Die Kana-Suppenküche in der Nordstadt: Große Gastfreundschaft und klare Kante

Das gemeinsame Ziel: „Wir wollen uns selbst abschaffen“

Das Lager der Suppenküche Kana. Uwe Bitzel

In der Dortmunder Nordstadt kochen und verteilen die Ehrenamtlichen der Kana-Suppenküche seit 35 Jahren warme Mahlzeiten für ihre Gäste. Das Engagement ist für viele erfüllend. Trotzdem wünschen sie sich vor allem eins: dass es sie nicht mehr geben muss.

„Putzen geht immer“: In der Kana-Suppenküche packen alle mit an

Köchin Katja hat verschlafen, zum ersten Mal in siebzehn Jahren. Etwas unangenehm ist es ihr, aber böse ist ihr niemand. Es ist 9:30 Uhr und die Ehrenamtler:innen der Kana-Suppenküche in der Dortmunder Mallinckrodtstraße liegen gut in der Zeit: Nichts Unvorhergesehenes ist geschehen. „Passieren kann immer was, nur, dass wir hier mehr Potenzial für Krisen haben“, lacht Anna Erpenbach.

Anna Erpenbach von der Kerngruppe der Kana-Suppenküche Judith Odenthal | Nordstadtblogger

Anna ist Bildungswissenschaftlerin und Teil der Kerngruppe der Kana-Suppenküche. Besonders Organisation und Koordination fallen damit in ihre Zuständigkeit. Sechs Leute teilen sich diese Aufgabe im Moment, unterstützt werden sie in verschiedenen Bereichen von anderen der insgesamt über 100 Ehrenamtler:innen, die in der Suppenküche aktiv sind.

Anna selbst ist seit dem Winter 2020 dabei. Damals hat sie sich bei der Winternothilfe für wohnungslose Menschen in Dortmund engagiert und dabei auch Mitglieder des Kana-Vereins kennengelernt. Die seien alle so freundlich gewesen, dass sie sofort zugesagt hätte, als sie sie mit ins Team der Suppenküche holen wollten.

Montags, dienstags, freitags und samstags kochen die Ehrenamtlichen warme Mahlzeiten in der Dortmunder Nordstadt und servieren sie ihren Gästen kostenlos von 12 bis 14 Uhr. Für Anna hat der Tag um sieben am Morgen begonnen. Zuerst sammelt sie Spenden ein, außerdem ist Samstag. Das bedeutet, Nahrungsmittel werden geliefert und müssen einsortiert werden.

Das Kellerlager in der Suppenküche. Uwe Bitzel

„Das ist wie in einer WG, alles hat sein Fach, sonst gibt´s Chaos“, erklärt sie das System im Kellerlager. Ein bisschen wie in einer WG läuft auch die Aufteilung der Aufgaben: In einer Mischung aus Koordination und spontaner Eigeninitiative bereiten die Helfenden am Morgen die Suppenküche für den Tag vor. Grundsätzlich gilt dabei: „Putzen geht immer.“

Eine kurze Pause gibt es beim gemeinsamen Frühstück im Speisesaal. Nicht alle Helfer:innen sind schon lange dabei. Wer neu ist, ist nicht leicht zu erkennen. Es wird nicht gefremdelt und sich in Gespräche zu integrieren, fällt nicht schwer.

Gemeinsames Frühstück und Engagement: Im Jahr 2025 verteilte Kana fast 40.000 Mahlzeiten

Insgesamt werden heute 15 Personen in der Suppenküche arbeiten. Die Anzahl bräuchte man auch, damit ein Tag gut über die Bühne ginge, sagt Anna Erpenbach. Nicht alle sind schon da, und nicht alle bleiben den ganzen Tag: Die Einsätze sind grob in zwei Tagesschichten unterteilt. Meistens können sie ein ausreichendes Team zusammenstellen, aber besonders an den Samstagen gibt es damit manchmal Schwierigkeiten.

Der Speisesaal der Suppenküche wird vorbereitet. Judith Odenthal | Nordstadtblogger

Dann arbeiten sie auch in kleineren Teams. Im Jahr 2025 haben sie circa 39.000 Mahlzeiten verteilt, Nachschlag nicht eingerechnet. Durchschnittlich bedient das Kana-Team ungefähr 195 Gäste am Tag. Die Zahl steigt am Ende des Monats: Konten werden leerer, die Suppenküche voller. Dass die Suppenküche wegen Unterbelegung geschlossen bleibt, ist die ultima ratio: Die Gäste sollen sich auf das Angebot verlassen können.

In die Frühstücksgespräche der Helfer:innen mischen sich immer wieder organisatorische Einwürfe; ob die Toiletten schon sauber wären, man müsse sich nochmal um die Webseite kümmern, und Instagram käme auch immer zu kurz. Nichts zu kurz kommen zu lassen ist nicht einfach, denn die Ehrenamtlichen kümmern sich um alles eigenständig.

Erstmal legen sie selbst Hand an, vom Wäschewaschen über Reparaturen bis hin zum vom Starkregen überschwemmten Keller. „Ich habe auf jeden Fall meinen Kana-Freischwimmer“, berichtet Anna lachend. Dahinter steht auch der sparsame Umgang mit Ressourcen.

Die Suppenküche erhält sich komplett durch Spenden und das, was die Ehrenamtlichen selbst miteinbringen. Das bedeutet: Arbeiten, mit dem, was man hat. „Mit dem, was an Nudeln gespendet wird, kommen wir das ganze Jahr aus“, erzählt Anna Erpenbach. Anderes müssten sie selbst hinzukaufen, zum Beispiel Hygieneprodukte und Isomatten, die sie auf Nachfrage anbieten.

Auch Geldspenden werden immer benötigt. Hier helfen besonders Dauerspenden, weil sie Planbarkeit ermöglichen. Aber auch auf andere Termine im Jahr ist Verlass: In der Weihnachtszeit gehen viele Spenden ein und eine Erntedankaktion ist jedes Jahr ertragreich. Private Initiativen aus der Nachbarschaft haben es sich ebenfalls zum Ziel gesetzt, die Suppenküche zu unterstützen.

Die politische Mission der Kana-Suppenküche: Armut in der Vergangenheit lassen

An Halloween würden Nachbar:innen etwa statt „Süßes oder Saures“ Spenden für Kana sammeln. Insgesamt würde die Spendenbereitschaft jedoch zurückgehen, stellt Anna Erpenbach fest. „Vieles wird teurer und die finanzielle Lage der Leute verschlechtert sich. Das merken wir enorm.“

Uwe Bitzel

Dass die Kana-Suppenküche keine Unterstützung durch öffentliche Fördergelder akzeptiert, ist eine sehr bewusste Entscheidung. Der Verein will unabhängig bleiben, und sich autonom für seine Ziele einsetzen können: die Bekämpfung von Armut und sozialer Ungleichheit. Die Motivation dafür sei unter den Gründungsmitgliedern noch stärker religiös ausgeprägt, erzählt Anna.

1991 ins Leben gerufen handelte die Kana-Gemeinschaft damals besonders aus dem christlichen Engagement für die Armen heraus. Die Gründer:innen benannten sie nach der biblischen Hochzeit zu Kana, bei der Jesus eines seiner berühmtesten Wunder vollbrachte und Wasser in Wein verwandelte. Mittlerweile habe sich der Schwerpunkt von der Religion weg verschoben.

„Unsere Helfer:innen haben ganz unterschiedliche Motivationen“, berichtet Anna. Für viele spielt politische Haltung eine große Rolle. So geht es auch Hjørdis Ristow. Sie studiert Sonderpädagogik und ist wie Anna Teil der Kerngruppe. „Meine Mutter hatte ihre skandinavische Phase“, sagt sie lachend zu ihrem Namen. „Zum Glück bin ich dann auch groß und blond geworden.“

Hjørdis Ristow engagiert sich aus politischen Gründen im Kana-Verein. Judith Odenthal | Nordstadtblogger

Hjørdis engagiert sich in der Suppenküche, „weil irgendwer es eben machen muss.“ Sie beteiligt sich viel an politischen Aktionen des Vereins. Dazu gehören verschiedene Diskussions- und Austauschrunden. Auch der 17. Oktober ist ein fester Termin im Kana-Kalender: Am Internationalen Tag zur Beseitigung großer Armut, oder kurz dem „Tag der Armut“, wird jährlich eine Veranstaltung ausgerichtet.

Hier zeigt Kana gemeinsam mit anderen Initiativen wie dem bodo e.V. Solidarität mit Menschen, die von Armut betroffen sind. Es geht auch darum, Aufmerksamkeit für soziale Ungleichheiten und Ungerechtigkeit zu schaffen. Mit seinen Gästen geht das Kana-Team dabei direkt in den Austausch, denn die wüssten schließlich am besten, was sie bräuchten.

Die Kana-Suppenküche wird 35 Jahre alt – (k)ein Grund zum Feiern

Immer wieder werde der Wunsch nach mehr Solidarität geäußert. Aber auch konkrete Problematiken, wie die geringe Verfügbarkeit von kostenlosen öffentlichen Toiletten, kommen zur Sprache. Die Anregungen nutzt der Kana-Verein auch, um mehr Lösungen von der Stadtpolitik zu fordern.

Siegfried Bauer ist ehrenamtlich in der Suppenküche Kana tätig. Judith Odenthal | Nordstadtblogger

Mit der sind viele der ehrenamtlich Engagierten nicht zufrieden. Siegfried Bauer ist Rentner und wohnt in der Nähe der Suppenküche. Er hätte oft die Schlange vor der Tür gesehen, erzählt er, und sei dann eines Tages während der Coronapandemie einfach mal „reinmarschiert“. Mittlerweile begrüßt er mehrere Gäste mit Handschlag.

„Mir öffnet es das Herz, wenn die Menschen hier herauskommen, lecker gegessen haben, und besser drauf sind. Viele haben einen harten Alltag und ich hoffe, dass wir hier Raum für freudigere Gedanken schaffen können.“ Obwohl das Engagement sich für ihn erfüllend anfühlt, findet er, dass politische Verantwortliche zu wenig tun, um soziale Ungleichheiten zu beseitigen.

Stattdessen würden sie es auf Ehrenamtliche und Engagierte abwälzen, Abhilfe zu schaffen. „Wenn alle Freiwilligen einen Tag die Hände stillhalten würden, dann würde Deutschland zusammenbrechen, und das ist nicht okay.“ Ein Blumenstrauß und ein Dankeschön reicht hier den wenigsten – die Ehrenamtler:innen wollen Veränderung für die Menschen, um die es wirklich geht. Kritik gibt es dabei auch an Dortmunds Oberbügermeister Alexander Kalouti und seinem Motto „Sicherheit, Ordnung und Sauberkeit“.

Oberbürgermeister Alexander Kalouti begleitet einen Schwerpunkteinsatz des Kommunalen Ordnungsdienstes (KOD) in der Dortmunder Innenstadt. Foto: Stadt Dortmund / Roland Gorecki

Die Reinigungsaktionen in der Innenstadt zu Beginn seiner Amtszeit, bei denen auch das Campieren von wohnungslosen Menschen und das Betteln eingedämmt werden sollten, nennen sie hier vor allem Verdrängung.In einem Rundbrief aus dem Winter 2025 schreibt der Kana-Verein: „Wir wünschen uns eine Abkehrung von dieser Problematisierung von Menschen in unserer Stadt. Sicherheit, Ordnung und Sauberkeit – das verdienen auch die Menschen, die auf der Straße leben müssen.“

Sie forderten umfangreiche Nothilfeprogramme, besonders in den Wintermonaten. „Jeder Mensch sollte mit Würde behandelt werden, und das sehe ich in unserer Stadtpolitik nicht“, sagt Anna Erpenbach auch heute. So nennt sie den 35. Geburtstag der Kana-Suppenküche in diesem Jahr keinen Grund zum Feiern.

Die Suppenküche als dritter Ort für Gäste und Helfer:innen

Denn die politische Mission des Vereins ist damit ein weiteres Jahr lang gescheitert: „Wir wollen dafür sorgen, dass es uns nicht geben muss. Wir wollen uns selbst abschaffen.“ Das langjährige Bestehen ist ein Signal dafür, dass sich nicht genug verbessert hat.

Aktion von Suppenküche Kana, Gast-Haus, Team Herzensbus und bodo zum Tag der Armut. Sebastian Sellhorst für Nordstadtblogger

Trotzdem wollen die Helfer:innen im September ein Kulturfestival veranstalten – nicht um sich selbst zu feiern, sondern gemeinsam mit ihren Gästen. Das Festival steht unter dem Motto „Wo Menschen sich begegnen, verliert Ausgrenzung ihre Macht“ und soll kostenlos Musik, Essen und kulturelle Angebote mitten in die Dortmunder Innenstadt bringen.

Mittlerweile ist es 11:30 Uhr, und vor der Tür der Kana-Suppenküche hat sich bereits eine kleine Schlange gebildet. Um 12 beginnt der Einlass zum Essen. Manche der Helfer:innen gehen kurz hinaus, um sich zu unterhalten. Auch in der Schlange kennen sich die Menschen untereinander.

Gast Mike besucht die Suppenküche seit acht Jahren immer wieder.  „Es ist einfach toll, dass es sowas gibt.“ Er kenne manche anderen Gäste teilweise schon seit „zig Jahren“, auch bei welchen Köch:innen es ihm am besten schmeckt, weiß er.

Gast Mike kommt schon seit vielen Jahren regelmäßig zum Essen in der Suppenküche. Judith Odenthal | Nordstadtblogger

Für viele ist die Suppenküche nicht nur ein Ort, um sich satt zu essen, sondern auch ein Ort der Zusammenkunft. „Man ist sonst so viel allein“, wirft ein anderer Mann in einer roten Regenjacke ein, der neben Mike in der Schlange wartet.

So geht es nicht nur den Gästen, sondern auch den Helfer:innen. Unter der Woche kochen viele in Stammbesetzung und freuen sich auf den wöchentlichen Austausch miteinander. So helfen viele mit ihrem Engagement nicht nur den Gästen der Suppenküche weiter, sondern auch sich selbst.

Helfer:innen finden auf unterschiedlichen Wegen in die Suppenküche

Köchin Katja hat ihren verspäteten Start in den Tag ohne Probleme aufgeholt und rührt in der Küche in mehreren großen Töpfen. 60 Liter fasst jeder von ihnen und langsam zieht der Geruch von Bohneneintopf durch die Räume. Wie immer gibt es auch heute eine fleischlose Alternative zum Eintopf mit Hackfleisch. Katja ist eine der wenigen gelernten Köch:innen im Kana-Verein. Eigentlich arbeitet sie in einer Dortmunder Mensa.

Köchin Katja bereitet das Essen vor. Judith Odenthal | Nordstadtblogger

Für das Ehrenamt in der Suppenküche habe sie sich damals über eine Freiwilligenagentur vermitteln lassen, erzählt sie. Sie habe zu viel Zeit und Energie gehabt und nicht gewusst, wohin damit. Wieso also nicht etwas Sinnvolles tun? Mittlerweile investiert sie nicht nur Energie, sondern bekommt auch viel zurück. „Wenn ich zum Beispiel mit Kohl koche, und dann sagen mir ein paar polnische Männer `Wie bei Mama´ – sowas gibt mir wieder Kraft für die ganze Woche.“ Sie lacht. „Ich muss aufpassen, ich heule doch immer so schnell.“

Besonders für die Essensausgabe, das Spülen und Servieren werden viele Hände gebraucht, deshalb kommen zwischen 11 und 12 Uhr mehr Helfer:innen an. Einer von ihnen ist René. René möchte nicht erkannt werden. Er ist Frühpensionär und besorgt, dass es sich negativ auf seine Leistungen auswirkt, wenn sein Engagement in der Suppenküche bekannt wird – weil er das ja „noch kann“. Zur Kana-Suppenküche kam er über einen Bekannten.

René weiß, was es zu tun gibt und gliedert sich nahtlos in die Arbeitsabläufe ein. Er platziert Kuchenstücke auf Tellern, von denen wird jeder Gast eines zum Essen bekommen. René mag das Gefühl, etwas Sinnstiftendes zu tun, etwas, dessen Ergebnis direkt sichtbar wird. „Deswegen mähe ich so gerne Rasen, du siehst genau, wo du gerade warst“, lacht er.

Auf die Situation von Wohnungslosen ist er früh durch eine persönliche Erfahrung aufmerksam geworden. Als er 19 Jahre alt war, hat er in einer Winternacht seinen Wohnungsschlüssel vergessen. Geld hatte er keins, Handys gab es noch nicht. „Aus dem Nachbarsgarten habe ich Stroh aus dem Kaninchenstall gestohlen und den Stadtanzeiger eingesammelt. Dann habe ich versucht, darauf unter ein paar Bäumen zu schlafen“, erzählt er.

Keine Chance, die Nacht war zu kalt. Die Erfahrung habe sein Leben verändert, erzählt er. Am nächsten Tag konnte er in seine Wohnung zurückkehren, doch für viele Menschen ist eine solche Nacht Alltag, kein Missgeschick.

„Es ist ein Wir, kein Wir bedienen Die.“

Als das Essen um 12 serviert wird, kommt plötzlich Bewegung in die Räume der Kana-Suppenküche. Die Gäste strömen in den Speisesaal. Die Tische sind schnell gut besetzt, und die Helfer:innen beginnen, Teller zu füllen und Brötchen zu verteilen. Nachschlag bekommt hier jede:r, so viel er oder sie will. Viele finden sich in Gruppen mit Bekannten zusammen.

In der Suppenküche Kana geht es vor allem um Gastfreundschaft. Uwe Bitzel

Der Speisesaal brummt von Gesprächen, Teller klappern. An einem Tisch liest ein Mann in seinem Buch weiter, bis ein anderer ihn freudig begrüßt, eine Frau schiebt einer anderen ihr Kuchenstück zu und zwinkert. Wie lange die Gäste bleiben, ist sehr unterschiedlich. Manche nutzen die Gelegenheit, um sich auszuruhen und zu verweilen, es macht auch schonmal jemand ein Nickerchen im Vorraum. Andere gehen nach dem Essen schnell wieder, oft weil sie all ihre Besitztümer auf der Straße haben, erzählt Anna Erpenbach.

Nicht alle Gäste in der Suppenküche sind wohnungslos. Wieso genau die Menschen zum Essen kommen, wissen die Ehrenamtlichen nicht. Das wird weder kontrolliert noch protokolliert, und niemand muss Bedürftigkeit nachweisen. „Hier ist jeder willkommen. Es dürfte auch der Oberbürgermeister zum Essen kommen“, sagt Erpenbach.

Es ginge um Gastfreundschaft und ums Zusammenkommen, und das gelte für alle. Auch Siegfried Bauer sieht das so: „Das ist ein Wir, kein Wir bedienen Die.“ Er unterhält sich mit mehreren Gästen, die auf dem Weg nach draußen sind.

Übriggebliebenes Essen können Gäste später to-go abholen. Judith Odenthal | Nordstadtblogger

Wer will, bekommt hier noch ein kleines to-go-Paket aus Obst und Gebäckstücken auf die Hand. Um 14 Uhr schließt die Suppenküche wieder. Für die Ehrenamtlichen ist der Tag damit noch nicht vorbei. Küche, Speisesaal und Toiletten müssen geputzt werden, außerdem beginnen Anna und Hjørdis, übriggebliebenes Essen in kleine Boxen zu schaufeln. Die können später noch von Gästen abgeholt werden.

Manchmal geben sie auch Essen an umliegende Cafés ab. Wegwerfen wollen sie nichts, aber am wichtigsten ist, dass jeder Gast so viel bekommt, wie er oder sie möchte. Zwischendurch können nun auch die beiden in der Küche eine Portion Bohneneintopf essen. Hjørdis trägt noch die rotgestreifte Schürze, die sie sich zum Servieren angelegt hatte.

Vorsichtige Hoffnungen für die Zukunft und der Wunsch nach einer solidarischeren Gesellschaft

Beide merken die letzten Stunden in den Beinen. Bis auf eine kurze Pause an einem kleinen, mit ein paar Blumen aufgehübschten Plastiktisch im Innenhof, scherzhaft die „Raucherlounge“ genannt, haben sie kaum gesessen.

Bis 17 Uhr werden sie voraussichtlich beschäftigt sein, bis alles sauber, gespült und aufgeräumt ist. Bald möchte Anna auch die offizielle Ankündigung für das Kulturfestival im September schreiben. Wie sie die gemischten Gefühle zum 35. Geburtstag der Suppenküche einbringt, weiß sie noch nicht genau. Auch bei Hjørdis ist die Stimmung mit Hinblick auf das Jubiläum gedämpft.

Sie wünscht sich endlich eine spürbare Verbesserung der sozialen Situation. „Hoffnung darauf habe ich keine mehr mit Blick auf die politische Entwicklung“, sagt sie. Anna sieht das etwas anders. Auch sie will eine solidarischere Gesellschaft. „Wie realistisch das ist, wenn sich in 35 Jahren so wenig verändert hat, weiß ich nicht. Aber aufhören zu hoffen will ich nicht.“


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