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40-tägiges SCHALLFEST: Weltgrößte Klanginstallation der„kunstgruppe GOTTLIEB“ Berlin – So klingt Dortmund

kunstgruppe GOTTLIEB hier bei Tonaufnahmen in der Zeche Gneisenau. Foto: Oliver Scharper

Die Kunstgruppe Gottlieb hier bei Tonaufnahmen in der Zeche Gneisenau. Foto: Oliver Schaper

Städte haben ihren ganz eigenen Charakter. Geschichte, Gebäude, Menschen, Kunst und Kultur sorgen für prägende Wiedererkennungsmerkmale. Sie sind visuelle Bezüge, die wir mit dem Ort und bestimmten Geschehnissen verknüpfen. Doch neben den optischen Eindrücken nehmen wir eher unterbewusst eine bestimmte, charakteristische Geräuschkulisse wahr. Sie ist allgegenwärtig und umgibt uns rund um die Uhr und doch schenken wir ihr kaum Beachtung. Anders die „kunstgruppe GOTTLIEB“ aus Berlin (KGGB). Sie hören ganz genau hin und schaffen aus den Klängen der Stadt akustische Kunstwerke.

Dortmund diente den KünstlerInnen als Instrumentarium eines Orchesters

Auch Sprachaufnahmen fließen in die Kompositionen mit ein. Hier in der Sultan Camii-Moschee in der Nordstadt. Foto KGGB

Auch Sprache wurde aufgezeichnet. Hier in der Sultan Camii-Moschee in der Nordstadt. Foto: KGGB

In der Zeit vom 18. Juli 2018 bis zum 26. August 2018 wird die Stadt Dortmund auf bisher beispiellose Art und Weise zur Hauptakteurin eines Kunstwerks. Über ein Jahr lang sammelte die KGGB Klangmaterial und tauchte dafür regelrecht in die Stadt ein.

Die so entstandene Soundkollektion umfasst ein immenses Spektrum von Verkehrs, Industrie- und Produktionsgeräuschen über Sprachaufnahmen in mehr als 15 verschiedenen Sprachen bis hin zu ortsbezogenen Sounds wie Tierlauten im Dortmunder Zoo.

Unter dem Titel SCHALLFEST haben sie insgesamt sechs verschiedene charakteristische Klangkompositionen kreiert, die im öffentlichen Raum zu hören sein werden. Hierfür machten sie an ausgewählten Orten zu allen Tages-, Witterungs- und Jahreszeiten Tonaufnahmen. Als Ausgangspunkt wählten sie die Rheinische Straße im Dortmunder Westen.

Nach dem Fluss benannt, fließt die Straße per Sound in das Delta Stadt und transportiert Klänge, mit denen sie in Berührung kommt. Diese verbinden sich zu einem unteilbaren Ganzen. Die KünstlerInnen nutzen die Stadt quasi als Instrumentarium eines Orchesters.

Türkische Gemeinde und BewohnerInnen des Unionviertels veranstalten Autokorso

kunstgruppe GOTTLIEB hier bei der Dortmunder Feuerwehr. Foto: Oliver Scharper

Die„kunstgruppe GOTTLIEB“ hier bei der Dortmunder Feuerwehr. Foto: Oliver Schaper

Bei der abschließenden weltgrößten Klang-Kunstinstallation am 9. September 2018, die von der KGGB für das Guinessbuch der Rekorde angemeldet wurde, umschließt eine riesige Klangglocke die Stadt, die aus allen vier Himmelsrichtungen beschallt werden wird.

Vom im Hafen stationierten Feuerwehrlöschboot im Norden, dem Flughafen im Osten, dem Zoo im Süden, dem Unionviertel im Westen und dem Stadthaus im Zentrum sollen sich die Kompositionen via 26 U-Bahnstationen der DSW21 verteilen. Wie Nährstoffe, die durch den Blutkreislauf den Körper versorgen, sollen die Klänge über die Verkehrsadern in die Stadt transportiert werden.

In Kooperation mit der Türkischen Gemeinde in Dortmund und BewohnerInnen des Unionsviertel hat die KGGB einen Autokorso organisiert, der das Spektakel einläuten soll. Bei geöffneten Fenstern wird dieser mehrere Runden entlang der Rheinischen Straße fahren und in Schleife eine hierfür erstellte Komposition über die PKW-eigenen Musikanlagen abspielen.

Kompositionen treten auf unterschiedlichen Wegen eine Reise um die Welt an

Der Untergrund hat seine ganz eigene Akustik. Foto: Klaus Hartmann

Der Untergrund – nicht nur in Dortmund -hat seine ganz eigene Akustik. Foto: Klaus Hartmann

Aber damit noch nicht genug. Zusätzlich treten die Kompositionen auf unterschiedlichen Wegen eine Reise um die Welt an. In Kooperation mit der Reederei MS Bayrischer Wald wird ein großer Lautsprecher auf einem Schwergutfrachtschiff positioniert und über den Emskanal aus der Stadt transportiert. Auch über den Luftweg wird ein Verkehrsflugzeug vom Dortmunder Flughafen aus das Projekt in die Welt hinaustragen.

Auch der Dortmunder Zoo wird durch seine Kooperation mit den Zoos in Toronto Kanada, Paigton in England, De Kali in Kolumbien, Rabat in Marokko und Belo Horizonte in Brasilien für Internationalität sorgen. Zeitgleich, und damit ist zur selben Ortszeit gemeint, , so dass die Klänge wie Zeitreisende in verschiedenen Zeitzonen auftauchen, werden die Kompositionen hier über Lautsprecher zu hören sein

Das SCHALLFEST wird am 18 Juli um 13.30 Uhr mit einer Eröffnungszeremonie und einer Klanginszenierung der KGGB auf dem Balkon des Trauzimmers im Alten Rathaus beginnen. Von diesem Tag an werden die Klänge über eine Audio-Skulptur durchgängig über 40 Tage, wie ein olympisches Feuer, ununterbrochen bei Tag und Nacht im Museum für Kunst und Kulturgeschichte abgespielt. 

Aber auch an unzähligen anderen Orten des öffentlichen Raums wie der Zeche Gneisenau oder dem Friedensplatz werden unterschiedliche Klanginszenierungen zu hören sein. An den großen Veranstaltungsorten wie Hafen und Flughafen werden täglich für ein bis zwei Stunden spezielle Kompositionen in Wiederholungsschleife über die jeweiligen öffentlichen Lautsprecheranlagen erschallen.

Zahlreiche Orte werden sich in Konzert-, Kunst-, und Bühnenräume verwandeln

KGGB mit Steigern auf der Zeche Gneisenau. Foto: Oliver Scharper

KGGB mit Steigern auf der Zeche Gneisenau. Foto: Oliver Schaper

Auch an für Dortmund typischen Orten der Arbeit wie zum Beispiel der riesigen Produktionshalle der Leib Stahl GmbH & Co. KG in der Nordstadt haben die KünstlerInnen Tonaufnahmen gemacht und kreativ verarbeitet.

So werden große Flächen des Stadtgebietes sowohl innerhalb von Gebäuden als auch an der frischen Luft zu Konzert-, Kunst- und Bühnenräumen. Begleitend soll es eine Ausstellung mit außergewöhnlichen Videoinszenierungen und einen Katalog zum SCHALLFEST geben.

Die Welturaufführung des kompletten 40-minütigen Werkes, das alle sechs Einzelkompositionen in sich vereint, findet im Herbst 2018 an einem noch bekanntzugebenden Ort der Stadt Dortmund statt. Die Berliner KünstlerInnen wählten das Medium Schall als Mittel für ihr Werk, um den Dimensionen einer Großstadt gerecht zu werden und deren Dynamik, ihre Bewegung in der Zeit, künstlerisch aufzugreifen.

Der Schall ist für sie das ideale Mittel, um die sich ständig wandelnden Erscheinungsformen einer Großstadt zu reflektieren. Ihr Ziel dabei ist es, die Identität mit der eigenen Stadt und die Zusammengehörigkeit der BewohnerInnen zu stärken.

Die „kunstgruppe GOTTLIEB“ genießt internationales Renommee

Die „kunstgruppe GOTTLIEB“ aus Berlin ist bekannt für ihren virtuosen Umgang mit den verschiedenen Disziplinen der Bildenden und Darstellenden Künste und schafft hierdurch immer wieder ganz eigene und Aufsehen erregende Kunstwerke. Viele ihrer Werke, die sich zu regelrechten Kunstereignissen aufbäumten, bewiesen sich als Vorlagen für neue künstlerische Ideen und neue Formen der politischen Stellungnahme.

Das Kollektiv lebt in Berlin und realisierte bereits international zahlreiche Kunstwerke sowohl in Museen, Galerien, Theatern und Konzerthäusern als auch im öffentlichen Raum, unter anderem in London, New York und Mexico City.

Weitere Informationen:

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