
In der Bezirksvertretung Innenstadt-Nord berichtete Sportdirektor André Knoche über den aktuellen Stand der Sanierungsplanungen für das Nordbad. Dabei wurde deutlich, dass sich sowohl die tatsächlichen Kosten als auch die Dauer eines möglichen Weiterbetriebs noch nicht verlässlich einschätzen lassen. Während die SPD eine Prüfung der Finanzierung forderte, sprach sich eine Mehrheit auf Antrag der Linken dafür aus, notfalls eigene Rücklagen für die Sanierung bereitzustellen.
Hundertsechzigtausend Euro für eine Betonsanierung
Schon seit mehreren Jahren beschäftigt sich die Stadt Dortmund mit dem baulichen Zustand des Nordbads. So beschloss der Rat 2024 einen grundsätzlichen Neubau am Standort Eberstraße. Nach aktuellem Planungsstand soll das neue Bad frühestens 2031 in Betrieb gehen. Bis dahin muss geklärt werden, wie lange das bestehende Hallenbad weiterbetrieben werden kann.
So wurde das Nordbad im vergangenen Jahr wegen notwendiger Sicherungsmaßnahmen mehrere Monate geschlossen. Im Keller wurden 120 Baustützen eingebaut, um die Decke abzusichern. Kostenfaktor: rund 125.000 Euro. Weitere Untersuchungen zeigen jedoch nach wie vor erhebliche Schäden an den Stahlbetonkonstruktionen.
Für weitere Betonsanierungsmaßnahmen liegt nun eine Kostenschätzung von rund 160.000 Euro vor. Wichtig: Nach Angaben von Sportdirektor André Knoche handelt es sich dabei vorerst nur um einen ersten Ansatz des Gutachters. Wie hoch die tatsächlichen Kosten ausfallen und wie lange die Arbeiten dauern werden, lasse sich momentan seriös nicht sagen.
André Knoche: Sanierung frühestens ab Sommer 2027 möglich
Problematisch bleibt die angespannte Haushaltslage der Stadt. Aufgrund der anhaltenden Haushaltssperre kann die geplante Betonsanierung nach Angaben von Knoche frühestens im Sommer 2027 beginnen. Zuvor müsse eine erneute Ausschreibung erfolgen. Somit bleibt offen, wie lange das Bad bis dahin weiterbetrieben werden kann.

So wird der Zustand des Gebäudes weiterhin regelmäßig durch einen Gutachter kontrolliert. In einem dreimonatigen Zyklus wird dabei die Entwicklung von Schäden dokumentiert. Für den 6. November kündigte Knoche einen weiteren Bericht mit einer Empfehlung an. Vor der Ratssitzung am 12. November werde es daher keine belastbaren Antworten zur weiteren Perspektive geben.
Auch andere technische Probleme beschäftigen die Verantwortlichen. So ist die Notbeleuchtung ausgefallen und wird derzeit durch ein Provisorium ersetzt. Die Erneuerung würde rund 30.000 Euro kosten. Laut Knoche sei es wenig sinnvoll, diese Summe zu investieren, solange nicht klar sei, ob das Nordbad überhaupt weiterbetrieben werden könne. Auch die technische Ausstattung sei teilweise modernisierungsbedürftig.
SPD fordert Prüfung der Finanzierung – weitere Kosten fallen an
In der Diskussion kritisierte SPD-Fraktionssprecher Thomas Oppermann, dass die Vorlage keine verlässliche Aussage darüber enthalte, wie lange das Nordbad nach einer Sanierung erhalten bleiben könnte. Gleichzeitig sei unklar, welchen konkreten Nutzen die Investition von 160.000 Euro für die weitere Öffnung hätte. Ein bloßes „möglicherweise“ reiche nicht als Grundlage für eine Entscheidung.

Knoche verwies erneut darauf, dass sich sowohl die Dauer der Arbeiten als auch die tatsächlichen Kosten erst im Verlauf der Sanierung bestimmen ließen. Auch Bezirksbürgermeisterin Hannah Rosenbaum von den Grünen fragte nach den möglichen Folgekosten und der Bedeutung der Standsicherheit. Knoche erläuterte, dass die Verwaltung die ursprüngliche Vorlage um weitere Kostenpunkte ergänzt habe. Dazu gehöre unter anderem ein neues Kassensystem, da für die bestehende Anlage keine Ersatzteile mehr verfügbar seien.
So beziffert die Ratsvorlage die Kosten für ein neues Kassensystem für Nord- und Südbad zusammen auf rund 213.000 Euro. Hinzu kommen weitere notwendige Arbeiten, etwa an der Notbeleuchtung, der Filterpumpe und der Dachkonstruktion.
Schulschwimmen als Argument für den Erhalt
In der Diskussion spielte auch die Bedeutung des Nordbads für den Schwimmunterricht eine wichtige Rolle. So könnten bei einer vorübergehenden Schließung die betroffenen Schulen auf andere Bäder ausweichen. Nach Angaben der Verwaltung habe die Umverteilung in der Vergangenheit organisatorisch funktioniert. Die genauen zusätzlichen Kosten für Schülerbeförderung und weitere Maßnahmen müssten allerdings im zuständigen Schulausschuss betrachtet werden.
Eine langfristige oder dauerhafte Schließung wäre nach Einschätzung der Stadt deutlich schwieriger aufzufangen. So ist das Nordbad ein wichtiger Bestandteil der verfügbaren Wasserflächen für den schulischen Schwimmunterricht. Durch steigende Schülerzahlen und neue Schulstandorte könnte der Bedarf künftig weiter zunehmen. Der bestehende Notfallplan sei deshalb nur als zeitlich begrenzte Lösung geeignet.
Die Zukunft des geplanten Neubaus ist ebenfalls nicht abschließend gesichert. Laut Knoche könne das Jahr 2031 nur als Richtschnur betrachtet werden, die unter Finanzierungsvorbehalt stehe. Entscheidend sei unter anderem die Haushaltsentwicklung im Jahr 2028. Sollte Dortmund erneut in eine Haushaltssperre geraten, könnten Infrastrukturprojekte zunächst nicht weitergeführt werden.
BV stimmt für Linken-Antrag: Kosten notfalls selber tragen
Um die Finanzierung zu sichern, brachte die Fraktion Die Linke einen Antrag ein. Demnach solle die Bezirksvertretung notfalls die Kosten von 160.000 Euro aus ihren eigenen Rücklagen übernehmen, falls die Stadt die Finanzierung nicht sicherstellen könne. Begründet wurde dies mit der Bedeutung des Nordbads für den Schwimmunterricht.

Dieses Vorhaben wurde jedoch auch kritisiert. So wies Dorian Marius Vornweg, Fraktionssprecher der CDU, darauf hin, dass die Bezirksvertretung aufgrund der Haushaltssperre ihre Rücklagen nicht in dieser Weise einsetzen könne.
Zwar sei eine Schließung des Nordbads bedauerlich, gleichzeitig zeigte er sich jedoch von der Vermischung des Badebetriebs mit dem Schulschwimmen irritiert. Bernd Hempfling von der AfD warnte ebenfalls davor, in ein Projekt zu investieren, dessen Kosten noch nicht genau bekannt sind.
Abschließend wurde der Antrag mit den Stimmen von Linkspartei und Grünen angenommen. SPD, CDU und AfD stimmten dagegen, die Fraktion aus BSW und BVT enthielt sich. Ob und in welcher Form eine solche Finanzierung tatsächlich umgesetzt werden kann, ist damit allerdings noch nicht entschieden.
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