Bilanz des Ausbildungsjahres 2020/21 in Dortmund

Die duale Ausbildung ist der „Schlüssel zur Zukunftsfähigkeit“ der Gesellschaft

Fabian Vellguth ist Azubi zum Hotelfachmann im dritten Lehrjahr beim „Hotel Esplanade“ in Dortmund. Trotz Pandemie beschäftigt der private Familienbetrieb aktuell fünf Auszubildende. Foto: Alex Völkel für Nordstadtblogger.de

An einem eher ungewöhnlichen Ort präsentierten die verantwortlichen Arbeitsmarktakteure die Bilanz des Ausbildungsjahres 2020/21 in Dortmund – im „Hotel Esplanade“ am Burgwall in der Dortmunder Innenstadt. Bewusst hatte man sich entschieden, das Pressegespräch dort zu führen, wo das Thema Ausbildung einfach zum Lebensalltag gehört – in einem Betrieb, der selber ausbildet und jungen Menschen Praktika zur Orientierung anbietet und dabei eigeninitiativ neue Wege geht.

Ausbildungsmarkt stabilisiert sich weiter aber bleibt herausfordernd

Außerdem ist gerade die Hotellerie eine der Branchen, die neben Gastronomie und Tourismus am härtesten durch die Corona-Lockdowns und Infektionsschutz-Maßnahmen betroffen wurde. Noch bevor Hotel-Direktorin Katja Kortmann die Gäste begrüßte, überprüfte Azubi Fabian Vellguth am Eingang die Impfzertifikate der Gäste.

Die Chefin der Dortmunder Arbeitsagentur Heike Bettermann. Foto: Alex Völkel für Nordstadtblogger.de

Die Lage auf dem Dortmunder Ausbildungsmarkt hat sich im vergangenen Jahr weiter stabilisiert, auch wenn die Auswirkungen der Corona-Pandemie weiter deutlich spürbar sind. Dennoch besteht kein Grund zum Jubeln, denn die Situation bleibt herausfordernd.

Vor allem wichtige Veranstaltungen der Berufsorientierung und -beratung konnten im vergangenen Jahr nur digital statt in Präsenz stattfinden, Messen wurden virtuell veranstaltet und Schüler:innenpraktika waren, wenn überhaupt, nur eingeschränkt möglich. Nicht allein hierdurch ist im zweiten Jahr in Folge die Zahl der Bewerber:innen als auch die der angebotenen Ausbildungsstellen in Dortmund leicht gesunken.

„Die Pandemie hat wie ein Brennglas auf die bestehenden Probleme am Ausbildungsmarkt gewirkt. Um dem weiterhin vorherrschenden Fachkräftemangel entgegen zu wirken, müssen wir die duale Ausbildung stärker bewerben“, konstatiert die Chefin der Dortmunder Arbeitsagentur Heike Bettermann.

Weniger Bewerbungen und Stellen aber mehr Ausbildungsverträge

Die Entwicklung der Anzahl an Bewerber:innen und der Stellenangebote seit 2019. Grafik: Arbeitsagentur Dortmund

Vom 1. Oktober 2020 bis 30. September 2021 meldeten sich bei der Berufsberatung im Jugendberufshaus Dortmund insgesamt 3.784 junge Frauen und junge Männer, die eine duale Ausbildung suchten und dabei Unterstützung nachfragten, 74 oder 1,9 Prozent weniger als im Vorjahr.

Das leichte Minus auf der Bewerber:innenseite ist vor allem durch die eingeschränkten Zugangswege zur Berufsberatung zu erklären, die durch digitale Angebote nicht vollständig ersetzt werden konnten. Bis Ende September haben in Dortmund davon 2.069 junge Menschen eine Ausbildung oder Erwerbstätigkeit begonnen, 3,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Das entspricht einem Anteil von knapp 55 Prozent.

Andere Jugendliche entschieden sich dagegen für einen weiteren Schulbesuch, einen gemeinnützigen sozialen Freiwilligendienst oder nehmen an einer berufsvorbereitenden Fördermaßnahme der Agentur für Arbeit teil.

Auch jetzt noch stehen die Chancen für Bewerber:innen gut

Unversorgte Bewerber:innen und unbesetzte Stellen. Grafik: Arbeitsagentur Dortmund

79 Bewerberinnen und Bewerber hatten Ende September weder eine Ausbildungsstelle noch eine Alternative gefunden. Doch auch nach dem offiziellen Ende des Ausbildungsjahres ist es noch möglich, in Ausbildung einzusteigen.

Die Berater:innen arbeiten mit großem Engagement zusammen mit den Partnern und Partnerinnen im Ausbildungskonsens daran, auch diesen Jugendlichen noch eine berufliche Perspektive zu bieten. Es gibt für alle Ausbildungsinteressierten auch jetzt noch betriebsnahe Angebote.

Die Ausbildungsbereitschaft der Unternehmen in Dortmund sei laut Arbeitsagentur weiterhin gegeben. Insgesamt seien der Arbeitsagentur 3.858 Ausbildungsplätze gemeldet worden. Obwohl viele Betriebe trotz der Krise an ihrem Ausbildungsengagement festgehalten hätten, entspreche dies einem Minus im Vergleich zum Vorjahr von 37 Ausbildungsplätzen oder 0,9 Prozent.

Bewerbungen und Stellenangebot gleichen sich nahezu aus

Auch wenn Stellenangebot und Bewerber:innen sich nahezu ausgleichen, finden einige junge Menschen kein Angebot in ihrem Wunschberuf. Grafik: Arbeitsagentur Dortmund

145 Lehrstellen waren zum Stichtag noch unbesetzt. Im vergangenen Jahr waren es 491. Durch intensive Vermittlungsaktionen konnten noch zahlreiche Jugendliche etwas später als gewöhnlich ihre Ausbildung beginnen.

Hierbei sei die Situation im letzten Jahr besser gewesen, es mache den Anschein als ob viele Unternehmen in Sachen Späteinsteiger:innen zögerlich geworden seien und die Stellen dann lieber wieder erst im nächsten Jahr besetzen würden.

Besetzungsschwierigkeiten traten insbesondere in folgenden Berufen auf: Verkäufer/in im Lebensmitteleinzelhandel, Gebäudereiniger/in, Friseur/in, Fachinformatiker/in und Elektroniker/in.

Olesja Mouelhi-Ort: „Nichts ist nachhaltiger als das Handwerk“

Das Dortmunder Handwerk freut sich über volle Auftragsbücher trotz Pandemie, jedoch fehlt es an Fachkräften. „Vor allem die Bau- und Ausbaugewerke suchen händeringend nach Nachwuchs“, berichtet die Geschäftsführerin der Dortmunder Handwerkskammer Olesja Mouelhi-Ort. Denjenigen, die sich um eine Ausbildungsstelle zur/m Gerüstbauer:in, Dachdecker:in, Gebäudereiniger:in, Bäcker:in oder Elektrotechniker:in bewerben würden, könne man fast schon eine Garantie auf einen Lehrvertrag geben.

Olesja Mouelhi-Ort
Olesja Mouelhi-Ort ist Geschäftsführerin der Dortmunder Handwerkskammer. Foto: Alex Völkel für Nordstadtblogger.de

In diesen Bereichen sind aktuell noch 91 Stellen unbesetzt, während 753 Menschen eine Ausbildung begonnen haben. 2019/20 vor der Coronakrise waren es noch 844 neue Lehrverträge gewesen. Dennoch falle die Bilanz im Vergleich zum letzten Jahr positiv aus. So habe man 21 neue Lehrverträge mehr abschließen können, was ein geringes Plus von rund 2,9 Prozent ausmache. Verglichen mit dem Vorkrisenniveau sei dies jedoch leider ein Minus von rund 10 Prozent.

Olesja Mouelhi-Ort ist es ein großes Anliegen, den jungen Menschen in Dortmund und der Region vor Augen zu führen, dass das Handwerk viel zu bieten hat und man auch hier die Karriereleiter empor klimmen kann. Es gibt zukunftssichere, moderne Berufe, Führungspositionen bis hin zum eigenen Unternehmen und hervorragende Verdienstmöglichkeiten.

„Zudem ist das Handwerk sicherlich der nachhaltigste Wirtschaftsbereich von allen, denn die Betriebe arbeiten besonders ressourcenschonend, produzieren umweltschonende Produkte und tragen als Umsetzer der Energiewende zur nachhaltigen Klimaschutzpolitik bei. Junge Menschen, die sich für Klimaschutz und Nachhaltigkeit stark machen und dies auch beruflich anstreben, wären im Handwerk goldrichtig! Das muss ihnen gerade auch in den Schulen vermittelt werden, möglichst frühzeitig und nicht nur punktuell“, so Olesja Mouelhi-Ort.

Zu hohe Ansprüche? IHK konstatiert „Matching-Probleme“

Auch die Industrie- und Handelskammer zieht eine positive Bilanz für das letzte Ausbildungsjahr – wenn auch etwas verhaltener. Vom Vorkrisenniveau sei man noch weit entfernt aber der Rückgang an Lehrverträgen sei gestoppt worden und man blicke zuversichtlich auf das kommende Jahr, berichtet Michael Ifland, IHK-Geschäftsführer für Berufliche Bildung und Fachkräftesicherung.

Michael Ifland Geschäftsführer Berufliche Bildung und Fachkräftesicherung der IHK
Michael Ifland, Geschäftsführer Berufliche Bildung und Fachkräftesicherung der IHK. Foto: Alex Völkel für Nordstadtblogger.de

„In Dortmund ist die Entwicklung leider nicht so gut wie im Kreis Unna und der Stadt Hamm: Das Minus von fast 20 Prozent (477 Verträge) im Jahr 2020 ist zwar auch hier annähernd gestoppt, aber von den Wachstumswerten, wie wir sie im Bezirk der Agentur Hamm mit 5,9 Prozent verzeichnen, sind wir mit minus 0,3 Prozent weit entfernt. Dabei können auch wir bestätigen, dass die Ausbildungsbereitschaft der Unternehmen in diesem Jahr unverändert hoch ist und dass es Engpässe eher auf der Bewerberseite gibt“, erläutert Ifland die Situation.

Gerade die Branchen Gastgewerbe, Veranstaltungen, Einzelhandel und Tourismus, in denen durch die Lockdowns der Geschäftsbetrieb weitgehend oder komplett zum Erliegen kam, würden sich mit ihrem Ausbildungsengagement noch nicht wieder auf Vor-Corona-Niveau befinden. So hat sich beispielsweise die Zahl der Lehrverträge im Bereich Hotel & Gaststätten seit 2019 nahezu halbiert. Kamen hier 2019 noch 217 Lehrverträge zustande, waren es 2020 129 Verträge und 2021 124 Verträge.

„Jetzt geht es darum, mit vereinten Anstrengungen noch möglichst viel Ausbildungsplätze zu besetzen und potenzielle Bewerber zu motivieren, sich noch in diesem Jahr zu bewerben“, macht Ifland potentiellen Bewerber:innen Mut zur Offensive.

Weniger Beteiligung an digitalen Orientierungs- und Beratungsangeboten

Die digitalen Angebote wie hier die Ausbildungsmesse AzuBeYou können die persönliche individuelle Beratung der Bewerber:innen nicht ersetzen.

Neben Heike Bettermann, Hotel-Direktorin Kortmann, Olesja Mouelhi-Ort und Michael Ifland nahmen die Dortmunder DGB-Vorsitzende Jutta Reiter und Holger Nolte, Schulrat im Schulamt der Stadt Dortmund, an dem Gespräch teil.

Alle Gesprächspartner:innen sind froh, dass nach und nach wieder Präsenzveranstaltungen möglich werden. Denn gerade beim Thema Berufsorientierung und- beratung hätten die letzten zwei Jahre gezeigt, dass die digitalen und virtuellen Angebote zwar durchaus eine Alternative darstellen, vor allem um mit den jungen Menschen in Kontakt zu bleiben aber ein persönliches Treffen, das intime Gespräch unter vier Augen einfach nicht ersetzen können.

„Leider müssen wir bei den digitalen Angeboten feststellen, dass sich weniger Menschen beteiligen. Mit den ersten Lockerungen der Infektionsschutzmaßnahmen ist es nun auch wieder möglich, dass Mitarbeiter*innen des Jugendberufshauses direkt in Schulen vorstellig werden. Wir haben mit diesen Ansprachen vor Ort immer wesentlich mehr Erfolg als online“, erläutert Heike Bettermann die Situation.

Erfahrungen durch Praktika sind von unschätzbarem Wert

Das Jugendberufshaus der Dortmunder Arbeitsagentur im Hauptsitz in der Steinstraße ist erste Anlaufstelle für Bewerber:innen in Sachen Praktikum und Ausbildung. Archivfoto: Alexander Völkel für Nordstadtblogger.de

Außerdem habe die Pandemie bei vielen jungen Menschen für eine gewisse Verunsicherung gesorgt, es würden Alternativen wie ein Studium statt Ausbildung bevorzugt oder man schiebe die Entscheidung vielfach zunächst auf, um ein freiwilliges soziales Jahr anzutreten oder sich einfach etwas Luft für die wichtige Entscheidung der Karriereplanung zu verschaffen.

Dadurch, dass Praktikumsmöglichkeiten wegfielen, fehle den jungen Bewerber*innen in vielen Fällen die Praxiserfahrung, die oftmals der entscheidende Impuls für die positive Entscheidung zu einer Berufsausbildung sei.

An dieser Stelle hebt Bettermann mit Unterstützung aller Gesprächsteilnehmer:innen die Bedeutung betrieblicher Praktika hervor und appelliert sowohl an Bewerber:innen, bestehende Angebote zu nutzen als auch an Arbeitgeber:innen, Praktikumsmöglichkeiten zu schaffen.

Denn Praktika könnten für ein Unternehmen auch eine gute Werbemaßnahme sein. Bei der Einrichtung solcher Plätze kann die Arbeitsagentur unterstützen und bietet über das Jugendberufshaus sogar begleitete Praktika an.

Um die 10.000 Praktika müssen im kommenden Jahr nachgeholt werden

Holger Nolte ist Schulrat im Schulamt für die Stadt Dortmund. Foto: Alex Völkel für Nordstadtblogger.de

„Ein erfolgreiches Praktikum ist oft der Schlüssel für den Start einer dualen Ausbildung, daher müssen wir interessierte Schüler:innen und Schüler frühzeitig mit Betrieben, in denen Praktika möglich sind, zusammen bringen“, unterstreicht auch Schulrat Holger Nolte die Bedeutung der Betriebspraktika.

Er verweist auf nützliche Hilfsmittel wie die Internet-Plattformen „Dortmund at work“oder Zukunftsfinder.de, wo Unternehmen sich und ihre Azubis vorstellen, den jungen Menschen Unterstützung bei der Bewerbung angeboten wird und offene Praktikums- und Lehrstellen aufgelistet werden. Außerdem informieren die Plattformen über verschiedene Modelle wie beispielsweise die Teilzeitausbildung.

Im letzten Jahr sei es pandemiebedingt zu 20 Prozent weniger Betriebspraktika gekommen. Um die 10.000 Praktika müssten in diesem Jahr nachgeholt werden, was zum Beispiel in der Pflegebranche und der Gastronomie eine äußerst schwierige Aufgabe sei. Wichtig für ein gutes Gelingen sei hierbei die gute und individuelle Betreuung sowohl des Praktikanten als auch des Unternehmens.

Praktika sollten keine Beschäftigungstherapie sein

Die Plattform Dortmund at work ist ein hilfreiches Tool auf der Suche nach einem Praktikum oder einer Ausbildungsstelle. Foto: Web-Screenshot

„In diesem Bereich müssen wir uns weiter öffnen. Ich habe in jungen Jahren leider selber schlechte Erfahrungen gemacht, was Praktika angeht“, berichtet Hotel-Direktorin Katja Kortmann. Daher legt sie in ihrem Hotel besonderen Wert auf diesen Bereich und geht hier neue Wege.

Ein Praktikum ist in ihren Augen nicht dazu da, den oder die Schüler:in mit sinnfreien Aufgaben zur Arbeitserleichterung abzuspeisen, sondern sollte den Bewerber:innen einen realen Einblick in Arbeitsabläufe und den Arbeitsalltag des jeweiligen Unternehmens bieten.

Den jungen Menschen einen Besen in die Hand zu drücken, um sie zu beschäftigen sei einfach altbacken und biete den Jugendlichen keinerlei Perspektive. Ein vernünftiges informatives und praxisnahes Praktikum anbieten zu können, erfordere jedoch eine Menge eigeninitiativer Arbeit und Bemühungen.

Noten sind zweitrangig: Unternehmen sollten sich vom Prinzip der Bestenauslese verabschieden

In diesem Sinne wünscht sich Kortmann einen Abbau der Bürokratie für die Arbeitgeber:innen und eine bessere Kommunikation zwischen den unterschiedlichen Arbeitsmarktpartnern. Es mache Sinn, wenn Arbeitsagentur, Kammern und Betrieb in regelmäßigem Kontakt stünden und die Unternehmen über Hilfs- und Fördermöglichkeiten aufgeklärt würden.

Auch Esther Dadzie ist im dritten Lehrjahr beim Hotel Esplanade. Foto: Alex Völkel für Nordstadtblogger.de

Aber auch die Betriebe selbst sieht sie in der Verantwortung, umzudenken und Initiative zu ergreifen. Die Unternehmen müssten sich von der gängigen Bestenauslese verabschieden und auch schwächeren Schulabgänger*innen Optionen bieten. Derzeit beschäftigt Katja Kortmann fünf Azubis in ihrem Unternehmen.

„Schulische Leistung und Noten spielen für mich ehrlich gesagt gar keine Rolle. Die Motivation der Bewerber*innen ist viel viel wichtiger“, erläutert Kortmann ihre Philosophie. Diese Ansichten teilen auch Heike Bettermann und die Dortmunder DGB-Vorsitzende Jutta Reiter:

„Von einem generellen Mangel an Bewerber*innen kann in Dortmund keine Rede sein. Wenn hier 3784 Jugendliche einen Ausbildungsplatz suchten, aber nur 1466 tatsächlich in die Duale Ausbildung einmündeten, scheint die Handlungsnotwendigkeit woanders zu liegen: Die Betriebe müssen den Blick weiten und sich von der Bestenauslese verabschieden.“

DGB schlägt Zukunftsfonds zur Fachkräftesicherung vor

Dortmunds DGB-Vorsitzende Jutta Reiter Foto: Alex Völkel für nordstadtblogger.de

Um dies zu ändern sei zum Beispiel ein vorgeschobenes Ausbildungsjahr, in dem potentielle Bewerber:innen die nötigen Qualifikationen für die Berufsausbildung erlangen, denkbar. Es müssten definitiv Alternativen entwickelt werden, um auch schwächeren Schulabgänger:innen Perspektiven bieten zu können.

Vor dem Hintergrund, dass in NRW jeder fünfte junge Mensch keinen Berufsabschluss habe, bräuchte es dringend eine Ausbildungsgarantie. Dem DGB schwebe diesbezüglich ein Zukunftsfonds vor, in den die Unternehmen einzahlen, um Fachkräfte zu sichern und allen jungen Menschen eine Perspektive zu geben.

Jutta Reiter mahnt eindringlich, die Problematik nicht auf die leichte Schulter zu nehmen und zu meinen, mit Fachkräften aus dem Ausland könne man der Lage Herr werden. Dies seien im besten Fall temporäre Lösungen und es führe kein Weg daran vorbei, die duale Ausbildung stärker zu bewerben und vor allem für die Schulabgänger:innen zu attraktivieren. „An der dualen Ausbildung hängt unsere Zukunftsfähigkeit“, so Reiter.

Lehrjahre sind keine Herrenjahre: Duale Ausbildung und die Wahrnehmung der Öffentlichkeit

Ein weiteres wichtiges Problemfeld beim Thema duale Ausbildung ist ihr Stellenwert in Bezug zu akademischen Werdegängen. Auch hier sind sich alle Gesprächsteilnehmer:innen einig, dass etwas passieren muss, damit die duale Ausbildung in der öffentlichen Wahrnehmung attraktiver wird.

Fabian Vellguth macht im Hotel Esplanade seine Ausbildung - Hoteldirektorin Katja Kortmann liegt großen Wert auf Ausbildung.
Hotel-Direktorin Katja Kortmann steckt viel eigeninitiative Arbeit in die Ausbildung ihrer Mitarbeiter:innen. Foto: Alexander Völkel für Nordstadtblogger.de

„Diese Konkurrenz zwischen dualer Ausbildung und einem Studium wird von vielen Vorurteilen bestimmt“, weiss Heike Bettermann. Dabei seien vielen Menschen die Möglichkeiten, die sich auch während einer Ausbildung ergeben, kaum bekannt.

So könne man beispielsweise auch während einer Ausbildung höhere Schulabschlüsse erlangen und viele junge Menschen würden den Weg über Berufskollegs suchen, um sich die Option eines Studiums offen zu halten. Dies sei jedoch auch in einem Ausbildungsverhältnis möglich. Ein Handwerksmeister verdiene heute oftmals mehr Geld als so mancher Akademiker.

„Wir müssen den Wert der dualen Ausbildung auch jungen Menschen mit der Hochschulreife vermitteln, denn Fakt ist, dass fast jede/r vierte Bachelor-Student:in das Studium vorzeitig abbricht“, so Bettermann. Daher sei es nötig und wichtig, alle möglichen Ansprechpartner*innen wie Eltern und Lehrer:innen mit ins Boot zu holen, um sie für das Thema duale Ausbildung zu sensibilisieren, zu informieren und letztendlich zu überzeugen.

Präsentierten gemeinsam die Bilanz des Dortmunder Ausbildungsmarktes 2020/21: v.l. Jutta Reiter (DGB), Heike Bettermann (AA), Schulrat Holger Nolte (Stadt Dortmund), Michael Ifland (IHK) und Olesja Mouelhi-Ort (HWK). Foto: Alex Völkel für Nordstadtblogger.de
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