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Filmpremiere im Roxy-Kino: „Hier“ ist eine Geschichte über Abschied und Flucht aus Syrien und Neubeginn in Dortmund

In „Hier“ wird die Geschichte der zwei syrischen Flüchtlinge Esmail und Manar erzählt, die aus ihrer Heimat Syrien flohen, um in Dortmund ihr neu anzufangen.

In „Hier“ wird die Geschichte der zwei syrischen Flüchtlinge Esmail und Manar erzählt, die aus ihrer Heimat flohen, um in Dortmund neu anzufangen. Regisseur Jan Lukas Winter verbrachte schon im Vorfeld des Drehs viel Zeit mit den beiden.

Jan Lukas Winter wohnt seit sechs Jahren in Dortmund und ist Journalistik-Student. Am Samstag, den 24. November, um 15 Uhr wird sein Dokumentar-Film „Hier“ im Roxy-Kino in der Nordstadt gezeigt. Für seine Abschlussarbeit befasste er sich mit der fesselnden Geschichte syrischer Geflüchteter, die sich in Dortmund ein neues Leben aufbauen. Jack Antty hat ihn zum Hintergrund seines Projekts interviewt.

Frage: Wie kamst du zu deinen Protagonisten Esmail und Manar? 

Jan Lukas Winter: Das war ein sehr langer Prozess. Ich bin mit dem Verein „Projekt Ankommen“ in Kontakt getreten und relativ offen an die Sache rangegangen. Sie wussten, dass ich einen Film drehen möchte und dafür Protagonisten suche. Ich stellte die Frage, wer gerne mit mir reden würde, denn ich möchte einfach nur zuhören – da hatten erstmal mehrere Leute Interesse. So habe ich mit Helfern und anderen Flüchtlingen gesprochen, bis sich die beiden nach drei Monaten dazu bereit erklärt haben, vor der Kamera ihre Geschichte zu erzählen. Das war keine leichte Entscheidung, da das Ganze mit Traumata zusammenhängt.

Viele Flüchtlinge haben ihre Geschichte bereits erzählt – was macht „Hier“ anders? 

Jan Lukas Winter

Filmemacher Jan Lukas Winter. Foto: privat

Ich weiß gar nicht, was meinen Film anders macht als andere. Ich kann dir aber sagen, warum ich das Bedürfnis hatte, diesen Film überhaupt zu machen. Das Ganze ist aus einer persönlichen Erfahrung entstanden.

Ich habe vor zwei oder drei Jahren gemerkt, dass sich die Stimmung im Land geändert hat. Das bemerkte ich auch bei meinen Freunden und im Bekanntenkreis, als Leute anfingen, Sachen zu sagen, die sie vorher nicht gesagt haben. Da fragte ich: „Was sagst du da? Wie kommst du da drauf? Hast du überhaupt ein Mal mit einem Betroffenen geredet?“ – Fast immer kam die Antwort: „Nein – hab  ich gelesen.“ Nein – hat der gesagt.“ „Nein – hab ich im Fernsehen gesehen.“

Da ist mir aufgefallen, dass sich zu wenig Leute eine Meinung bilden, anhand der eigenen Erfahrung. Mit diesem Hintergedanken ging ich in die Recherche. Ich dachte, wenn ich den Leuten genügend Raum gebe, um einfach nur zu erzählen – anstatt sie in ein Frage-Antwort-Spiel zu verwickeln – erfahre ich mehr Interessantes von ihnen. 

Was war dir besonders wichtig zu vermitteln? 

Ich wollte mit diesem Film keinen sensibilisieren im Sinne von „Hey guckt doch mal hin! Ihr müsste die Flüchtlinge alle mögen, weil das alles gute Leute sind.“ Es ging mir eher darum, einen Ansatz zu finden, wie ich das Interesse an diesem Thema wecken kann. Ich wollte die Zuschauer neugierig machen, indem sie den Film sehen, danach offene Fragen haben und sich so mit dem Thema auseinandersetzen. Das hat den Effekt, dass sich Leute dann tatsächlich eine Meinung bilden, die aus ihrer eigenen Erfahrung kommt. 

Welche Reaktion erhoffst du dir bei der Premiere am Samstag? 

Das Filmplakat zu „HIER“.

Das ist ganz ganz schwer zu sagen. Ich sehe den Film als ein Experiment. Der Fokus liegt bei den Protagonisten, deshalb sieht man über längere Passagen ihr Gesicht – das entlässt den Zuschauer in Situationen, die einwirken, ohne dass jemand spricht. Ich bin total gespannt, ob das funktioniert. 

Hattest du Schwierigkeiten bei der Umsetzung? 

Es ist schwierig, so etwas als ein-Mann-Team durchzuziehen, aber das ist quasi meine Abschlussarbeit – und bis auf die Hilfe von einigen netten Freunden, die beim Dreh als Crew agiert haben, habe ich das komplett alleine gemacht. Das ist natürlich sehr aufwändig.

Ich hatte eher Bedenken, die ausgeräumt werden mussten. Wie spreche ich mit jemandem über ein traumatisches Erlebnis, ohne ihn dabei zu belasten? Ich habe mit den beiden viel darüber gesprochen, was sie mir erzählen wollen und wie weit wir dabei gehen können, wenn es dann wirklich vor der Kamera im belichteten Studio soweit ist.

An erster Stelle stand dabei nicht, die emotionalsten Töne zu kriegen, sondern dass sie sich dabei wohl fühlen und die Kontrolle behalten. 

Hast du eine letzte Nachricht? 

Einfach mal zuhören – ohne sich dabei auf ein moralisches Ross zu setzen. 

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