Begegnung VorOrt“ in der Dionysiuskirche in Dortmund-Kirchderne

Ein Gotteshaus mit vielen historischen Schätzen

Mehr als 20 Besucher:innen nahmen an der von „Begegnung VorOrt“ organisierten Veranstaltung teil.
Mehr als 20 Besucher:innen nahmen an der von „Begegnung VorOrt“ organisierten Veranstaltung teil. Foto: Susanne Schulte für Nordstadtblogger.de

Von Susanne Schulte

Die Besonderheiten in der Kirche St. Dionysius in Kirchderne muss man entdecken. Pfarrerin Dorothee Schöttling, die weiß, wo die zu finden sind, nahm sich jetzt die Zeit und stellte die Kirche mehr als 20 Gästen vor, die an der von „Begegnung VorOrt“ organisierten Besichtigung teilnahmen. Nach dem einführenden Vortrag durften die Besucher:innen dann in kleinen Gruppen selbst auf Entdeckungsreise gehen und die Decke auf dem Altar lüften, um die Weihekreuze zu sehen, den goldenen Abendmahlkelch bestaunen und die Skulptur des Namensgebers in Augenschein nehmen, der mit Kopf, aber ohne Bischofsmütze dargestellt wurde.

Die rund 1000 Jahre alte Kirche ist Zeitzeugin vieler Epochen

Das von den Bauernschaften 1951 gestiftete Fenster für die Kirche. Foto: Susanne Schulte für Nordstadtblogger.de

„Ich sage das jetzt einmal ganz vorsichtig: Die Kirche ist etwa 1000 Jahre alt“, so Dorothee Schöttling zu Beginn ihrer Erklärungen. 1032 sei das Gotteshaus zum ersten Mal namentlich erwähnt in einer Abgabenliste der Diözese Köln. ___STEADY_PAYWALL___

Die ältesten Teile seien der Turm und der Eingangsbereich. Womöglich habe vorher an der Stelle bereits ein Kirchbau gestanden. Ein Hinweis darauf könnte der Stein mit dem Karolingerkreuz sein, der nach dem zweiten Weltkrieg bei Aufräumarbeiten gefunden wurde.

Diese Form des Kreuzes geht auf Karl den Großen zurück, der in den Jahren um 800 herum, die Christianisierung oft auch sehr brutal vorantrieb.

Das Kreuz findet sich ebenfalls auf den vier Ecken des 800 Jahre alten Altars. Weitere Schätze der Kirche sind unter anderen der Abendmahlkelch, die alten Grabplatten und das Taufbecken, „das zu den ältesten der westfälischen Landeskirche gehört“, so die Pfarrerin. Die goldene Bemalung kam später dazu, die Herkunft des Wappens konnte bis heute nicht geklärt werden.

Um die Namensgebung der Kirche rankt sich eine makabere Legende

Pfarrerin Dorothee Schöttling (l.) im Gespräch mit Besucherinnen. Foto: Susanne Schulte für Nordstadtblogger.de

Ihren Namen hat die Kirche, die an der Ecke Grüggelsort und Derner Straße steht, vom ersten Pariser Bischof Dionysius, französisch Denis, der um 250 herum vom römischen Statthalter verhaftet und später geköpft wurde. Der Legende nach ist er mit seinem Kopf in den Händen noch sechs Kilometer weit gelaufen zu dem Ort, wo er begraben werden wollte.

An diesem Ort steht seit Anfang des 7. Jahrhunderts die Basilika St. Denis, die Grablegestätte der französischen Könige. Anders als Skulpturen in Frankreich zeigt die Derner Dionysius-Figur den Bischof mit dem Kopf auf dem Hals, aber mit der Mütze in der Hand.

Die Gästegruppe erfuhr außerdem von der Leihglocke aus einer Kirche im heutigen Polen, von den Schäden durch den Bergbau, die die Kirche instabil machten, sowie von der Sage um den Mord am Pfarrer durch die Patronatsherren, der Grafen von Herringen. Nach anderthalb Stunden waren alle zufrieden: die Pfarrerin, weil die Besucher:innen sich sehr interessiert zeigten, und die Besucher:innen, weil die Pfarrerin so wunderbar erzählt hatte.

Historische Grabplatten, die außen an der Kirchenfassade in Ehren gehalten werden. Foto: Susanne Schulte für Nordstadtblogger.de
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