Letzter Meilenstein des Emscher-Umbaus zum Jahresende erreicht

Knapp 5,5 Milliarden Euro in 30 Jahren investiert: Die Emscher ist jetzt komplett abwasserfrei!

Ein Bild als Zusammenfassung des Emscher-Umbaus und als Versprechen für die Zukunft: Dies eröffnet Chancen für neues blau-grünes Leben im Revier – für Natur und Menschen. Im Gewässer leben wieder Fische, die hier von Dr. Emanuel Grün (Technischer Vorstand, vorne links) und Prof. Dr. Uli Paetzel (Vorstandsvorsitzender, vorne rechts) präsentiert werden. Foto: Henning Maier-Jantzen/EGLV

Eine gute Nachricht zum Jahresanfang: Nach knapp 30 Jahren Emscher-Umbau ist der zentrale Fluss des Ruhrgebiets komplett abwasserfrei! Bis zum letzten Tag im vergangenen Jahr – und unter enormen Hochdruck – hat die Emschergenossenschaft die letzten Nebenläufe an den unterirdischen Abwasserkanal Emscher (AKE) angeschlossen. Mit großem Erfolg: Ab sofort fließt kein Tropfen klärpflichtiges Abwasser mehr in die Emscher – zum ersten Mal seit rund 170 Jahren ist der Fluss wieder sauber!

Die Zeiten des übel riechenden Flusses nun endgültig Vergangenheit

„Vermutlich konnten es sich einige Menschen bis zuletzt nicht wirklich vorstellen: Die Emscher ist endlich abwasserfrei. Wer im Ruhrgebiet aufgewachsen ist, kennt die Emscher nur als Abwasser führendes, schmutziges Gewässer. Sie hat uns in dieser Form ein Leben lang begleitet, von der Kindheit bis ins Erwachsenenalter. Dass die Zeiten des stark riechenden Flusses nun endgültig der Vergangenheit angehören, bedeutet für uns alle ein riesiger Schritt in die neue blau-grüne Zukunft der Region“, sagt Prof. Dr. Uli Paetzel, Vorstandsvorsitzender der Emschergenossenschaft.

Am „Blauen Klassenzimmer“ direkt an der Emscher in Dortmund können Kinder das Gewässer genau unter die Lupe nehmen.
Am „Blauen Klassenzimmer“ direkt an der Emscher in Dortmund können Kinder das Gewässer genau unter die Lupe nehmen. Foto: Rupert Oberhäuser für die Emschergenossenschaft

„Die jetzt erreichte Abwasserfreiheit kommt der Artenvielfalt im Emscher-Gebiet zu Gute und natürlich auch den Menschen in unserer Region. Die Erstellung der Abwasserinfrastruktur war eine große ingenieurtechnische Herausforderung. Die hierbei gemachten Erfahrungen werden EGLV dabei helfen, die Klimafolgenanpassung und die Verbesserung des Hochwasserschutzes auch zukünftig weiter auszubauen“, sagt Dr. Emanuel Grün, Technischer Vorstand der Emschergenossenschaft.

Bis auf die Berne in Essen sind zudem auch alle Zuflüsse der Emscher ebenfalls von ihrer Schmutzwasserfracht befreit – das Abwasser aus der Berne fließt nun über ein Provisorium direkt in den unterirdischen Abwasserkanal Emscher (AKE), so dass die Emscher wirklich komplett abwasserfrei ist! Zu den Verzögerungen an der Berne hatte in den vergangenen Jahren am Berne-Zufluss Borbecker Mühlenbach ein seltener Vogel, die Wasserralle, gesorgt. Damals kam es sogar zu einem um fünf Jahre verzögerten Baustart.

Knapp 5,5 Milliarden Euro für die Aufwertung der Lebens- und Aufenthaltsqualität

Blick in den 51 Kilometer langen Abwasserkanal Emscher (AKE). Foto: Rupert Oberhäuser / EGLV

Vor genau 30 Jahren hat das mutige Vorhaben begonnen, einem biologisch toten Fluss inmitten des größten Ballungsraums Deutschlands neues Leben einzuhauchen. Knapp 5,5 Milliarden Euro hat die Emschergenossenschaft in die Aufwertung der Lebens- und Aufenthaltsqualität im Emscher-Gebiet investiert.

Entstanden sind vier Großkläranlagen, die heute zu den modernsten des Landes zählen. Mehr als 430 Kilometer an neuen unterirdischen Abwasserkanälen sind verlegt worden – das entspricht der Distanz zwischen Essen und Paris!

Parallel zum Kanalbau sind zudem bereits rund 150 Kilometer an Gewässern renaturiert worden und bieten heute ein neues Zuhause für Eisvögel, Libellen, Stelzen und Groppen. Die Artenvielfalt an der Emscher hat sich in den vergangenen drei Jahrzehnten durch den Emscher-Umbau verdreifacht!

Phase der naturnahen Umgestaltung: Das Leben kehrt an die Emscher zurück

Der vom Abwasser und von den Betonsohlschalen befreite Roßbach im Mai 2019: Deutlich zu erkennen ist der neue, geschwungenere Lauf des Gewässers. Foto: Markus Greulich/EGLV

Die Köttelbecke ist endgültig Geschichte, die neue Emscher dagegen eröffnet neue Chancen für blau-grünes Leben inmitten einer der spannendsten Regionen des Landes. Die Abwasserfreiheit ist erreicht, die Emscher-Geschichte aber noch lange nicht fertig geschrieben: Mit dem neuen Kapitel beginnt die Emschergenossenschaft gemeinsam mit ihren Mitgliedern und Partnern gerade erst.

Nun geht es in die Phase der naturnahen Umgestaltung: Die Betonsohlschalen werden entfernt, die Böschungen flacher und vielseitiger gestaltet. Dort, wo der Platz es zulässt, erhalten die einst technisch begradigten Flüsse wieder einen kurvenreicheren Verlauf.

Das Leben kehrt an die Emscher zurück, die sauberen Gewässer werden den Menschen zurückgegeben. Auch wenn die Emscher aufgrund ihrer besonderen Charakteristik niemals ein Badegewässer sein und größtenteils immer noch eingezäunt bleiben wird, will die Emschergenossenschaft in den kommenden Jahren viele Mitmachprojekte an den Gewässern ermöglichen. Rund 130 Kilometer durch den Emscher-Umbau entstandene neue Radwege lassen die sauberen Emscher-Gewässer bereits heute erlebbar und erfahrbar werden.

Rückblick: Wie die Emscher zur „Köttelbecke“ wurde

Grafik des Abwasserkanals Emscher und seiner Pumpwerke. Quelle: EGLV
Jahrzehntelange Planung und Bau: Grafik des Abwasserkanals Emscher und seiner Pumpwerke. Quelle: EGLV

Wegen der durch den Bergbau verursachten Bergsenkungen im Ruhrgebiet sind unterirdische Kanäle früher nicht möglich gewesen, da sie beschädigt worden wären. Daher wurden die Emscher als zentraler Fluss des Ruhrgebiets und ihre Nebenbäche als offene Schmutzwasserläufe verwendet.

Seit Ende der 80er- und Anfang der 90er-Jahre hat sich die Lage jedoch geändert. Nach der Nordwanderung des Bergbaus sind auch keine Bergsenkungen mehr zu befürchten, so dass nun auch unterirdische Abwasserkanäle gebaut werden können.

Seit 1992 plante und setzte die Emschergenossenschaft den Emscher-Umbau in enger Abstimmung mit dem Land NRW, den Kommunen und den Genehmigungsbehörden um. Jedes Gewässer erhielt ein unterirdisches Pendant, durch das die Abwässer zu den Kläranlagen abgeleitet werden. Die oberirdischen Bäche sind nun abwasserfrei und können naturnah umgebaut werden.

HINTERGRUND

  • Die Emschergenossenschaft ist ein öffentlich-rechtliches Wasserwirtschaftsunternehmen, das als Leitidee des eigenen Handelns das Genossenschaftsprinzip lebt.
  • Sie wurde 1899 als erste Organisation dieser Art in Deutschland gegründet und kümmert sich seitdem unter anderem um die Unterhaltung der Emscher, um die Abwasserentsorgung und -reinigung sowie um den Hochwasserschutz. 
  • Mehr Informationen: www.eglv.de
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Kommentare

  1. Bilanz: Emscher-Umbau in Dortmund - Abwasserfreiheit erreicht - Emschergenossenschaft investierte in Dortmund insgesamt 865 Millionen Euro (PM)

    Mit dem Erreichen der Abwasserfreiheit in der Emscher ist das Generationenprojekt Emscher-Umbau nach 30 Jahren abgeschlossen. Auch für die Menschen in Dortmund ist das ein historischer Moment. Besonders die direkt Anwohnenden freuen sich über die Abwasserfreiheit der Emscher. Die Emschergenossenschaft liefert nun Zahlen rund um das Generationenprojekt für die Stadt Dortmund.

    Zum Emscher-System gehören neben der Emscher selbst auf Dortmunder Stadtgebiet zusätzlich noch unter anderem der Bodelschwingher Bach, der Dellwiger Bach, der Evinger Bach, der Groppenbach, der Grotenbach, der Hörder Bach, der Kirchhörder Bach, der Nettebach, der Oespeler Bach, der Roßbach, der Rüpingsbach und der Schmechtingsbach. Für die Abwasserfreiheit wurde in Dortmund ein völlig neues unterirdisches Kanalsystem angelegt: 95 Kilometer lang, 467 Millionen Euro hat die Emschergenossenschaft allein in den Kanalbau investiert.

    Zusätzlich zum Kanalsystem wurden bereits auch Wasserläufe auf einer Länge von insgesamt 45 Kilometern umgestaltet. Dafür investierte die Emschergenossenschaft 259 Millionen Euro. Insgesamt flossen in Dortmund rund 865 Millionen Euro in die Verbesserung der Lebens- und Aufenthaltsqualität durch den Emscher-Umbau.

    Die Emscher ist abwasserfrei

    Pünktlich zum Jahresende 2021 erreichte die Emschergenossenschaft die Abwasserfreiheit in der gesamten Emscher. Zum ersten Mal seit rund 170 Jahren fließt durch die Emscher kein Schmutzwasser mehr. Auch für die vielen Nebenläufe wurde das ambitionierte Ziel erreicht: Auch in ihnen fließt seit dem 31. Dezember 2021 kein Abwasser mehr. Über unterirdische Sammler wird die Schmutzfracht aus der Region nun direkt in den Abwasserkanal Emscher (AKE) eingeleitet. Das Berne-System in Essen wird im Laufe dieses Jahres nachziehen. Dort wurden die Bauarbeiten durch die Umsiedlung eines seltenen Vogels – der Wasserralle – um fünf Jahre verzögert.

    Die Abwasserfreiheit ist ein wichtiger Schritt in Richtung ökologischer Umgestaltung. Nun kann die Emschergenossenschaft die sauberen Gewässer naturnah modellieren: Die Betonsohlschalen werden entfernt, die Böschungen flacher und vielseitiger gestaltet. Dort, wo der Platz es zulässt, erhalten die einst technisch begradigten Flüsse wieder einen kurvenreicheren Verlauf. Das Ziel ist die ökologische Verbesserung des Flusses und die damit einhergehende Neu- oder Wiederansiedlung von Tier- und Pflanzenarten in den kommenden Monaten und Jahren.

    Die Emschergenossenschaft

    Die Emschergenossenschaft ist ein öffentlich-rechtliches Wasserwirtschaftsunternehmen, das als Leitidee des eigenen Handelns das Genossenschaftsprinzip lebt. Sie wurde 1899 als erste Organisation dieser Art in Deutschland gegründet und kümmert sich seitdem unter anderem um die Unterhaltung der Emscher, um die Abwasserentsorgung und -reinigung sowie um den Hochwasserschutz. http://www.eglv.de

  2. Wanderausstellung „Faszination.Transformation.“ kommt in die Kokerei Hansa - Ab sofort gibt es die Ausstellung kostenlos zu sehen (PM)

    Die Wanderausstellung „Faszination.Transformation.“ der Emschergenossenschaft ist ab Dienstag (18.01.) in der Kompressorenhalle der Kokerei Hansa zu sehen. Der Eintritt der Ausstellung ist kostenlos. Interessierte haben bis zum 7. Februar Zeit, sich die Ausstellung auf Hansa anzuschauen.

    Der zu Ende des vergangenen Jahres abgeschlossene Emscher-Umbau ist ein wichtiger Bauteil für die blau-grüne Zukunft des Ruhrgebiets gewesen. Zur positiven Gestaltung des Strukturwandels zählen auch viele weitere Projekte links und rechts der Emscher. Unter dem Motto „Faszination.Transformation.“ blickt die Emschergenossenschaft auf 55 Leuchtturmprojekte, welche die Emscher-Region in den vergangenen 30 Jahren nachhaltig geprägt haben.

    Den Auftakt der dazugehörigen Wanderausstellung bildete die Eröffnung am 8. Juni 2021 im Landtag NRW. Aktuell geht die Ausstellung „auf Tour“ durch die Emscher-Kommunen. Zusätzlich wird sie als Dauerausstellung auf den vier Emscher-Höfen – dem Emscher-Quellhof in Holzwickede, dem Hof Emscher-Auen in Castrop-Rauxel/Dortmund, im BernePark in Bottrop und an der Emscher-Mündung in Dinslaken – für alle zugänglich gemacht.

    Faszination.Transformation.

    Faszination.Transformation. ist ein Bestandteil der Kooperation „Gemeinsam für das Neue Emschertal“ zwischen der Emschergenossenschaft, dem Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung NRW, den 15 Emscher-Kommunen und den drei beteiligten Landkreisen.

    Industriedenkmal Kokerei Hansa

    Die Kokerei Hansa entstand in den Jahren 1927/28 und war eine von 17 Großkokereien im Ruhrgebiet. Nach einer 64-jährigen Betriebszeit erfolgte 1992 die Stilllegung der Anlage. Seit 1997 ist die Kokerei ein Standort der Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur. Erhalten geblieben sind im Wesentlichen die sachlich-funktional gestalteten Bauten sowie die technischen Anlagen der 1920er Jahre; sie ermöglichen Einblicke in den Ablauf der Produktion und in die Arbeitsbedingungen jener Zeit.

    Weitere Informationen unter http://www.industriedenkmal-stiftung.de

    Kokerei Hansa
    Emscherallee 11
    44369 Dortmund

    Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 10 bis 16 Uhr

    Die Emschergenossenschaft

    Die Emschergenossenschaft ist ein öffentlich-rechtliches Wasserwirtschaftsunternehmen, das als Leitidee des eigenen Handelns das Genossenschaftsprinzip lebt. Sie wurde 1899 als erste Organisation dieser Art in Deutschland gegründet und kümmert sich seitdem unter anderem um die Unterhaltung der Emscher, um die Abwasserentsorgung und -reinigung sowie um den Hochwasserschutz. http://www.eglv.de

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