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„Heimat Dortmund“ thematisiert das Ende des Ersten Weltkrieges: „….schließe beim Schreiben mit stillen Grüßen“

Stellten die neueste Ausgabe von „Heimat Dortmund“ vor: Die Archivare Felix Bergmann und Dr. Andrea Zupancic sowie Stadtarchiv-Leiter Dr. Stefan Mühlhofer. Foto: Joachim vom Brocke

Von Joachim vom Brocke

„….schließe mein Schreiben mit stillen Grüßen“ ist die Titelgeschichte des neuen Heftes „Heimat Dortmund“ überschrieben. Zentrales Thema ist das Ende des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren. In neun Beiträgen kommen Kriegsteilnehmer zu Wort, junge Soldaten, deren Briefe überliefert sind, die aber auch in eindrücklichen Fotos von der Front berichten. „Viele Bilder“, erklärte Dr. Andrea Zupancic, Leiterin des Bild- und Medienarchivs im Dortmunder Stadtarchiv bei der Vorstellung des 56-seitigen Heftes, „sind zum ersten Mal veröffentlicht worden“. Herausgegeben wird „Heimat Dortmund“ vom Historischen Verein für Dortmund und die Grafschaft Mark unter Mitwirkung des Stadtarchivs.

Das Stadtarchiv Dortmund ist eine Fundgrube mit Bildern und Texten

„Vor fünf Jahren, als das Thema Ende des Ersten Weltkrieges anstand“, so erinnert sich Dr. Stefan Mühlhofer, Geschäftsführer des Historischen Vereins und Leiter des Stadtarchivs, „glaubten wir zunächst, nicht genügend Material zu haben“.

Doch als die Sachbearbeiter und Autoren sich tiefer mit dem Thema beschäftigten, kam dennoch eine große Fundgrube zu Tage. „Als ganz besonders ergiebig“, sagte Dr. Andrea Zupancic, habe sich das DRK-Archiv erwiesen. Ebenso Schulchroniken gaben Kenntnis darüber, „wie es an der Heimatfront zu ging“.

Das Stadtarchiv bewahrt zahlreiche Dokumente, die von den Ereignissen der Kriegsjahre berichten. Dazu zählen schriftliche Überlieferungen wie die Akten und Briefwechsel der Dortmunder Kreisstelle des Roten Kreuzes, aber auch zahlreiche Fotos und Zeichnungen gelangten auf teils verschlungenen Wegen ins Stadtarchiv. Sie wurden von Soldaten gefertigt, die die Front aus eigener Anschauung kannten.

Karl Sustersic aus Mengede zeichnete Karten – Wilhelm Bohe fotografierte an der Ostfront

Die „Heimat Dortmund“ thematisiert den vor 100 Jahren zu Ende gegangenen Ersten Weltkrieg.

Für zeitgeschichtliche Dokumente besonderer Art sorgte zum Beispiel der damals 20-jährige Karl Sustersic aus Mengede von seinen Fronterlebnissen. Als verschiedenen Lazarettaufenthalten schickte er amüsante Karikaturen nach Hause – oft waren es Selbstporträts (auf dem Titelbild zu sehen).

Eines zeigt ihn selbst auf der Jagd nach Wanzen im Krankenbett. Heitere Nachrichten, die die Eltern beruhigen sollten. Doch in seinen Briefen klingen auch Furcht und die Sehnsucht nach Hause mit, wie Autor Hannes Tutschku in seinem Beitrag verdeutlicht. Schwer verletzt kam Karl Sustersic zurück in seine Dortmunder Heimat.

Der bei der Garde-Reserve-Jägern eingesetzte Wilhelm Bohe fotografierte an der Ostfront. Seine Bilder eichen das Leben zwischen Schlachtfeld und dem Alltag in der verschneiten Baracke, vom „Heldenfriedhof“ der gefallenen Kameraden bis zur Latrine.

Nur Beschriftungen auf den Rückseiten der Fotos geben spärliche Informationen zu den Bildmotiven. Mit ihm und seinen Fotografien hat sich Stadtarchiv-Mitarbeiter Felix Bergmann beschäftigt.

Rotes Kreuz sammelte viele Zeugnisse

Aus dem Bestand der Dortmunder Kreisstelle des Roten Kreuzes stammen zahlreiche schriftliche Zeugnisse, die die Lebenswirklichkeit der Soldaten erahnen lassen. Bittbriefe von Soldaten werden in den Akten abgelegt und bis heute aufbewahrt. Die Feldpostbriefe kommen anfangs von der Front, später immer häufiger aus der Gefangenschaft. Die Angehörigen zu Hause werden um Zeitungen, Hygieneartikel, eine Uhr oder um Musikinstrumente gebeten.

Frauen engagierten sich im Vaterländischen Frauenverein

Im Bestand des Roten Kreuzes befinden sich zahlreiche Fotos, die die Hilfstätigkeiten an der „Heimatfront“ zeigen. Vor allem Frauen engagieren sich im „Vaterländischen Frauenverein“ für verletzte Soldaten. Die Bahnhöfe sind ein zentraler Ort ihrer Hilfstätigkeiten, so beschreibt es Stadtarchiv-Mitarbeiterin Dr. Andrea Zupancic in ihrem Beitrag.

Der Vaterländische Frauenverein war es, der um Spenden für die Truppen und später für die Kriegsgefangenen warben. Darüber berichten Schulchroniken. Chroniken der Schulen in Syburg, Derne und Mengede waren offizielle Dokumente in denen die persönliche Haltung ihrer Verfasser höchstens zwischen den Zeilen mitklingt.

Rüdiger Wulff, ehemaliger Leiter des Westfälischen Schulmuseums, wertete diese Quellen für seinen Beitrag aus. In weiteren Artikeln beschäftigt sich der Historiker Rolf Fischer mit der Kriegsteilnahme jüdischer Soldaten und Klaus Winter schreibt über das Gefallenengedenken der Dortmunder Reinoldi-Gemeinde mittels eines Gedenkbuchs.

Mehr Informationen:

  • Das aktuelle Heft von „Heimat Dortmund“ thematisiert den  vor 100 Jahren zu Ende gegangenen Ersten Weltkrieg.
  • Es ist ab sofort in allen Buchhandlungen sowie im Stadtarchiv Dortmund für fünf Euro zu haben.
  • Es hat einen Umfang von 56 Seiten mit rund 100 zum Teil farbigen Abbildungen.

 

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