Eine Bühne für die Vielfalt: Wie die Kokerei Hansa 2027 zum Klangraum und zur Theaterbühne wird

Pläne für die Internationale Gartenausstellung 2027 im Ruhrgebiet

Außenansicht vom Gelände
Sommer im Zukunftsgarten vor der IGA 2027 – vor historischer Kulisse auf der Kokerei Hansa. Foto: Leopold Achilles für die Stadt Dortmund

Mehr als 31.000 Quadratmeter Gartenkunst treffen auf ein umfassendes Programm aus Kultur, Sport, Bildung und Begegnung im Ruhrgebiet. Der Zukunftsgarten in Dortmund bietet Theater, Musik und Kunst zwischen Industriekultur und neuer Landschaft.

Blühende Gärten vor besonderer Industriekulisse

178 Tage, rund 6.000 Veranstaltungen und mehr als 31.000 Quadratmeter gärtnerische Ausstellungen: Die IGA 2027 soll nach Angaben der Veranstalter so vielfältig werden wie das Ruhrgebiet selbst und Gastgeberin für Garten- und Kulturfans weit über Deutschland hinaus sein.

„Mich begeistert, wie viele Möglichkeiten unsere Besucherinnen und Besucher 2027 haben werden. Sie können morgens durch blühende Gärten und außergewöhnliche Pflanzungen spazieren, Neues über Pflanzen und Gartenkultur entdecken, mit der Familie aktiv werden, Kunst begegnen und am Abend ein Konzert vor besonderer Industriekulisse erleben“, sagt Hanspeter Faas, Sprecher der Geschäftsführung der IGA 2027.

„Am nächsten Tag kann die IGA schon wieder ganz anders aussehen und klingen. Dieses Zusammenspiel ist einzigartig und macht die IGA 2027 zur IGA der Vielfalt“, so Faas.

Vom Sommernachtstraum bis zu KAMRAD

Die Kokerei Hansa ist 2027 nicht einfach Kulisse, sondern Teil des Programms. Durch das Schauspiel Dortmund wird der Wolkenhügel zur Open-Air-Theaterbühne für Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“. Beim Kinder- und Jugendtheater bewegt sich das Publikum mit „Oh, schöne neue Welt“ durch die Kokerei. Und wenn „The Dorf“ musizierend über das Gelände zieht, wird der gesamte Ort zum Klangraum.

„Im Sommernachtstraum gerät eine ganze Welt in Bewegung: Körper, Begehren, Natur und Fantasie verknüpfen sich neu, Ordnungen werden durchlässig. Wie aufregend, diesen Stoff in die Industrienatur der Kokerei Hansa zu setzen – an einen Ort, an dem sich Landschaft und Geschichte, Arbeit und neue Formen des Zusammenlebens begegnen“, sagt Sabrina Toyen, Leitende Dramaturgin am Schauspiel Dortmund. „Wir freuen uns darauf, mit Shakespeare, unserem Ensemble und dem Publikum der IGA genau das zu versuchen: diesen außergewöhnlichen Ort unter der künstlerischen Leitung von Carola Bühn in einen Spielraum zu verwandeln, der noch nicht von dieser Welt – und darin flüchtig, lustvoll und berührend ist.“

Auch musikalisch liegen Welten manchmal nur wenige Schritte auseinander: Elektropop, Indie, Jazz, Punk und Weltmusik treffen auf Orchesterklang und Klassik, von KAMRAD (am 27. April 2027) bis zur Neuen Philharmonie Westfalen. Hinzu kommen Kunst, Sport, Bildungsangebote und gemeinsames Spielen. Ein inklusiver Mitmachtag mit Special Olympics NRW steht dabei ebenso für den Dortmunder Ansatz wie lebensgroße Outdoor-Brettspiele der Spiele-Union.

(v.li.) Lydia Frotscher, Hanspeter Faas, Friederike Faas Sabrina Toyen, Carola Bühn und Alina Niessner. Foto: Socrates Tassos für die IGA 2027

„Special Olympics NRW ist die Sportorganisation für Menschen mit geistiger Behinderung in NRW und schafft mit rund 60 Veranstaltungen im Jahr Begegnung, Teilhabe und Freude am Sport“, erklärt Alina Niessner vom Projekt „Echt stark! Jugend gemeinsam für Demokratie, Inklusion & Sport“. „Das Highlight im Jahr 2027 werden die Landesspiele in Dortmund vom 9. bis 12. Juni, bei denen rund 2.000 Athletinnen mit geistiger Behinderung in 20 Sportarten antreten. Die IGA bietet dabei einen besonderen Ort, um Sport, Kultur und Natur zu verbinden und Raum für Erholung und Begegnung für Athletinnen und ihre Familien zu schaffen.“

Jeder IGA-Tag wird zum Tag, den man nicht vergisst

In den Zukunftsgärten treffen Gartenkunst, Pflanzenvielfalt und aktuelle Themen des Gartenbaus auf Musik und Konzerte, Theater und Tanz, Sport und Bewegung, Kunst und Kreativität, Familie und Freizeit, Bildung und Wissenschaft, Literatur und Austausch sowie Angebote für Besinnung und Begegnung. Renommierte Kulturinstitutionen und bekannte Künstler*innen stehen dabei neben regionalen Ensembles, Vereinen, Initiativen, der freien Szene und jungen Talenten.

Der kleinste Ring (Durchmesser elf Meter) der Skulptur „Die Wolke“ wurde auf dem IGA-Gelände errichtet. Foto: Anja Cord für Nordstadtblogger.de

Gleichzeitig sollen aufwendig gestaltete Pflanzungen, Blumenhallenschauen, Wettbewerbe und besondere gärtnerische Beiträge zeigen, warum sich ein Besuch für Blumen-, Pflanzen- und Gartenfans durch die gesamte Saison immer wieder neu lohnt. „Die gärtnerischen Ausstellungen bilden das blühende Herz der IGA 2027″, sagt Lydia Frotscher, Leiterin Gärtnerische Ausstellungen der IGA 2027.

„Auf mehr als 33.000 Quadratmetern zeigen wir die ganze Vielfalt, Kreativität und fachliche Qualität des Gartenbaus – von aufwendig komponierten Pflanzungen und außergewöhnlichen Pflanzenraritäten über innovative Lösungen für Klimaanpassung und Biodiversität bis hin zu beispielgebenden Ideen für den eigenen Garten und Balkon.“

So stehen in Dortmund unter anderem über 800 Quadratmeter Wassergärten, zwei je 500 Quadratmeter große Blumenhallenschauen und Sonderbeiträge von Kakteen über Miniteiche bis zu Pilzen auf dem Plan.

Zum Gesamtprogramm der IGA sagt Friederike Faas, Leiterin Veranstaltungen der IGA 2027: „Das Ruhrgebiet ist eine Region der vielen Bühnen, Szenen und Geschichten – und genau diese Vielfalt wird sich auch im Veranstaltungsprogramm der IGA widerspiegeln. Wir werden mit der IGA 2027 nicht nur zeigen, wie grün das Ruhrgebiet ist, sondern auch, welche kulturelle Qualität hier vorhanden ist.“


Die weiteren Standorte der IGA 2027

Gelsenkirchen setzt auf die lokale Musikszene: 99ROCKETS Records und Easy Easy bringen unabhängigen Sound und Indie in den Zukunftsgarten, die Garden Sessions öffnen gemeinsam mit popNRW regelmäßig die Bühne für Newcomer*innen. Daneben sind Schlager, kubanische Rhythmen und großes Orchester ebenso Teil des Programms wie Straßentheater, Walking Acts und Familienangebote. Mit dem FC Schalke 04 ist zudem ein Partner eingebunden, der die Sportidentität der Stadt repräsentiert; beim Tag der Bergbaukultur wird die Geschichte des Ruhrgebiets mit Knappenvereinen lebendig.

Duisburg verbindet Garten und Landschaft mit Kunst, Kultur und urbaner Bewegung: Ein zehntägiges Lichtkunstfestival eröffnet den Zukunftsgarten, Skulpturen und Installationen begleiten die Besucher*innen während der gesamten IGA. Musikalisch reicht die Bandbreite von der Duisburger Musikerin Stina Holmquist über Glasperlenspiel bis zur Deutschen Oper am Rhein. Einen weiteren Schwerpunkt setzt die Stadt bei urbaner Bewegungskultur: Der IGA Movement Space von URBANATIX bringt während der Sommerferien Parkour, Calisthenics und Breakdance zusammen, rund um den bestehenden Skatepark entstehen mit dem Skateverein Duisburg Workshops und Treffpunkte für die Szene.

„Wir sind eine bunt gemischte Gemeinschaft von Menschen aus Duisburg und der Umgebung, die sich zusammengeschlossen haben, um der von uns allen geteilten Liebe für den Skateboard-Sport einen sicheren Raum zur Entfaltung zu bieten“, sagt Uwe Amerkamp, Kassenwart des Skateboard-Verein Duisburg e.V. „Wir freuen uns auf ein sonniges IGA-Jahr 2027, in dem wir den neu gestalteten Skatepark im Rheinpark mit zahlreichen sportlichen Angeboten und Festen beleben werden.“

Lünen setzt mit Obst- und Kübelgehölzen sowie einem Frühjahrs- und Sommerflor eigene gärtnerische Schwerpunkte. Das Emscherland bietet weitläufige Staudenbeete, Themengärten, Streuobstwiesen, einen Weinberg und Aussichtspunkte in die naturnah umgestaltete Auenlandschaft.

Insgesamt sind für die gärtnerischen Ausstellungen der IGA 2027 rund 33.000 Quadratmeter vorgesehen, verteilt über alle Standorte – darunter unter anderem knapp 9.900 Quadratmeter Frühjahrs- und Sommerflor, 5.000 Quadratmeter Stauden und 1.500 Quadratmeter Rosen. Die Internationale Gartenausstellung findet vom 23. April bis 17. Oktober 2027 erstmals nicht in einer einzelnen Stadt, sondern in der gesamten Metropolregion statt; erwartet werden rund 3,1 Millionen Besuche.


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