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„Décor ou des corps? Dekoration oder Körper?“ Ausstellung von KünstlerInnen aus Le Havre im Torhaus Rombergpark

Martine Compère-Spitzer, Bernard Lerêtre, Gabriel Reis-Mendonça

Ausstellende KünstlerInnen im Torhaus: Martine Compère-Spitzer, Bernard Lerêtre, Gabriel Reis-Mendonça, Fotos: Gerd Wüsthoff

Von Gerd Wüsthoff

Vor 15 Jahren präsentierte sich die Künstlervereinigung „Dortmunder Gruppe“ im Rathaus von Le Havre in der Normandie, fünf Jahre später kamen zwei französische Künstler nach Dortmund, um hier auszustellen. Nun geht die Kooperation mit einer erneuten Gemeinschaftsausstellung der Franzosen in Dortmund weiter: Vom 21. Oktober bis 11. November sind die Arbeiten dreier KünstlerInnen aus Le Havre in der städtischen Galerie im Torhaus Rombergpark zu sehen. Der Maler Gabriel Reis-Mendonça, die Textilkünstlerin Martine Compère-Spitzer und der Zeichner Bernard Lerêtre zeigen ihre Werke unter dem Titel „Décor ou des corps? Dekoration oder Körper?“.

Die drei KünstlerInnen aus der französischen Hafenstadt am Atlantik im Kurzportait

Werke von Martine Compère-Spitzer und Bernard Lerêtre

Werke von Martine Compère-Spitzer und Bernard Lerêtre

Drei KünstlerInnen aus Le Havre stellen im Torhaus des Romberg einen Querschnitt ihrer Werke aus. Es sind: die Textilkünstlerin Martine Compère-Spitzer, geboren 1962 in Paris – Sie lebt und arbeitet in Le Havre. Ihre Arbeiten stehen unter dem Titel „Ein Universum, in dem das Brutale und das Feine nebeneinander existieren …“.

Bernard Lerêtre, Zeichner und Musiker aus Le Havre. Lerêtre interessiert sich besonders für die Abbildung von Licht und Schatten auf dem menschlichen, oft weiblichen Körper. Und schließlich Gabriel Reis-Mendonça, geboren 1950 in Rabat/Marokko. Reis-Mendonça lebt und arbeitet in Le Havre. Er stellt aus unter dem Titel „Zwischen Zur-Schau-Stellung und Intimität“.

Das Kosmopolitische spiegelt sich in den Arbeiten der drei KünstlerInnen in verschiedener Weise

Gabriel Reis-Mendonça

Gabriel Reis-Mendonça

Die drei Havrais können auf Grund ihrer privaten und künstlerischen Kontakte zur „Dortmunder Gruppe“ die städtische Galerie im Torhaus des Rombergparks nutzen. Wenn BesucherInnen sich hier in eines der Werke derart verlieben, dass sie es in ihrem Besitz wissen wollen, können die betreffenden sicher sein, dass der Preis komplett bei den KünstlerInnen ankommt. Also nicht, wie in einer normalen Galerie. Dies ist eine der Fördermaßnahmen für KünstlerInnen in der Stadt.

Die drei Künstler aus Le Havre spiegeln persönlich, wie auch in ihrem Werk das kosmopolitische dieser erst im 16ten Jahrhundert an der Seine-Mündung gegründeten französischen Hafenstadt wieder. Zugleich sind sie in ihrer Heimat, der Normandie, verwurzelt.

Der Hafen, wie Le Havre auf deutsch heißt, war das Tor von Paris zum Atlantik und der Heimathafen faszinierender französischer Passagierschiffe, die übrigens alle männlich sind, wie der Normandie, 1935, der Île de France, 1927 und besonders dem letzten Vertreter der großen Passagierliner – France von 1962.

Im Zweiten Weltkrieg bombardierte die Luftwaffe von Herman Göring die Stadt, um nach der deutschen Besetzung von den Briten endgültig dem Erdboden gleich gemacht zu werden. Nach dem Krieg entstand Le Havre buchstäblich aus dem Schutt neu – ihre Moderne ist heute Weltkulturerbe.

Sinnliches in Naturfarben als Textilie, Leibliches und in der Landschaft der Normandie

Werke von Martine Gabriel Reis-Mendonça und Bernard Lerêtre

Werke von Martine Gabriel Reis-Mendonça und Bernard Lerêtre

Compère-Spitzer interpretiert die Kunst der Haute Couture mit ihren Kreationen zu „Art d´Haute Couture“ neu. Sie benutzt gebrauchte Textilien und stickt und näht Versatzstücke hinzu, die sie im Alltagsleben, in der Landschaft, oder am Strand findet. So ist in einer Bildreihe – denn die Künstlerin beschäftigt sich zuerst mit gewebtem Stoff – neben Fotos Strandgut jeder Art aufgenäht. Zart, ja fragil, wirken gerade diese Bilder in ihrer poetischen Komposition.

Für die Kunst von Bernard Lerêtre waren die Fotografien von Lucien Clergue, 1934 bis 2014, die ausschlaggebende Inspiration seiner Kreidebilder. Unbedarften mag vielleicht zuerst David Hamilton in den Sinn kommen. Die Aktzeichnungen stellen zumeist einen Ausschnitt des weiblichen Körpers dar, der nicht voyeuristisch, sondern zart, bewundernd, respekt- und liebevoll ist.

Gabriel Reis-Mendonça malt oberflächlich betrachtet, plakativ in zumeist intensiven Farben, vorzugsweise mit Gelb. Die Muster darin subtil und erst im zweiten Blick erkennbar. Besonders in seinem Bild „Baiser“ – die Münder, zum Kuss geformt, sind zart gegenüber dem warmen, plakativ verwendeten Gelb. In einem anderen Bild sind es Muscheln, die dezent an äußere Schamlippen erinnern. Losgelöst vom körperlichen, alles nur nicht pornographisch. Andere Bilder des Künstlers sind mit Erdfarben dagegen geradezu in der faszinierenden Landschaft der Normandie verwurzelt.

Die Werke der drei Künstler sind einen Besuch im Torhaus Wert!

Weitere Informationen:

  • Torhaus Galerie Rombergpark 50
  • Eröffnung: „Décor ou des corps? Dekoration oder Körper?“
  • Die Einführung (Laudatio) hält Annette Witbroek
  • Sonntag, 21. Oktober 2018, 11 Uhr
  • geöffnet:
  • Dienstags bis Samstags von 14 bis 18 Uhr
  • Sonntags und Feiertags von 10 bis 18 Uhr.
  • Eintritt: Frei

Veranstalter ist das Kulturbüro in Zusammenarbeit mit der „Dortmunder Gruppe“

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