Nordstadtblogger

„Wir stehen links von der Mitte“ – In Dortmund neu gegründete DOS-Partei tritt zu den Kommunalwahlen 2020 an

Die Vorstandsmitglieder der neuen Partei DOS in Dortmund. Die Partei positioniert sich links der Mitte und will mit Themen wie Klimawandel, Menschenrechte und die Zukunft Europas zur Kommunalwahl antreten. Fotos: Claus Stille

Von Claus Stille

Seit dem 1. März 2020 hat unser Land eine neue Partei. Im Biercafé West wurde die „DOS – Digital, Oekologisch, Sozial“ gegründet. Wie die gewählte Vorsitzende Nadja Reigl sagte, verortet sich die Partei links der Mitte. Die DOS hat sich „Axiome“ verordnet, grundlegende politische Konstanten, die für alle Mitglieder verpflichtend sind und nicht in Frage gestellt werden dürfen. Es waren am Sonntag 17 Gründungsmitglieder anwesend. Die DOS wird zur diesjährigen Kommunalwahl antreten.

Nötig, eine Politik zu betreiben, die ihre Verantwortung gegenüber nachfolgenden Generationen ernst nimmt

Das Logo der neuen Partei. Quelle: Screenshot

Die Notwendigkeit zur Gründung einer neuen Partei begründen die Initiator*innen so: „Es wird Zeit eine Politik zu betreiben, die die Zukunft aktiv gestaltet. Eine Politik, die ihre Verantwortung gegenüber nachfolgenden Generationen ernst nimmt, die Chancen von Veränderungen nutzt und sich aktiv mit den Herausforderungen und Problemen der Zukunft auseinandersetzt. 

___STEADY_PAYWALL___

Der Klimawandel, soziale Gerechtigkeit, Digitalisierung und eine zukunftsfähige demokratische Gesellschaft sind keine einfachen, aber lösbare Herausforderungen. Dafür müssen wir jetzt und mit vereinten Kräften handeln.“

Unter den Gründer*innen der DOS-Partei befinden sich erfahrene aktive Politiker*innen aus dem Ruhrgebiet, wie Torsten Sommer, ehemaliger Abgeordneter der Piraten im Landtag NRW, Nadja Reigl, Ratsfrau der Stadt Dortmund und Britta Söntgerath, Ratsfrau in Duisburg.

Torsten Sommer: „Wir sehen uns nicht als Konkurrenz, sondern als Versicherung für die Wählenden.“

Auch der ehemalige Landtagsabgeordnete Torsten Sommer ist ein Gründungsmitglied von DOS.

Aus den vorweg genannten Gründen eine neue Partei auf den Weg bringen zu wollen, ergebe sich für die DOS, dass sie konstruktiv mit den Parteien des weltoffenen Spektrums zusammenzuarbeiten gedenke. Torsten Sommer:

„Wir sehen uns nicht als Konkurrenz, sondern als Versicherung für die Wählenden, dass der angestrebte Wandel wirklich umgesetzt wird. Wir wollen nicht länger das kleinere Übel wählen, sondern selbst gestalten.“

Jedes Mitglied der DOS muss sich an unverrückbar festgelegte, nicht verhandelbare Axiome halten. Weicht jemand davon ab, müsse die Partei verlassen werden, hieß es auf der Gründungsversammlung im Dortmunder BierCafé West unmissverständlich. Wer in die Partei eintritt verpflichtet sich auch zu diesen Axiomen.

Unverrückbare Axiome sind für jedes Mitglied mit dem Eintritt in die Partei verpflichtend

Die beiden Bundesvorsitzenden der DOS-Partei: Nadja Reigl (l.) und Magdalena Zenglein

Die Axiome umfassen die Menschenrechte und die UN-Behindertenkonvention – sie gelten ohne Ausnahme. Des Weiteren gilt die „Gleichberechtigung aller Menschen“, die „Ablehnung von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit“. „Wir werden keinen Faschismus/Nationalsozialismus dulden“. Ein diktatorisches Staatssystem zu etablieren wird eine Absage erteilt. 

Angestrebt wird eine „Solidarische Gesellschaft“. Die DOS setzt sich für den „Säkularen Staat“ und somit für eine konsequente Trennung von Staat und Bekenntnis ein. Die DOS will eine „Evidenzbasierte Politik“ betreiben, heiße: politische Entscheidungen werden auf Basis anerkannter, wissenschaftlicher Erkenntnisse gefällt.

Die Partei will Maßnahmen fördern, die „Umweltschutz“ dienen und dem „Klimawandel“ Rechnung tragen. Die DOS bekennt sich zur internationalen Gemeinschaft und sieht „ein vereintes, demokratisches Europa als den Garanten für Frieden und allgemeinen Wohlstand für die Menschen in Europa. Ziel ist die Überwindung von nationalen Grenzen.

Nadja Reigl wurde mit absoluter Mehrheit zur Bundesvorsitzenden gewählt

„Respektvoller Umgang“: „Wir bemühen uns um den respektvollen Umgang mit Jedermensch. Wir kritisieren Meinungen, Äußerungen und Handlungen, nicht Menschen.“ Mit absoluter Mehrheit der Stimmen der 17 Gründungsmitglieder ist Nadja Reigl zur Bundesvorsitzenden für zwei Jahre und Magdalena Zenglein zur Bundesvorsitzenden für ein Jahr gewählt worden.

Schatzmeisterin der DOS wurde Andrea Wille. Zu Beisitzenden wählte man Torsten Sommer für zwei Jahre, Britte Sönthgerat für ein Jahr, Maja Tiegs für zwei Jahre, David Grade für ein Jahr, Lisa-Veronique De Zanet für ein Jahr sowie Dirk Pullem für ein Jahr. 

David Grade: „Ich will ein anderes Europa. Ich will eine andere, offene Gesellschaft.“

David Grade wünscht sich ein anderes, weltoffeneres Europa ohne Angst und Hetze. Foto: Alex Völkel/Archiv

David Grade begründete sein erneutes politisches Engagement unter anderem mit der derzeitigen katastrophalen Situation an der türkisch-griechischen Grenze:

„Ich will ein anderes Europa. Ich will eine andere, offene Gesellschaft. Ich möchte, dass Menschen gut miteinander ohne Angst zusammenleben können. Die DOS wird alle unterstützen die weltoffen sind und den Klimawandel so gestalten, dass die nötigen Maßnahmen sozial abgefedert sind.“

Bundesvorsitzende Nadja Reigl unterstrich in einer kurzen Rede die Wichtigkeit dieser Parteigründung. Die DOS werde unter anderem Menschen zusammen bringen, die im Wesentlichen wie die zur Parteigründung gekommenen dächten. Nadja Reigl erklärte: „Wir stehen links von der Mitte.“ 

Man wolle eine Zukunft mitgestalten, die „für alle Menschen lebenswert ist“. Parlamentarische Erfahrung hätten einige von ihnen bereits gesammelt. Man habe viel gelernt und sich weiterentwickelt. In den Städten, in welchen man sich Personal schon leiste könne, werde man Listen für die Kommunalwahl aufstellen, auch Kandidat*innen für die Bürgermeisterwahlen. Allerdings müssten diese Kandidat*innen erst einmal gewählt werden. Reigl: „Wir brauchen Wahlprogramme, die auf unseren Axiomen beruhen.“

Wie die Partei DOS sich selbst sieht und beschreibt, das lesen Sie bitte hier.

 

Unterstütze uns auf Steady

 

Print Friendly, PDF & Email

Ein Gedanke zu “„Wir stehen links von der Mitte“ – In Dortmund neu gegründete DOS-Partei tritt zu den Kommunalwahlen 2020 an

  1. SPD-Ratsherr wechselt zur DOS-Partei (PM)

    SPD-Ratsherr wechselt zur DOS-Partei

    SPD-Ratsherr Daniel Naumann verlässt seine Partei und tritt Anfang Juni der DOS-Partei bei. Damit stellt die DOS-Partei neben Nadja Reigl ein zweites Ratsmitglied. „Ich gehe im Guten“, sagt Daniel Naumann „aber ich freue mich, in eine Partei zu wechseln, die nicht in den Fesseln der fossilen Industrie liegt. Sie kann unabhängig von Lobbyinteressen für die Bewohner Dortmunds auch in den Anforderungen der Klimaänderung Sicherheit schaffen.“

    Naumann möchte sich weiter in Dortmund politisch engagieren. Die DOS-Partei passt genau in sein Profil. Der Name der Partei steht für Digital, Oekologisch, Sozial. Ziel ist es, die Folgen der von Menschen gemachten Klimänderung auch lokal abzufedern und das Leben in Dortmund sicher, sozial und demokratisch zu gestalten. Dabei setzt DOS verstärkt auf digitale Mittel.

    „Ich freue mich, dass Daniel zu uns kommt,“ sagt Nadja Reigl, Vorsitzende der DOS-Partei, „Unsere Partei ist anschlussfähig für alle, denen es wichtig ist, die Klimaänderung sozial und demokratisch zu bewältigen – wir wissen, dass dies auch viele in den anderen demokratischen Parteien wollen, aber dabei durch verkrustete Strukturen und Hierarchien ausgebremst werden.“ Das bestätigt Daniel Naumann: „Es ist unfassbar, dass die SPD in Dortmund immer noch auf das Auto setzt! Riesige Öltanker sind halt nicht in der Lage, schnell genug den Kurs zu ändern, dafür braucht es eine wendige, junge Partei wie DOS.“

    Die Anfang März gegründete DOS-Partei kündigt an, bei den kommenden Kommunalwahlen anzutreten. Am 14.06.2020 wird sich bei der Aufstellungsversammlung der DOS-Partei zeigen, ob Naumann an prominenter Stelle für seine neue Partei antreten wird. Am 18.06.2020 wird er das erste Mal als Vertreter der DOS-Partei an einer Ratssitzung teilnehmen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Infos

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen