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EHRENAMT: Für den guten Start ins neue Jahr serviert die Wichern-Suppenküche Grünkohl mit Bratkartoffeln

Das Team der Wickern-Suppenküche kochtet jeden Mittwoch - auch an Neujahr. Fotos: Susanne Schulte

Das Team der Wichern-Suppenküche kocht jeden Mittwoch – auch an Neujahr. Fotos: Susanne Schulte

Von Susanne Schulte

Am Neujahrsmorgen um 10 Uhr brutzeln die Kartoffeln in den großen Brätern auf dem Herd, auf weiteren Platten schmort der Grünkohl, die Arbeitsflächen in der Küche des Wichernhauses sind belegt mit Schüsseln von Mettwurst und Platten mit Kasslern. Alle 16 Männer und Frauen, die heute hier arbeiten, machen das ehrenamtlich, waren zum Teil schon an Silvester da, um die Kartoffeln zu kochen und den Grünkohl zu waschen. Für rund 200 Gäste wird das Essen vorbereitet.

Seit 15 Jahren kochen die Ehrenamtlichen jeden Mittwoch ein warmes Mittagessen

In diesem Jahr besteht die Wichern-Suppenküche 15 Jahre. „Kein Grund zum Feiern“, meint Ralf Nigmann, der Ansprechpartner für dieses Diakonie-Projekt. Er sitzt mit weiteren vier Helfer*innen am Tisch im Saal und schneidet die Pellkartoffeln, die dann nach und nach in großen Schüsseln zur Küche gebracht werden.

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Dort stehen die Männer am Herd. Nicht, weil sie besser kochen, sondern weil die Töpfe sehr schwer sind, die bewegt werden müssen. Für den Geschmack des Grünkohls verantwortlich ist heute Klaus Haake – und er bekommt viel Lob von allen, die probieren sollen. Wie viele Gäste sie heute bedienen, weiß niemand.

Manchmal entschieden diese erst am Tisch, ob sie bleiben oder zur Kana-Suppenküche oder ins Gast-Haus wechseln wollten oder auch weitere Gäste ins Wichern-Haus holen, erzählt Knut Nomins. „Über Handy wird weitergeben, was auf dem Speiseplan steht. Dann ist es manchmal so, als ob ein Bus vor der Tür hält.“

Alle Gäste bekommen das Essen am Tisch serviert – für Zuhause gibt es die Reste

64 Besucher*innen auf einmal können Platz nehmen im Saal. Alle Tische sind liebevoll gedeckt, an diesem Morgen auch mit Glücksklee und Hufeisen. Der Nachtisch, Schokoladenpudding, steht schon vor jedem Gedeck.

Dass an Neujahr gekocht wird, ist Ehrensache. „Von Anfang an hatten wir immer mittwochs geöffnet. Bislang ist noch kein Tag ausgefallen.“ Und es wird auch kein Tag ausfallen. „Dann müsste es schon eine Woche ohne Mittwoch sein.“

25 Frauen und Männer stehen auf der Liste der einsatzbereiten Ehrenamtlichen. Zwischen 18 und 20 sind jeden Mittwoch da. Um 8 Uhr geht der Arbeitstag los, um 10 Uhr wird Frühstückspause gemacht, um 12 Uhr die Tür aufgeschlossen und die Gäste willkommen geheißen.

Das fertige Essen steht dann im Warmhalteschrank, die Besucher*innen suchen sich ihren Platz, bekommen die gefüllten Teller serviert. Ist abzusehen, dass das Essen mehr als ausreichend ist, kann sich, wer will, etwas mit nach Hause nehmen. Auch Brot und Kuchen und Berliner.

20.000 Euro im Jahr braucht die Suppenküche für den Lebensmittelkauf und die Raumnutzung

 Koch an Neujahr: Klaus Haake

Koch an Neujahr: Klaus Haake

Als die Tür an diesem Mittag aufgeht, ist die Wichern-Truppe überrascht. „So wenige Leute waren es ja schon lange nicht mehr“, staunen alle.

Die Ursache für den geringeren Andrang ist bald gefunden: Im Gast-Haus an der Rheinische Straße gibt es einen Neujahrs-Brunch, bei dem man zwischen vier Gerichten auswählen kann. Das wusste vorher niemand und es hätte auch an dem Feiertags-Einsatz nichts geändert.

„Wir können nur am Mittwoch kochen. Sonst wird die Küche vom Wichern-Projekt genutzt“, sagt Ralf Nigmann. Für die Nutzung von Küche und Räumen zahlt die Suppenküche an das Wichern-Haus, ebenfalls ein Diakonie-Projekt.

Rund 20000 Euro, so Nigmann, braucht die Suppenküche im Jahr, um Lebensmittel zu kaufen und die Nutzungsgebühr zu begleichen. Das Geld kommt über Spenden in die Kasse. Brot und andere Backwaren spendiert die Bäckerei Büsch. Und manchmal spenden auch Gäste. Wie an diesem Mittag. 100 Euro übergab einer der Stammgäste einem Helfer.

„Jeder der kommt, bekommt auch etwas zu essen und soll gesättigt nach Hause gehen“

Die Philosophie der Wichern-Suppenküche: „Jeder der kommt, bekommt auch etwas zu essen und soll gesättigt nach Hause gehen.“ Und alle, die kommen, können auch ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen.

Jeden Mittwoch zwischen 12.30 und 13.30 Uhr ist ein Arzt des Gesundheitsamtes vor Ort. An Neujahr muss auf dieses Angebot verzichtet werden. Der Mann hat Urlaub. Dass an der Stollenstraße gut gekocht wird – drei Küchenteams sind für den Geschmack zuständig – spricht sich herum.

Die Frauen und Männer kommen aus vielen Dortmunder Ortsteilen, einige selbst aus Hagen und Bochum. Viele begrüßen die Helfer*innen mit Handschlag und den besten Wünschen fürs neue Jahr, loben deren Einsatz und das Essen.

Ist der letzte Gast gegangen, dauert die Schicht für das Team noch knapp zwei Stunden

Sind die letzten Esser*innen gegangen, das ist gegen 13.30 Uhr, hat die Truppe noch längst nicht Feierabend. Auch wenn heute weniger gekommen sind als sonst – „Wir haben einen Jahresschnitt von 190 Gästen“, so Ralf Nigmann – bleiben die Abschlussarbeiten die gleichen.

Zwar muss die Spülmaschinen weniger laufen, aber dafür sind viele Pfannen und Töpfe mit der Hand zu schrubben, die Tische zu putzen, Küche und Saal sauber zu machen.

Das Team des 1. Januars – Ulrike Angrick, Cordula Bode, Ursula Bremkamp, Resi Felsmann, Elsa Jutka, Horst Martenka, Ralf Nigmann, Knut Nomins, Ute Reichardt, Harald Reusch, Beate Sänger, Hans-Ernst Walter, Renate Schallenkamp, Heide Waselewski, Klaus Haake, Roswitha Krell und Rainer Berning – haben noch zwei Stunden lang zu tun, alles auf Vordermann zu bringen.

Einmal im Jahr treffen sich die Ehrenamtlichen fern der Arbeit. Bei jedem Pausenfrühstück geben sie einen Euro oder auch zwei in die Ausflugskasse. Mit diesem Geld machen sie sich dann einen schönen Tag mit Besichtigungen und einem leckeren Essen, das sie nicht selbst gekocht oder serviert haben. Eine Schlössertour haben sie schon gemacht und eine Fahrt nach Münster. „Das ist wirklich immer ein sehr schönes Erlebnis.“

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