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Nicht nur „die mit dem Kopftuch“ – Multikulturelles Forum arbeitet gegen antimuslimische Ressentiments

Die 22-jährige Nisa studiert Germanistik und islamische Theologie, was viele irritiert, für sie jedoch Ausdruck ihrer Persönlichkeit ist. So hat sie sich auch bewusst für das Tragen eines Kopftuchs entschieden. Fotos: MKF

Wird in Deutschland über den Islam gesprochen, so geschieht dies häufig in einem negativen und problemzentrierten Bezugsrahmen. Die immer wieder (re-)produzierten Stereotype verstärken bestehende antimuslimische Ressentiments in der Gesellschaft – und legen zuweilen auch den Grundstein für Gewaltverbrechen, wie den Mord an der ägyptischen Pharmazeutin und Handballnationalspielerin Marwa El-Sherbini, die am 1. Juli 2009 aus rassistischen und muslimfeindlichen Motiven im Landgericht Dresden mit 18 Messerstichen ermordet wurde.

@storiesvonhier: Einblicke in das Leben junger Muslime in Deutschland auf Instagram

Die Interviews werden auf dem Instagram-Kanal des MKF zu sehen sein.

Anlässlich des Tags gegen antimuslimischen Rassismus, der seitdem am 1. Juli begangen wird, zeigt das Multikulturelle Forum auf Instagram (@storiesvonhier) muslimische Perspektiven und informiert rund um das Thema. Denn rassistische Denkmuster gegenüber Musliminnen sind kein Randphänomen, sondern schon lange in der gesellschaftlichen Mitte verankert.  ___STEADY_PAYWALL___

Eine aktuelle repräsentative Befragung der Bertelsmann Stiftung im Rahmen des Religionsmonitors 2019 offenbarte, dass 52 Prozent der Gesamtbevölkerung der Aussage „Der Islam ist bedrohlich.“ zustimmten.

Diese Grundhaltung bekommen auch junge Muslim*innen in ihrem Alltag zu spüren. Diese Erfahrung hat auch Nisa S. gemacht: In ihrem Interview für den Instagram-Kanal des Multikulturellen Forums  erzählt die 22-jährige, wie sich das Verhalten von Freund*innen und Lehrer*innen veränderte, als sie begann ein Kopftuch zu tragen.

Der Islam als selbstverständlicher Teil der Gesellschaft

Islam-Seminar und Fastenbrechen in Abu-Bakr-Moschee

Islam-Seminar und Fastenbrechen in Abu-Bakr-Moschee in Dortmund. Foto: Klaus Hartmann/Archiv

„Leider habe ich seitdem überwiegend schlechte Erfahrungen gemacht. Das fängt damit an, dass mir nicht geglaubt wird, dass ich das Kopftuch aus Eigeninitiative trage, und endet damit, dass man im eigenen Freundeskreis keine Akzeptanz mehr erfährt.“ Sie selbst fühle sich ganz selbstverständlich sowohl deutsch als auch türkisch als auch muslimisch:

„Es ist doch ein gesellschaftliches Problem, wenn die anderen in mir nur ‚die mit dem Kopftuch’ sehen,“ fasst die Lehramtsstudentin der Fächer Germanistik und islamische Theologie zusammen. Eine Fächerkombination, die offenbar noch immer viele irritiert, die für Nisa aber schlicht ein Ausdruck ihrer Persönlichkeit ist.

Entstanden ist die Idee für die Videos in dem Projekt „Muslime im Dialog: Verbunden – Vernetzt – Selbstbestimmt“, mit dem das Multikulturelle Forum antimuslimischem Rassismus entgegenwirken will. „Wir möchten Musliminnen und Muslime als selbstverständlichen Teil der Gesellschaft in den Fokus nehmen und mit dazu beitragen, dass ihre vielfältigen Stimmen, Erfahrungen und Perspektiven zu gesellschaftlichen Diskursen und Fragen des Miteinanders gehört und gesehen werden,“ betonen die Projektleiterinnen Elif Gömleksiz und Larina Kleinitz. 

Projekt leiter*innen freuen sich über alle, die mitmachen wollen

Durch interaktive und kreative Workshops im schulischen und außerschulischen Kontext soll das Projekt muslimische und nicht-muslimische Jugendliche zu einer kritischen Auseinandersetzung mit (eigenen) Stereotypen und Vorurteilen anregen und einen wertschätzenden interkulturellen und interreligiösen Dialog fördern.

Gleichzeitig geht es dem Projekt um eine stärkere Partizipation von jungen Muslim*innen in der Gesellschaft. „Wir freuen uns, wenn viele junge Menschen mitmachen möchten – ob aktiv im Projekt oder zum Beispiel auf Instagram. Nicht umsonst heißt unser Kanal ‚stories von hier‘.“ Im Anhang des Artikels finden Interessierte einen Flyer mit weiteren Informationen zum Projekt und den dazugehörigen Kontaktdaten.

Das Projekt „Muslime im Dialog“ wird im Rahmen der Deutschen Islam Konferenz durch das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat gefördert.

 

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Weitere Informationen:

Das Multikulturelle Forum e.V. (MkF) ist eine Migrantenorganisation mit mehr als 30 Jahren Erfahrung im Bereich der Förderung des gesamtgesellschaftlichen und interkulturellen Miteinanders. Die Arbeit des MkF hat das übergeordnete Ziel, sozialbenachteiligte Menschen mit und ohne Migrationshintergrund gesellschaftlich zu integrieren und zur Teilhabe zu befähigen – hierfür setzen sich die derzeit über 120 hauptamtlichen Mitarbeiter*innen ein. 1985 in Lünen gegründet, unterhält das MkF mittlerweile auch Geschäftsstellen in Düsseldorf, Dortmund, Hamm, Bergkamen und Lünen-Süd. Das MkF ist Träger der Weiterbildungseinrichtung Bildungswerk Multi Kulti.

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