Nordstadtblogger

Zwischen Wünschen und Vorurteilen: „Schubladen“-Projekt zum Auftakt des Roma-Kulturfestivals „Djelem Djelem“

Das Schubladen-Projekt feierte beim Roma-Kulturfestival Djelem Djelem Premiere.

Die zweite Auflage des Dortmunder Roma-Kulturfestivals „Djelem Djelem“ hat begonnen – und erlebte mit dem innovativen Schubladenprojekt im Depot einen interessanten und würdigen Anfang.

„Schubladen“ sind nützlich – aber oft auch Synonyme für begrenztes Denken

Mit einer Live-Performance stellten die Kinder und Jugendlichen ihre Erlebnisse und Wünsche vor.

Im Sprachgebrauch sind „Schubladen“ oft Synonyme für begrenztes Denken. Im Alltag sind sie aber überaus nützlich.

Das Projekt „Schubladen“ des Vereins „kulturpflanzen“ hat gemeinsam mit jugendlichen Akteuren in der Nordstadt, insbesondere Roma und anderen MigrantInnen, einen Walking-Act auf die Beine gestellt, der erstmalig präsentiert wurde.

Bewegt und bespielt wird dabei ein mobiles Objekt aus gebrauchten Schubladen. Gefüllt sind die Schubladen mit Geschichten und Gegenständen, die erzählen, wie Roma und andere MigrantInnen Deutschland sehen.

Gesammelt wurden die Schubladen von bodo e.V., zusammengefügt und gebaut wurden sie von der Jakob-Muth-Schule in Bochum. Finanziell unterstützt wird es aus Kulturrucksack-Mitteln.

Intensiv begleitet wurde das Projekt durch die Kooperation mit dem Interkulturellen Zentrum der AWO und „Raum vor Ort – Begegnung und Lernen im Schleswiger Viertel“.

49 Schubladen mit Erlebnissen, Hoffnungen, Wünschen und Träumen

49 Schubladen wurden von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen gestaltet.

Mit großem Interesse verfolgten die BesucherInnen die Performance der jungen Akteure. Sie stellten ihr Projekt spielerisch vor und haben auch die Schubladen gestaltet. 49 Schubladen sind im Einsatz.

Sie sind gefüllt mit Wünschen, Erfahrungen, Hoffnungen und Stärken der Kinder und Jugendlichen – dabei vergleichen sie auch ihre Erfahrungen in Dortmund mit denen im Heimatland.

Für die MacherInnen war das Projekt sehr aufwändig. Sie mussten zu den Eltern Vertrauen aufbauen und haben alle Kinder persönlich abgeholt und wieder nach Hause gebracht, damit auch alles gelingt.

Vor allem die Kinder aus Rumänien hatten keine Vorstellung davon, was eine „eigene Vorführung“ bedeutet, hat Diplom-Kulturpädagogin Manuela Wenz erlebt. „Sehr hilfreich war eine Übersetzerin, die den Kindern half, uns zu verstehen.“

Migranten-Kinder sehen Deutschland durchweg positiv – ihre Eltern machen sich mehr Sorgen

Das Schubladen-Projekt feierte beim Roma-Kulturfestival Djelem Djelem Premiere.

„Unser Land kam bei den Kindern durchweg positiv an, das hat uns eher gewundert. Wir hatten eher mit Diskriminierungserfahrungen gerechnet“, räumt Wenz ein.

„Sie staunen und wundern sich eher als dass sie urteilen: Autos, Schwimmbäder, Liebe zum Fußball, in die Schule gehen dürfen, U-Bahnen, dass viel los ist, weil dichter Verkehr,  und alle arbeiten – das hat sich gehäuft.

Zu sehen und lesen gibt es viel – auch in mehreren Sprachen.

  • „Ich finde gut hier, dass man in die Schule darf und da auch seine Meinung sagen darf.“
  • „Wie die Deutschen mit Tieren umgehen, gefällt mir. In Rumänien und Spanien werden sie mit Füßen getreten.“
  • „Ich habe geglaubt, dass in Deutschland mehr Licht ist. U-Bahnen kannte ich vorher nicht.“
  • „Meine Tante in Rumänien wohnt in einem Haus mit Schlangen. Hier gibt es sowas nicht.“
  • „Es ist gut, dass es im Kindergarten so viel Platz zum Spielen gibt.“

Die interviewten Erwachsenen waren kritischer: „Die deutsche Sprache ist schwer“, „Ich habe mich so sehr alleine gefühlt“, erlebter Rassismus und die Erfahrung, dass hier „alle so gerade und ordentlich“ seien, ist in ihren Schubladen zu lesen.

Das Projekt könnte nicht nur sprichwörtlich Schule machen. Die Integrationsagentur der Awo führt erste Gespräche, ob und wie man diese innovative Projektidee in Schulen einbeziehen kann.

Mehr zu Djelem Djelem auf Nordstadtblogger.de:

Mehr zum ersten Roma-Festival im Jahr 2014:

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Ein Gedanke zu “Zwischen Wünschen und Vorurteilen: „Schubladen“-Projekt zum Auftakt des Roma-Kulturfestivals „Djelem Djelem“

  1. Pro Dortmund

    Djelem Djelem: Familienfest auf dem Nordmarkt

    Der Nordmarkt hat sich in den letzten Jahren immer stärker zu einem zentralen Treffpunkt für zugewanderte Dortmunderinnen und Dortmunder entwickelt, nicht zuletzt, weil viele von ihnen häufig in unmittelbarer Nähe des Nordmarktes leben. Der Umzug in ein anderes Land stellt die Familien, ganz besonders die Kinder, vor viele Herausforderungen.

    Im Rahmen des 2. Dortmunder Roma Kulturfestivals findet am Sonntag, 6. September ein Familienfest auf dem Dortmunder Nordmarkt statt. Es ist ein Fest für Zugewanderte und Alteingesessene, ein Fest der Begegnung.
    Bei seiner ersten Auflage im vergangenen Jahr war das Familienfest der Höhepunkt des Roma-Festivals „Djelem Djelem“ auf dem Nordmarkt.

    Djelem Djelem, das Lied, das für viele Roma als Hymne gilt, erzählt vom langen Weg der Roma – auch von ihrer Vertreibung, Verfolgung und Ermordung. Djelem Djelem ist jedoch auch ein Liebenslied, das von Glück und Hoffnung handelt.

    Auch in diesem Jahr erwartet die Besucherinnen und Besucher ein buntes Programm für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Mit diesem Fest wollen wir die Kinder und ihre Familien in Dortmund willkommen heißen. Sie können sich austauschen, die Beratungs- und Integrationsangebote der Akteure vor Ort kennen lernen und gemeinsam bei Musik und leckeren internationalen Spezialitäten feiern. Die Kinder erwarten zahlreiche Spielangebote.

    Besonders freuen können sich die Gäste auf:
    – Deno Records, die für Qualität und internationalen Erfolg in Sachen Balkan-Musik stehen.
    – Die BalkanBrassBand Deutschland ist eine Roma Brass Band aus dem Süden Serbiens.
    – Den Peligrinii-Chor der Adventgemeinde Dortmund.
    – Den Film „Aus dem Leben eines Schrottsammlers“, der im sweetSixteen-Kino im Depot, Immermannstraße 39, gezeigt wird.

    Für 12 Uhr rufen der AWO-Unterbezirk, der SPD-Unterbezirk und Pro-Dortmund e.V. zu einem Mahngang durch die Straßen der Nordstadt auf. Sie wollen Zeichen setzen gegen Hass und Gewalt, für einen toleranten Umgang miteinander, gegen Abgrenzung von vermeintlich Fremden, kollektiven Feindbildern entgegen treten und für gesellschaftliche Anerkennung stehen.
Treffpunkt ist der Stollenpark, Stollenstraße/Bornstraße.
    Wir alle sind Dortmund. Wir stehen zusammen. Dortmund bleibt weltoffen und tolerant. Wir zeigen Gesicht gegen Fremdenfeindlichkeit, Diskriminierung, Rassismus, gegen Antiziganismus.

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