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SERIE „Digitalisierung, Politik und Gesellschaft“ (4): Deshalb fordert Do-FOSS mehr Open Source Software für Dortmund

Den Herstellerabhängigkeiten von Microsoft und Co bei der Stadtverwaltung möchte die Bürgerintitiative Do-FOSS mit freier Software etwas entgegen setzten. Foto: Pixabay

Von Anna Lena Samborski

In Zeiten von fortschreitender Digitalisierung verspricht Open Source Software bzw. „Freie Software“ eine allgemeinwohlorientierte Alternative zu gängigen Geschäftsmodellen. Ihre Verfechter*innen sehen in ihr die Möglichkeit zu mehr Datenschutz und Demokratie im digitalen Raum. Alles also Aspekte, die für einen Staat und seine Verwaltung oberste Priorität sein sollten. Genau deswegen setzt sich die Bürgerinitiative Do-FOSS für mehr Freie Software in der Dortmunder Verwaltung ein. Nordstadtblogger sprach mit Mitbegründer Christian Nähle darüber, was es mit freier Software genau auf sich hat – und darüber, wieso Dortmund mehr Freie Software braucht.

Open Source Software: Offen zugänglicher Quellcode schafft Transparenz

Christian Nähle setzt sich mit Do-FOSS seit 2014 für mehr Freie Software bei der Stadt ein.

Der Verwaltungswirt Christian Nähle hat Do-FOSS zusammen mit drei weiteren Mitstreitern 2014 ins Leben gerufen. Seitdem setzt sich die Bürgerinitiative für die Anwendung von Freier und Quelloffener Software (auch nur „Freie Software“ bzw. Englisch „FOSS“ für Free and Open Source Software) bei der Dortmunder Stadtverwaltung ein.___STEADY_PAYWALL___

Im Gegensatz zur weitverbreiteten proprietären Software, die im Besitz des Herstellers bleibt und sozusagen an die Nutzer*innen lediglich „geleast“ wird, gehört Freie Software niemandem. Sie ist somit Allgemeingut und kann von jeder und jedem für jeden Zweck genutzt werden. Außerdem ist der Quellcode frei zugänglich und für alle einseh- und anpassbar.

Bei Freier Software können Anwender*innen bzw. sachkundige Dritte somit genau nachverfolgen was eine Software macht oder welche Daten sie abgreift – bei proprietärer Software ist das unmöglich! Freie Software kann also zu Transparenz und zum Vertrauen zwischen Bürger*innen und staatlichen Institutionen beitragen, findet Nähle.

Freie Software verhindert Herstellerabhängigkeiten und Monopolbildung

Und das sei auch für Menschen, die selbst die Programmiersprache nicht beherrschen von Bedeutung. Nähle weiter dazu: „Denn es geht darum, dass – wie bei Gesetzestexten zum Beispiel der Anwalt oder die Anwältin des Vertrauens – sich unabhängige sachkundige Dritte ein Bild davon machen können, was mit unseren Daten, die wir dem Staat überlassen, passiert.“

Ein weiterer wichtiger Vorteil: Freie Software kann die Abhängigkeit von bestimmten Herstellern durchbrechen und somit den Wettbewerb fördern. Denn bei proprietärer Software kann meistens nur das Programm selbst die mit ihm erstellten Dateien wieder präzise auslesen. Aufgrund des geschlossenen Quellcodes kann außerdem nur der Hersteller Supportleistungen und individuelle Weiterentwicklungen anbieten.

Die Hersteller haben damit in vielen Fällen die einseitige Hoheit, Preise für eine Lizenzverlängerung festzulegen oder Datenschutzbestimmungen zu lockern. Oder gar ihren Support für ältere Versionen eines Betriebssystems einzustellen und somit ganze Geräte unbenutzbar zu machen – wie übrigens auch für die Leih-iPads an Dortmunder Schulen in einigen Jahren zu erwarten ist. Die Folge sind die allseits bekannten Monopolbildungen bei den Digitalkonzernen.

Do-FOSS seit 2017 mit hochrangigen Vertreter*innen der Verwaltung in „AG Freie Software“ aktiv

2020 stellte die „AG Freie Software“ der Stadt ihren Sachstandsbericht vor (v.l.:) Dennis Nitschke (dosys), Jörg Zilian (Leiter dosys), Till Schäfer (DoFOSS), Dezernent Christian Uhr und Christian Nähle (DoFOSS)

Weiterhin fordert Do-FOSS, dass die Kommune von ihr entwickelte Software als Freie Software der Allgemeinheit zur Verfügung stellt – Stichwort „Public Money? Public Code!“.

So können Kommunen Synergien nutzen und Kosten sparen: Wenn Kommunen eigens entwickelte Software untereinander austauschen, muss nun mal nicht jede einzelne einen eigenen teuren Lizenzvertrag mit dem gleichen Hersteller abschließen.

Mit dem Thema Freie Software hat sich Do-FOSS mittlerweile bei der Stadt Gehör verschafft: Seit 2017 arbeiten die mittlerweile ca. zehn engagierten Mitglieder in einer „AG Freie Software“ mit dem ehemaligen Dortmunder Systemhaus (dosys.) und hochrangigen Vertreter*innen der Stadtam Thema – Und haben zum Beispiel das Einsatzpotential von Freier Software bei der Stadtverwaltung analysiert.

 „Memorandum zur Digitalisierung 2020 bis 2025“: Meilenstein für Freie Software bei der Stadt

Schlussendlich war es aber nun die Dortmunder Kommunalpolitik selbst, die mit dem „Memorandum zur Digitalisierung 2020 bis 2025“ die Richtung für Freie Software ganz klar vorgegeben hat. Denn Freie Software soll laut dem Ratsbeschluss bei der Verwaltung von nun an „wo möglich“ zur Anwendung kommen.

Für Nähle stellt dies einen Meilenstein dar. Denn nun kehre sich die Beweislast um: „Als Standard ist nun Freie Software zu verstehen,“ so Nähle erfreut. Bei der Anschaffung und Anwendung von proprietärer Software müsse die Stadt nun begründen, warum sie keine Freie-Software-Alternative gewählt habe.

„Die Stadt Dortmund hat die politische Zeitenwende eingeläutet und den Ausstieg aus dem proprietären Zeitalter begonnen. Nun kommt es darauf an, dass die Stadt die geeigneten Mittel findet, diesen Ausstieg mittels einer proprietären Exitstrategie praktisch umzusetzen und bestehende Händlereinschlüsse aufzulösen,“ so die Analyse von Do-FOSS in ihrem Blogeintrag zum Memorandum.

Umstellung von proprietärer zu Freier Software würde gut und gerne zehn Jahre dauern

Transparenz braucht freie Software. Quelle: Do-FOSS

Etwas verhaltener zeigen sich hingegen Wolfgang Gurowietz von der GRÜNEN-Fraktion und Lars Vogeler von der CDU-Fraktion als Mitinitiatoren des Memorandums: Beide wollen den Weg für mehr freie Software in der Stadtverwaltung zwar ebnen. Aber dies höre auf jeden Fall dort auf, wo Betriebs- und IT-Sicherheit nicht mehr gewährleistet seien, betont Gurowietz.

Der Wortlaut „wo möglich“ wird wohl so auch in Zukunft Stoff für Interpretationen und Auslegungen bieten. Und auch Nähle ist alles als andere als blauäugig. Denn auch ihm ist bewusst, dass eine komplette Umstellung der Verwaltung von proprietärer auf Freie Software alles andere als ein Kinderspiel ist – und gut und gerne zehn Jahre dauern würde.

Aber auch gerade deswegen plädiert er dafür, sich möglichst schnell in Sachen Freie Software auf den Weg zu machen. Außerdem ruft er dazu auf, ganz besonders bei der Beschaffung neuer Software auf Freie Alternativen zu achten, um weitere Herstellerabhängigkeiten von vornherein auszuschließen.

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Weitere Informationen:

  • Webblog von Do-FOSS; hier:
  • Homepage Die Free Software Foundation Europe; hier:
  • Dortmunder „Memorandum zur Digitalisierung 2020 bis 2025“; hier:

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