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Wischlingen braucht dringend mehr Geld – Mittel aus Etat „Zukunft und Heimat: Revierparks 2020“ reichen nicht aus

Ein Wasserspiel im Revierpark Wischlingen. Millionen Euro müssten im Park investiert werden. Fotos: Karsten Wickern

„Zukunft und Heimat: Revierparks 2020“ heißt das Projekt, mit dem alle Revierparks des Regionalverbands Ruhr (RVR) in den kommenden Jahren auf Vordermann gebracht werden sollen. Davon wird auch der Revierpark in Wischlingen profitieren, der gemeinsam vom RVR und der Stadt Dortmund betrieben wird. Die CDU-Fraktion informierte sich jetzt vor Ort über den Stand der Planungen. Die Botschaft ist klar: Das Geld fehlt an allen Ecken und Enden.

Städtebaumittel fließen nicht – es gibt nur Geld für den naturnahen Umbau

Bernd Kruse ist Geschäftsführer des Revierparks Wischlingen und informierte die CDU.

Bernd Kruse, Geschäftsführer des Revierparks in Wischlingen, stellte die Planungen vor und sprach gleichzeitig Klartext. Denn es sollen zwar 28,6 Millionen Euro in die fünf Parks fließen – davon rund sechs Millionen nach Wischlingen – doch der große Wurf wird es nicht.

Die Mittel sind vor allem für die „grüne Infratrauktur“ bestimmt. Die notwenigen Sanierungen in Gebäude und Bäder können mit dem Geld nicht bestritten werden. Doch der Handlungsbedarf ist hier ebenfalls riesig. 

„Die Parks sind alle 40 Jahre und älter. Viele schreien danach, von Grund auf neu entwickelt zu werden“, skizziert Kruse die Herausforderungen. Mit dem Förderprogramm für die grüne Infrastruktur kann in Wischlingen vieles bewegt werden. Doch wichtige Knackpunkte bleiben offen, zum Beispiel die Modernisierung der Toilettenanlagen. 

„Jetzt gibt es nur noch Geld für Naturschutz, Wege und Beleuchtung. Es geht um die ökologische Umwandlung der Parks. Doch das ist manchmal schwierig zu vermitteln, wenn man Toilettenanlagen nicht in der Zahl und Qualität hat. Aber baulich passiert da jetzt nichts“, kritisiert Kruse. „Aber prinzipiell können wir froh sein, dass man überhaupt an Geld kommt, wenn auch nicht immer in der richtige Reihenfolge,“ sagte er mit Blick darauf, dass zuerst Geld in die Außenanlage fliest, bevor die Gebäude saniert werden.

Revierpark kritisiert die seit Jahren gedeckten Zuschüsse bei steigenden Kosten

Die Eislaufhalle ist ein wichtiger Faktor in Wischlingen – bis zu 80.000 Gäste kommen pro Saison.

Denn ursprünglich war vom RVR angefacht worden, auch Städtebaumittel des Landes in das Projekt einfließen zu lassen. Dann hätten insgesamt 58 Millionen Euro zur Verfügung gestanden. Jetzt stehen „nur noch“ die 28,6 Millionen Euro für den naturnahen Umbau zur Verfügung. Doch auch davon verspricht sich Kruse positive Effekte.

Dennoch nutzt Kruse die Gelegenheit, den CDU-PolitikerInnen die Probleme der beliebten Einrichtungen in Wischlingen deutlich zu machen. „Die Situation und die Konstellation hier vor Ort ist ausgesprochen schwierig. Wir haben steigende Kosten bei seit Jahren gedeckelten Zuschüssen“, macht Kruse deutlich. 

Denn in den vergangenen Jahren sind die Personalkosten durch Tarifsteigerungen und Änderungen beim Arbeitnehmerüberlassungsgesetz gestiegen. In Summe macht das in zehn Jahren eine Kostensteigerung um 27 Prozent aus. Ebenso sind die Energiekosten – sie machen bei Bädern einen immensen Kostenblock aus – deutlich gestiegen. 

Beide Bereiche machen 75 Prozent der gesamten Ausgaben aus. Doch die Zuschüsse wurden in den vergangenen Jahren nicht erhöht. „Wir sind aus eigener Kraft nicht in der Lage, das zu lösen. Wir brauchen zeitnah eine Lösung. Das betrifft nicht nur uns, sondern auch die anderen Parks“, macht Kruse deutlich.

Ökologische Aufwertung sowie gesellschaftliche Teilhabe und Integration als Ziele

Ein Grünes Klassenzimmer soll entstehen.

Die nun geplanten Maßnahmen verfolgen zwei Ziele: Zum einen geht es um die ökologische Aufwertung. So sollen nicht genutzte Flächen wie die alten Tennisplätze und Schachplätze sowie kaum genutzte Wege entsiegelt werden, die Barrierefreiheit verbessert, die Vegetationsstruktur aufgewertet und naturnahes Lernen und Spielen ermöglicht werden – Stichworte sind hier ein „Natur-Loop“ und ein „Grünes Klassenzimmer“. 

Ziel 2 zielt auf gesellschaftliche Teilhabe und Integration. Hier soll die dringend benötigte Aufwertung um Umgestaltung der Eingangsbereiche, die Erneuerung der Beleuchtung sowie die 

Umgestaltung des Wasserspielplatzes erreicht werden. Zudem sollen die Uferbereiche naturnah ausgebaut werden. Geplant ist auch eine Aussichtsplattform, mit der man das benachbarte Naturschutzgebiet Hallerey nicht nur sprichwörtlich „in den Blick“ nehmen könnte.

Doch dieses Vorhaben ist nicht unumstritten: „Sie glauben ja nicht, was man für Widerstand der Naturschutzverbände erlebt. Die Natur, die sich dahinter entwickelt, darf man nicht stören“, habe Kurse als Kritik bekommen – sehr zum Unverständnis der CDU. Schließlich erlaube die Plattform eine Naturerlebnis, ohne das Gebiet künftig noch zu betreten.

Offene Finanzierung: Weitere bauliche Investitionen in Gebäude wären notwendig

Der Eingangsbereich in Wischlingen soll völlig neu gestaltet werden. Eine zentrale Allee soll über den Parkplatz führen.

Der Eingangsbereich in Wischlingen soll völlig neu gestaltet werden. Eine zentrale Allee soll über den künftig entsiegelten Parkplatz führen.

Von besonderer Bedeutung ist für Kruse die Neugestaltung der Eingänge: „Der Parkeingang ist nicht sichtbar. Doch ein Park braucht einen Auftakt. Er muss gekennzeichnet sein und opulenter ausgebildet werden“, so Kruse. Die Wege-Verbindung von Parkplatz und der S-Bahn seien entscheidend. Es soll eine Allee mit Bäumen und neuer Beschilderung quer über den ebenfalls entsiegelten Parkplatz geben. 

Zudem soll ein Aufenthaltsbereich mit entsprechender Qualität entstehen. Dies könnte über das jetzige Fördervorhaben finanziert werden. Noch ist wenig davon zu sehen. Die Bauarbeiten können erst ab 2019/20 beginnen. Neben diesen Planungen wollte die CDU mehr über die möglichen weiteren Investitionskosten wissen. „Welche weiteren Maßnahmen sind nötig oder geplant und gibt es schon ein Preisschild dafür?“, fragte Hendrick Suck nach. Doch eine Antwort konnte Kurse noch nicht liefern. 

„Es gibt eine Liste der baulichen Missstände – da können wir gleich mit diesem Gebäude beginnen“, sagte Kruse mit Blick auf das Haus Wischlingen, in dem der Ortstermin beginnen sollte. Das Gebäude befindet sich sogar im Eigentum der Stadt, nicht des Revierparks. „Wir können aktuell nicht weitervermieten. Es gibt unter anderem Setzungsrisse, wie auch an vielen anderen Gebäuden, die wir aus eigener Kraft nicht sanieren können. Die Liste ist relativ lang, aber lohnend“, so der Revierpark-Geschäftsführer. 

Auch der Stern Hallerey – die ehemalige Gastronomie der Tennisspieler, lässt sich nicht mehr verpachten. 150 Quadratmeter umfasst der Bereich. „Wir können keinen Pächter finden, der damit sinnhaft etwas anfangen kann. Die Räume stehen mehr oder weniger leer. Man müsste sie energetisch ertüchtigen, dass sie vermietbar sind oder abreißen. Aber auch dafür müsste man Ideen entwickeln“, skizzierte Kruse die Herausforderungen.

CDU hält höhere Zuschüsse für nachvollziehbar – neue Gesellschafterstruktur?

Die CDU-Ratsfraktion informierte sich zu den geplanten Baumaßnahmen im Revierpark Wischlingen.

Udo Reppin bestätigte den Handlungsbedarf bei der Finanzausstattung und wollte wissen, ob die Folgekosten des Umbaus berücksichtigt seien. Schließlich steige der Pflegeaufwand bei den Grünanlagen. Eine Erhöhung des Zuschusses hielt er für nachvollziehbar und gerechtfertigt. Diese müsse aber größer als die Inflationsrate sein, weil allein die Lohnkostensteigerungen ja schon darüber lägen. 

Ihn interessierten die Gründe, warum es da noch keine Bewegung gebe: „Liegt das an der 50:50-Regelung? Können wir von städtischer Seite helfen oder müssen wir eher Türen in Essen eintreten?“, fragte Reppin flapsig.

Kruse plädierte für eine Änderung beim Gesellschaftermodell, so dass die Stadt Dortmund dort mehr als „nur“ die 50 Prozent bekomme. „Dann hätten wir das Heft des Handelns in der Hand“, machte der Wischlinger Revierpark-Chef deutlich. Denn Dortmund habe bisher sehr gute Zahlen – sowohl von den BesucherInnen – konstant über 300.000 pro Jahr – als auch von den Einnahmen. 

Dass die Verbandsversammlung nun dem „Musterknaben Wischlingen“ hilft, scheint unwahrscheinlich, obwohl die anderen Parks ähnliche Probleme haben. „Wir hatten sieben Jahre ein noch ausgeglichenes Ergebnis – viel besser als bei anderen. Aber jetzt ist ein richtig dicker Schluck aus der Pulle nötig.“

Wischlingen bräuchte „eine intelligente Lösung, die den anderen Gesellschafter im Boot hält und Dortmund trotzdem das Zepter in die Hand bekommt“. Das Problem sei lösbar, wenn man es wolle. „Es geht ja auch um Gesichtswahrung“, so Kruse.

Streitpunkt Veranstaltungen: Revierpark will darauf nicht ganz verzichten

Das Naturerlebnis und ökologische Wert im Revierpark Wischlingen soll noch intensiver werden.

Ein Faktor bei Einnahmen und BesucherInnenzahlen sind die (externen) Veranstaltungen. Doch diese sind – gerade durch mögliche Lärmbelästigungen und Parkdruck – im vergangenen Jahr zum Streitpunkt geworden. Eine Veranstaltung war völlig aus dem Ruder gelaufen. Die Zusammenarbeit mit dem Veranstalter wurde beendet. 

Zudem hat der Park die Zahl der Veranstaltungstage von 15 auf zehn reduziert, um auch der Nachbarschaftsinitiative entgegen zu kommen. Doch ganz darauf verzichten kann und will Kruse nicht: „Die Veranstaltungen haben mittlerweile einen gewissen Wert, sind sehr friedlich und haben ein angenehmes Publikum. Das bringt auch überregional den Leuten den Revierpark ins Gedächtnis.“ 

Solchen Anfeindungen wie im vergangenen Jahr möchte er sich allerdings nicht mehr aussetzen. Doch die Bürgerinitiative spreche nicht für alle AnwohnerInnen. Kruse erkannte eine gegenläufige Entwicklung. Mittlerweile habe sich auch ein Freundeskreis formiert, der zahlenmäßig doppelt so stark wie die Kritiker sei.

Großveranstaltungen gehören für eine Großstadt dazu – Spannungen zu Bedürfnissen nach Ruhe

Sechs Millionen Euro sollen aus den Fördermitteln in den Revierpark in Wischlingen fließen.

Dem stimmte Uwe Wallrabe zu – als Huckarder und Anwohner. „Wir Huckarder haben das so nie als Problem empfunden. Man muss den Revierpark in Schutz nehmen. Schließlich habe nur ein Veranstalter einen schlechten Job gemacht. „Diese Erfahrung muss man auch mal machen. Aber wir können nicht alle Veranstalter über einen Kamm scheren. Außerdem leben wir nicht in der Provinz, sondern müssen bestimmte Angebote vorhalten“, brach Wallrabe eine Lanze für das Veranstaltungsprogramm. 

Sascha Mader plädierte für einen gesunden Mix: „Sie sollen die Gesellschaft ja weiterentwickeln. Was macht wirtschaftlich Sinn? Was bräuchten Sie für Wischlingen“, hakte er nach. Doch Kruse plädierte für Ruhe vor Wirtschaftlichkeit. „Mit zehn Veranstaltungstagen sind wir prinzipiell zufrieden.“ Denn prinzipiell müsse der Park die Zahl der Beschäftigten ja zurückfahren, doch solche Veranstaltungen verschlängen viel Manpower.

Thorsten Hoffmann sieht die Notwendigkeit für eine Ertüchtigung: „Das kommt ganz Dortmund entgegen. Es gibt eine Menge tun, damit Wischlingen weiter attraktiv bleibt.

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