Der Verband Haus & Grund kritisiert hohe Kosten – die EDG verweist auf zusätzliche Leistungen

Die Müllgebühren in Dortmund sind im bundesweiten Vergleich hoch

Müllabfuhr in Dortmund
Die Müllgebühren in Dortmund gehören laut Haus & Grund zu den höchsten in ganz Deutschland. Foto: EDG Entsorgung Dortmund GmbH

Die Müllgebühren gehören in Dortmund laut einem aktuellen Ranking zu den höchsten in ganz Deutschland. Der Eigentümerverband Haus & Grund sieht darin ein Zeichen für eine immer größere Belastung von Eigentümer:innen und Mieter:innen und fordert mehr Transparenz, sowie eine Anpassung des Serviceangebots. Die Entsorgung Dortmund GmbH (EDG) weist diese Kritik jedoch zurück. Der Vergleich sei wenig aussagekräftig, zudem finanzier die Müllgebühr zahlreiche weitere Leistungen mit.

Dortmund fällt im Gebührenranking von Haus & Grund weiter zurück

Startpunkt der Debatte ist das Müllgebührenranking von 2026 der IW Consult GmbH. Die Studie wurde im Auftrag von Haus & Grund Deutschland erstellt und vergleicht die Müllgebühren in den 100 größten Städten und Kommunen Deutschlands.

Dr. Thomas Bach bei Ansprache
Dr. Thomas Bach von Haus & Grund Dortmund kritisiert die Entwicklung der Entsorgungskosten. Foto: Stephan Schuetze

In diesem Ranking landet Dortmund nur auf Platz 95. Mit Blick auf vergangene Untersuchungen ist das eine weitere sichtbare Verschlechterung. Bereits 2016 lag Dortmund auf Platz 83, 2019 auf Platz 88 und 2022 auf Platz 85. „Seit Jahren kennt dieser Trend nur eine Richtung – und zwar die falsche“, erklärt Dr. Thomas Bach, der Hauptgeschäftsführer von Haus & Grund in Dortmund.

Besonders kritisch bewertet Haus & Grund die Kosten für den 14-tägigen Vollservice der Müllentsorgung. So würden für eine vierköpfige Musterfamilie in Dortmund laut der Studie 535,80 Euro pro Jahr fällig. Unter den 53 Städten, die dieses Angebot anbieten, sei das der höchste Wert untersuchte Wert.

Kosten sind spürbar gestiegen: Haus & Grund sieht Handlungsbedarf

Für Haus & Grund sind die hohen Gebühren auch das Ergebnis politischer Entscheidungen. Der Verband verweist dabei auf die Dortmunder Abfallsatzung. Diese sieht ein festgeschriebenes Restmüllvolumen von 30 Litern pro Person und Woche vor.

Eine gelbe Wertstofftonne
Das festgeschriebene Restmüllvolumen beträgt 30 Liter. Foto: EDG Entsorgung Dortmund GmbH

Die Studie geht dagegen von einem Volumen von 15 Litern pro Person aus. Nach Darstellung von Haus & Grund müssen deshalb viele Haushalte für ein größeres Volumen bezahlen, als sie tatsächlich benötigen. Zwar seien geringere Behältergrößen möglich, dafür müssten jedoch verschiedene Voraussetzungen erfüllt und entsprechende Anträge gestellt werden.

Zugleich verweist der Verband auf zusätzliche Kostenpunkte. So seien die Müllgebühren zum Jahr 2026 um 5,8 Prozent gestiegen. Auch die Abwassergebühren seien um rund 6,9 Prozent spürbar erhöht worden. Zusammen mit einem Grundsteuer-Hebesatz von mittlerweile rund 800 Prozent führe dies zu einer steigenden Belastung der Wohnkosten.

Gebühr ist nicht Gebühr: EDG hält Vergleiche für wenig aussagekräftig

Die EDG weist diese Kritik dagegen deutlich zurück. Dabei stellt das Unternehmen vor allem die Vergleichbarkeit des Rankings innerhalb der Studie infrage.

Bei Bedarf kümmert sich die EDG auch um die Entsorgung von überschüssigem Laub. Foto: Frauke Schumann für die EDG Dortmund

Nach Angaben der EDG unterscheiden sich die Gebührenstrukturen der Kommunen erheblich. In vielen Städten würden unterschiedliche Leistungen über die Müllgebühren finanziert. Deshalb würde sich die Höhe der Gebühren nicht ohne Weiteres miteinander vergleichen lassen.

Hinzu komme, dass Städte mit sehr unterschiedlichen Rahmenbedingungen einander gegenübergestellt werden. Ein Vergleich zwischen Dortmund mit seinen rund 612.000 Einwohner:innen und deutlich kleineren Städten sei daher nur eingeschränkt aussagekräftig.

Hohe Restmüllgebühren finanzieren weitere Angebote mit

Darüber hinaus umfasst die Dortmunder Restmüllgebühr nach Darstellung der EDG mehr als nur die Leerung der Mülltonnen. Über die Gebühr würden auch weitere Leistungen mitfinanziert und indirekt subventioniert.

Ein Weihnachtsbaum wird in den Müllwagen geladen
Wie in jedem Jahr holt die EDG auch in 2026 die ausgedienten Weihnachtsbäume ab Foto: EDG Dortmund GmbH

Als Beispiel nennt das Unternehmen die Recyclinghöfe. Dort zahlen Bürger:innen für die Abgabe von Sperrmüll vergleichsweise geringe Gebühren. Die tatsächlichen Entsorgungskosten lägen jedoch deutlich höher. Die Differenz werde über andere Bereiche mitgetragen.

Auch die jährliche Weihnachtsbaumsammlung wird nach Angaben der EDG über die Abfallgebühren finanziert. Hinzu kämen weitere Angebote, die Bürger:innen ohne zusätzliche Kosten nutzen könnten. Solche vergleichbaren Leistungen würden in anderen Kommunen teilweise gesondert berechnet.

Stadt ist gefordert: „Wir wollen Dortmund nicht an den Pranger stellen“

„Wir wollen Dortmund nicht an den Pranger stellen. Unser Ziel ist vielmehr, dass die Stadt die Ursachen der hohen Gebühren offenlegt. Gleichzeitig sollten die Dortmunderinnen und Dortmunder eine Servicequalität erhalten, die mit anderen Städten vergleichbar ist – zu ebenso fairen Preisen.“ Erklärt Bach mit Blick auf die steigenden Kosten.

Aus diesem Grund sei die Stadt gefordert, die Kostentreiber bei der Müllentsorgung transparent zu veröffentlichen. Darüber hinaus schlägt der Verband vor, das vorgeschriebene Mindestvolumen für die Müllentsorgung zu senken und den Kund:innen eine größere Wahlfreiheit bei den verfügbaren Serviceleistungen zu ermöglichen.


Anm.d.Red.: Haben Sie bis zum Ende gelesen? Nur zur Info: Die Nordstadtblogger arbeiten ehrenamtlich. Wir machen das gern, aber wir freuen uns auch über Unterstützung!

Unterstütze uns auf Steady

 

Reaktion schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert