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„Kein Schlussstrich“: Bündnis in Dortmund fordert eine weitere Aufarbeitung auch nach Ende des NSU-Prozesses

VertreterInnen des Bündnisses „Kein Schlussstrich“ präsentieren ihre Pläne: Ekincan Genc, Eyüp Albay, Iris Bernert-Leushacke, Fadime Düzgün, Zalcye Dogan und Abbas Dogan. Foto: Karsten Wickern

Von Karsten Wickern

Nach mehr als fünf Jahren mit 437 Verhandlungstagen im  Prozess gegen den sogenannten Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) wird für Mittwoch das Urteil der Richter am Oberlandesgericht München erwartet. Ein breites Bündnis zeigt sich aber nicht zufrieden mit der bisherigen Aufklärung und fordert mit ihrer Aktion „Kein Schlussstrich“ eine Fortsetzung der Aufarbeitung. 

Mehmet Kubaşik wurde vom NSU in seinem Kiosk in der Nordstadt getötet

Am 4. April 2006 wurde Mehmet Kubaşik in seinem Kiosk in der Mallinckrodtstraße ermordet. Archivfoto: Alex Völkel

Dabei wird es in den Städten der NSU-Morde und vor dem Gericht in München Demonstrationen geben.  Auch Dortmund hatte ein Opfer der rechtsterroristischen Gruppe zu beklagen. Der Dortmunder Mehmet Kubaşik wurde am 4. April 2006 von den Tätern in seinem eigenen Kiosk in der Dortmunder Nordstadt erschossen. 

Dementsprechend haben sich auch in Dortmund Verbände zusammen geschlossen, um an dem Tag der Urteils- Bekanntgabe auf die Straße zu gehen. Als das Bündnis „Kein Schlussstrich Dortmund“  rufen sie dazu für Mittwoch, 11. Juli 2018, um 19 Uhr zu einer überparteilichen Demonstration vor der Dortmunder Reinoldikirche auf.  

Nach einer Kundgebung setzt sich von dort aus ein Demozug in Richtung des Mahnmals für die ermordeten Opfer an der Steinstraße in Bewegung. Das Bündnis rechnet dabei mit über 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmern.

„Bühne für die Menschenrechte“ führt Teile der „NSU-Monologe“ auf

Im Rahmen der Kundgebung vor der Reinoldikirche wird das Theater „Bühne für die Menschenrechte“ Teile ihres Theaterstücks „Die NSU-Monologe“ aufführen. In dem dokumentarischen, wortgetreuen Theater erzählt von den Problemen welche den Hinterbliebenen der Opfer auf dem Weg zur Wahrheit begegnen.

Nach dieser langen Prozesszeit ist die Aufklärung der NSU-Morde nach Ansicht der Bündnis-Mitglieder noch nicht so weit fortgeschritten, wie es den Hinterbliebenen zu Anfang des Prozess versprochen wurde.

„Es kann jetzt keinen Schlussstrich geben, denn es sind noch so viele Sachverhalte ungeklärt“, betont die Anmelderin der Demonstration, Iris Bernert-Leushacke. Auch die Verstrickungen der Behörden in dem NSU-Komplex sei weiterhin völlig ungeklärt. 

AntifaschistInnen sorge sich vor rechtsterroristischen Anschlägen auch in Dortmund

Gedenken am Todestag von Mehmet Kubaşik  an der Mallinckrodtstraße. Foto: Klaus Hartmann

Auch aktuell gibt es noch extremistische Neonazi-Gruppierungen in Dortmund, Marie Kemper vom Dortmunder Bündnis „Kein Schlussstrich“ sieht in solchen Gruppen die Gefahr für weitere rechtsterroristische Anschläge. 

Kemper kritisiert, dass es keine Ermittlungen gegen lokale Unterstützer gegeben habe. Statt dessen seien Hinterbliebene rassistische verleumdet und als kriminelle dargestellt worden.

Auch heute hätten Personen mit Migrationshintergrund weiterhin stark mit Rassismus zu kämpfen, weshalb es wichtig sei, die rechtsextremen Strukturen weiter aufzuklären, meint Ekincan Genc von der Föderation Demokratischer Arbeitervereine e.V. (DIDF) Dortmund, welche auch Teil des Bündnisses sind.

DortmunderInnen wollen sich an Aktionen am Gerichtsstandort München beteiligen

Auch in München wollen AktivistInnen aus Dortmund an Aktionen teilnehmen. Foto: Karsten Wickern

Die DIDF Dortmund hat einen Reisebus gechartert, mit welchen sich ein 60-köpfige Gruppe aus Dortmund, Bochum und Essen am Mittwochmorgen auf den Weg zu dem Gerichtsstandort München begeben werden, um sich dort an den Aktionen zu beteiligen. 

Interessierte könnten sich bei der DIDF in Dortmund melden. Es könne aber aufgrund der begrenzten Kapazität nicht garantiert werden, dass alle Interessierten mitfahren könnten, so Genc.

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