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Sechs-Jahres-Vertrag: Planungssicherheit für die freie Wohlfahrtspflege – und mehr sozialer Mehrwert für Dortmund

Zufriedene Gesichter: Sozial- und Gesundheitsdezernentin Birgit Zoerner und die Vertreter*innen von Caritasverband, AWO, Diakonisches Werk, Paritätischem, DRK und Jüdischer Kultusgemeinde unterzeichneten die Einzelverträge.

Zufriedene Gesichter: Dezernentin Birgit Zoerner und die Vertreter*innen von Caritasverband, AWO, Diakonisches Werk, Paritätischem, DRK und Jüdischer Kultusgemeinde unterzeichneten die Einzelverträge. Fotos: Alex Völkel

Eine bundesweit sehr ungewöhnliche und einmalige Zusammenarbeit geht in die nächste Runde: Das Sozialdezernat hat mit den Verbänden der freien Wohlfahrtspflege neue Verträge abgeschlossen. Das Vertragswerk gibt beiden Seiten Planungssicherheit für sechs Jahre. Denn das neue sozial- und gesundheitspolitische Programm hat eine Laufzeit bis zum Jahr 2025. Entsprechend zufrieden waren die Gesichter bei der Vertragsunterzeichnung.

Fördervolumen von 7,4 Mio Euro in 2020 – ungewöhnliche Zusammenarbeit

Fachberater Ramazan Demirci berät Menschen u.a. auf türkisch. Fotos: Alex Völkel

Die Clearingstelle Gesundheit ist einer der Bausteine, die neu in den Vertrag aufgenommen wurden.

Das Fördervolumen für das Jahr 2020 beträgt 7,4 Mio. Euro. Im vergangenen Jahr waren es noch 5,9 Mio. Euro. Vereinbart wurde eine jährliche Indexsteigerung von zwei Prozent auf Basis des jeweils vorangegangenen Jahresbudgets.

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Sozial- und Gesundheitsdezernentin Birgit Zoerner und die Vertreter*innen von Caritasverband, AWO, Diakonisches Werk, Paritätischem, DRK und Jüdischer Kultusgemeinde unterzeichneten offiziell die Einzelverträge.

„Ein kommunales Förderprogramm, das Planungssicherheit für sechs weitere Jahre bei den Verbänden der Freien Wohlfahrtspflege schafft, ist bundesweit einmalig. Es zeigt den hohen Stellenwert der Sozial- und Gesundheitspolitik in Dortmund. Wir können somit weiterhin ein qualitativ hochwertiges und verlässliches Angebot für die Menschen in unserer Stadt vorhalten“, betont Stadträtin Zoerner.

„Das gibt Planungssicherheit. Das ist in NRW nicht selbstverständlich und die Stadt Dortmund beschreitet einen ausgezeichneten Weg“, betont Georg Rupa (Vorsitzender des Caritasverbandes  Dortmund e.V.).

Auch das Psychosoziale Zentrum für Geflüchtete der AWO ist jetzt Bestandteil des neuen Sechs-Jahres-Vertrags.

Auch das Psychosoziale Zentrum für Geflüchtete der AWO ist jetzt Bestandteil des neuen Sechs-Jahres-Vertrags.

„Für mich ist das auch ein Eckpfeiler für Qualität. Wenn ein Träger langfristig Personal anstellen kann, gibt es kein Kommen und Gehen, sondern bewährte Kräfte können gehalten werden.“ Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels sei dies wichtig. 

Die Einmaligkeit unterstreicht auch Andreas Gora, Geschäftsführer der AWO und derzeit auch Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der freien Wohlfahrtspflege. Sowohl in der Zusammensetzung sowie bei der Zusammenarbeit auf inhaltlicher Ebene sei die Vereinbarung bemerkenswert. Denn bei den Angeboten arbeiten die unterschiedlichen Verbände Hand in Hand und sorgen für eine Durchlässigkeit in der Angebotsstruktur. 

„Niemand kann alles bieten. Teils sind wir sehr spezialisiert und bieten ein differenziert abgestimmtes Verfahren. Wir sind dadurch in der Lage, eine Qualität zu bieten, die in vielen Bereichen einmalig ist“, so Gora. „Wir haben uns geeignet und für Kooperation und gegen Konkurrenz entschieden. Das steigert die Qualität“, ergänzt Uta Schütte-Haermeyer (Geschäftsführerin des Diakonischen Werkes).

Weitere Handlungsfelder wurden einbezogen und in den Vertrag integriert

Drogenkonsumraum in der Drogenhilfe-Einrichtung Kick der Aidshilfe im Gesundheitsamt. In diesem Raum können sich die Süchtigen unter Aufsicht eine Spritze setzen

Die Suchtkrankenhilfe ist ein Bestandteil des Vertrags zwischen Gesundheitsamt und Wohlfahrtspflege.

Der neue Vertrag sei die Fortsetzung der vertrauensvollen Zusammenarbeit – nicht nach Kassenlage, sondern als Wertschätzung der Arbeit“, betont Frank Ortmann (DRK-Kreisgeschäftsführer). Er machte allerdings deutlich, dass das Vertragsvolumen nur einen Bruchteil des sozialen Mehrwerts für die Gesamtstadt ausmache.

Denn die Verbände sorgen auch für Drittmittel und Finanzierungen. So kommt der Wohlfahrtsbereich in Dortmund auf einen Umsatz von rund 300 Millionen Euro pro Jahr – ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.

Mit der neuen Vertragsperiode werden bereits bestehende Förderungen in das Vertragswerk integriert. Dadurch erhält die Systematik der Förderung weitere Handlungsfelder. Bei den Handlungsfeldern des Sozialamtes kommt die Gebärden- und lautsprachliche Beratung neu hinzu.

Als Handlungsfelder in der Zuständigkeit des Gesundheitsamtes sind die Clearingstelle zum Krankenversicherungsschutz des Sozialen Zentrums Dortmund e.V., das Netzwerk „Kinder als Angehörige psychisch kranker Eltern“ (KAP-DO) und das Psychosoziale Zentrum für Geflüchtete miteinbezogen worden. 

Die Anlaufstelle des Projekts „lokal willkommen“ startet in Brackel. Fotos: Alex Völkel

Die Anlaufstellen des Projekts „lokal willkommen“ sind mittlerweile auch Bestandteil des Vertrags.

Unterstützung im Alter oder bei Krankheit sind auch weiterhin zentrale Schwerpunkte des neuen Förderprogramms.

So sind unter anderem die Förderung der Mitarbeiter*innen in den Seniorenbüros oder in der Suchtkrankenhilfe neben der Unterstützung von Selbsthilfegruppen und das Integrationsnetzwerk Lokal Willkommen Bestandteile des Programms. 

Weiter werden gefördert: Hilfen und Dienste bei psychischen Erkrankungen, Hilfen für Prostituierte sowie die Unterstützung der Betreuungsvereine. Partner der Stadt Dortmund in diesen Handlungsfeldern sind die Verbände der Freien Wohlfahrtspflege, die diese Hilfen und Dienste anbieten und auch mit Eigenmitteln fördern.

Einen Schwerpunkt bildet die Ausweitung der Angebote der Seniorenbüros

Das Seniorenbüro und Netzwerk haben eine Veranstaltungsbroschüre herausgegeben. Foto: SBIN

Die Arbeit der Seniorenbüros in den Stadtbezirken hat sich bewährt und soll nun noch ausgeweitet werden.

Die Ausweitung der Angebote der Seniorenbüros bildet einen Schwerpunkt in den Neuerungen. Die Seniorenbüros erleben eine kontinuierliche Steigerung ihrer Fallzahlen einhergehend mit der zunehmenden Komplexität der Beratung im Einzelfall, wodurch das vorhandene Personal an Grenzen stößt.

„Die Seniorenbüros haben insgesamt eine große Akzeptanz. Es gibt kein zweites Angebot, das durchweg so positiv belegt ist“, betont Zoerner. „Wir wollen daher noch stärker in die Fläche gehen und auch die Ausstattung verbessern.“

Mit den Wohlfahrtsverbänden wurde daher vereinbart, das Konzept der Seniorenbüros weiter zu entwickeln, um beispielsweise auch in allen Ortsteilen wohnortnah eine Beratung anbieten zu können und um eine flächendeckende Hilfenetzwerkstruktur für ältere Menschen und ihre Angehörigen zu schaffen.

Neben der Ausweitung der Stellen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kooperationspartner in den zwölf Seniorenbüros soll die Personalausstattung pro Standort im gleichen Maße um jeweils eine halbe Stelle für die Stadt erhöht werden.

Begegnungsstätten müssen ihre Bingonachmittage anmelden.

Auch die Arbeit in den  Seniorenbegegnungsstätten in den Dortmunder Ortsteilen soll ge- und verstärkt werden.

Auf städtischer Seite entspricht dies zwölf halben Stellen bzw. sechs vollzeitverrechneten Stellen. Das heißt, die Arbeit der Seniorenbüros – in den bewährten Tandems von Stadt und Verbänden – wird ausgeweitet.

Gemeinsam mit den Wohlfahrtsverbänden wird die Arbeit der Seniorenbegegnungsstätten weiterentwickelt. Diese Orte werden maßgeblich von Ehrenamtlichen geprägt, die allerdings hauptamtliche Unterstützung benötigen. Diese Unterstützung wird nun ausgebaut, und zwar mit einer halben Stelle Sozialer Arbeit pro Stadtbezirk.

„Wir wollen die erfolgreiche Arbeit der Seniorenbüros und der Seniorenbegegnungsstätten weiter stärken. Außerdem soll eine gestiegene jährliche Indexsteigerung in der Förderung sicherstellen, dass Kostensteigerungen abgefedert werden und dass das hochwertige Angebot über die gesamte Laufzeit der Verträge aufrechterhalten werden kann“, so Zoerner.

 

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