Emscher-Umbau: Grotenbach-Renaturierung schreitet zügig voran – neue Trasse fertiggestellt

Ein Meilenstein von der „Köttelbecke“ zum Renaturierungsprojekt

Ein Bagger beseitigt den Damm.
Nach der Flutung – der Damm ist beseitigt, das Wasser fließt. Foto: Meike Beste/ EGLV

Vor knapp einem Jahr gaben die Emschergenossenschaft sowie die Städte Witten und Dortmund den Startschuss für das Großprojekt zur umfassenden Renaturierung des Grotenbachs und des Kirchhörder Bachs. Nun wurde nach Angaben der Emschergenossenschaft ein erster wichtiger Meilenstein erreicht: Der Grotenbach konnte auf Wittener Stadtgebiet erfolgreich an seine neu modellierte Trasse angebunden werden. Damit ist der Weg für die Entwicklung zu einem naturnahen Gewässer frei.

Gewässertrasse an der Brauckstraße um 1,1 Kilometer neu modelliert

Da entlang des Grotenbachs ausreichend Raum zur Verfügung steht, kann er sich künftig wieder freier ausbreiten und natürlicher entwickeln. Die Sohlschalen – das einstige Betonkorsett des Grotenbachs – wurden bereits in den vergangenen Monaten entfernt, der ehemals technisch überformte Lauf ökologisch umgestaltet.

Blick auf die Baustelle
Der Grotenbach fließt nun in seiner neuen Trasse, schon bald wird sich das blaugrüne Leben den neuen Naturraum zurückerobert haben. Foto: Meike Beste/ EGLV

Im Zuge der Revitalisierung wurde die Gewässertrasse im Bereich der Brauckstraße nach Norden verlegt und auf einer Länge von rund 1,1 Kilometern vollständig neu modelliert. Das bisherige Bachbett wird dabei nicht komplett verfüllt, sondern bleibt größtenteils erhalten: Es soll künftig unterirdisch als Zwischenspeicher und Auslauf für eine Regenwasserbehandlungsanlage dienen.

Eine weitere wasserwirtschaftliche Besonderheit entsteht auf Höhe der Siemensstraße in Witten. Dort wird der städtisch unterhaltene Rüdinghauser Bach im Rahmen der laufenden Bauarbeiten an den Grotenbach angebunden und abschnittsweise renaturiert.

Witten-Annen-Kanal wird parallel saniert

Im Rahmen der Gesamtmaßnahme am Grotenbach wird zudem der Witten-Annen-Kanal saniert, sowohl in offener als auch in geschlossener Bauweise. Über diesen Kanal leitet die Emschergenossenschaft die Werksabwässer von Evonik/IOI parallel zu den eigenen Abwassersammlern ab.

Der Kanal wird derzeit im sogenannten Sonderinteresse des Unternehmens betrieben – das bedeutet, dass die Emschergenossenschaft die Anlage zwar unterhält und betreibt, die Kosten dafür aber überwiegend von Evonik/IOI als Nutzerin getragen werden, da der Kanal in erster Linie deren betrieblichen Abwässern dient.

14 Millionen Euro Gesamtinvestition – Abschluss für Sommer 2028 geplant

Mit dem aktuellen Umschluss des Grotenbachs ist nach Darstellung der Emschergenossenschaft ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einem naturnahen Gewässer geschafft. Die Gesamtmaßnahme, in die rund 14 Millionen Euro investiert werden, soll im Sommer 2028 abgeschlossen sein.

Gefördert wird das Projekt von der Bezirksregierung Münster aus Landesmitteln nach der Förderrichtlinie Hochwasserrisikomanagement und Wasserrahmenrichtlinie – die ökologische Verbesserung des Grotenbachs zu 80 Prozent, die des Kirchhörder Bachs zu 70 Prozent.

Hintergrund: Von der „Köttelbecke“ zum Renaturierungsprojekt

Jahrzehntelang führten der Grotenbach und der Kirchhörder Bach ein Dasein als sogenannte Köttelbecke – Abwässer aus Industrie und privaten Haushalten wurden direkt in die Gewässer eingeleitet. Im Zuge des Generationenprojekts Emscher-Umbau (1992 bis 2021) wurde das Abwasser in unterirdische Kanäle verlegt. Seitdem fließt in den Bächen nur noch sauberes Wasser, allerdings waren sie weiterhin technisch überformt und in einem engen, schnurgeraden Betonkorsett gefangen.

Das Bild der begradigten und offenen Schmutzwasserläufe mitten im dicht bebauten Ruhrgebiet prägte das Bild der Region über Jahrzehnte.
Das Bild der begradigten und offenen Schmutzwasserläufe mitten im dicht bebauten Ruhrgebiet prägte das Bild der Region über Jahrzehnte. Foto: EGLV

Im Rahmen der jetzigen Renaturierung werden diese Betonsohlschalen entfernt und die Gewässer naturnah umgestaltet. Sowohl am Grotenbach als auch am Kirchhörder Bach stehen zudem ausreichend Flächen zur Verfügung, damit sich die Gewässer künftig ausbreiten können – das soll der Natur mehr Raum geben und gleichzeitig direkten und indirekten Hochwasserschutz ermöglichen.

Der Grotenbach wird auf einer Strecke von der Fredi-Ostermann-Straße in Witten bis zum Bahndurchlass südlich der Grotenbachstraße in Dortmund naturnah umgestaltet, das entspricht rund 4,6 Kilometern. Den Kirchhörder Bach revitalisiert die Emschergenossenschaft von der Lütgenholthauser Straße bis zur Mündung in den Grotenbach, rund 1,6 Kilometer. Ab dieser Mündungsstelle trägt der Bach im weiteren Verlauf den Namen Rüpingsbach. Dieser ist bereits vollständig renaturiert und mündet in Dortmund-Barop in die Emscher.

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