„Soundtrips NRW“ gastieren in der „Parzelle im Depot“

Konzertabende in der Nordstadt mit improvisierter Musik auf höchstem Niveau

Am ersten Abend der fünfteiligen Konzertreihe im Rahmen der „Soundtrips NRW“ steht der walisische Harfenist Rhodri Davies (l.) gemeinsam mit Sängerin Hanna Schörken und Pablo Paredes am Keyboard auf der Bühne in der Parzelle im Depot.
Am ersten Abend der fünfteiligen Konzertreihe im Rahmen der „Soundtrips NRW“ steht der walisische Harfenist Rhodri Davies (l.) gemeinsam mit Sängerin Hanna Schörken und Pablo Paredes am Keyboard auf der Bühne in der Parzelle im Depot. Fotocollage: Gerd Schmedes

Die „Parzelle im Depot“ ist bekannt für ihre künstlerische Experimentierfreudigkeit. Gemeinsam mit dem Dortmunder Künstler und Musiker Achim Zepezauer holt der Parzelle-Verein die landesweite Konzertreihe für Improvisierte Musik „Soundtrips NRW“ in die Dortmunder Nordstadt. Von Mai bis November stehen insgesamt fünf Livemusik-Abende auf dem Programm, bei denen internationale Größen der Improvisierten Musik auf renommierte Musikerinnen aus NRW treffen. Los geht’s am Samstag, den 7. Mai 2022, um 20 Uhr mit dem walisischen Harfenisten Rhodri Davies, der auf die Sängerin Hanna Schörken und Pablo Paredes an den Keyboards trifft. Karten gibt es an der Abendkasse für 15, ermäßigt acht Euro.

Sichtbarkeit und Vernetzung der Szene der Improvisierten Musik

Schon lange bemüht sich Angelika Hoffmann darum, die „Soundtrips NRW“ in die Dortmunder Nordstadt zu holen. Archivfoto: Sascha Fijneman für Nordstadtblogger.de

Performancekünstlerin Angelika Hoffmann ist gleichzeitig Vorständin des Parzelle e.V.. Die Mitglieder des Parzelle-Vereins eint die Begeisterung für experimentelle Formate und Kulturprojekte. Keimzelle ist die „Parzelle im Depot“:

Ein interdisziplinärerer Projektort, den Angelika Hoffmann seit 1998 zum Treffpunkt und Veranstaltungsort für Kulturschaffende gemacht hat, die sich und andere für animierte und visuelle Theaterformen, Musik und Klangkunst – jenseits des Mainstreams – begeistern.

Wie schon beim „Visual Sound Festival“ ist es dem Verein auch bei den „Soundtrips NRW“ ein übergeordnetes Anliegen, internationale Künstler:innen mit regionalen und lokalen Musiker:innen zu vernetzen und diese lebendige Szene vor allem, aber nicht nur in der Dortmunder Nordstadt sichtbarer zu machen.

Internationale Szenegrößen treffen auf Künstler:innen aus NRW

Um so mehr freut Angelika Hoffmann sich über die Zusammenarbeit mit dem Dortmunder Künstler und Musiker Achim Zepezauer bei der Planung für die „Soundtrips“ in der Parzelle.

Mit Achim Zepezauer steht laut Hoffmann ein Stück „einfallsreiches Dortmund" auf der Bühne.
Achim Zepezauer ist Kuratoriumsmitglied der „Soundtrips NRW“. Archivfoto: Nordstadtblogger-Redaktion

In Dortmund dürfte Zepezauer vielen Menschen unter anderem durch seine regelmäßige Eldoradio-Sendung „Klangwelten“ bekannt sein. Zudem kuratiert er die experimentelle Konzertreihe „mex“ im Künstlerhaus Dortmund und ist mit seinem „Tischlein Elektrisch“ langjähriges Mitglied des Improvisationskollektivs „The Dorf“.

Achim Zepezauer ist seit seiner Kindheit von Musik und Kunst gleichermaßen beeinflusst. Das Kunststudium brachte ihn der Musik näher und seit er als Musiker arbeitet, fühlt er sich der Kunst verbunden. Daher suchen seine Arbeiten oft deren Schnittstelle und führen zu Performances, Konzerten oder Installationen. Darüber hinaus kuratiert er experimentelle Konzerte und Ausstellungen, gestaltet Plattencover, töpfert, macht gelegentlich animierte Kurzfilme und Visuals.

Zepezauer kennt sich in der Szene der Improvisationsmusik aus und ist laut Angelika Hoffmann bestens mit den unterschiedlichsten Künstler:innen vernetzt. Als Mitglied des Kuratoriums der „Soundtrips NRW“ bestimmte er mit, welche Künstler:innen in diesem Jahr im Rahmen der Veranstaltungsreihe auftreten werden.

Gäste werden das Instrument Harfe ganz neu kennenlernen

Rhodri Davies Harfenspiel ist einzigartig. Foto. Veranstalter

Wie bereits erwähnt geht es in Dortmund am Samstag mit einem Konzert des walisischen Harfenisten Rhodri Davies los, der durch verschiedene deutsche Städte tourt und dort immer wieder das Zusammenspiel mit lokalen und regionalen Musiker:innen sucht.

Fest steht, dass die Gäste das Instrument Harfe bei den Konzerten in einer Form erleben werden, die sie aller Wahrscheinlichkeit nach vorher noch nicht gekannt haben.

Denn Davies’ Spiel und sein Instrument sind eine untrennbare künstlerische Einheit und stehen erfrischend im Gegensatz zu einem traditionellen Verständnis dieses Instrumentes, heißt es in einer Konzertankündigung. Wie kein anderer habe Rhodri Davies die Harfe zu seinem ganz individuell klingenden Instrument entwickelt.

Es entstehen Spiegelungen des Moments, relevant ist das Hier und Jetzt

Denn Rhodri Davies wird beispielsweise von der Zeitschrift Coda als einer der „radikalsten“ Harfenspieler im Bereich der improvisierten Musik bezeichnet, der sich seinem Instrument als skulpturales Klangobjekt anstatt als etabliertes musikalisches Werkzeug mit einer vorbestimmten musikalischen Rolle nähere.

Das Publikum wird das Instrument Harfe völlig neu kennenlernen.
Das Publikum wird das Instrument Harfe völlig neu kennenlernen. Foto: Heiko Purnhagen

Die Konzertabende sind jeweils in zwei Abschnitte aufgeteilt. Zunächst wird Davies solo ein Set spielen und seine Kunst präsentieren. Nach einer kleinen Pause dann stoßen Musiker:innen aus NRW dazu und gemeinsam stellen sie die vermeintliche Unvorhersehbarkeit der Improvisation auf die Probe.

„Durch das Aufeinandertreffen der unterschiedlichen Musiker:innen entstehen Spiegelungen des Moments, relevant ist das Hier und Jetzt“, macht Angelika Hoffmann neugierig. „Es kommt zu einer offenen Form des gemeinsamen Musizierens, die total spontan ist und die absolut unterschiedlich ausfallen kann.“

Es lassen sich kammermusikalische, elektronische, aus Neuer Musik oder Jazz heraus entwickelte Ästhetiken unterscheiden. Geräuschorientierte oder tonhöhen-bestimmte Interaktionen, und immer wieder der spezifische Kontakt zwischen den Spielenden zeigen sich ganz lebendig, sei es eng verwoben oder eher im produktiven Nebeneinander.

Diese Form des Improvisierens sei jedoch in keinster Weise beliebig, denn die einzelnen sehr erfahrenen Musiker:innen seien sich lebendiger Ordnungsprinzipien ihrer Kunst bewusst. Ihre musikalische Erfahrung erlaubt den Künstler:innen ein achtsames Miteinander, gemeinsam suchen sie die Kommunikation mit dem Publikum und reagieren auf dessen Resonanzen.

Rhodri Davies trifft auf Hanna Schörken und Pablo Paredes

Rhodri Davies wird im zweiten Teil des Abends also mit Sängerin Hanna Schörken und Pablo Paredes am Keyboard auf der Bühne stehen. Die studierte Jazz-Sängerin Schörken hat bereits zwei Soloalben aufgenommen und veröffentlicht.

Der aus Chile stammende Pablo Peredes arbeitet als Produzent, Instrumentalist, Komponist und als Maler und Bildhauer. Auch er hat bereits einige eigene CDs veröffentlicht und war an unzähligen Produktionen beteiligt. Seine Musik wurde unter anderem auf Bühnen wie der Berliner Philharmonie, BBC, WDR oder auch der Royal Festival Hall in London aufgeführt.

Für Annika Schmermbeck vom Kulturbüro Dortmund, welches die Veranstaltung fördert, ist an dem Format „Soundtrips NRW“ vor allem die Verbindung scheinbarer Gegensätze faszinierend und überzeugend. So treffen renommierte Künstler:innen auf kreativen Nachwuchs, nationale auf internationale Künstler:innen.

Schmermbeck lobt den Parzelle-Verein und die Organisator:innen der „Soundtrips NRW“, denn in diesen immer noch von der Pandemie stark beeinflussten Zeiten gehöre schon eine ordentliche Portion Mut dazu, eine solche überregionale Konzertreihe auf längere Sicht zu planen und zu organisieren.

Als Nordstädterin liebt Annika Schmermbeck die kulturelle Vielfalt des Stadtteils und findet, dass die „Soundtrips NRW“, die die unterschiedlichsten Künstler:innen aus verschiedenen Kulturkreisen zusammenbringen, hier genau am richtigen Ort stattfinden.

Nächstes „Soundtrip“-Konzert in der Parzelle am 17. Juni 2022

Beim nächsten Soundtrip-Konzert in der Parzelle steht als internationaler Gast Nina de Heney aus Schweden auf der Bühne.
Beim nächsten Soundtrip-Konzert in der Parzelle steht als internationaler Gast Nina de Heney auf der Bühne. Foto: PHOTOMUSIX

Gemeinsam mit Angelika Hoffmann erhofft sie sich vom Debüt der „Soundtrips NRW“ in Dortmund eine Intitialzündung, die die Szene der Improvisierten Musik über Dortmund und die Region hinaus sichtbar macht und freut sich auf den interdisziplinären Austausch der Künstler:innen untereinander.

Beide sind davon überzeugt, dass sich das Format weiterentwickeln wird und die Nordstadt in Zukunft ein fester Spielort für die „Soundtrips NRW“ bleibt. Die Konzertreihe im Rahmen der „Soundtrips NRW“ wird in Dortmund am 17. Juni 2022 fortgesetzt. An diesem Abend steht Live-Musik mit Nina de Heney am Kontrabass auf dem Programm. Als Gäste werden die Saxophonistin Luise Volkmann und Gitarrist Erhard Hirt erwartet.

Die „Soundtrips NRW“ in Dortmund werden gefördert durch das NRW-Kultursekreteriat Wuppertal, das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW und dem Kulturbüro der Stadt Dortmund.

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Weitere Informationen:

Soundtrips NRW
Programm Dortmund 2022

Sa 07. 05., 20 h
Rhodri Davies (GB) – Harfe
Gäste: Hanna Schörken – Stimme
, Pablo Paredes – Keyboards

FR 17. 06. , 20 h
Nina de Heney (GB/S) – Kontrabass
Gäste: Luise Volkmann – Saxophon,  Erhard Hirt – E-Gitarre & Elektronik

SA 27.08. auf dem visual sound outdoor festival
Infos ebenfalls unter https://www.parzelledortmund.de/visual-sound-outdoor-festival/
Paulina Owczarek (PL)- Saxophon
Federico Reuben (CRI) – Live-Elektronik-Performance
Gäste: Achim Zepezauer – Elektronik & visuals, Raissa Mehner – Gitarre

FR 30. 09., 20 h
Reverse Camouflage
Oguz Büyükberber (TUR) – Klarinette, Bassklarinette und Kontrabassklarinette
Tobias Klein (D) – Klarinette, Bassklarinette und Kontrabassklarinette
Gäste: Jan Klare – Bassklarinette, Eckard Koltermann – Bassklarinette, Florian Walter – Bassklarinette

DO 03. 11., 20 h
Joe McPhee (USA) – Trompete & Posaune
Andria Nicodemou (CYP) – Vibraphon & Percussion
Gäste: 
Florian Hartlieb – Computer, 
Carl Ludwig Hübsch – Tuba, 
Maria Portugal – drums

Eintritt: 15 / 8 € ermäßigt

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Kommentare

  1. Jazz-Konzert, Parzelle im Depot (PM)

    25. 05. 2022, 20 h, Hiby-Hano Duo

    Hans Peter Hiby (ts/as) arbeitet seit den 80iger Jahren in verschiedenen Besetzungen zusammen und immer wieder im Duo mit Schlagzeugern wie z.B. Paul Hession (die im Duo die großartige LP „The real case“ veröffentlichten), Martin Blume, Louis Moholo u.v.a. mit denen er immer wieder neue musikalische Ideen entwickelt und im Zusammenwirken Grenzen überschreitet.

    In der Parzelle im Depot trifft er auf den japanischen Schlagzeuger Shoji Hano, einen der bekanntesten Schlagzeuger Japans, der in Europa durch sein Zusammenspiel mit Peter Brötzmann (mit dem er drei spektakuläre Duo Alben veröffentlichte), Peter Kowald, Hans Reichel, Olaf Rupp u.v.a. bestens bekannt ist.

    Das Hiby/Hano Duo verspricht High – Energy Free Jazz allererster Güte.

    Jazz-Konzert, Parzelle im Depot
    25. 05. 2022, 20 h, Hiby-Hano Duo
    Eintritt: 15 € / 8 € ermäßigt, Abendkasse
    Veranstaltungsort: Parzelle im Depot, Immermannstraße 29, 44147 Dortmund
    Veranstalter: Parzelle Verein e.V.

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