Rückkehr des Schauspiels in die City verzögert sich: Intendant Kay Voges verspricht weiter „Megatheater im Megastore“

Noch eine Spielzeit im Megastore in Hörde: das Schauspiel Dortmund. Foto: Joachim vom Brocke
Noch eine Spielzeit im Megastore in Hörde: das Schauspiel Dortmund. Foto: Joachim vom Brocke

Von Joachim vom Brocke

Schauspiel-Intendant Kay Voges verspricht seinen vielen Theaterfreunden trotz weiter andauernder Umbauarbeiten auch künftig „Megatheater im Megastore“. Denn die gesamte Spielzeit 2016/2017 muss weiter im Provisorium an der Felicitasstraße 2 auf Phoenix-West „über die Bühne“ gehen. Das Stammhaus am Königswall steht durch die Bauarbeiten nicht zur Verfügung.

Termin und Stückänderungen nicht immer zu vermeiden

„Die Bauarbeiten sind derzeit etwa sechs Wochen in Verzug“, teilte die Stadt mit. Und sie sind teurer geworden. Der Verwaltungsvorstand hat sich dafür ausgesprochen, den Investitionszuschuss des Theaters Dortmund im Haushaltsjahr 2017 um 1,38 Millionen Euro zu erhöhen.

Der Mietvertrag für die Ausweichspielstätte in Hörde (ehemaliger BVB-Megastore) wurde bis 31. Juli 2017 verlängert. Zusätzliche Mehrkosten: 382 300 Euro. Insgesamt belaufen sich die ungeplanten Mehrkosten damit auf knapp 1,8 Millionen Euro.

„Die gesamte Situation ist unerfreulich und tut mir sehr leid für unsere Abonnenten“, sagte Kay Voges bei der Programmvorstellung, aber so sei es immer noch besser, als in „ein halbfertiges Haus zu ziehen“.

Ebenfalls beliebt bei den Zuschauern, ebenfalls unter den Wiederaufnahmen: „Die Borderline Prozession“. (Foto: Birgit Hupfeld/ Theater Dortmund)
Wird weiter gespielt: „Die Borderline Prozession“. (Foto: Birgit Hupfeld/ Theater DO)

Drei wandelbare Bühnenbereiche 

Bei der Programm-Präsentation der neuen Spielzeit teilte Voges darüber hinaus mit, dass für die bereits im Schauspielhaus und Studio geplanten Premieren mit wenigen Änderungen auch im Megastore beibehalten werden könnten. Trotzdem seien Termin- und Stückänderungen wegen der veränderten Raumsituation nicht zu vermeiden.

Die drei Bühnenbereiche im Megastore bieten nach Auffassung des Intendanten für die einzelnen Inszenierungen verschiedene Raum- und Bühnenlösungen an und ermöglichen es, „das immense künstlerische Potenzial des Megastore weiter zu nutzen“.

So werde auch die in der Zeitschrift „Die Deutsche Bühne“ jüngst als „Beste Inszenierung“ ausgezeichnete Produktion „Die Borderline Prozession“ bis auf weiteres im Spielplan bleiben und versprach zu versuchen, „in dieser Spielzeit so viele Aufführungen wie möglich anzubieten“, auch wenn sie jetzt noch nicht expliziert im Spielplan enthalten seien.

Die ersten vier Premieren sind nicht von den Verzögerungen betroffen

„Triumph der Freiheit #1“, bearbeitet nach dem Theaterstück „Ça ira (1) Fin de Louis (La Revolution #1 - Wir schaffen das schon)“ von Joël Pommerat. (Foto: Birgit Hupfeld/ Theater Dortmund) Andreas Beck Uwe Rohbeck
Mit der Premiere „Triumph der Freiheit #1“ startet das Schauspiel. (Foto: Birgit Hupfeld/ Theater DO)

Unverändert bleiben die ersten vier Premieren für das in der zurückliegenden Spielzeit mehrfach ausgezeichnete Dortmunder Schauspiel. Los geht es am Freitag, 16. September, 19.30 Uhr, mit „Triumph der Freiheit #1“, bearbeitet nach dem Theaterstück „Ça ira (1) Fin de Louis (La Revolution #1 – Wir schaffen das schon)“ von Joël Pommerat.

In seinem hoch gelobten Stück führt Pommerat (Jahrgang 1963) das Publikum zurück zu den Gründungsgedanken des modernen Europa.

Er erzählt die ersten Jahre der Revolution als Geburtskampf einer neuen Epoche, als leidenschaftliches Ringen um die richtige politische Idee. Das Erfolgsstück von Paris zeigt Europa 2016, woher es stammt. Regie: Ed. Hauswirth.

„Kasimir und Karoline“ von Ödön von Horváth wird am Sonntag, 18. September, 18 Uhr erstmals aufgeführt. Aus einem geplanten Jahrmarkts-Nachmittag wird eine Reise in die Risse der Gesellschaft, wo Menschen im freien Fall sich hoffnungslos aneinander klammern. Regie führt Gordon Kämmerer.

Eine Uraufführung gibt es am Freitag, 23. September, 19.30 Uhr, mit „Die Simulanten“ von Philippe Heule, einer Koproduktion mit den Ruhrfestspielen Recklinghausen. Regisseurin Claudia Bauer hat Heules Text als Kammerspiel der ohnmächtigen, im Nichts gefangenen Seelen inszeniert.

„Truck Tracks Ruhr“: Dortmund wird am 6. Oktober zum Roadmovie

Kay Voges, Intendant des Schauspiel Dortmund, stellt die neue Spielstätte, den ehemaligen Megastore des BvB, und neue Premieren vor. Das Megazine präsentiert erstmals den kompletten Spielplan der Spielzeit 2015/16 vor.
Der Megastore bleibt dem Schauspiel noch länger erhalten. Foto: Klaus Hartmann

„Truck Tracks Ruhr #4 – Album Dortmund“ steht ab Donnerstag, 6. Oktober, auf dem Premierenplan. Dortmund wird dabei zu einem Roadmovie. 49 Menschen erleben auf einer Leinwand einen 90-Minüter. Auf  einer Leinwand, die eigentlich eine fahrende Fensterscheibe ist.

Sieben Mal hält er Truck – für besondere Nahaufnahmen des sichtbaren und unsichtbaren Lebens, die von sieben Künstlern akustisch inszeniert werden. Mehr Infos: www.trucktracksruhr.de   Dabei handelt es sich um eine Koproduktion mit Urbane Künste Ruhr.

Die weiteren Programm-Highlights im Schauspiel: Gleich zwei Premieren am 21. Oktober, um 19.30 Uhr und 21 Uhr. Auf dem Programm: „Das Interview“ von Theodor Holman nach dem gleichnamigen Film von Theo van Gogh. Regie: Maximilian Lindemann. Außerdem „Heimliche Helden“, Anatomie eines Großraumbüros. Regie: Julia Schubert.

Neuer Premierentermin für „Die schwarze Flotte“ von Anne-Kathrin Schulz nach einer Recherche von CORRECT!V ist der 23. Oktober, 18 Uhr. Die Wiederaufnahme der Produktion „Das Bildnis des Dorian Gray“ mit dem Dortmunder Sprechchor findet im November 2016 statt.

Änderung: Silvester gibt es wieder die Kult-Lesung mit Andreas Weißert

Auch Carlos Lobo liest Märchen vor. Hier ist er in „Geächtet“ zu sehen. In Wirklichkeit sieht er entschieden sympathischer aus. (Foto: Birgit Hupfeld/ Theater Dortmund)
Am Silvesterabend wird „Geächtet (Disgraced)“ im Megastore gespielt. Foto: Hupfeld/Theater DO

Weiter ändern sich Spielorte und Premierendaten wie folgt: „Furcht und Elend des Dritten Reiches“ von Bertolt Brecht. Unverändertes Datum am 10. Dezember, 19.30 Uhr, im Megastore.

Neuer Premierentermin für „Furcht und Hoffnung in Deutschland: Ich bin das Volk“ von Franz Xaver Kroetz ist der 17. Dezember, 19.30 Uhr. Die Wiederaufnahme von „Die Show“ wird in die Spielzeit 2017/2018 verschoben, da eine Übertragung der Produktion in den Megastore aus technischen Gründen nicht möglich ist.

Am Silvesterabend wird stattdessen die Produktion „Geächtet (Disgraced)“ von Ayad Akthar in der Regie von Kay Voges im Megastore gespielt. Auch die Kult-Silvester-Lesung mit Andreas Weißert wird dieses Jahr unter dem Titel „Hektors Liebe stirbt im Lethe nicht (Liebe und Tod in der Literatur)“ im Megastore stattfinden.

Goethes „Faust“ wird verschoben

„Faust“ nach Johann Wolfgang von Goethe, geplant für Februar 2017, wird verschoben. Stattdessen wird Kay Voges die Stückentwicklung „Augenblick – Verweile doch! Du bis so schön“ (Arbeitstitel) im Megastore inszenieren. Premierendatum ist der 11. Februar 2017.

Kay Voges, Intendant des Schauspiel Dortmund, stellt die neue Spielstätte, den ehemaligen Megastore des BvB, und neue Premieren vor.
Schauspiel-Intendant Kay Voges stellt die notwendigen Änderungen vor. Foto: Klaus Hartmann

„Über das Unerwartete“, eine Uraufführung von den Theaterpartisanen, hat unverändert am 11. März 2017, 20 Uhr, im Megastore Premiere. „Flammende Köpfe“ von Arne Vogelsang: Premiere ist am 25. März 2017.

„Die Wiedervereinigung der beiden Koreas“ von Joël Pommerat wird erstmals am 8. April 2017 zu sehen sein. „Einstein on the Beach“, Oper von Robert Wilson und Philip Glass, eine Koproduktion mit der Oper Dortmund, wird am 23. April 2017 erstmals im Opernhaus aufgeführt.

„Mr. Vertigo“, ein Theater-Live-Animationsfilm von sputnic steht am 27. Mai 2017 auf dem Programmzettel. „Nach Manila. Ein Passionsspiel nach Ermittlungen auf den Philippinen“ von Laokoon gibt es am 3. Juni 2017 zu sehen.

Die Produktion „Die Kassierer und die Drei von der Punkstelle“ wird in die Spielzeit 2017/18 verschoben. Darüber hinaus werden einige Studio-Produktionen in den Spielplan im Megastore übernommen: „Endspiel“ von Samuel Beckett sowie „4.48 Psychose“ von Sarah Kane.

Weitere Wiederaufnahmen von Studio-Produktionen im Megastore werden auf ihre technische Machbarkeit hin überprüft. Die Reihen The Mundorgel Project, Blackbox und Spielbar werden im Megastore fortgesetzt.

Merle Wasmuth bekommt den Förderpreis. Foto: Agentur Anke Balzer
Merle Wasmuth bekommt den Nachwuchsförderpreis des Landes NRW. Foto: Agentur Anke Balzer

Mehr Informationen:

  • Ensemblemitglied Merle Wasmuth hat den mit 7500 Euro dotierten Nachwuchsförderpreis des Landes NRW für junge Künstlerinnen erhalten.
  • Sie war in der letzten Spielzeit u.a. als Außenreporterin Valery Mey in „Die Show“ und als Winnie in Becketts „Glückliche Tage“ zu sehen und außerdem in der „Borderline Prozession“. Der Preis wird ihr im November von NRW-Kulturministerin Christina Kampmann überreicht.
  • Abonnenten können sich bei Fragen beim Abo-Service unter (0231) 50 22 442 melden.
  • Bereits gekaufte Karten können an der jeweiligen Vorverkaufskasse zurückgegeben oder umgetauscht werden. 
  • www.theaterdo.de

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