Nordstadtblogger

„Jetzt sind wir Superspreader für gute Informationen“: Schüler*innen im Gespräch mit der Wissenschaft

Professor Matthias Schneider von der TU Dortmund beantwortete Fragen der Schüler*innen rund um die Corona-Pandemie. Ein Schwerpunkt der Diskussion lag auf dem Thema Impfungen. Fotos: Leopold Achilles

Sechs Schüler*innen trafen im Forum der Anne-Frank-Gesamtschule in einer Fragerunde zum Thema „Covid-19 und was man dagegen tun kann“ auf Professor Matthias Schneider von der TU-Dortmund. 36 Klassen der Schule waren live dabei, denn es gab eine zeitgleiche Videoübertragung in die Unterrichtsräume. Den Erfolg der Veranstaltung spiegelt die spontane Äußerung einer Schülerin wider: „Jetzt sind wir Superspreader, für gute Informationen“.

Prof. Matthias Schneider: „Ihr seid die eigentlichen Helden der Pandemie…“

„Ihr Schüler*innen seid die eigentlichen Helden der Pandemie, denn ihr seid am wenigsten gefährdet, schwer zu erkranken aber ihr habt am meisten zurückstecken müssen.“ Mit dieser respektvollen Bemerkung eröffnete Covid-Forscher Prof. Matthias Schneider eine Fragerunde mit Schüler*innen aus dem 6. Jahrgang. 

Die Schüler*innen hatten sich intensiv auf die Veranstaltung vorbereitet.

Bestens darauf vorbereitet hatten sich Samra, Ali-Haydar und Aiša. Gemeinsam mit ihren Mitschüler*innen hatten sie Fragen gesammelt, die sie dem Wissenschaftler stellen wollten:

Schützt die Impfung auch gegen die Delta-Variante? Warum werden Kinder nicht geimpft bzw. wann werden sie geimpft und – welche Risiken gibt es dabei? Warum müssen immer noch Masken getragen werden? Warum ist eigentlich so schnell ein Impfstoff gefunden worden und bei anderen Krankheiten wie Krebs und Aids gibt es immer noch keinen? 

Mit diesen und weiteren Fragen verlangten sie dem Mit-Initiator der No-Covid Strategie einiges ab. Doch er verstand es, altersgerecht und verständlich zu erklären, war bereit, auf jede kritische Nachfrage einzugehen und untermauerte seine Standpunkte, wie es sich für einen Universitätsprofessor gehört, stets mit Belegen aus wissenschaftlichen Untersuchungen.

Du musst das Risiko des Impfens mit dem Risiko der Erkrankung vergleichen

Die Veranstaltung wurde aufgezeichnet und steht online zur Verfügung.

Diesen fühlten in einer zweiten Fragerunde Maryam, Jamal und Sami aus dem 10. Jahrgang so richtig auf den Zahn. Sie informierten sich eingehend über die Risiken einer Impfung. Diese leugnete der Experte für medizinische und biologische Physik keineswegs. Aber er ordnete sie mit klaren Worten in den richtigen Zusammenhang ein: 

„Wenn du die Risiken des Impfens gegenüberstellst mit dem Risiko nicht geimpft zu sein, dann besch… du dich selbst ­­­­– Wer nicht geimpft ist, wird mit größter Wahrscheinlichkeit früher oder später an Covid-19 erkranken. Deshalb musst du das Risiko des Impfens mit dem Risiko der Erkrankung vergleichen.“ 

Und das sehe dann so aus, dass bei Jugendlichen das Risiko von Langzeitfolgen der Erkrankung 10.000-mal höher ist als das von schweren Nebenwirkungen der Impfung. Die gebe es zweifelsohne, wie etwa die seltenen Herzmuskelentzündungen, die besonders bei Jungen aufgetreten seien. Sie seien aber weitaus kalkulierbarer als die Folgen schwerer Krankheitsverläufe.

Schluss mit Impf-Mythen: Schüler*innen wollen Zweifler*innen überzeugen

Professor Schneider nahm sich die Zeit, auch kritische Fragen ausführlich und unmissverständlich zu beantworten.

Das leuchtete Jamal schließlich ein. Immer wieder hatte er kritisch nachgefragt und nicht lockergelassen. Nach der engagiert geführten Diskussion räumte er ein, dass es für ihn schon lange klar sei, dass Impfen die richtige Entscheidung sei, „aber ich möchte auch alle überzeugen, die noch anders denken und das sind an unserer Schule mindestens ein Drittel aller.“ 

Hier liegt er klar auf einer Linie mit dem Professor, denn auch der will niemanden zwingen, aber alle überzeugen und das mit guten Argumenten.

Deshalb ging er auch mit dem sich hartnäckig haltenden Mythos, dass die Impfung eine negative Auswirkung auf die Fruchtbarkeit habe, sachlich um. Ja, das habe einmal ein Wissenschaftler in den Raum gestellt, aber ohne dafür einen Beleg zu liefern. Deshalb habe er es auch nur einmal behauptet und kein zweiter Wissenschaftler habe ernsthafte Hinweise darauf finden können.

Wichtige Wissensvermittlung, die in Zukunft fortgesetzt werden soll

Schulleiter Bernd Bruns hofft auf weitere Veranstaltungen dieser Art.

Schulleiter Bernd Bruns war nach 90 kurzweiligen Minuten voll des Lobes für alle Beteiligten und mit Recht stolz auf seine Schülerschaft, die so sachlich und gut vorbereitet aufgetreten sei. Zudem habe sein Team die Veranstaltung reibungslos in technischer und organisatorischer Hinsicht auf die Bühne bzw. in den YouTube Kanal gebracht. Die gesamte Veranstaltung ist weiterhin online abrufbar (siehe Anhang des Artikels)–hier gibt es auch Antworten auf die oben genannten und viele weitere Fragen. 

„Kommunikation war von Anfang an ein großes Problem in dieser Pandemie. Heute haben wir einen wichtigen Schritt getan, dies zu ändern“, so das Fazit der Beteiligten. „Anders als in den unzähligen Fernsehsendungen, in denen kaum Argumente ausgetauscht wurden und gegenseitige Beschimpfungen das Gespräch dominierten, wurde heute Wissen vermittelt, das uns hilft, auch mit der nächsten Infektionslage besser umgehen zu können“, resümierte Bernd Bruns und fügte hinzu: „Das ist hoffentlich der Kick-Off für eine weitere Zusammenarbeit“. 

Der sieht nun auch der Physikprofessor mit Freude entgegen. Denn auch im Rahmen der „Kinder-Uni“ trifft er als Wissenschaftler in engagierter Weise auf den akademischen Nachwuchs. Zustande gekommen war die Zusammenkunft, weil Matthias Schneider über das Quartiersmanagement Nordstadt Unterstützung für die Bewohnerschaft des Stadtteils angeboten hatte, der überdurchschnittlich stark von der Infektionslage betroffen ist. Daraufhin vermittelte es den Kontakt zur Schule und wirkte an der Konzeption der Veranstaltung mit.

 

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Dem Virus einen Schritt voraus: KinderUni der TU Dortmund beantwortet mit Videos Fragen rund um die Corona-Pandemie

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