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SCHALLFEST-Kompositionen verunsicherten BahnfahrerInnen und sind jetzt nur noch in zwei U-Bahnhöfen zu hören

Die U-Bahnhöfe Stadtgarten und Leopoldstraße werden die Kompositionen von kunstgruppe GOTTLIEB weiter abspielen.

Nur in den Stationen Stadtgarten und Stadthaus werden die Kompositionen von kunstgruppe GOTTLIEB zu hören sein.

Das SCHALLFEST der kunstgruppe GOTTLIEB in Dortmund sorgt für unerwartete Probleme. Als Teil der weltgrößten Klangkunst-Installation sollten die Kompositionen unter anderem dienstags und donnerstags jeweils in der Zeit von 14 Uhr bis 15 Uhr und von 21 Uhr bis 22 Uhr in 26 Stadtbahn-Stationen zu hören sein. Dies führte jedoch zu unerwarteten Reaktionen und sogar vereinzelt zu panischen Reaktionen. Daher werden nur ab Dienstag nur noch zwei Stationen bespielt – in Anwesenheit von Kunst-Scouts.

Trotz kleinerer Zwischenfälle stieß das SCHALLFEST bisher insgesamt auf positive Resonanz

Vom Balkon des Alten Rathauses beschallte kunstgruppe GOTTLIEB den Friedensplatz. Foto: Roland Gorecki

kunstgruppe GOTTLIEB während der Eröffnung im Alten Stadthaus. Foto: Roland Gorecki

Die Kompositionen von kunstgruppe GOTTLIEB bestehen aus Geräuschen, Tönen und Klängen der Stadt. Tierlaute, Maschinengeräusche, Verkehrslärm, menschliche Stimmen und vieles mehr wurden von den KünstlerInnen kompositorisch arrangiert und zusammengeführt.

Dass dies vereinzelt zu Irritationen führen würde, damit hatten sowohl die Stadt Dortmund als auch kunstgruppe GOTTLIEB gerechnet. Denn wer ist schon darauf vorbereitet, beispielsweise Geräusche aus dem Dortmunder Zoo in einem U-Bahnhof zu hören. Kunst ist kontrovers – sie muss nicht jedem gefallen denn die KünstlerInnen sind ideologisch und kreativ frei in ihrem Schaffen und es wäre fatal, wenn sie versuchen würden, es jedem Recht zu machen.

So ist das SCHALLFEST insgesamt auf positive Resonanz gestoßen. Im Zoo, am Flughafen, in der Berswordt-Halle, am Hafen sowie im Museum für Kunst und Kulturgeschichte ist das Projekt gut angelaufen, teilweise mit einigen Nachjustierungen, was die Lautstärke angeht.

Problemzone U-Bahnhöfe – Einige Menschen wurden verängstigt oder gerieten gar in Panik

Auch Sprachaufnahmen fließen in die Kompositionen mit ein. Hier in der Sultan Camii-Moschee in der Nordstadt. Foto KGGB

Auch Sprachaufnahmen fließen in die Kompositionen mit ein. Hier in der Sultan Camii-Moschee in der Nordstadt.  Fotos (2): Oliver Schaper

Einzig in den 26 U-Bahnhöfen gab es kleinere Zwischenfälle. Laut DSW21, kam es am 19. Juli zu verängstigten, teilweise sogar panischen Reaktionen von Fahrgästen der U-Bahn. Dreimal wurde offenbar aus Angst vor einem Terroranschlag die Notruftaste gedrückt, außerdem habe es etwa ein Dutzend Anrufe bei der Leitstelle bzw. Gespräche mit vor Ort anwesenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der DSW21 gegeben. 

Dabei wurden teilweise einzelne Passagen der Komposition explizit als beängstigend genannt, darunter ein geflüstertes „Ich bin hier“ sowie die Stimme eines Imams. Nachdem die Präsentation in den U-Bahnhöfen seit dem 19. Juli ausgesetzt wurde, soll es nun ab Dienstag, 31. Juli in leicht abgewandelter Form weitergehen.

Die Stadt Dortmund und auch DSW21 stehen hinter dem SCHALLFEST und haben gemeinsam mit kunstgruppe GOTTLIEB überlegt, wie man die nachvollziehbaren Sicherheitsinteressen des Unternehmens, das Sicherheitsgefühl der U-Bahn-NutzerInnen und die Kunst in Einklang bringen kann.

U-Bahnhöfe Leopoldstraße und Stadtgarten werden weiterhin bespielt

VeranstalterInnen und kunstgruppe GOTTLIEB haben eine Lösung gefunden. Foto: S. Fijneman

Im Ergebnis wurde verabredet, die Installation nicht mehr an 26, sondern zunächst an nur noch zwei „Kunst-Bahnhöfen“, nämlich in den U-Bahnhöfen Stadthaus und Stadtgarten abzuspielen. Während die Sound-Komposition läuft, sollen zusätzlich Kunst-Scouts vor Ort für Information und Aufklärung sorgen. An allen anderen Orten läuft SCHALLFEST wie geplant weiter.

Außerdem wurde verabredet, „Klangkunst im öffentlichen Raum“ demnächst in einer öffentlichen Gesprächsveranstaltung zu thematisieren. Das SCHALLFEST wird am 9. September 2018 in der weltgrößten Klang-Kunstinstallation und der Uraufführung der gesamten Dortmund-Sound-Komposition von kunstgruppe GOTTLIEB gipfeln. 

Bis dahin sind die unterschiedlichen Kompositionen weiterhin zu den jeweiligen Terminen an den Spielorten zu hören. Also heißt es für Menschen, die Dortmund akustisch neu entdecken möchten, weiterhin: Ohren auf! 

Weitere Informationen:

SCHALLFEST_Flyer

Terminliste SCHALLFEST

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