
Der Planerladen macht mit einer eigenen Kampagne auf die Folgen von Kürzungen im sozialen Bereich aufmerksam. Der Dortmunder Verein sieht gemeinnützige und zivilgesellschaftliche Angebote zunehmend unter Druck und warnt, dass weniger gesellschaftlicher Zusammenhalt auch eine Gefahr für die Demokratie sei. Auf seinem Instagram-Kanal @planerladen stellt das Team seine Arbeit vor und erklärt, was die Einschnitte für die Beratung und für die Menschen bedeuten, die sie nutzen. Zugleich hat sich die Geschäftsführung der Planerladen gGmbH verändert: Dustin Siebert leitet die Gesellschaft seit dem 1. September.
Mehr Aufwand, weniger Mittel
Nach Darstellung des Planerladens wächst der Druck vor allem auf die Träger der freien Wohlfahrtspflege. Der Bedarf an Angeboten sinke nicht, gleichzeitig würden Fördermittel gekürzt, nicht an steigende Kosten angepasst oder ganz gestrichen. Hinzu kämen höhere Anforderungen: Bestimmte Ausgaben würden nicht mehr gefördert, und mitunter versuchten Fördergeber, sich inhaltlich in laufende Projekte einzumischen.
In den verbleibenden Fördertöpfen steige zudem der Eigenanteil, den die Träger selbst aufbringen müssen. Auch der Verwaltungsaufwand wachse, der in den meisten Fällen nicht förderfähig sei. Die Folge sei weniger Zeit für die eigentliche Arbeit und damit für die Menschen, so der Verein.
Angebote fallen weg, Betroffene bleiben
Als Konsequenz nennt der Planerladen gekürzte oder gestrichene Angebote, Entlassungen und in einzelnen Fällen drohende Insolvenzen zivilgesellschaftlicher Akteure. Betroffen seien Strukturen in ihrer ganzen Bandbreite, von der offenen Kinder- und Jugendarbeit über Sprach- und Integrationskurse bis zu einer Vielzahl von Beratungsangeboten. Das treffe nach Einschätzung des Vereins vor allem Menschen, die ohnehin über weniger Ressourcen verfügen und von Diskriminierung oder anderen Benachteiligungen betroffen sind.
Der Planerladen verweist darauf, dass die Folgen nicht auf die Menschen beschränkt blieben, die begleitet werden, und auf die Beschäftigten im Sektor. Weder die Menschen noch ihre Bedürfnisse verschwänden, wenn es keine Anlaufstellen mehr gebe. Viele soziale Angebote erarbeiteten Lösungen oder verhinderten durch Prävention, dass Konflikte überhaupt entstehen. Als Beispiele nennt der Verein Jugendhilfe, Extremismusprävention, Opferschutz, Integrationsarbeit und Beratung. Fielen diese Angebote weg, würden gesellschaftliche Konflikte verschärft und das Zusammenleben schwieriger. Betroffen seien davon letztlich alle.
Demokratieförderung vor Ort – Die Kampagne auf Instagram
Eine weitere zentrale Aufgabe zivilgesellschaftlicher Organisationen sieht der Planerladen darin, Menschen eine Stimme zu geben, Begegnungen zu ermöglichen und Räume für Austausch und Diskussion zu öffnen. Das sei konkrete, vor Ort verwurzelte Demokratieförderung, und zwar in einer Zeit, in der extreme und menschenfeindliche Positionen mehr Zustimmung erhielten und gesellschaftliche Spaltung und den Ausschluss anderer vorantrieben.
In seiner Kampagne greift der Planerladen die konkreten Folgen der Kürzungen auf. Das Team schildert in persönlichen Statements, was die Einschnitte für seine Arbeit bedeuten, und nennt als Beispiele Antidiskriminierungsberatung, offene Kinder- und Jugendarbeit, Sprach- und Integrationskurse sowie Migrationsberatung. In allen diesen Bereichen übersteige der Bedarf das Angebot und die vorhandenen Kapazitäten.
Wechsel an der Spitze: Dustin Siebert führt die Planerladen gGmbH
Die Kampagne fällt in eine Zeit personeller Veränderung. Anne Schlösser hat ihr Amt als Geschäftsführerin der Planerladen gGmbH zum 31. August niedergelegt und widmet sich nach Angaben des Planerladens künftig der Stiftungsarbeit. Ihr Nachfolger Dustin Siebert führt die gGmbH seit dem 1. September. Der Übergang sei nahtlos erfolgt.

Siebert ist 33 Jahre alt, in Unna geboren und arbeitet seit Dezember 2023 beim Planerladen. Er war im Projektbereich „Jugendforum Nordstadt“ sowie in der Integrationsagentur für den Bereich „Antidiskriminierung im Wohnbereich“ tätig und kennt die Strukturen des Vereins daher bereits. Er hat Geschichte und Philosophie studiert und sich dabei wissenschaftlich mit Migrationspolitik und Wohngerechtigkeit befasst. Unter anderem untersuchte er das Spannungsfeld zwischen Migrationskontrolle und Sozialpolitik.
Sein Ziel sei es, die Gleichberechtigung in der Gesellschaft und besonders im Dortmunder Norden zu verbessern, so der Planerladen. Besonders wichtig sei ihm eine echte Beteiligung der Menschen an der Entwicklung ihres eigenen Quartiers. Die Verantwortung der neuen Aufgabe sei ihm bewusst.
An der Struktur des Trägers ändert sich nichts. Der Förderverein Planerladen e.V. bleibt alleiniger Gesellschafter der Planerladen gGmbH, und auch der Vorstand des Vereins ist unverändert: Tülin Kabis-Staubach, Günther Kerchner und Prof. Dr. Reiner Staubach.
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