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SERIE „100 Jahre AWO“: Am Herd wechselt Berndt Schmidt den Namen – hier brutzelt der „Koch-Opi“

Berndt Schmidt kocht mit den Kindern in der Kita Heliosweg. Fotos: Susanne Schulte

Von Susanne Schulte

„Hallo, Koch-Opi“, sagt Felix und schlendert an den Tisch, an dem er gleich Möhren, Lauch und Sellerie schneiden wird. „Hallo, Felix“, antwortet Berndt Schmidt und stellt seine Klappkiste auf der Arbeitsplatte ab. Konstantin, Adriana, Luke und Lara Kim kommen nun auch nach und nach in den Raum der blauen Gruppe. Bis auf dieses Trüppchen ist dieser noch leer. Die anderen Kinder spielen draußen. Bei dem guten Wetter nur zu verständlich.

Die Lese-Omis und der Koch-Opi sind willkommene Ergänzungen im Kita-Alltag

Das ist nicht jeden Montag so. Jutta Drewicke, die Leiterin der AWO-Kindertageseinrichtung am Heliosweg in Berghofen, bewundert denn auch die Gemütsruhe von Bernd Schmidt. „Das ist schon laut, wenn alle hier sind. Herr Schmidt kümmert sich dann nur um die fünf, mit denen er kocht.“

Berndt Schmidt ist der Vorsitzende des AWO-Ortsvereins Berghofen und ein Mann, der gerne und gut kocht. Als 2013 das Gebäude am Heliosweg im Neubaugebiet von der Kita bezogen wurde, suchte Jutta Drewicke den Kontakt mit dem Ortsverein zwecks möglicher gemeinsamer Aktivitäten. Dort fand sie engagierte Menschen: Lese-Omis und den Koch-Opi. Über beide Ergänzungen im Tagesstätten-Alltag ist sie sehr froh. 

„Manche, die ihre Großeltern wegen der Entfernung nur wenig sehen, kuscheln sich an die Vorlesende und genießen das Gefühl. Wer Oma und Opa in der Nähe hat, kennt das Gefühl und überlässt den Platz auf dem Schoß den anderen.“ Auch den Einsatz von Berndt Schmidt könnten die Erzieher*innen nicht übernehmen. „Wir kochen auch mal. Aber jede Woche mit nur fünf Kindern – dazu fehlt uns das Personal.“

Rohes Gemüse als ungewohnte Mahlzeit: „Ihr könnt ruhig probieren“

Felix hat mittlerweile die Schneidebrettchen verteilt, Berndt Schmidt die Hümmelchen, die scharfen, kleinen Messer. Erst jetzt verrät er, was gekocht und später gegessen wird: Gemüsesuppe – ohne Fleisch. Er selbst schält Möhren, Sellerie, Kohlrabi und Kartoffeln, die Kinder schneiden die großen Stücke dann in kleine. Dabei wird gequatscht, wie das am Küchentisch eben so ist. 

Konstantin und Luke philosophieren über Freundschaft; Felix, Adriana und Lara Kim über den Geschmack der Kohlrabi. „Ihr könnt ruhig probieren“, ermuntert Berndt Schmidt die Küchenjungs und –mädels, das rohe Gemüse zu essen, die Kartoffeln ausgenommen. Aber die körnige Brühe darf geschleckt werden. „Lecker“, so die einhellige Meinung.

Jede kleine Kochgruppe trifft sich fünfmal hintereinander. So kommen alle Kinder der Einrichtung an den besonderen Tisch. „Herr Schmidt gehört zum Inventar“, sagt Leiterin Jutta Drewicke und meint das als Kompliment. Alle in der Kita kennen ihn und den Ablauf. Zwar kommt mal der ein oder die andere vorbei, guckt in den Topf, aber niemand nörgelt oder stört, weil er oder sie dieses Mal nicht zu der Kochgruppe gehört. 

Die Erzieherinnen verteilen das tägliche Mittagessen, gebracht vom Herdecker Gemeinschaftskrankenhaus. Plötzlich ist der Raum voll, es wird laut. „Der Koch-Opi“, wird von allen Seiten gerufen. Und der kennt wiederum fast alle Kinder mit Namen. „Die kriegen schon Essen“, sagt Felix, ist aber ziemlich desinteressiert an dem, was auf die Teller kommt. 

Fischstäbchen mit Apfelsalat und vegetarische Suppe mit Hot Dogs

„Die Suppe ist auch gleich gar“, sagt Bernd Schmidt und ordert das Verteilen von tiefen Tellern an.  Die fünf genießen sichtlich ihr Mahl und zwei holen sich schnell einen Nachschlag.

Felix hat nun doch gesehen, was die anderen aus der blauen Gruppe verspeisen: Hot dogs. Er darf die Platte mit den übrig gebliebenen Würstchen an den Kochgruppen-Tisch holen – und alle fünf greifen zu. „Ja, das war’s dann mit der vegetarischen Suppe“, meint Berndt Schmidt und grinst.

Was am kommenden Montag gekocht wird, weiß er selbst noch nicht. „Es muss ja immer etwas sein, was den Kindern schmeckt und wo sie auch etwas zu tun haben.“ Konstantin zählt auf, was es alles schon gab: Spinat mit Ei und Kartoffeln, Nudeln mit Soße, Nudelsuppe, Milchreis. 

„Ihr habt was vergessen“, sagt Schmidt: „Fischstäbchen.“ „Fischstäbchen, ja, da habe ich mitgegessen. Das war mit Püree und Apfelsalat.“ „War das lecker?“, will Luke wissen. „Ja, sehr“, erinnert sich Konstantin.

Mehr Informationen:

Der AWO-Unterbezirk Dortmund ist Träger von gut einem Dutzend Kindertageseinrichtungen. Wer an einer ehrenamtlichen Arbeit – auch weit vor dem Omi- und Opi-Alter – interessiert ist, kann sich bei Cordula von Koenen (Tel. 9934.310) oder bei Peter Arlt (9934.600) melden. Die beiden koordinieren den freiwilligen Einsatz.

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