Ein ungewöhnlicher Ort für Schnee: Nicht alltägliche Bilder aus dem Dortmunder Alltag

Foto-Ausstellung am Umschlagplatz eröffnet zum Hafenspaziergang

Milena Rethmann und Klaus Hartmann bei der Auswahl der über 20 Motive für die Ausstellung am Umschlagplatz. Daniela Berglehn | Nordstadtblogger

Zum Hafenspaziergang am 29. August eröffnet am Umschlagplatz die Foto-Ausstellung „Ein ungewöhnlicher Ort für Schnee“. Klaus Hartmann präsentiert Dortmunder Motive am Bauzaun im Eingangsbereich. Ein ungewöhnlicher Ort für eine Fotoausstellung? Vielleicht. Aber Hartmanns Fotos brauchen kein besonderes Papier oder spezielles Licht, um ihre Wirkung zu entfalten. Auf „Wahlplakat“ gedruckt, vertragen sie auch einen Regenschauer und begegnen der rauen Umgebung mit Poesie und Humor.

Der Bauzaun wird zur Ausstellungsfläche

Milena Rethmann und Klaus Hartmann lieben die Nordstadt: Rethmann hat dort trotz aller Schwierigkeiten Orte wie den „Grünen Salon“, das „Stachelschwein“ und den „Umschlagplatz“ am Hafen etabliert. Hartmann wohnt im Quartier und ist dort – u.a für Nordstadtblogger – häufig mit der Kamera unterwegs. Studiert hat er eigentlich Raumplanung, aber das Fotografieren ist sein Ding, seit fast dreißig Jahren.

Im Schnee – der ehemalige Umschlagplatz im Dezember 2017. Klaus Hartmann für nordstadtblogger.de

„Klaus hat einen unglaublich guten Blick und zeigt ungewöhnliche Motive“, findet Milena Rethman. Er war einer der ersten, der noch den alten Umschlagplatz fotografiert hat. Im Schnee. Fast 10 Jahre ist das jetzt her und es war Anlass für eine erste Ausstellung an der Containerbar im Sommer 2018. Zwei Jahre später folgte dann eine „Pictures und Pintxos“-Ausgabe, aber aller guten Dinge sind ja bekanntlich drei.

Zum Hafenspaziergang am 29. August zeigt Hartmann nun Fotografien vom Dortmunder Norden, dem Hafen und Stadtteilen nördlich der B1. Gedruckt auf wetterfesten Hohlkammerplatten wie sie auch für Wahlplakate genutzt werden, hängen die Bilder mit Kabelbindern befestigt an den Bauzäunen, die das Gelände umgeben.

Raue Inszenierung trifft auf Motive voller Poesie

Der Zaun am Umschlagplatz als Ausstellungsort – das wirkt rustikal, improvisiert und ist doch stimmig. Die Fotos trotzen Wind und Regen, das alles ist das Gegenteil von Galerie-Schicki-Micki. Doch diese Form der Inszenierung passt zu den Motiven, die häufig ähnlich sperrig sind und doch auch voller Poesie.

„Vögel“, ehemaliges Möbelhaus an der Rheinischen Straße, Dortmund, Mai 2019 Klaus Hartmann für nordstadtblogger.de

Der vergessene Wohnwagen unter der Autobahn wird zum Raumschiff, ein Lichteinfall unter der Bahnbrücke zum himmlischen Fingerzeig, Nebel verleiht dem Stahlskelett der ehemaligen Knauf-Interfer Halle etwas Magisches und Schnee zaubert aus einem Kiesberg ein Alpenpanorama.

Für Hartmann ein Schlüsselbild der Ausstellung: „Schnee verwandelt die Umgebung“, so Hartmann, beim Blick durch Kamera sei es ähnlich. Manchmal wartet er lange auf den richtigen Moment, aber nichts ist inszeniert: „Es geht darum den Blick von Erwartungen zu befreien und dem Zufall zu vertrauen“, denkt Hartmann und manchmal radelt jemand durchs Bild, erscheint auf einmal ein Vogel am Himmel und die Bildaussage erhält noch eine Prise Humor.

„Ich suche die Nähe zu den Dingen und die Geschichten im Alltäglichen.“

Sicher würde das alles gerahmt in einer Kunstgalerie anders wirken – aber wäre das besser? „Ach, die Kunst“, seufzt Hartmann – er hat seine Vorbilder in der klassischen Reportagefotografie. „Ich komme vom Lokaljournalismus, ich suche die Nähe zu den Dingen und die Geschichten im Alltäglichen.“ Das Unverstellte ist ihm wichtig, die direkte Begegnung – daher auch eine Ausstellung genau da, wo sich Menschen treffen.

„Eigentlich wollten wir nur kurz etwas trinken“, Gabi Kogler-Diller und Udo Diller haben noch vor der Eröffnung ein Bild erworben. Daniela Berglehn | Nordstadtblogger

Das Konzept kommt an: Udo Diller und seine Frau Gabi Kogler-Diller sind mit Hündin Fina zufällig während des Aufbaus vorbei gekommen und waren von den Fotos sofort begeistert. „Eigentlich wollten wir nur kurz etwas trinken“, sagt Kogler-Diller, „nun gehen wir mit einem Bild nach Hause.“ Die beiden haben sich für das stimmungsvolle Schwarz-Weiß-Bild „Stahlskelett im Nebel“ entschieden. Es soll einen Platz über dem Sofa in Menglinghausen bekommen.

35 Euro kostet ein Bild und wer sich dafür interessiert, zahlt vor Ort per PayPal, zeigt den Beleg am Tresen vor und bekommt dann eine Schere: „Einfach Bild abschneiden, mitnehmen und sich freuen“, erklärt Milena Rethmann.

Das Motiv vom ersten Umschlagplatz im Schnee hat sie im Stachelschwein aufgehängt und auch zuhause hat sie bereits einen „echten Hartmann“. Rethmann: „Ich bin Fan und ich hoffe, dass die Ausstellung auch vielen anderen gefallen wird.“


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