
Von Susanne Schulte
Andrea Kürten strampelte sich für die Gäste des Erzählcafés ab. Nachdem sie ihnen vorher im Keuninghaus vom städtischen Rikscha-Projekt erzählt hatte, konnten die Frauen und Männer selbst auf die Sitzbank steigen, während die Rikscha-Pilotin kräftig in die Pedale trat und die Passagier*innen jeweils eine Runde rund um die Skater-Halle chauffierte.
Eines der Gefährte soll immer seinen Standort in den Stadtteilen wechseln
„Das war ein sehr schöner Nachmittag“, lobten die Gäste später Andrea Kürten und die beiden fürs Erzählcafé zuständigen Seniorenbeirät*innen Johannes Kirsch und Susanne Schulte.

Vor und nach den kurzen Touren erfuhr die Gruppe, dass die Rikschas, es gibt zwei Stück, von der städtischen Koordinierungsstelle Einsamkeit im April in Dienst gestellt wurden. ___STEADY_PAYWALL___
Die Idee dahinter: Wer vorher seinen Rikscha-Führerschein gemacht hat, darf Freund*innen und Nachbar*innen, Verwandte und Bewohner*innen von Pflegeeinrichtungen damit zum Vergnügen oder zu einem Termin kutschieren.
Diese barrierefreie Möglichkeit vor die Tür zu kommen, soll unkompliziert Einsamkeit verhindern und Teilhabe ermöglichen. Die Gefährte stehen zum kostenlosen Ausleihen am Dortmunder Hauptbahnhof.
Zumindest immer eines von ihnen ist dort untergebracht, während das zweite – in einem stets wechselnden Vorort, so es da einen sicheren Stellplatz gibt – einen Standort finden soll. Das Geld für den Kauf kam von der Stadt, Wartung und Reparaturen sowie die Buchungsformalitäten fallen in die Zuständigkeit des Vereins „Dein Rudolf“ unter der Trägerschaft der „Initiative für Nachhaltigkeit“. „Und dafür brauchen wir Spenden“, so Andrea Kürten.
Etwa 60 Dortmunder*innen haben bereits den Rikscha-Führerschein gemacht
Etwa 60 Dortmunder*innen hätten bereits den Rikscha-Führerschein erworben. Monatlich gibt es etwa zwei Termine für weitere Interessierte. Zur Einführung in die Bedienung der Rikscha trifft man sich bei der „Velo-Kitchen“ in einem Hinterhof an der Bornstraße.

Dort erfahren die Teilnehmer*innen auch alles über die Ausleih-Modalitäten und die Versicherung. „Bin ich ehrenamtlich im Einsatz, läuft die Versicherung über die Stadt, fahre ich meine Mutter, muss notfalls meine persönliche Haftpflicht einspringen“, erzählte Kürten.
Sie selbst ist häufiger ehrenamtlich unterwegs. Wenn sie mit der Rikscha das Theodor-Fliedner-Heim anfährt, in dem ihre Mutter lebt, macht sie auch Ausflüge mit den anderen Bewohner*innen.
Dort sei man inzwischen so weit, weiß sie, dass das Johanneswerk, zu dem das Haus gehört, plant, eine eigene Rikscha anzuschaffen.
Die Chauffeur*innen müssen schon mal eine halbe Tonne in Bewegung bringen
Andrea Kürten war mit der Rikscha bereits beim DJ-Picknick und hat mit Freundinnen ihre Runden gedreht. „Man darf jeden und jede damit herumfahren. Nur Geld verdienen darf man damit nicht.“ Zweimal im Monat für maximal drei Tage am Stück kann die Rikscha ausgeliehen werden.

Die Fahrgäste sind angeschnallt, ihre Füße stehen auf einem Trittbrett. Maximal 200 Kilogramm dürfen die Passagier*innen zusammen wiegen. Mit den Akkus, dem Rad an sich, ihrem eigenen und dem Gewicht der Gäste muss Andrea Kürten eine halbe Tonne in Bewegung bringen.
Das schafft sie mittlerweile spielend. „Am ersten Tag nach der Einführung habe ich mir das Rad ausgeliehen und bin einfach so gefahren, um ein Gefühl für die Rikscha zu bekommen.“
Wer nun interessiert ist, den Rikscha-Führerschein zu machen, guckt mal auf die Seite Dein-Rudolf.de. Dort stehen die nächsten Termine für die ebenfalls kostenlose Einführung. Und wer eine Garage oder einen sicheren Stellplatz kostenlos in einem Dortmunder Stadtteil für einige Zeit zur Verfügung stellen kann, findet auf dieser Seite ebenfalls die richtigen Ansprechpartner*innen.
Anm.d.Red.: Haben Sie bis zum Ende gelesen? Nur zur Info: Die Nordstadtblogger arbeiten ehrenamtlich. Wir machen das gern, aber wir freuen uns auch über Unterstützung!

