DEW21 reißt in Ellinghausen Windräder ab und ersetzt sie durch leistungsstärkere

Die neuen Anlagen erzeugen bis zu fünfmal mehr Strom

Zwei Personen stehen mit einem Plan vor einem Windrad
Die Projektentwickler:innen Julia Koch und David Winkelmann stellen das Energieprojekt der DEW21 vor. H. Sommer für Nordstadtblogger

Dortmund bekommt drei neue Windräder. Im Rahmen des sogenannten Repowering werden die Windkraftanlagen in Ellinghausen durch neue Anlagen ersetzt. Seit 2005 haben die drei Windräder im Dortmunder Norden jährlich rechnerisch 3.000 Haushalte mit Strom versorgt. Nach mehr als 20 Jahren gehen sie nun in Rente. Bis zu fünfmal mehr Strom erzeugen die neuen Anlagen im Vergleich zu ihren Vorgängerinnen und können in Zukunft damit rechnerisch 15.000 Haushalte versorgen.

Repowering bedeutet den Ersatz von alten durch leistungsstärkere Anlagen

Neben dem Austausch der drei Windräder plant der Betreiber, die Dortmunder Energie- und Wasserversorgung (DEW21), außerdem eine Photovoltaik-Anlage auf der angrenzenden ehemaligen Mülldeponie zu errichten.  Der Austausch der „EllWiRas“, wie die Windräder in Ellinghausen getauft wurden, erfolgt im Rahmen des Repowering. Darunter versteht man den Ersatz alter Anlagen durch moderne, leistungsstärkere Windräder, um den Energieertrag pro Fläche zu steigern. 

Porträt von Projektleiterin Julia Koch
Julia Koch leitet das Repowering-Projekt. H. Sommer für Nordstadtblogger

Die höhere Effizienz erreichen die Anlagen vor allem durch die Höhe des Turms und die Größe der Rotorblätter. Die neuen Windkraftanlagen haben eine Turmhöhe von 150 Metern, inklusive der Rotorblätter weisen sie eine Höhe von etwa 250 Metern auf.

Damit sind sie um einiges höher als die bisherigen Windräder. Diese sind 113 Meter hoch (inklusive Rotorblätter 148 Meter). „Je höher, desto besser“, erklärt DEW21-Projektleiterin Julia Koch. Denn in der Höhe gibt es weniger Turbulenz, so werden die Schwankungen im Wind genannt, die durch Häuser oder Wälder verursacht werden. Der Wind ist in der Höhe somit „glatter”. ___STEADY_PAYWALL___

Neue Windräder werden größer, aber nicht lauter

Je größer dann die Rotorblätter sind, desto besser kann die Energie des Windes aufgenommen werden. Durch die größeren Rotoren, höheren Türme und die modernere Technik drehen sich die Windräder auch bei schlechteren Wetterverhältnissen. Anders als die Anlagen aus 2005. Die neuen Windkraftanlagen sind in ihrer Maximalleistung dreimal so stark wie die bisherigen, liefern aber fünfmal mehr Strom, eben dadurch, dass sich die Rotorblätter auch bei weniger Wind drehen.

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Die bisherigen Windräder sind 113 Meter hoch – die neuen werden 35 Meter höher. H. Sommer für Nordstadtblogger

Wichtig sei, dass die neuen Windräder nicht lauter seien als die bisherigen, so Julia Koch. Das dürften sie nach den rechtlichen Rahmenbedingungen zum Repowering auch nicht. Das nächste Wohnhaus ist nur 500 Meter entfernt. Damit es nicht zu laut wird, muss nachts der Betrieb gedrosselt werden. 

Windkraftanlagen, genauer ihr Schattenwurf und ihre Lautstärke, sind immer wieder ein Thema für Anwohner:innen. „Bislang bekommen wir nur neutrale oder positive Rückmeldungen über den Austausch der Windräder“, sagt Koch. 

Neubau von Windräder unterliegt Kriterienkatalog

Alte Windräder durch moderne und effizientere Windräder zu ersetzen, steigert den Energieertrag pro Fläche. Das ist deshalb notwendig, da der Neubau von Windkraftanlagen nur schwer umzusetzen ist, da er einem umfassenden Kriterienkatalog unterliegt.

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Die Windräder stehen angrenzend zu einem Naturschutzgebiet. H. Sommer für Nordstadtblogger

Hierbei müssen Lärmbelastung von und die daraus folgende Abstandsregelung zu Wohngebieten beachtet werden sowie Auflagen zu Natur- und Wasserschutz.

In Dortmund ergeben sich dadurch nur drei Vorrangzonen für Windräder: in Ellinghausen, wo nun die drei Windräder ersetzt werden, in Eichlinghofen, wo das Windrad mit dem Namen „Airwin“ steht, und im Salinger Feld.  

Die Photovoltaik-Anlage soll auf der ehemaligen Mülldeponie angrenzend zu dem Gebiet der Windräder entstehen. Die Fläche umfasst zehn Hektar.

Artenschutzrechte müssen für Errichtung der PV-Anlage beachtet werden

Projektentwicklerin Koch schätzt jedoch, dass nicht die ganze Fläche für die Anlagen genutzt werden kann. Für die Erbauung der PV-Anlagen müssten Artenschutzrechte beachtet werden. „Wir arbeiten hier eng mit der Unteren Naturschutzbehörde zusammen, um eine gemeinsame Lösung zu finden“, erläutert Koch.  

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Hier erkennt man die Entwicklung von der Kohlehalde zu dem Infrastruktur- und Naturschutzgebiet. H. Sommer für Nordstadtblogger

Bei der Fläche in Ellinghausen handelt es sich um eine ehemalige Kohlereserve. Vor 20 Jahren war der Bau der bisherigen Windräder Teil der Umwandlung des Gebiets, auf dem heute außerdem das Hochlager von Ikea steht.

Die restliche Fläche ist seitdem ein Naturschutzgebiet, in dem auch zwei Herden von Heckrindern untergebracht sind. Ein Ornithologe hat sichergestellt, dass in dem Gebiet keine Vögel leben, die durch die Windräder gestört werden. 

Alte Windräder können zum Teil recycelt werden

Die Ressourcen der Erde sind wohl wissentlich begrenzt, das Thema des Recyclings von Rohstoffen demnach bedeutsam. Für die DEW21 und in der Branche sei dies ein wichtiger Punkt, den es bei einem Rückbau von Windkraftanlagen zu beachten gebe, so die Projektentwicklerin Koch. 

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Nicht alle Bauteile eines WIndrads eignen sich zum Recycling. H. Sommer für Nordstadtblogger

Das Recycling der Rotorblätter gestalte sich allerdings schwierig, da die Feststoffe darin nur schwer voneinander zu trennen seien, erklärt Koch. Demnach werden die Blätter „thermisch verwertet“, wie das Verbrennen von Stoffen in der Branche genannt wird.

Der Beton aus den Windrad-Turm soll dagegen für die Zufahrtswege für den Neubau der neuen Anlagen verwendet werden. Der verbaute Stahl kann als Recyclingsstahl wieder nutzbar gemacht werden, erklärt Koch.  

Nach einer Erteilung der Genehmigungen soll Ende 2026 mit dem Rückbau der bisherigen Windräder begonnen werden, so Die DEW21-Projektleiterin. Die neuen Anlagen sollen 2027 errichtet werden. Gemeinsam mit der Photovoltaik-Anlage sollen die neuen Windkraftanlagen im ersten Quartal 2028 ans Netz gehen. Die Investitionen sollen sich auf weit über 18 Millionen Euro belaufen. DEW21 blieb vage.  

Weitere Infos:

  • Die DEW21 informiert über das Vorhaben auf ihrer Website: www.dew21.de/wind-solarpark-ellinghausen.
  • Am 5. März lädt die DEW21 zu einer öffentlichen Infoveranstaltung zum geplanten Energieprojekt ein.
  • Die Veranstaltung findet zwischen 16 und 20 Uhr im Wibbelingshof in der Wittichstraße 23 in Holthausen statt. 

 

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Reaktionen

  1. Till Strucksberg

    In der positiven Darstellung der DEW fehlt der Blick auf das Ganze: Der Energie- und Materialaufwand (Seltene Erden!) für die Herstellung der neuen Anlagen, ebenso wie für die Beseitigung der alten. Viele dieser Kosten fallen nicht bei uns, sondern in den Ländern des Südens an. Deshalb würden sie auch in einer nur ökonomischen Bilanz nicht auftauchen. Trotzdem gibt es sie – mit teilweise verheerenden Folgen (s. z. B. beim Abbau von Lithium). Oder ist der Aufwand für Reparatur der noch laufenden Anlagen im Vergleich zur Energieernte zu hoch? Davon ist im Bericht der DEW leider nicht die Rede.

    • Udo Stailer

      Guten Morgen Herr Strucksberg,

      in Ihrer negativen Darstellung des Energie- und Materialaufwands für die Herstellung der Windkraftanlagen fehlt die Nennung der Alternativen: wo soll die Energie zukünftig herkommen? Wenn Deutschland ein Industrieland bleiben soll, dann brauchen wir zukünftig eher mehr als weniger Energie…

  2. DEW21 und TU Dortmund unterzeichnen Absichtserklärung zum Repowering der Windenergieanlage „AirWin“ (PM)

    Die Dortmunder Energie- und Wasserversorgung GmbH (DEW21) und die Technische Universität Dortmund (TU Dortmund) haben eine Absichtserklärung zur gemeinsamen Umsetzung eines Windenergieprojekts unterzeichnet. Ziel ist es, die bestehende Windenergieanlage „AirWin“ am Standort Steinsweg durch eine moderne, leistungsstärkere Anlage zu ersetzen (sog. Repowering).

    Repowering als wichtiger Beitrag für die Energiewende vor Ort

    Repowering-Projekte wie dieses ermöglichen es, bestehende Standorte effizient weiterzuentwickeln: Moderne Anlagen erzeugen ein Vielfaches an Strom, arbeiten leiser und fügen sich besser in Umwelt- und Raumordnungsbelange ein. Zudem profitieren solche Projekte von vereinfachten Genehmigungsverfahren.

    „Der Ausbau der erneuerbaren Energien ist ein zentraler Baustein für eine sichere, bezahlbare und klimafreundliche Energieversorgung in Dortmund. Dafür müssen wir jede geeignete Fläche intelligent und verantwortungsvoll nutzen“, sagt Peter Flosbach, Technischer Geschäftsführer von DEW21. „Mit dem Repowering wollen wir die Windenergie an dem bewährten Standort in unmittelbarer Nähe zum Campus der TU Dortmund auf ein neues Leistungsniveau heben. Das Projekt steht beispielhaft für unseren Anspruch, die Energiewende in der Region konsequent mit Partnern auf Augenhöhe umzusetzen.“

    Erneuerbare Energie für einen nachhaltigen Campus

    Die TU Dortmund verfolgt das Ziel, künftig mehr Strom und Wärme aus regenerativen Energien selbst zu erzeugen und zu nutzen, und so ihre Abhängigkeit von nicht-nachhaltigen Energiequellen zu reduzieren. Dafür installiert sie derzeit eine Holzpelletanlage und errichtet eine Freiflächen-Photovoltaikanlage auf dem Campus Nord. Zudem treibt die Universität den Ausbau von Solaranlagen auf geeigneten Dächern der Hochschulgebäude voran. Die geplante Windenergieanlage hat das Potenzial, den Strom, den die TU Dortmund derzeit im campuseigenen Blockheizkraftwerk aus fossilem Erdgas erzeugt, perspektivisch komplett durch ortsnah gewonnenen regenerativen Strom zu ersetzen.

    Prof. Manfred Bayer, Rektor der TU Dortmund, sagt: „Unsere Universität unterstützt die klimapolitischen Ziele der Landesregierung und beteiligt sich an der Initiative ‚Klimaneutrale Landesverwaltung‘. Die geplante Windenergieanlage ist ein wichtiger Baustein, damit wir vermehrt klimaneutralen Strom produzieren und so zur Energiewende beitragen können. Ich freue mich, dass wir mit DEW21 einen regionalen Partner zur gemeinsamen Umsetzung dieses Vorhabens gefunden haben.“

    Enge Kooperation aller Beteiligten

    Die Absichtserklärung (Letter of Intent, LOI) sieht zunächst vor, gemeinsam Voruntersuchungen durchzuführen. Unter anderem zu technischen, wirtschaftlichen und organisatorischen Fragen. Perspektivisch prüfen DEW21 und die TU Dortmund auch die Gründung einer gemeinsamen Finanzierungs- und Betreibergesellschaft. Eigentümer der betroffenen Flächen ist das Land Nordrhein-Westfalen, vertreten durch den Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW, der in das Projekt eingebunden ist.

    Beide Partner betonen den kooperativen Ansatz: Der LOI ist rechtlich unverbindlich, unterstreicht aber den gemeinsamen Willen, das Projekt zügig und im engen Schulterschluss aller Beteiligten voranzubringen.

    Ein Standort mit Geschichte: die Windenergieanlage „AirWin“

    „AirWin“ gehört zu den ersten Windenergieprojekten in Dortmund. Seit 1997 speist die Anlage erneuerbaren Strom ins Netz ein und steht beispielhaft für den frühen Einstieg der Stadt in die Windenergienutzung. Mit dem geplanten Repowering soll diese Geschichte fortgeschrieben und an die Anforderungen der heutigen Energiewende angepasst werden.

    Die aktuelle Anlage produziert jährlich 650 Megawattstunden (MWh) Strom. Durch das Repowering wird eine jährliche Stromproduktion von rund 10.000 MWh erwartet. Damit können rechnerisch 3.000 statt zuvor 200 Haushalte mit Strom versorgt werden.

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