Die IHK sorgt für Ausbildungsberatung to go: „Einmal Zukunft zum Mitnehmen, bitte!“

Berufsorientierung mit mobilem Container am Fußballmuseum

Man sieht Schüler:innen im Gespräch mit Vertreter:innen der IHK, beim Auftakt.
Mit einem mobilen Pop-up-Container reist die IHK bis 13. Juli durch das Ruhrgebiet. Der erste Stop ist in Dortmund. Foto: Sigrid Kreische für Nordstadtblogger.de

Was mache ich nach der Schule? Diese Frage beschäftigt viele Jugendliche, wenn sich das Ende ihrer Schulzeit nähert. Um junge Menschen bei der Berufsorientierung zu unterstützen, hat die Industrie- und Handelskammer (IHK) im Rahmen der bundesweiten Kampagne #Könnenlernen ein ungewöhnliches Beratungsformat nach Dortmund gebracht.

Ein Pop-up-Container als mobile Berufsberatung

Im Zuge einer Roadshow, mit einem mobilen Pop-up-Container reist die IHK noch bis 13. Juli 2026 durch das Ruhrgebiet. Die Idee für das Konzept stammt ursprünglich aus Stuttgart. „Wir fanden es eine großartige Idee, damit auf die Ausbildungskampagne #Könnenlernen aufmerksam zu machen“, erklärt Maike Fritzsching, die Geschäftsführerin für Berufliche Bildung und Fachkräftesicherung der IHK zu Dortmund.

Der Pop-up-Container der IHK Dortmund dient der mobilen Berufsberatung. Foto: Sigrid Kreische für Nordstadtblogger.de

Los ging es am Montag vor dem Deutschen Fußballmuseum in Dortmund. Zahlreiche Schüler:innen-Gruppen nutzten die Gelegenheit, sich über Ausbildungswege und berufliche Perspektiven zu informieren.

Am Pop-Up-Container testeten sie verschiedene Mitmachaktionen wie beispielsweise das Entdecken von Berufen durch VR-Brillen.

Bei einer Gesprächsrunde zum Start diskutierten Vertreter:innen der Arbeitsagentur, des Bildungsbüros, von Unternehmen und der IHK über die aktuelle Situation auf dem Ausbildungsmarkt.

Fachkräftemangel bleibt Dauerproblem

Dass der Fachkräftemangel das Ruhrgebiet weiterhin eine der größten Herausforderungen der Region sei, darüber herrschte Einigkeit. Heike Bettermann, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Dortmund, sprach von einer angespannten Lage.

Man sieht Heike Bettermann im Gespräch.
Heike Bettermann ist die Chefin der Agentur für Arbeit in Dortmund. Foto: Sigrid Kreische für Nordstadtblogger.de

Sowohl die Zahl der Ausbildungsstellen als auch die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber gehe zurück. Ursachen seien unter anderem wirtschaftliche Unsicherheiten, hohe Energiepreise und die daraus resultierende Zurückhaltung vieler Unternehmen bei Neueinstellungen.

„Allein im Moment haben wir rund 1600 offene Ausbildungsstellen in Dortmund“, sagt Bettermann. Besonders betroffen seien Handel und Handwerk. Aber auch Versicherungen und Teile der IT-Branche suchten weiterhin Nachwuchskräfte.

Azubi-Speeddating, Unternehmensberatung und Elternberatung

Nach Angaben der IHK werden im Kammerbezirk Dortmund jährlich rund 4.500 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen, etwa die Hälfte davon in der Stadt Dortmund. „Wir haben rund 10.500 laufende Verträge und dennoch bleiben jedes Jahr etliche hundert Stellen unbesetzt“, erklärt Dirk Vohwinkel, Leiter der Ausbildungsberatung bei der IHK.

Vertreter:innen der Wirtschaft, Stadt und Politik waren zusammen vor Ort. Foto: Sigrid Kreische für Nordstadtblogger.de

Aus seiner Sicht liegt ein Teil des Problems auch in den Erwartungen vieler Eltern und Lehrkräfte. Häufig werde Jugendlichen vor allem ein Studium nahegelegt. Dabei müsse stärker vermittelt werden, dass eine Ausbildung „kein Weg zweiter Klasse“ sei.

Für Wulf-Christian Ehrich, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK zu Dortmund, besteht die Herausforderung vor allem darin, passende Bewerberinnen und Bewerber zu finden. „Das Interesse ist da, aber viele kennen die Bandbreite der verschiedenen Karrieremöglichkeiten nicht“, betont er.

Deshalb gehe die IHK verstärkt in Schulen, bringe Betriebe direkt mit Jugendlichen zusammen und begleite sie bei der Berufsorientierung. Ein bewährtes Format sei dabei das Azubi-Speeddating. Bis zu 70 Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen führen dort kurze Gespräche mit Interessierten. Ehrich beschreibt das Konzept als „eine Dating-App in live und in Farbe“.

Niedrigschwellige Beratung vor Ort

Der Pop-up-Container soll als offener Treffpunkt für Austausch, Information und Orientierung dienen. Ziel ist es, Jugendliche frühzeitig zu erreichen und ihnen die Vielfalt beruflicher Möglichkeiten aufzuzeigen.

Auf dem Bild sieht man ein Foto der drei Männer die in die Kamera lächeln.
Auzubildener Ben Borowski, Tilbert Donnerstag (Ausbilder Bilfinger Dortmund) und Jason Kwiatkosind (Azubi) von dem Unternehmen Bilfinger (v.l.). Foto: Sigrid Kreische für Nordstadtblogger.de

Vor Ort war auch Ben Borowski von Bilfinger,der eine Ausbildung zum Anlagenmechaniker absolviert und als Botschafter für die duale Ausbildung auftrat. Er habe sich bewusst für den direkten Einstieg ins Berufsleben entschieden. Sein Rat an Schüler:innen: „Macht Praktika, informiert euch, schaut euch verschiedene Dinge an. Man muss sich nicht sofort entscheiden.“

Auch Maike Fritzsching betonte, wie wichtig Offenheit bei der Berufswahl sei. Ausbildung sei kein starrer Weg. „Es gibt verschiedene Wege und selbst wenn es nicht die erste Ausbildung ist, dann macht man eben etwas anderes. Es ist keine Einbahnstraße. Das Leben ist bunt, und alle Wege sind auch bunt“, betont Fritzsching.

Eine Ausbildungsreise durch das Ruhrgebiet

Der Container bleibt noch bis Donnerstag vor dem Deutschen Fußballmuseum in Dortmund. Anschließend macht er Freitag und Samstag Zwischenstation auf der Ausbildungsmesse im Signal Iduna Park, bevor die Roadshow weiter nach Hagen, Bochum, Gelsenkirchen, Essen und Duisburg zieht.

An jedem Standort soll der Container zum Treffpunkt für Gespräche, Beratung und neue Kontakte werden. Ziel ist es, Jugendliche, Eltern und Unternehmen miteinander ins Gespräch zu bringen und die duale Ausbildung wieder stärker in den Fokus zu rücken.


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