Projekten zu schmücken, die leider viel zu viel Geld gekostet hätten. „Bitte verstehen Sie mich nicht falsch. Ich liebe meine Heimatstadt. Dortmund hat viel zu bieten und soll auch viel bieten. Aber darüber dürfen wir die Menschen nicht vergessen“, betont der Kandidat Der Linken.

Will heißen: Politik ist kein Selbstzweck, sondern muss darauf abzielen, die soziale Lage der Menschen zum Besseren zu wenden. Insbesondere einer gängigen, in der Kommunalpolitik der letzten Jahre prävalenten Logik soll so ein Korrektiv beigeordnet werden: Ginge es der Wirtschaft gut, dann ginge es allen gut, bedeutet sie im Kern. Als wäre hier eine Art Selbstläufer am Werk.

Zur Erreichung der Klimaziele in Dortmund: schnelles Nachsteuern erforderlich

Aus der Perspektive linker Politik ist dies freilich ein fatal-naiver Irrtum, dem es an Bezügen zu essentiellen Verteilungsfragen gesellschaftlich produzierten Reichtums fehlt: von materiellen Gütern, Bildung, Chancen. Und in der Konsequenz dazu führt, dass die gewaltige Schere zwischen Arm und Reich bestehen bleibt, wenn nicht noch weiter auseinanderdriftet und sich privilegierte Lebenslagen zu Lasten jener verfestigen, denen das Leben von Haus aus weniger gut mitspielte.

Klare Aussagen Ende November letzten Jahres bei der FFF-Demo in Dortmund. Foto: Klaus Hartmann

Das zweite Markenzeichen linker Politik in Dortmund: Neben der sozialen Umwelt ist es im Bewusstsein der Zeit die Umwelt überhaupt, die der Aufmerksamkeit bedarf, soll auf globaler Ebene nicht gewaltig etwas schieflaufen. Auch das Klima dürfe nicht vergessen werden, fügt Kowalewski daher hinzu. Weiträumig gedacht, können die damit zusammenhängenden Fragen auch kommunalpolitisch nicht ausgeklammert werden. Sie sind ein weiteres Steckenpferd des linken Politikers.

„Dortmund hat seine Klimaziele bislang verfehlt“, stellt er nüchtern fest. „Da muss dringend und vor allem schnell nachgesteuert werden. Und bei diesem Thema – genauso wie beim Tier- und Artenschutz – macht mir unter den anderen Kandidaten für das OB-Amt keiner so schnell etwas vor – auch keine grüne Schuldezernentin“, so der erfahrene Kommunalpolitiker und Naturwissenschaftler kämpferisch vor allem in Richtung Daniela Schneckenburger.

Utz Kowalewski: „Ich kenne Dortmund und die Menschen in Dortmund aus dem Effeff“

Utz Kowalewski (Linke und Piraten), im Hintergrund Bürgermeisterin Birgit Jörder.

Utz Kowalewski bei der Haushaltsdebatte im Dezember 2019. Archivfoto

Erfahrung mit der Stadtverwaltung und mit politischen Abläufen hat Utz Kowalewski zu genüge gesammelt. „Ich bringe in diesem Bereich mehr als zehn Jahre Erfahrung mit.“ Und hat Erfolge erzielt. Als Beispiele nennt er die Reform der wirtschaftlichen Jugendhilfe und die Verdopplung der Zahlen von Auszubildenden, die er mit seinen Fraktionskolleg*innen in Zusammenarbeit mit der Verwaltung auf den Weg gebracht hatte.

Schließlich ist da noch ein besonderer Punkt: „Und ein ganz wichtiges Pfund: Ich kenne Dortmund und die Menschen in Dortmund aus dem Effeff“, betont er. Und die Nordstadt ganz besonders, ihre Nöte und Sorgen. Im Knappschaftskrankenhaus in Brackel zur Welt gekommen, wuchs wer in Scharnhorst auf, wo er das Abitur an der Gesamtschule machte.

Was seinen politischen Weg bestimmte? – „Ich komme aus einem sozialdemokratisch geprägten Elternhaus. Die Schröder-Agenda 2020 und die Hartz IV-Gesetze haben dann zu meinem parteipolitischen Engagement geführt“, erinnert sich der linke OB-Kandidat.

Die Linke zur im Herbst bevorstehenden Wahl: „Ein anderes Dortmund ist möglich“

Während des Studiums an der Bochumer Uni (RUB) lebte Kowalewski in Dorstfeld. „Mittlerweile liegt mein Lebensmittelpunkt in meinem Direktwahlkreis Wickede“, sagt der dreifache Vater, der auch Mitglied beim BUND, im Verein „Mehr Demokratie“ und in der „Schutzgemeinschaft gegen Fluglärm“ ist.

Das Kommunalwahlprogramm der Dortmunder Linken trägt übrigens den bezeichnenden wie vielversprechenden Titel: „Ein anderes Dortmund ist möglich. Sozial. Ökologisch. Solidarisch.“ und findet sich hier:

 

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