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Stadtspitze vergleicht Veränderungen in City-Einzelhandel mit Strukturwandel bei Kohle, Stahl und Bier in Dortmund

Weihnachtsshopping oder Umtauschstress - in der City ist es rund um Weihnachten extrem voll.

Eine volle City an einem verkaufsoffenen Sonntag – davon kann der Einzelhandel derzeit nur träumen.

Nicht erst durch die Folgen der Corona-Pandemie – aber dadurch beschleunigt – wird die Zukunft des Einzelhandels in der Dortmunder City zum Thema. Die Stadt Dortmund sucht – gemeinsam mit vielen Akteur*innen – nach Möglichkeiten zur Attraktivierung und Stärkung der City. „Das hat für uns absolute Priorität“, sagt OB Thomas Westphal. Denn die Herausforderungen sind groß – und für die Stadtspitze mit dem Strukturwandel in früheren Jahrzehnten zu vergleichen.

Folgen der temporären Schließung von Handel und Gastronomie noch völlig offen

Planungsdezernent Ludger Wilde stellte die neuen Sofortmaßnahmen vor. Weitere Bausteine sind derzeit schon zur Beratung und Beschlussfassung in den politischen Gremien. „Es geht nicht um ein Strohfeuer, sondern um eine Aufgabe für die nächsten Jahre“, macht Wilde deutlich.

Das Stammhaus von Galeria Kaufhof steht mittlerweile leer – die Zukunft der Immobilie soll Gegenstand einer Studie werden.

Die Herausforderungen sind groß: Die City wandelt sich zwar stetig, aber derzeit beschleunigen die Pandemie und die dadurch bedingte temporäre Schließung des Handels und der Gastronomie diesen Prozess. Ein klareres Bild wird sich erst in den kommenden Monaten zeigen – eine wirklich verlässliche Prognose für die Zeit nach Corona ist derzeit nur sehr schwer absehbar. 

Sicher ist aber für die Stadtspitze, dass sich die City strukturell neu orientieren muss. Dadurch ergäben sich „jedoch auch Chancen, die die Stadt und die Akteure wie Eigentümer, Betreiber, Veranstalter, Verbände und Kammern gemeinsam heben sollten“. 

Und weiter heißt es von der Stadt: „Die zentralen Bereiche innerhalb des Wallrings sind das prägende Gesicht und das pulsierende Herz der Dortmunder City. Die Gestaltungsqualität und die Unverwechselbarkeit des öffentlichen Raums bilden einen wesentlichen Faktor für die Attraktivität der City.“

Verwaltungsinterner Arbeitskreis – Sofortprogramm des Landes NRW

Nach dem Umzug in das ehemalige Schuhhaus Roland steht das bisherige Gebäude der Mayerschen Buchhandlung leer. Foto: Alex Völkel

Nach dem Umzug in das ehemalige Schuhhaus Roland steht dann das bisherige Gebäude der Mayerschen Buchhandlung leer. Fotos: Alex Völkel

Im Herbst 2020 ist ein verwaltungsinterner Arbeitskreis zur Entwicklung und Erarbeitung von Sofortmaßnahmen zur Stärkung und Attraktivierung der City ins Leben gerufen worden. Hier standen zunächst die Themenfelder Sauberkeit, Sicherheit und Ordnung, Umgang mit wohnungs- und obdachlosen Menschen und Gestaltung des öffentlichen Raums im Mittelpunkt. 

Ziel der Stadt Dortmund ist es, die Aktivitäten zur Stärkung der Dortmunder City fortzuführen, da wo notwendig neu zu fokussieren und zu bündeln sowie in eine zeitnahe Umsetzung zu bringen.

Drei Maßnahmenpakete für die City sind in der Vorbereitung und Umsetzung. Dazu gehören auch die Maßnahmen im Rahmen des Förderprogramms des Landes NRW „Sofortprogramm zur Stärkung unserer Innenstädte und Zentren in NRW 2020“.

Die Stadt Dortmund hat im Rahmen des kurzfristig aufgelegten Förderprogramms einen Antrag gestellt und die Bewilligung liegt bereits vor. In Dortmund sollen die Gelder im Wesentlichen eingesetzt werden, um ein Citymanagement aufzubauen und um Konzepte zur Nachnutzung für leerstehende Einzelhandelsgroßimmobilien in der Innenstadt zu entwickeln. Darüber wird der Stadtrat bereits am Donnerstag entscheiden.

Anknüpfung an bestehende Konzepte und Master- und Aktionspläne 

Die Stadt möchte mehr Grün in die City bringen. Dafür sind auch temporäre bzw. mobile Pflanzkübel vorgesehen.

Die Stadt möchte mehr Grün in die City bringen – u.a. mit temporären bzw. mobilen Pflanzkübeln. Foto: Stadt

Maßnahmen, die auf der Grundlage bereits bestehender Konzepte (z. B. Integriertes Stadtsauberkeitskonzept), Masterpläne (z. B. Masterplan Kommunale Sicherheit, Masterplan Plätze) und Aktionspläne (z. B. Aktionsplan Saubere Stadt) umgesetzt werden, sollen in Anknüpfung konkretisiert, weiterentwickelt und beschleunigt werden. 

Zu diesen Maßnahmen zählen u. a. die Verstärkung des Kommunalen Ordnungsdienstes und des Service- und Präsenzdienstes, die Maßnahmenentwicklung auf Grundlage des Angstraumkatasters, der Umbau der Beleuchtung auf LED-Technik sowie der weitere Umgang mit dem Thema „Obdachlose und Bettler*innen im öffentlichen Raum“, kündigte Wilde nach der Beratung des Verwaltungsvorstands an. 

Im dritten Maßnahmenpaket sind Ad-hoc-Maßnahmen zu den Themen Sauberkeit und Gestaltung des öffentlichen Raumes enthalten. Hierbei handelt es sich vor allem um zeitnahe und teilweise temporäre Maßnahmen, die einen positiven Beitrag zur Steigerung der Aufenthaltsqualität und der Stadtbildpflege leisten sollen. Die meisten Maßnahmen gehen über die üblichen Verkehrssicherungsmaßnahmen hinaus. 

Beispielsweise sind hier die Sonderreinigung der gesamten City, Reparatur und Neuschaffung von Sitzgelegenheiten sowie das Aufstellen von temporären und mobilen Pflanzelementen an zentralen Orten bzw. Pop-Up-Grünflächen zu nennen, so der Planungsdezernent. Bei der weiteren Konkretisierung und Umsetzung der Sofortmaßnahmen werden die City-Akteure (Cityring, IHK, Handelsverband und einige mehr) sowie Immobilieneigentümer*innen und Betreiber*innen eingebunden. 

Ausblick auf weitere Interventionen – Strukturwandel als Daueraufgabe

In einer späteren Vorlage an den Rat werden dann weitere Punkte und Maßnahmen zur Stärkung der City vorgeschlagen, die noch in der Erarbeitung sind. Darin werden sich auch Elemente und Ideen wiederfinden, wie der Bereich der Kultur zum Beispiel Leerstände bespielen kann oder wie mit Events, die Menschen anziehen, das Leben in der City bereichert werden kann. 

Das Thema Attraktivierung steht dabei langfristig auf der Agenda der Verwaltungsspitze: „Es hat für uns absolute Priorität, was in der Einkaufsstadt Dortmund läuft“, sagte OB Thomas Westphal und verglich die Herausforderung mit dem Strukturwandel. „Die Handelslandschaft wird anders aussehen – das sehen alle Akteure so.“ 

Daher seien „gemeinsame Anstrengungen wie bei anderem Strukturwandel“ von Nöten – doch statt um Kohle, Stahl und Bier gehe es in den kommenden Jahren um den Wandel im Dienstleistungssektor. „Das sind andere Herausforderungen, aber auch sehr große“, sagte Westphal mit Blick auf die Zahl der Arbeitsplätze und das Wirtschaftvolumen. „Wir wollen nicht schwarzmalen, aber es wird eine richtig große Aufgabe. Das wird uns ein paar Jahre beschäftigen.“

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Ein Gedanke zu “Stadtspitze vergleicht Veränderungen in City-Einzelhandel mit Strukturwandel bei Kohle, Stahl und Bier in Dortmund

  1. OB Thomas Westphal: „Stärkung der City ist eine Daueraufgabe und hat absolute Priorität“ (PM)

    OB Thomas Westphal: „Stärkung der City ist eine Daueraufgabe und hat absolute Priorität“

    Die Stadt Dortmund sieht die Innenstadt als Daueraufgabe einer konsequenten und erfolgreichen Stadtentwicklung. Durch die Corona-Pandemie werden Veränderungen, die schon in den letzten Jahren zu erkennen waren, noch einmal deutlich wie unter einem Brennglas betrachtet. Oberbürgermeister Thomas Westphal hat sich in den vergangenen Tagen dazu in mehreren Gesprächen und Videokonferenzen mit Vertretern*innen der Belegschaften des City-Handels, der Gewerkschaften aber auch mit den Spitzen der Wirtschafts- und Handelsverbände ausgetauscht.

    „In den letzten Monaten haben sich Einzelhandel und Gastronomie sehr verantwortungsvoll verhalten. Jetzt müssen wir uns nicht nur auf die Zeit der Wieder-Öffnung vorbereiten, sondern grundsätzliche Konzepte auf den Weg bringen – für die erfolgreiche Weiterentwicklung einer Innenstadt, die berechtigterweise einen Ruf als Magnet für das Umland hat“, so Oberbürgermeister Thomas Westphal. „Die Stärkung der City – und da sind wir uns mit den Gesprächspartnern einig – hat absolute Priorität.“

    Nicht nur wegen der Corona-Pandemie, deren Folgen für die City noch völlig offen sind, sondern auch mit Blick auf die Zunahme des Online-Handels, auf ein verändertes Kundenverhalten und veränderten Wünschen nach Events und Unterhaltung der Besucher*innen stehen die Innenstädte vor großen Veränderungen. Oberbürgermeister Westphal: „Dieser Strukturwandel ist für die Beteiligten eine große Herausforderung.“ Alle Gesprächsteilnehmer waren sich einig, dass dies eine Aufgabe für die nächsten Jahre ist.

    Die Dortmunder Innenstadt wird von Seiten der Stadt mit den Akteuren des Handels, der Verbände, den Gewerkschaften, den Vermietern und Immobilieneigentümer gemeinsam in den Blick genommen. Drei Maßnahmenpakete werden zunächst umgesetzt oder werden gerade vorbereitet: Die Stadt Dortmund hat im Rahmen eines kurzfristig aufgelegten Förderprogramms des Landes NRW Geld bewilligt bekommen, mit dem nun Konzepte für leerstehende Immobilien (z.B. Kaufhof) entwickelt werden. Wichtig auch: In der Innenstadt werden künftig einzelne Quartiere wie Hellweg, Brückstraßen-Viertel oder das Rosenviertel gesondert betrachtet. Mittelfristig wird zudem die Stelle eines Citymanagers eingerichtet.

    Maßnahmen, die auf der Grundlage bereits bestehender Konzepte schon umgesetzt werden, werden beschleunigt. Dazu gehören u. a. die Verstärkung des Kommunalen Ordnungsdienstes und des Service- und Präsenzdienstes oder auch der Umbau der Beleuchtung auf LED-Technik. In einem dritten Paket sind Ad-hoc-Maßnahmen zur Sauberkeit und Gestaltung des öffentlichen Raumes enthalten. Wie z.B. die Sonderreinigung der gesamten City, neue Sitzgelegenheiten sowie temporäre und mobile Pflanzelemente oder auch Pop-Up-Grünflächen.

    „Die Handelslandschaft wird künftig anders aussehen. Das sehen alle Akteure so“, sagt Thomas Westphal. „Darauf müssen und werden wir uns einstellen.“ Dem Rat sollen in einem weiteren Schritt auch Maßnahmen vorgeschlagen werden, wie der Kulturbereich mögliche Leerstände nutzen kann oder welche Events parallel zum Einkaufserlebnis die Menschen anziehen. Das Thema Wohnen in der Innenstadt wird verstärkt in den Mittelpunkt rücken und mit den Eigentümern sollen neue Mietpreismodelle besprochen werden, die Einzelhandel in den Parterre-Lagen langfristig möglich machen. Für den Oberbürgermeister ist aber auch klar, dass zudem die Unternehmen gehalten sind, ihr Dienstleistungs- und Serviceangebot aufrechtzuerhalten. „Wenn die Beratung nicht stimmt, kann der Kunde auch online bestellen“, so Thomas Westphal.

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