Engel der Nordstadt: Preisträger:innen sind überrascht und überwältigt

Ulrike Lindner, Kristina Kalamajka und Verein „Grenzenlose Wärme“ wurden ausgezeichnet

v.l. Martin Gansau (QM), Levent Arslan (DKH), Preisträgerin Kristina Kalamajka, Sozialdezernentin Birgit Zoerner, Preisträgerin Ulrike Lindner, Susanne Linnebach (Stadterneuerung), Bezirksbürgermeisterin Hannah Rosenbaum und Sebastian Heinze und Jan Hersemann von „Grenzenlose Wärme“. Foto: Dietmar Wäsche

Von Susanne Schulte

Die Nordstadt ist um drei Engel reicher. Ein halbes Jahr später als üblich wurden die Auszeichnungen jetzt in einem kleineren Rahmen als sonst üblich an Ehrenamtliche im Stadtbezirk vergeben. Statt wie sonst beim Neujahrsempfang im Dietrich-Keuning-Haus erhielten die Frauen und Männer das Zeichen der Anerkennung dafür nun während eines Abends in der Reihe einer Veranstaltung zum 40-jährigen Bestehens des Hauses, das in den vier vergangenen Jahrzehnten für viele der regelmäßigen Besucher:innen zur zweiten Wohnung geworden ist. Den Engel für 2021 nahmen mit nach Hause: Ulrike Lindner, Kristina Kalamajka und der Verein Grenzenlose Wärme. Sie alle wussten vor der Verleihung nichts von ihrer Auszeichnung, konnten es lediglich ahnen, da sie vom Quartiersmanagement Nordstadt sehr eindringlich eingeladen wurden, doch zu diesem Termin zu kommen.

„Der Trend zum Ehrenamt ist in der Nordstadt ungebrochen“

Christian Schmitt (l.) und Martin Gansau sind begeistert vom ehrenamtlichen Engagement in der Nordstadt.
Christian Schmitt (l.) und Martin Gansau sind begeistert vom ehrenamtlichen Engagement in der Nordstadt. Foto: Dietmar Wäsche

Seit 2005 zeichnet das Quartiersmanagement die ehrenamtliche Arbeit von Einzelpersonen und Vereinen aus. Der Ideengeber und Sponsor Christian Schmitt wies gleich zu Beginn darauf hin, dass von den vielen Engagierten, die in den letzten 17 Jahren den Engel erhalten hätten, die meisten noch immer aktiv seien. ___STEADY_PAYWALL___

Das zeigt auch, dass sich die Jury ihre Entscheidung immer gut überlegt. 18 Vorschläge aus der Bevölkerung gab es dieses Mal. „In den letzten zwei Jahren dachte man, jeder würde nur an sich denken, aber das ist nicht so gewesen. Der Trend zum Ehrenamt ist in der Nordstadt ungebrochen.“

Das gefällt auch Politiker:inn und Verantwortlichen in der Verwaltung, die sichtlich und hörbar mit großem Respekt und Freude die Ankündigungsworte für die Preisträger:innen sprachen.

„Viele leisten gute Arbeit, von der wir gar nichts wissen“

„Die Arbeit ist oft unsichtbar. Viele leisten gute Arbeit, von der wir gar nichts wissen“, sagte dann auch Bezirksbürgermeisterin Hannah Rosenbaum, die für den Verein Grenzenlose Wärme die Laudatio sprach.

Bezirksbürgermeisterin Hannah Rosenbaum hielt die Laudatio für den Verein „Grenzenlose Wärme“.
Bezirksbürgermeisterin Hannah Rosenbaum hielt die Laudatio für den Verein „Grenzenlose Wärme“. Foto: Dietmar Wäsche

Der Verein, gegründet von Studierenden der Sozialen Arbeit an der Fachhochschule Dortmund, kümmert sich darum, dass gespendete Kleidung, Hygiene- und medizinische Artikel an die Hilfsvereine kommen, die sie benötigen.

Wie Jan Hersemann und Sebastian Heinze anschließend im Gespräch mit Nordstadtblogger ausführlich erklärten, übernimmt Grenzenlose Wärme das Sammeln, Sortieren und Verteilen der gespendeten und benötigten Waren.

Von dieser Art Hilfe erfuhren die Student:innen, als sie 2016 nach einem Aufruf über facebook zwei Wochen über den Jahreswechsel in einem Flüchtlingscamp auf dem griechischen Festland als Helfer:innen arbeiteten. Dort gab es dieses System.

Selbstloses Engagement von Studierenden in der Flüchtlingshilfe

Das Sammeln, Sortieren und Transportieren nimmt den Hilfsvereinen und Wohlfahrtsverbänden viel Zeit von ihrem eigentlichen Anliegen, und so ist Grenzenlose Wärme eine große Hilfe für diese Vereine, eine Art Umschlagplatz.

Hannah Rosenbaum (l.) und Martin Gansau (r.) übergaben den Engel an Jan Hersemann (2.v.l.) und Sebastian Heinze von „Grenzenlose Wärme“. Foto: Dietmar Wäsche

Vereine fragen über eine gesicherte Seite im Netz nach Gütern, und auf eben dieser Seite bietet Grenzenlose Wärme auch geworbene Spenden an.

Die Waren lagern an verschiedenen Stellen in Dortmund, auch im Hafen, von wo aus sie dann versandt werden. Die Streetworker der AWO erhalten so Lebensmittel, Obdachlosen-Initiativen Kleidung und Schlafsäcke, der Konsumraum Hygieneartikel. Auch Transporte ins Ausland organisiert der Verein.

So sind auch Geldspenden immer nötig, um diese Fahrten, die mit professionellen Speditionen vereinbart werden, zu bezahlen. Das alles erledigen die 15 bis 20 Vereinsmitglieder neben Studium und Beruf und haben beim Kleidersortieren Hilfe von zahlreichen weiteren Engagierten.

„Oft fängt sie mit ihrer Hilfe an, wo andere aufhören“

Laudatorin Birgit Zoerner, Preisträgerin Ulrike Lindner und Martin Gansau.
Laudatorin Birgit Zoerner, Preisträgerin Ulrike Lindner und Martin Gansau. Foto: Dietmar Wäsche

Die zweite ausgezeichnete Ehrenamtliche hatte es bei der Laudatio für ihre Arbeit nicht mehr auf dem Stuhl gehalten, sie musste vor Überwältigung den Saal verlassen. Sozialdezernentin Birgit Zoerner würdigte Ulrike Lindner vor allem mit dem Satz: „Oft fängt sie mit ihrer Hilfe an, wo andere aufhören.“

Lindner arbeitet seit mehr als 20 Jahren in der Kana-Suppenküche, ist zweimal die Woche bei Kober aktiv, besucht Menschen, die es nötig haben, auch persönlich, um ihnen Lebensmittel zu bringen, holt diese Lebensmittel selbst bei der Tafel und beim Großmarkt ab. Sie ist eine der Vollzeit-Ehrenamtlichen, die in vielen Einrichtungen der Nordstadt bekannt ist.

Und dieses Engagement war während der letzten zwei Jahre besonders gefragt und ließ auch von Seiten Ulrike Lindners in diesen Zeiten nicht nach. Dafür zollen ihr die Jury und Birgit Zoerner hohe Anerkennung.

„Ihr Spektrum der ehrenamtlichen Arbeit ist sehr breit“

Martin Gansau und Susanne Linnebach (r.) überreichten den Engel der Nordstadt an Kristina Kalamajka.
Martin Gansau und Susanne Linnebach (r.) überreichten den Engel der Nordstadt an Kristina Kalamajka. Foto: Dietmar Wäsche

Das gilt auch für Kristina Kalamajka. Für sie gab es einen Engel fürs Lebenswerk. „Ich habe hier ganz viele Zettel, denn ihr Spektrum der ehrenamtlichen Arbeit ist sehr breit“, sagte ihre Laudatorin Susanne Linnebach, die Leiterin der Stadterneuerung.

Kalamajka arbeitet seit Jahrzehnten in den katholischen und evangelischen Kirchengemeinden der Nordstadt, in Elternpflegschaften und Sportvereinen, gibt Hausaufgabenhilfe, organisiert Senior:innenfreizeiten und vieles, vieles mehr, was vor allem das gesellige Leben zwischen Borsigplatz und Hafen für die Menschen so bunt macht.

Dazu gehören auch das Erzählcafé im Dietrich-Keuning-Haus und die Lesungen im Senior:innenheim Burgholz. Zudem setzt sie sich als Senior:innenbeirätin dafür ein, dass die Politik in der Stadt derart gestaltet wird, dass Dortmund für alle Generationen lebenswert bleibt und in vielen Bereichen wird. Ende des Jahres verlässt die bekennende Nordstädterin ihre Heimat und zieht nach Hamm.

Geselliger Ausklang in entspannter Atmosphäre

Musikalisch wurde die Veranstaltung von Andreas Heuser und Kioomars Musayyebi begleitet.
Musikalisch wurde die Veranstaltung von Andreas Heuser und Kioomars Musayyebi begleitet. Foto: Dietmar Wäsche

Nach all den bewegenden Worten und Momenten, nach der Aufnahme der Gruppenfotos, war Zeit für persönliche Gespräche an den Tischen bei einem Bier und einem Imbiss.

Hatte die phantastisch von Andreas Heuser und Kioomars Musayyebi gespielte Weltmusik die Gäste vor den Ehrungen unterhalten, tat das während des gemütlichen Beisammenseins der Film zum 40-Jährigen Bestehen des Keunighauses mit Statements von Stammgästen, Politiker:innen und Dozent:innen.

Martin Gansau vom Quartiersmanagement und sein Team hatten wieder eine prima Veranstaltung organisiert, die trotz oder gerade wegen des kleineren Rahmens im Saal hinter dem Foyer eine schöne, auch wegen des sehr gedämpften Lichtes, sogar intime Atmosphäre wie in einem Nachtclub schaffte.

Unterstütze uns auf Steady
Print Friendly, PDF & Email

Reaktionen

  1. „Grenzenlose Wärme“ bitte um Spenden und um Unterstützung beim Deutschen Engagementpreis (PM)

    Der Winter naht und wir starten wieder mit unserer Spendenannahme! Los geht es am 25.09. von 12:00-18:00 Uhr im Rekorder in der Gneisenaustrasse 55, 44147 Dortmund.

    Gesammelt wird dabei für lokale Organisationen, deutschlandweit sowie an den europäischen Außengrenzen. Um zielgerichtet Spenden zu sammeln haben wir einmal die aktuellen Bedarfe gesammelt und bitten auch darum, sich an diese zu halten. Die Bedarfe können unseren Social Media Kanälen (Instagram: grenzenlosewaerme Facebook: grenzenlose Wärme refugee relief work e.v.) eingesehen werden. Wir freuen uns über jeglichen Support und hoffen darauf genug Material zusammen zu bekommen um benötigtes Material abdecken zu können. Auch wenn ihr keine Sachspenden habt könnt ihr uns durch Geldspenden unterstützen, welche für die Lieferungen und anfallende Speditionskosten verwendet werden!

    Außerdem sind wir für den Publikumspreis beim Deutschen Engagementpreis nominiert und haben die Chance dort 10.000€ zu gewinnen. Die Abstimmung läuft bis zum 17. Oktober. Abstimmen kann man unter: https://www.deutscher-engagementpreis.de/publikumspreis/. Dort einfach grenzenlose Wärme suchen, die Daten eingeben und die Email bestätigen.

Reaktion schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Google Analytics - Nein Danke! Wir verwenden keine „Datenkraken“! Weitere Infos

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen