
AWO, Caritas, Train of Hope, Sozialberatung, Kinder- und Jugendhilfe, Sprachkurse oder Krisenintervention – in der Dortmunder Nordstadt gibt es eine Vielzahl an Beratungs- und Hilfsangeboten, in denen sich angestellte und freie Mitarbeitende, aber auch viele Ehrenamtliche, um die unterschiedlichen Bedürfnisse und Fragen der Menschen im Quartier kümmern. Kostenlose geführte Rundgänge wollen diese Unterstützungsangebote bekannter machen und zur Vernetzung untereinander beitragen.
Angebote bekannt machen und Menschen miteinander vernetzen
Die Idee zu den Rundgängen entstand bei einem Workshop verschiedener Hilfsorganisationen in der Dortmunder Nordstadt. Das Familienbüro, Lokal Willkommen und Entwicklungsvorhaben Nord übernahmen die Organisation. Heute gehen Yacouba Coulibaly, Islam Musa und Melani Karadou mit ihren Gästen auf Tour rund um den Nordmarkt. Die drei sind schon einige Jahre in Dortmund und sie sprechen aus eigener Erfahrung – auch für sie war es anfangs nicht leicht, Ansprechpartner:innen und die passenden Angebote zu finden, um gut in Deutschland anzukommen.

Das Projekt ging im April 2026 an den Start, die Partnerinitiativen im Bereich Hafen, Nordmarkt und Borsigplatz wurden kontaktiert und ein WhatsApp-Kanal eingerichtet. Einige Touren haben bereits im Mai am Hafen und am Borsigplatz stattgefunden, aber auch dieses Angebot muss sich erst einmal rumsprechen.
Nicht alle die sich angemeldet haben, sind heute erschienen, aber das Team geht auch mit fünf Gästen auf Tour: „Schon wenige machen den Unterschied“, findet Yacouba Coulibaly. Sie alle seien schließlich Multiplikator:innen und die Touren laufen noch bis September.
Zwei Stunden Rundgang und jede Menge Informationen
Diesmal trifft sich die Gruppe an der Nachbarbude in der Münsterstraße. Sylvia und Jürgen öffnen gerade die Luke und werben schon mal für den Buden-Geburtstag im Juli. Dann wird das Projekt drei Jahre alt. Die Idee der Rundgänge finden sie gut, auch wenn ihre Nachbarschaft eher kein Problem hat, sie mitten auf der Münsterstraße zu finden. Das Prinzip der Bude ist niedrigschwellig, hier kann man auch erstmal nur einen Kaffee trinken.

Stop 2 ist da schon schwieriger: Wir suchen die Katholischen Sozialen Dienste in der Münsterstraße 57. Wo ist hier denn die Klingel? Es geht rauf in den vierten Stock. Hier empfängt uns Lars Sökeland vom Jugendmigrationsdienst. Er bietet Beratung bei Fragen rund um Schule und Beruf, hilft beim Ausbildungsplatz oder Bewerbungsschreiben und kümmert sich nicht nur um Neuankommende, sondern auch um Kinder und Jugendliche, die schon in Deutschland geboren wurden.___STEADY_PAYWALL___
Seine Kollegin Katrin Hörnemann berät Alleinerziehende und nimmt sich Zeit für individuelle Fragen. Persönliche Termine oder auch Beratung per Telefon sind möglich. Im Team sind viele Kulturen vertreten und eine Übersetzung ließe sich immer realisieren, erzählt sie: „Haben Sie keine Scheu, sprechen Sie uns an.“
Gibt es Fragen? Haben alle alles verstanden? Es geht weiter, Islam Musa und Melani Karadou werden auf dem Weg übersetzen und die Flyer verteilen. Der Zeitplan ist straff, vier Stationen sollen noch folgen.
Besuch im Sozialen Zentrum und bei Raum vor Ort
Im Sozialen Zentrum in der Westhoffstraße 8-12 empfängt uns Lara Cyprian, stellvertretende Fachbereichsleiterin. Das Zentrum gibt es bereits seit den 1970er Jahren und es ist ein entsprechend großer und vielfältiger Komplex, das zeigt schon ihr Blick ins Organigram. Hier wohnen Senior:innen, hier berät ein Gesundheitsdienst, hier findet man Hilfe bei Erziehungs- und Lebensfragen, aber auch die Drogenberatung und eine Fachstelle für sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen. Auch hier gibt es Termine und offene Sprechstunden, auch hier ist Beratung in vielen Sprachen möglich: „Kurdisch, rumänisch, ukrainisch – wir finden auf jeden Fall jemanden zur Übersetzung“, verspricht Cyprian. Die Gruppe ist beeindruckt.

Beim nächsten Stop geht es laut, herzlich und ein wenig chaotisch zu. Dagmara empfängt im Raum vor Ort und schließt die Organisatorinnen in die Arme. Islam Musa und Melanie Karadou sind hier gut bekannt, denn auch ihr Weg hat hier begonnen. „Wir helfen Menschen aus aller Welt ihre ersten Schritte in Deutschland zu machen“, erzählt Dagmara.
Gemeinsam kochen, die Sprache lernen, eine Masernimpfung: „Ihr habt ein Problem? Wir lösen es!“ ist Dagmaras Devise. Ihre Arbeitszeit geht von 9.00 bis 15:00 Uhr, „aber so früh zu gehen, das habe ich wohl noch nie geschafft“, berichtet sie lachend. Hier braucht man keinen Termin, einfach vorbei kommen. Abends gibt es ja auch noch die Kurse, zum Beispiel zur Handynutzung oder auch ganz praktisch: Wie kauf ich ein Sofa bei ebay? Wer sich ein Bild von dem bunten Treiben machen will, der kann am 27. Juni zum Straßenfest in der Missundestraße 8 vorbei kommen.
Angebote vernetzen und die Menschen vor Ort erreichen
Dann geht es zum Seniorenbüro – ein wenig versteckt im Hannibal an der Bornstraße 53. Das Büro teilt sich die Räume mit der Stadtteilschule, das sorgt am Eingang zunächst für Verwirrung. „Senioren sind für uns alle Menschen über 55 Jahre“, erklärt Eveline Kania und Älterwerden und Pflege sind große Themen, auch unter den Migrant:innen.
„Wir suchen auch immer Ehrenamtliche mit Migrationshintergrund“, so Kania. Spazieren gehen, Gesellschaft leisten, „es geht hier nicht um Pflege, sondern darum die Einsamkeit zu überwinden.“

Am Ende erreicht die Gruppe dann die Brunnenstraße 25. Hier ist eines der sieben Büros der Initiative Lokal Willkommen. Nour Elrahi: „In der Nordstadt arbeitet das größte unserer Teams, denn wir haben viel Zuspruch.“
Es ist ein niedrigschwelliges Angebot, insbesondere die offene Sprechstunde in verschiedenen Sprachen ist gefragt. Ob Wohnungssuche, ein Platz im Fußballverein für den Sohn oder Hilfe beim Jobcenter – die Menschen im Team kennen sich aus und helfen gern.
„Wir sitzen aber auch nicht nur hier und warten bis jemand kommt, sondern gehen raus zu den Menschen und beraten zum Beispiel auch im Raum vor Ort“, so Elrahi. Ähnlich sieht es Katrin Liebig vom Familienbüro. Sie hat die Tour heute extra begleitet, um die anderen Akteure besser kennenzulernen und ihre Angebote und Flyer auch dort zu verteilen.
Die Hemmschwelle überwinden: Ihr seid hier willkommen.
Nach etwas mehr als zwei Stunden ist die Tour beendet. Spannend war es, zwei Teilnehmende haben Termine gemacht, alle haben Flyer mitgenommen und Informationen gesammelt.
Yacouba Coulibaly verteilt eine kleine Umfrage, denn das Team wünscht sich Feedback. War die Tour zu lang? Zu kurz? Hat was gefehlt? Die Mehrheit war zufrieden. Einige hätten sich hier und da eine längere Verweildauer gewünscht, andere hätten gerne noch mehr Stationen gesehen. „Wir sind noch im Experimentierstadium“, so Coulibaly, aber im Grunde ist die Idee super, da sind sich alle einig.
„Wenn man einmal da war, ist die Hemmschwelle überwunden“, weiß Coulibaly. Viele Menschen haben mit Ämtern und Behörden auch mal schlechte Erfahrungen gemacht – die Rundgänge sollen signalisieren: Ihr könnt hier herkommen. Ihr seid willkommen. Coulibaly: „Wenn man selbst da war, stellt man fest: da sind nette Menschen. Und dann werde ich wieder hingehen und anderen davon berichten.“
Weitere Informationen
- Die nächsten Termine: 17. Juni von 11.00 bis 13.30 Uhr (Treffpunkt U-Bahn Haltestelle Hafen), 19. Juni von 13.30 bis 15.30 Uhr (Treffpunkt Kreisverkehr Borsiggrill), 1. Juli von 11.00 bis 13.00 Uhr und 3. Juli 13:30 bis 15.30 Uhr (jeweils Treffpunkt vor dem kik auf der Münsterstraße)
- Alle weiteren Termine und Infos über WhatsApp: 015755939483
- Kontakt per Mail: Entwicklungsvorhaben-nordstadt@stadtdortmund.de
Anm.d.Red.: Haben Sie bis zum Ende gelesen? Nur zur Info: Die Nordstadtblogger arbeiten ehrenamtlich. Wir machen das gern, aber wir freuen uns auch über Unterstützung!

