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Neue Ausstellung im Torhaus Romberpark: Wie Kunstwerke durch Licht ihre haptischen Grenzen durchbrechen

Den bildenden Künstler Patrick Alexander Deventer fasziniert der philosophische Unterbau des Suprematismus. Fotos: S. Fijneman

Den bildenden Künstler Patrick Alexander Deventer fasziniert der philosophische Unterbau des Suprematismus. In seiner Werkserie werden durch Licht neue Räume erschlossen. Fotos: Sascha Fijneman

Von Sascha Fijneman

„schräg geschaut“ lautet der Titel einer Ausstellung , die am Sonntag, den 26. August 2018, in der Galerie im Torhaus Rombergpark eröffnet wird. Und der Titel ist durchaus wörtlich zu nehmen: Denn erst, wenn die Installationen aus unterschiedlichen Perspektiven und Blickwinkeln betrachtet werden, entfalten sie ihre volle Wirkung. Licht und Schatten sorgen immer wieder für neue Farbspiele und sorgen dafür, dass die Werke aus ihrer haptischen Begrenzung ausbrechen können und neue Räume erschließen.

Ausstellung zeigt sowohl Arbeiten von den Anfängen als auch aktuelle Werke des Künstlers

Eine der ausgestellten Installationen. Je nach Blickwinkel und Lichteinfall wirken die Farben völlig anders.

Eine der ausgestellten Installationen. Je nach Blickwinkel und Lichteinfall wirken die Farben völlig anders.

Der gebürtige Arnsberger Patrick Alexander Deventer stammt aus einer Künstlerfamilie und ist bildender Künstler. Seine Leidenschaft gilt der Konkreten und Konzeptionellen Kunst. Insbesondere hat er sich der Erforschung des Suprematismus eines El Lissitzky oder Kasimir Malewitsch verschrieben.

Der Suprematismus ist eine von Gegenstandsbezügen befreite konstruktive Kunstrichtung; sie stellt die Reduktion auf einfachste geometrische Formen in den Dienst der Veranschaulichung höchster menschlicher Erkenntnisprinzipien. El Lissitzky beeinflusste durch seine Werke unter anderem maßgeblich die Arbeit der Kunstschule Bauhaus.

In der Galerie im Torhaus Rombergpark ist nun die Werkserie „schräg geschaut“ zu sehen. Sie umfasst Arbeiten des kompletten Werdegangs Deventers, von den Anfängen bis heute. Die Arbeiten bestehen aus auf Aludibondplatten montierten Plexiglasstegen, die mit Farbfolien beschichtet wurden. Sowohl Plexiglas als auch die Folien sind extrem lichtdurchlässig, das Plexiglas zu 97 Prozent. 

Installationen stießen auf großen internationalen Kunstmessen bereits auf reges Interesse

Patrick Alexander Deventer in der Galerie im Torhaus Rombergpark.

Patrick Alexander Deventer in der Galerie im Torhaus Rombergpark.

Die Farben werden von Deventer selbst gemischt. Für die Erstellung der Folien arbeitet er eng mit einer Druckerei zusammen. Sein Heimnetzwerk ist auf die Farbkalibrierung der Druckerei abgestimmt. Alle Werke sind Unikate und nicht reproduzierbar. „Durch äußere Einflüsse wie Temperatur oder Luftfeuchtigkeit wirken die Farben in Nuancen in jedem Druckvorgang anders“, erläutert der Künstler.

Seine Arbeiten wurden unter anderem schon auf Kunstmessen in Zürich und Karlsruhe gezeigt, wo reges Interesse bekundet wurde. Auf den differenziert komponierten Plexiglasplatten ordnet der Künstler mit Hilfe der Folien unterschiedliche Farbverläufe an. Durch natürlichen Lichteinfall wird die monochrome silberne Oberfläche der Aludibondplatten immer wieder in andere mannigfaltige Farbigkeit getaucht.

Je nach Einfallswinkel der Lichtstrahlen werden die Farben aber eben nicht nur auf die Aludibondplatten projiziert, die das jeweilige Werk begrenzen, sonder sie können darüber hinaus in den Bildumraum ausstrahlen. „In meinem Werk werden die haptisch fassbaren Grenzen des Objektes, im Gegensatz zur herkömmlichen Malerei, in der Farbe noch an ihrem Ort verharrt, überwunden und das Werk von seinen Grenzen befreit“, so Deventer.

Deventer: „Die Werke müssen auch ohne den Künstler funktionieren.“

Die Ausstellung umfasst frühe Arbeiten und aktuelle Installationen.

Die Ausstellung umfasst frühe Arbeiten und aktuelle Installationen.

Die Bilderfahrung wird für die BetrachterInnen gesteigert, wenn sie die Bildobjekte aus einem schrägen Blickwinkel anschauen, da sich erst dann das gesamte Spektrum der Farbvielfalt und Nuancen erschließt.

„Ich freue mich auf die Eröffnung am kommenden Sonntag. Das ist für die Gäste ja immer etwas besonderes, wenn der Künstler vor Ort sein Werk erläutert. Allerdings sollte es so sein, dass die Werke auch ohne den Künstler funktionieren“, so Deventer. Laut El Lissitzky dürfe ein Bild an der Wand nicht tot sein sondern solle über seine Grenzen hinaus diffundieren.

Für ein Werk benötigt Deventer in der Regel um die zehn Wochen. „Ich erkenne, dass eine Installation fertig ist, wenn das Einbringen jeder neuen Farbe einfach nur störend wäre“, erklärt der Künstler.

Durch Implosion und Diffusion werden neue Räume geschaffen

Die Teilkuben erschließen ebenfalls neue Räume und implodieren in der Galerie.

Die Teilkuben erschließen ebenfalls neue Räume und implodieren in der Galerie.

Neben den schräg geschaut -Werken, die neue Lichträume entstehen lassen sind in der Galerie im Torhaus Teilkuben, kleine räumliche Ecken eines Würfels verteilt. Während die Installationen diffundieren, implodieren die Kuben in den Raum der Galerie und erschließen so auf andere Art und Weise ebenfalls neue Räume.

Die Ausstellung wird am Sonntag, 26. August 2018, um 11 Uhr im Torhaus am Rombergpark eröffnet. Von da an wird sie bis zum 16. September 2018 dienstags bis samstags  in der Zeit von 10 bis 18 Uhr zu sehen sein. Der Eintritt ist frei.

Zur Einführung spricht der Bruder des Künstlers, der Kunsthistoriker Christopher Laurin Deventer. Veranstalter ist das Kulturbüro Dortmund in Zusammenarbeit mit dem Bundesverband Bildender Künste in Westfalen.

Weitere Informationen:

www.patrick-deventer.de

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