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Serie Hafengeschichte(n): „Der Hafen muss brummen!“ Interview mit Hafen-Chef Uwe Büscher

Der Hafen hat die Montan-Orientierung hinter sich gelassen und mit dem Container-Terminal einen erfolgreichen Kurs eingeschlagen. Foto: Dortmunder Hafen AG / Jürgen Appelhans

Der Hafen hat die Montan-Orientierung hinter sich gelassen und mit dem Container-Terminal einen erfolgreichen Kurs eingeschlagen. Foto: Jürgen Appelhans/ Hafen AG

Von Nadine Albach

Pressegespräch zum Hafen-Dialog

Der Dortmunder Hafenchef Uwe Büscher. Foto: Alex Völkel

Er ist unter anderem ausgebildeter Bergmann, war im Dortmunder Rathaus Fraktionsmanager, danach für den Regionalverbund Ruhr, das JobCenterARGE aber auch für Vielfalt und Toleranz zuständig, kümmerte sich um den Erfolg des Revierparks Wischlingen und hatte die strategische Entwicklung von DSW 21 im Blick. Kurzum: Uwe Büscher ist so vielseitig wie der Dortmunder Hafen, dessen Geschicke er als Vorstand der Hafen AG lenkt. Im Interview spricht er über Bürgernähe, Wohnen und Freizeit am Wasser, Verkehr, Flächenentwicklung und Pläne für die Zukunftsfähigkeit des Dortmunder Hafens.

Seit dem 1. Januar 2013 sind sie alleiniger Vorstand der Dortmunder Hafen AG: Welche emotionalen Bilder haben Sie mit dem Hafen verbunden – und mit welchem Ziel sind sie angetreten?

Den Hafen habe ich immer aufmerksam verfolgt. Ich bin ein Kind der Industrie und habe selbst zwölf Jahre im deutschen Steinkohlebergbau gearbeitet. Meine Vorgänger haben gute Arbeit geleistet, die ich mit Engagement und Konsequenz weiter führen möchte. Der Hafen muss brummen!

Büscher: „Ich kann mich auf das Team der Hafen AG verlassen“

Bestens aufgestellt für die Anforderungen des kombinierten Verkehrs – hier zum Beispiel bei einem Container-Transport der Dortmunder Eisenbahn für IKEA. Foto: Dortmunder Hafen AG / Jürgen Appelhans

Gut aufgestellt für die Anforderungen des kombinierten Verkehr. Foto: Hafen AG / Jürgen Appelhans

Ihr erstes Jahr war turbulent. Welche Widrigkeiten gab es, welche Erfolge konnten Sie verbuchen?

Anfangs war ich durch die vielen emotionalen Eindrücke und Beanspruchungen, die ein derartiges Amt mit sich bringt, ziemlich eingespannt. Aber ich bin als ausgebildete Führungskraft gut vorbereitet gewesen und habe mir außerdem von mir nahestehenden Menschen Rat geholt. Heute, über ein Jahr später, kann ich sagen, dass ich angekommen bin und mich sehr wohl fühle. Ich kann mich auf das eingespielte Team der Dortmunder Hafen AG voll und ganz verlassen.

Das Wirtschaftsjahr 2012 hat die Hafen AG mit einem Gewinn von rund 1,2 Millionen Euro abgeschlossen; der Stadt Dortmund konnten 4,5 Millionen Euro durch die Verwaltung der Grundstücke überwiesen werden. Können Sie etwas über den Erfolg des Jahres 2013 sagen? 

Wir hatten es mit massiven Widrigkeiten zu tun. Der Gewinn fällt zwar geringer aus als im Jahr 2012 – das hat aber seinen guten Grund: Die Herausforderungen waren enorm – wie zum Beispiel die problematische Schleusensituation in Henrichenburg, die durch Streiks und Revisionen entstanden ist. Damit meine ich: Wir wären deutlich besser, wenn man uns gelassen hätte. Unter diesen Umständen können die Hauptgesellschafter, die Stadt Dortmund und die DSW 21, allerdings mit dem Ergebnis zufrieden sein.

Büscher: „Wir haben die Montan-Orientierung hinter uns gelassen“

Der Dortmunder Hafen ist ein 24-Stunden-Betrieb – zum Beispiel bei dem Umschlag von Altmetall. Foto: Dortmunder Hafen AG / www.wassmuth-foto.com

Der Dortmunder Hafen ist ein 24-Stunden-Betrieb – zum Beispiel bei dem Umschlag von Altmetall. Foto: Hafen AG / wassmuth-foto.com

Wie hat der Hafen den Strukturwandel bewältigt – und wodurch ist er zukunftsfähig? 

Ich halte Dortmund insgesamt für Europas Modellhauptstadt des Strukturwandels, die die Herausforderungen im Vergleich zu anderen Städten in Deutschland am besten gemeistert hat – ob jetzt im Bereich des Technologiezentrums, des Phoenix-Sees oder des Hafens. Wir sind aber noch am Anfang: Wir haben die Montan-Orientierung hinter uns gelassen und rüsten uns jetzt für die Zukunft des weltweiten kombinierten Verkehrs.

Die Aufstellung als Universalhafen war entscheidend. Haben die Container Dortmund zukunftsfähig gemacht?

Ja, durch die Ausrichtung auf den Containerverkehr vor 25 Jahren haben wir auf den richtigen Trend gesetzt. Das bauen wir jetzt durch die neue Anlage für den kombinierten Verkehr aus, mit der wir unsere Kapazität von derzeit 190.000 Ladeeinheiten noch einmal um 150.000 erweitern. Ich gehe davon aus, dass wir in diesem Spätsommer den ersten Spatenstich machen. So nähern wir uns der Prognose von 400 000 Containern an, die Wissenschaftler als Bedarf für die Zukunft errechnet haben.

Kommen wir zu den Herausforderungen: Wohnen und Freizeit am Wasser sind für Bürger wichtig. Was spricht im Fall von Dortmund gegen eine solche Nutzung? 

Gar nichts, wenn es sich mit dem industriellen, gewerblichen Kern des Dortmunder Hafens gut verträgt. Allerdings muss man den Einzelfall betrachten. Wir finden jede Menge negative Beispiele in der Vergangenheit: Beim Solendo haben wir erlebt, dass der gesamte Betrieb stillgelegt wurde, weil sich jemand in der Nachbarschaft durch Musik in seiner Nachtruhe gestört gefühlt hat. Ich selbst bin ein glühender Befürworter von Freizeit, Gastronomie und Erlebnisnutzung. Allerdings bitte nur dort, wo es möglich ist – aber im Moment stehen keine Investoren Schlange. Trotzdem starten wir einen Ideenwettbewerb für das Speicherstraßenquartier. Ich hoffe, dort findet sich ein Geldgeber, weil ich den großen Wurf möchte.

Büscher: „Die Streitkultur ist einer Diskussionskultur gewichen“

Auch der Transport per Schiene – wie hier mit der Dortmunder Eisenbahn - ist wesentlich für die Leistungsfähigkeit des Dortmunder Hafens. Foto: Dortmunder Hafen AG / www.wassmuth-foto.com

Auch der Transport per Schien ist wesentlich für die Leistungsfähigkeit des Hafens. Foto: Hafen AG / wassmuth-foto.com

Im „Dortmunder Dialog Hafenverkehr“ haben sie den Austausch mit besorgten Bürgern wegen der Ausbaupläne für den Hafen gesucht: Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Ergebnisse?

Durch den Arbeitskreis – der von der Landesregierung als beispielhaft für ganz NRW ausgezeichnet wurde – ist die Streitkultur einer Diskussionskultur gewichen. Das macht mich sehr froh, denn mit Konfrontation kommt man nicht weiter. Die Anwohner einzubinden und Planungen offenzulegen, verhütet Schäden wie zum Beispiel bei Stuttgart 21. Die Mitglieder des Arbeitskreises, also ausgewählte Bürgerinnen und Bürger sowie politische Vertreter, können konkret mitbestimmen, welche Verkehrsknotenpunkte durch Verkehrsgutachter untersucht werden sollen. Das sind klare demokratische Beteiligungsstrukturen.

Die Flächen des Hafens sind zu 97 Prozent belegt. Laut Planco-Gutachten ist der Flächenausbau wesentlich und die Kommunen in der Pflicht. Fühlen Sie sich von der Stadt ausreichend unterstützt?

Ja, das ist nicht das Problem. Das Problem ist die gewaltige Auslastungsquote, die für Standorte mit dem Charakter des Dortmunder Hafens als Industrie- Gewerbe- und Logistikgebiet typisch ist. Wir stoßen bei der Flächenentwicklung an unsere Grenzen. Deswegen schaue ich mir im Augenblick zum Beispiel das DB-Gelände an der Westfaliastraße mit 270.000 qm an, das ich gern für Logistikaktivtäten nutzen würde – also Lagerhallen, Umschlagplätze etc. Da besteht enormer Bedarf. Der Logistikbereich wird auch in Zukunft gigantisch wachsen.

Büscher: „Wir können es uns nicht leisten, Wirtschaftsflächen ungenutzt zu lassen“

Ein Schubschiff wird mit Wasserbausteinen zum Ausbau von Wasserstraßen beladen. Foto: Dortmunder Hafen AG / Jürgen Appelhans

Ein Schubschiff wird mit Wasserbausteinen zum Ausbau von Wasserstraßen beladen. Foto: Hafen AG / Appelhans

Die Gespräche bezüglich der Westfaliastraße galten doch als gescheitert?

Die Verhandlungen mit der Deutschen Bahn AG über einen Grundstückskauf für die Ansiedlung der Anlage für den kombinierten Verkehr sind tatsächlich gescheitert – deswegen müssen wir auch an anderer Stelle bauen. Aber das heißt ja nicht, dass wir in Zukunft nicht nochmal zugreifen können. Darum bemühe ich mich im Augenblick. Wir können es uns nicht leisten, Wirtschaftsflächen in Dortmund ungenutzt zu lassen.

Und wie sieht es mit dem Gelände Westfalenhütte aus?

Sehr gut. Da baut die Firma Garbe aus Hamburg derzeit ein Logistikzentrum für DB Schenker und ich gehe davon aus, dass die Westfalenhütte damit ein solches Potenzial hat, dass sie – und das ist ambitioniert – in zehn Jahren ausgelastet ist. Zum Dortmunder Hafen besteht eine direkte Schienenanbindung, die wir revitalisieren wollen, so dass zahlreiche Gütertransporte direkt zwischen Hafen und Westfalenhütte abgewickelt werden, ohne die Wohngebiete der Nordstadt durchqueren zu müssen, wie es mit dem Lkw der Fall wäre.

Im Hafen selbst sind einige Unternehmen auf mehrere Flächen verteilt, so dass eine Reorganisation sinnvoll wäre. Sehen Sie überhaupt eine Chance dafür?

Wir sind schon dabei. Da, wo Verträge auslaufen, führen wir Verhandlungen mit den Unternehmen, um die Grundstücksflächen neu zu ordnen und zusammenzufassen. Was übrigens auch schon gelungen ist.

Ein anderes Problem ist das Autobahnnetz, das am Rande der Kapazität ist: Sehen Sie den Wettbewerbsvorteil Dortmunds in Gefahr?

Das Straßennetz rund um den Hafen ist leistungsfähig – hier ein Lkw-Transport, der im IKEA-Distributionszentrum ankommt. Foto: Dortmunder Hafen AG / Jürgen Appelhans

Das Straßennetz rund um den Hafen ist leistungsfähig – hier ein Lkw-Transport, der im IKEA-Distributionszentrum ankommt. Foto: Dortmunder Hafen AG / Jürgen Appelhans

Das ist ein allgemeines Problem. Die Große Koalition muss dringend in die Infrastruktur investieren. Aber dieses Anliegen ist in sehr guter Hand bei dem NRW-Verkehrsminister Michael Groschek. Ich halte das überörtliche und örtliche Straßennetz rund um den Hafen noch für leistungsfähig – aber es gibt einen riesigen Sanierungsstau. Wenn hier keine Optimierungen vorgenommen werden, werden wir Wettbewerbsnachteile erleiden. Der Verkehr muss fließen!

Speziell das Nadelöhr Henrichenburg hat Sie 2013 durch Streiks und Sperrungen geplagt. Müssen Sie 2014 mit den gleichen Problemen kämpfen?

Wir haben das Gröbste überstanden. 2013 war brutal – nahezu einzigartig in der Geschichte des Dortmunder Hafens. Aber 2014 wird nicht das Jahr der Schleusensperrungen sein, sondern das Jahr, in dem wir mit einer modernisierten Schleuse in Henrichenburg – die natürlich weiter unsere Achillesferse bleiben wird – gut rennen können.

Laut Fraunhofer-Studie ist auch eine Investition in die Schieneninfrastruktur notwendig. Welche Chancen sehen Sie dafür?

Ich achte die Wissenschaftler sehr, aber ohne öffentliche Subventionen ist das unmöglich. Den älteren Unternehmen im Transportbereich, zum Beispiel der Dortmunder Eisenbahn GmbH, fällt es schwer, sich in der Moderne zu behaupten und das Geld für die Modernisierung der Infrastruktur zu verdienen. Ohne öffentliche Unterstützung würde das viel zu lang dauern.

Büscher: „Wir fahren keine Dumpingstrategie“

In Dortmund ist außerdem das Nutzungsentgelt der Schieneninfrastruktur im Vergleich zu anderen Standorten hoch…

Das hängt damit zusammen, dass wir unsere Mitarbeiter für ihre gute Arbeit angemessen bezahlen. Wir fahren keine Dumpingstrategie. Darauf bin ich sehr stolz, weil damit ein Beitrag zum sozialen Frieden in Dortmund geleistet wird. Menschen, die gute Arbeit verrichten, sollen auch anständig bezahlt werden – auch wenn das am Markt nicht immer einfach zu erklären ist.

 

Im zweiten Teil des Interviews lesen Sie: 

Der Dortmunder Hafen ist ein Jobmotor – für die Stadt und für die Region. Im zweiten Teil des Interviews spricht Uwe Büscher, Vorstand der Hafen AG, über Chancen und Pläne für die Zukunft.

Hafenbuch ist im Handel erhältlich

Der Text ist ein Auszug aus dem Buch „Der Dortmunder Hafen: Geschichte – Gegenwart – Zukunft“ . Das Buch ist im Aschendorff Verlag unter der ISBN-Nr. 978-3-402-13064-3 erschienen und für 24,80 Euro im Buchhandel erhältlich.

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