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Projekt des HMKV im Dortmunder U gewinnt den „Justus Bier-Preis“ – Fundierte Aufarbeitung und originelle Präsentation

Die Ausstellungs-Gäste bekamen eine konzentrierte und zugleich komplexe Analyse einer einzigen Fotografie und ihrer Anwendungsmöglichkeit auf die heutige Zeit geboten. Foto: Aleksey Kubasov/HMKV

Über den mit 5.000 Euro dotierten „Justus Bier-Preis“ für Kuratoren und Kuratorinnen 2018 dürfen sich Inke Arns, Igor Chubarov und Sylvia Sasse freuen. Der Preis würdigt herausragende kuratorische Leistungen im deutschsprachigen Raum und gilt diesmal dem Projekt und der Publikation „Sturm auf den Winterpalast – Forensik eines Bildes“. Die Ausstellung im Hartware MedienKunstVerein im Dortmunder U war dort vom 25. November 2017 bis zum 8. April 2018 zu sehen. Der Preis wird am Freitag, 29. März 2019, um 19 Uhr im Rahmen der Ausstellungseröffnung von „Der Alt-Right Komplex“ im HMKV im Dortmunder U überreicht.

Erstmals deutscher Kunstverein mit „Justus Bier-Preis“ ausgezeichnet.

Kuratorin Sylvia Sasse vor der historischen Aufnahme, die Thema der Ausstellung ist. Foto: Roland Baege/HMKV

Inke Arns ist Direktorin des Hartware MedienKunstVerein (HMKV) in Dortmund (DE), Igor Chubarov ist Direktor des Instituts für Sozial- und Geisteswissenschaften der Staatlichen Universität von Tjumen in Russland und Sylvia Sasse hat eine Professur für Slavistische Literaturwissenschaft an der Universität Zürich inne.

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Ausstellung und Publikation entstanden als Kooperation zwischen dem Hartware MedienKunstVerein (HMKV) und der Universität Zürich. In der Ausstellung waren Arbeiten von Chto Delat, Nikolaj Evreinov, Waldemar Fydrych (Orange Alternative), Cristina Lucas, Kazimir Malevich, Milo Rau – International Institut of Political Murder und Peter Watkins zu sehen.

Gefördert wurde die Ausstellung von der Kulturstiftung des Bundes, vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW, vom Schweizerischen Nationalfonds sowie von der Stadt Dortmund/Dortmunder U. Die Ausstellung tourte international: 2017 wurde sie in der Gessnerallee Zürich gezeigt, 2017 bis 2018 im HMKV im Dortmunder U und 2018 im Muzeum Sztuki in Lodz in Polen.

„Sturm auf den Winterpalast – Forensik eines Bildes“ zum Jubiläum der Oktoberrevolution

Ein Blick in die Ausstellung. Foto: Hannes Woidich/HMKV

Die Ausstellung „Sturm auf den Winterpalast – Forensik eines Bildes“ liefert eine konzentrierte und zugleich komplexe Analyse einer einzigen Fotografie und ihrer Anwendungsmöglichkeit auf die heutige Zeit.

Zum 100. Jubiläum der russischen Oktoberrevolution richtete der Hartware MedienKunstVerein im Dortmunder U ab November 2017 eine von Inke Arns und Sylvia Sasse kuratierte Ausstellung aus, die sich mit dem Symbolbild dieser Revolution, einer Schwarzweißfotografie der Erstürmung des St. Petersburger Winterpalastes, beispielhaft auseinandersetzte. 

Obwohl die Aufnahme das historische Ereignis nicht abbildet, sondern ein Standbild von einem Massenspektakel zum dritten Gedenktag der Revolution 1920 ist, wurde es aus verschiedenen Gründen immer wieder als fotografischer Beweis der revolutionären Handlung benutzt, veröffentlicht und ausgestellt. 

Ausstellung beleuchtet die Medialisierung von historischen und aktuellen Großereignissen

Ein Blick in die Ausstellung am Tag der Eröffnung Foto: Aleksey Kubasov/HMKV

Das Schauspiel dauerte 75 Minuten, über 10.000 SchauspielerInnen und StatistInnenen führten es vor über 60.000 ZuschauerInnen am Originalort auf. Die Kuratorinnen haben neben der in der Sowjetzeit zur Ikone gewordenen Aufnahme weitere Standbilder und einen Film der theatralen Wiederaufführung auf Manipulationen, Zuschreibungen und Anwendungsarten untersucht.

Die Ausstellung und das sie begleitende, umfangreiche, mit zusätzlichem Material versehene, und in Zusammenarbeit mit Igor Chubarov herausgegebene Buch, das auch zahlreiche Originaltexte der Mitglieder des Regiekollektivs um Nikolaj Evreinov beinhaltet, zeigen auf beeindruckende Weise Parallelen zwischen der Medialisierung des historischen Ereignisses und aktuellen politischen Situationen auf.

Die Kuratorinnen der Ausstellung leisten so eine beeindruckende und präzise Aufklärungsarbeit bei der Konstruktion politisch motivierter Narrative. 

Preisverleihung findet am 29. März 2019 im HMKV im Dortmunder U statt

Die Kuratorinnen Sylvia Sasse und Inke Arns. Foto Roland Baege/HMKV

Der mit 5.000 Euro dotierte „Justus Bier Preis“ wird getragen von der „Helga Pape-Stiftung Jens und Helga Howaldt“, Hannover. Er ist benannt nach Justus Bier (1899 bis 1990), der von 1930 bis 1936 Direktor der Kestner Gesellschaft in Hannover war.

Die hochkarätig besetzte Jury bestand aus Prof. Dr. Stephan Berg, Intendant des Kunstmuseum Bonn (Vorsitzender), Lars Brandt, Schriftsteller (Bonn), Dr. Carl Haenlein, Vorsitzender der Jury bis 2014, seit 2017 Ehrenpräsident der Jury (Hannover), Christina Végh, Direktorin der Kestner Gesellschaft (Hannover), Prof. Thomas Wagner, Kritiker (Heppenheim/Bergstraße) und Prof. Thomas Weski, Kurator, Stiftung für Fotografie und Medienkunst mit Archiv Michael Schmidt (Berlin).

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