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Nordstadt-Pfarrer fordern den Erhalt des Quartiersmanagements und kritisieren den Dortmunder OB

Bürostandorte des Quartiersmanagement Nordstadt

An der Mallinckrodtstraße ist das neue Büro des Quartiersmanagements Nordstadt.

Besorgt haben sich die katholischen und evangelischen Pfarrerinnen und Pfarrer der Nordstadt angesichts der geplanten Veränderungen im Quartiersmanagement Nordstadt in einem offenen Brief an den OB zu Wort gemeldet.

Nordstadt-Pfarrer können die OB-Kritik an bisheriger Arbeit nicht nachvollziehen

„Irritiert hat uns insbesondere, dass wir bisher nur vereinzelte sehr unklare Informationen über die Presse erhalten haben. Dies geht unserem Eindruck nach auch dem Großteil der Bewohnerschaft so“, betonen sie in einem Schreiben an Ullrich Sierau.

„Der bisher in der Presse genannte Grund, Sie seien unzufrieden mit der Arbeit der Quartiersmanager, ist uns völlig schleierhaft, da wir vor Ort eine gänzlich gegenteilige Beurteilung haben! Die Bewohnerschaft und die Akteure der Nordstadt wurden in den Veränderungsprozess unseres Wissens nach bisher in keiner Weise einbezogen. Sie wurden nicht nach ihrer Meinung und Bewertung gefragt.“

Vorgehen des OB sei wenig sensibel – rücksichtloser Umgang mit Beteiligten

Bürostandorte des Quartiersmanagement Nordstadt

Die Bürostandorte des Quartiersmanagements im Hafen (Foto) und am Borsigplatz stehen zur Disposition.

Wie es heißt, soll ein „Brückenformat“ nun den Übergang zu „Nordwärts“ schaffen. „Dieses Brückenmodell ist offensichtlich nur durch den Druck mehrerer Parteien zustande gekommen“, schreiben die Geistlichen.

„Auch hier fehlt uns das Verständnis dafür, wie wenig sensibel und rücksichtslos mit den Menschen hinter der Arbeit des Quartiersmanagements selbst umgegangen werden sollte und zugleich offensichtlich ein halbes Jahr in Kauf genommen werden sollte, in dem keine Quartiersarbeit in der Nordstadt mehr eine Unterstützung seitens der Stadt bekommen sollte. Jedenfalls war dies der Eindruck“, kritisieren sie Nordstadt-Pfarrer.

Geschrieben haben die Geistlichen der evangelischen Lydia-Kirchengemeinde in der Nordstadt und der katholischen Kirchengemeinden der Pastoralverbünde Dortmund Nordstadt-Ost und Fredenbaum.

Kirchengemeinden fordern Aufklärung über die Planungen

Daher fordern sie schnellstens Aufklärung. Denn sowohl die Reduzierung der Standorte als auch das Personals ist durch die gekürzten Mittel möglich.

„Was hat dies für Konsequenzen für die bisher hervorragende Arbeit der Quartiersmanager als Kümmerer im Stadtteil, als Vermittler und Organisatoren, als Berater und Ansprechpartner in so gut wie allen Stadtteilfragen? Welche der bisherigen Dienstleistungen für die Bewohnerschaft fällt weg? Inwiefern kann die Bewohnerschaft in Zukunft weiter durch das Quartiersmanagement gestärkt und unterstützt werden – und zwar flächendeckend über alle Quartiere?“

Die evangelischen und katholischen Pfarrer der Nordstadt machten deutlich, dass die Kirchengemeinden bisher gerne Räume für unzählige Nachbarschaftsabende zur Verfügung gestellt hätten. Diese hätten die Quartiersmanager verlässlich und engagiert organisiert und durchgeführt. „Sie hatten und haben stets ein offenes Ohr für die Bewohnerschaft und leisten in Zusammenarbeit mit Vertretern der Polizei und des Ordnungsamtes eine enorm wichtige Hilfe zur Selbsthilfe“, heißt es weiter in dem Schreiben. „Sie machen damit Mut und geben den Bewohnern das Gefühl, nicht alleine zu stehen.“

Lob: Quartiersmanager hätten viele Bewohner und Akteure aktiviert

Die Schwimmbrücke des THW zwischen Drehbrücken- und Speicherstraße wurde gern benutzt

Der Hafenspaziergang ist sehr beliebt – er wird bisher vom Quartiersmanagement organisiert.

Vor allem sei es den Quartiersmanagern durch ihre wertvollen Erfahrungen in den letzten Jahren immer besser gelungen, die Bewohner selbst zu aktivieren – und das trotz der subjektiv und objektiv gestiegenen Belastungen dieses Stadtteils durch verstärkte Armutszuwanderung. „Was wird hier in Zukunft wegbrechen? Werden die Bewohner wieder (zu einem großen Teil) allein gelassen?“ heißt es dazu in dem offenen Brief.

Viele kleine wertvolle Nachbarschafts- und Straßenfeste seien entstanden. Große Quartiersfeste hätten sich gerade in den letzten Jahren mehr und mehr etabliert. „Gerade bei diesen größeren Veranstaltungen ist die organisatorische Leistung des Quartiersmanagements unersetzlich.

Sie sorgen sich, dass Veranstaltungen wie den „Hafenspaziergang“, der immer mehr gewachsen ist und einen enormen Zuspruch aus der Bevölkerung ganz Dortmunds und der Region erhält, künftig wegfallen könnten. Doch sie seien entscheidend für eine Imageverbesserung des Stadtteils.

„Wir könnten noch viele Gründe anführen, die deutlich für eine Fortführung und einen Ausbau des bisherigen Quartiersmanagements in der Nordstadt sprechen“, versichern die Pfarrer der Nordstadt. „Die Kooperation mit allen Quartiersmanagerinnen und -managern war und ist äußerst angenehm und konstruktiv.“

Appell: Kritik überdenken und Arbeit fortführen

„Sehr geehrter Herr Sierau, wir bitten Sie eindringlich, Ihre bisherige Planung noch einmal zu überdenken und dafür zu sorgen, dass die bisherige ausgezeichnete Arbeit aller Quartiersmanager im zukünftigen Modell des Quartiersmanagements ihren Widerhall findet“, schließen die Kirchenvertreter ihr Schrieben.

Stadtgeschichtliche Führung durch das Hafenviertel mit Anette Plümpe beim Hafenspaziergang 2014

Die Kirchen sind eng in die Veranstaltungen des Quartiersmanagements eingebunden.

„Wenn der Arbeitsbereich der künftigen Quartiersmanager ausgeweitet werden soll, bitten wir Sie und den Rat zu prüfen, ob dies einen Ausbau des Personals und nicht eine Stellenstreichung zur Konsequenz haben muss. Nicht nur die Quantität der Dienstleistung des Quartiersmanagements in der Nordstadt leidet unter den geplanten Kürzungen, sondern – dies ist unsere Sorge-  schnell auch die Qualität.

Bessere Kommunikation und Einbindung gefordert

„Mögen Sie persönlich aufgrund neuer erweiterter Zielsetzungen des Quartiersmanagements unter „Nordwärts“ „zufriedener“ sein. Wir sehen nicht, wie Sie diese Zufriedenheit für die Bewohnerschaft und engagierten Organisationen und Einrichtungen in der Nordstadt erreichen wollen.

Wir bitten eindringlich um eine bessere Kommunikation und eine Einbindung in den Planungsprozess, wo es sinnvoll und wichtig erscheint. Erhalten Sie mindestens die bisherige Anzahl der Quartiersmanager(innen) aufrecht, damit ein wichtiger Teil der Arbeit des Quartiersmanagements in gewohnt hoher Qualität in der Nordstadt fortgeführt werden kann. Ihnen selbst hat die Nordstadt das (bisherige) Modell des Quartiersmanagements zu verdanken. Erhalten Sie es aufrecht, weil es das mit Auszeichnung verdient hat und die Nordstadt es mehr denn je braucht!“

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